Profilbild von lFrozenIcel

lFrozenIcel

Lesejury Profi
offline

lFrozenIcel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lFrozenIcel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2025

Hinterlässt Spuren

Um jeden Preis
0

Eine Nachkriegsgeschichte der ganz anderen Art.

Hin und wieder packt mich die Lust nach einer historischen Geschichte. Wahr muss sie sein, nahbar, ich möchte mich hineinversetzen können. (Nach)kriegsgeschichten ...

Eine Nachkriegsgeschichte der ganz anderen Art.

Hin und wieder packt mich die Lust nach einer historischen Geschichte. Wahr muss sie sein, nahbar, ich möchte mich hineinversetzen können. (Nach)kriegsgeschichten gibt es da zu Hauf, doch eine Person, die von ihrer Zeit in Sibirien erzählt? Das war neu für mich.

Der Inhalt dieses immerhin 92-jährigen Lebens ist schockierend, sowie mutmachend zur selben Zeit. Protagonistin Lydia glaubt, dass sie nach Hause kommt - nach Odessa, am Schwarzmeer - denn der Krieg ist vorbei. Doch unter einem Vorwand wird die damals 16-jährige mit ihrer Familie nach Sibirien gekarrt. Nicht für lange... So wird ihnen gesagt. Am Ende sollen es 11 Jahre werden. 11 Jahre voller Elend. Für über 10h harter Arbeit gab es eine Handvoll Getreide. Der 10qm große Wohnraum wird mit über 30 Leuten geteilt. Krankheiten sind kaum Einhalt zu gebieten. Die Temperatur bis minus 30 Grad. Als gesunde Frau im kräftigsten Alter muss Lydia in der Familie am härtesten mit anpacken. In der eisigen Kälte läuft sie kilometerweit zur Zwangsarbeit, hantiert mit Wasser, welches beim Schöpfen gefriert, baut Ställe und einen Brunnen und kümmert sich eigenhändig um schwerste Veterinärpflege. Hinzu kommt der Ballast einer erzwungenen Ehe, die sie mit permanenter Schwangerschaft während der Gefangenschaft beschenkt.
In vollster Ehrfurcht habe ich die Seiten rasend schnell umgeblättert, musste teilweise innehalten, um gelesenes zu verarbeiten. Um die 28 lange Jahre soll es dauern, bis Lydia wieder in dem Land ihrer Vorfahren stehen darf: Deutschland. Wie viel kann ein Mensch ertragen? Wie viel Kraft kann einem der Glauben, die Familie und ein schlichtes Mantra bieten?

Der Schreibstil selbst ist eher schlicht gehalten. Bei so viel Input kann nicht auf jedes Thema tiefgründig eingegangen werden. Das macht die Geschichte flüssig, einigen könnte jedoch was fehlen.

Diese Geschichte ist ein Zeugnis der Vergangenheit und sollte möglichst viele Menschen erreichen. Die Sicht auf die eigenen Privilegien wird sich drastisch ändern. Wenn dieses Buch einen nicht zum Umdenken nötigt, dann weiß ich nicht, welches es sonst tut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.04.2025

Absolutes Highlight - emotional geladen

Verheiratete Frauen
0

Campos' verheiratete Frauen überraschten mich auf mehreren Ebenen.
Mit außerordentlich langen Kapiteln, aber vielen kurzen Abschnitten lernt der Leser drei – nein, eigentlich vier – verheiratete Frauen ...

Campos' verheiratete Frauen überraschten mich auf mehreren Ebenen.
Mit außerordentlich langen Kapiteln, aber vielen kurzen Abschnitten lernt der Leser drei – nein, eigentlich vier – verheiratete Frauen kennen, die alle Gefangene ihrer Geschichte sind und ihre Ehe reflektieren. Wobei Reflexion nicht das richtige Wort ist. Es ist die Art, wie die Frauen in ihrem Schmerz reagieren. Ein Schmerz, gezogen aus unglücklichen Entscheidungen.
Gabriela steht von allen Frauen im Mittelpunkt. Sie geht eine Affäre mit einem Mann ein, der ihr seit zehn Jahren immer wieder auffällt und der letzten Endes sie reinreißt. Dementsprechend hält das Buch viele erotische Szenen parat, die teilweise wichtig sind, um das Innenleben der Protagonistin zu verstehen, teilweise nur Lesevergnügen sind. Cósima ist gefangen in den Mustern der Reichen und muss sich beugen, während Silvia lesbisch ist, sich aber nicht einmal vor sich selbst outen kann.
Und so gehen alle drei Frauen durch dick und dünn, während jede ihre eigenen Probleme lösen muss. Dies geschieht mit einer unglaublichen Intensität. Campos rollt so unglaublich wichtige Themen der Gesellschaft so emotional geladen auf. Es geht um Kinderwunsch, Endometriose, Gleichberechtigung, Übergriffigkeit, den Respekt für Entscheidungen. Zwischendurch dachte ich: Dieses Buch, das sollte der Männerwelt gehören. Um Frauen besser verstehen zu können, wäre dieses Buch doch ideal. Doch am Ende die Einsicht, dass Männer anders ticken und der männlichen Perspektive – die ebenfalls viel Raum bekommt – sicherlich eher zustimmen würden, ohne die Frauen des Romans und somit die Frauen des realen Lebens zu verstehen. Dieser Roman fasst die Gefühlswelt und das Denken einer Frau in ein paar wenige Seiten.
Am Anfang stand die Wut. Wut auf viele empathielose Männer, die Entscheidungen der Frau nicht respektieren, selbst aber ständig im Ego verletzt sind. Am Ende bleiben die Tränen. Tränen, weil so viele Frauen jeden Tag kapitulieren und ihr Glück hintanstellen.
Ein blitzgescheiter, gut recherchierter Roman, den ich ohne Vorbehalt jederzeit weiterempfehlen würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2025

Mehr als eine Liebesgeschichte

Die Tage nach dem Pflaumenregen
1

Zusammen mit den Protagonisten Suchi und Haiwen begibt sich der Leser nicht nur auf eine gefühlvolle, romantische Reise, sondern auch durch die Leiden des japanisch-chinesischen Krieges. Dabei handelt ...

Zusammen mit den Protagonisten Suchi und Haiwen begibt sich der Leser nicht nur auf eine gefühlvolle, romantische Reise, sondern auch durch die Leiden des japanisch-chinesischen Krieges. Dabei handelt es nur am Rande um das Kriegsgeschehen selbst, es schwebt immer in der Luft.

Während Haiwen in der Armee ist, begleiten wir einen Großteil von Suchis Leben, welches mit einigen Rückschlägen verbunden ist. Normalerweise bin ich gegenüber schweren Schicksalen hart gesotten, doch bei Suchi ertappte ich mich, wie es mich emotional sehr mitnahm. Dabei gab es keine expliziten Beschreibungen. Diese Gefühle wurden einzig durch den tollen ruhigen, aber eindringlichen Schreibstil ausgelöst.

Die Trennung verarbeiten beide auf unterschiedliche Art und als sie sich durch Zufall wiedersehen sind sie beide noch die Personen von damals und gleichzeitig ganz anders. Geprägt durch Situationen, die sie eigentlich gemeinsam hätten durchstehen sollen.
Mir gefiel, wie Chen die gesellschaftliche Strukturen Shanghais darstellt und die politischen Verbindungen zwischen Shanghai, Hongkong und Japan. Wie unterschiedlich die chinesisch sprechenden Regionen doch leben und denken, fällt in diesem Buch sehr zu Gewicht. Ich liebte das Zusammenspiel aus harmonischer, friedlebiger Musik und dem gewaltsamen Fortschreiten der Zerstörung, im Namen der Befreiung. Nach zig Kriegsgeschichten über den 1. und 2. Weltkrieg war es eindrücklich, über die Vergangenheit anderer Länder und Nationen zu lesen. Über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Das Buch lebt von vielen Zeitsprüngen. Die Gegenwart, in der sich ein Annähern schwer darstellt. Die unvoreingenommene Kindheit, in der die zarte Liebe erblühte, sowie die Kriegsvergangenheit, in der die Protagonisten ihren Platz suchen und in Schicksale gepresst werden. Diese Einteilung war sehr gelungen und sorgte zu jeder Zeit für ein spannendes Fortschreiten der Geschichte.

Das Ende wartet dann etwas poetisch auf. Die Sicht wechselt und nimmt den Leser auf sanften Schwingen mit, beendet das Buch in einem taktvollen Ton. Klare Empfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2025

Wird immer besser

Dämonenmagie und ein Martini
0

Spoilerfrei

Was für eine Fortsetzung!
Protagonistin Tori, ein Mensch, landet durch Zufall in einer Magiergilde und erlebt dort jede Menge Abenteuer.

Auch Band 4 hält nicht zurück und jedes Mal bewundere ...

Spoilerfrei

Was für eine Fortsetzung!
Protagonistin Tori, ein Mensch, landet durch Zufall in einer Magiergilde und erlebt dort jede Menge Abenteuer.

Auch Band 4 hält nicht zurück und jedes Mal bewundere ich, wie die Autorin es noch ein wenig spannender, noch ein wenig mystischer werden lässt.

Wie üblich wird der Leser nach nur wenigen Seiten direkt in das Geschehen geworfen. Die Spannung lädt sich direkt auf und treibt einem in angemessenem Tempo durch das Buch, denn es gibt immer wieder Kapitel, in denen der Leser eine Pause zum Durchschnaufen bekommt, bevor es direkt weitergeht. Dabei habe ich mich schnell gefragt, wie ein Finale aussehen soll. In Sorge, dass sich dieselbe Situation bis zum Ende wiederholt und einfach nur intensiviert, doch dem war nicht so. Das Ende kam und ging mit einem Knall. Es gab eine durch und durch actiongeladene Szene, mit Verfolgungsjagden und viel Adrenalin.

Besonders gut gefällt mir, dass zwar jedes Buch einen eigenen Fall, ein eigenes Problem hat, aber sich ein roter Faden durchzieht, der immer mehr Fasern bekommt. Es wirkt, als gäbe es ein großes Geheimnis, welches dem Leser erst deutlich wird, je länger die Buchreihe andauert. Ich liebe es, jedes Mal neue Fertigkeiten, neue Wesen und neue Magie kennenzulernen. Neue Gesetze und mehr von der Welt.

Und natürlich darf Toris Humor nicht fehlen. Denn trotz der Spannung, bleibt immer ein bissiger, sarkastischer Humor, der die Spannung etwas auflockert und für Schmunzler sorgt, ohne Fehl am Platz zu wirken. Eine große Leistung!

Diese Reihe bleibt weiterhin eine klare Empfehlung und zeigt, aus meiner Sicht, keine Schwächen. Wer noch nicht damit angefangen hat, sollte es jetzt wohl tun.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.01.2025

Nordische Mythologie vom Feinsten

Lied des ungezähmten Eises - Zorn der Flammen
0

Ein Lesejahr mit einem Lesehighlight zu beenden ist die optimalste Form, um das Jahr zu verabschieden. Ich habe dieses Glück mit Yara Elisons "Das Lied des ungezähmten Eises" gefunden.
Schnell bemerkte ...

Ein Lesejahr mit einem Lesehighlight zu beenden ist die optimalste Form, um das Jahr zu verabschieden. Ich habe dieses Glück mit Yara Elisons "Das Lied des ungezähmten Eises" gefunden.
Schnell bemerkte ich, dass ich in einer gut durchdachten Welt gelangt bin, zu der es gar nicht viele Dörfer, Völker und Wesen brauchte. Es drehte sich alles um die paar ausgewählten Personen und Gruppen, die die Autorin erwählt hat und konzentrierte sich so auf das Wesentliche.
Es war einfach, diesem Buch bis zum Ende zu folgen, denn Elison macht es in jedem Kapitel spannend. Längen sind nicht vorhanden und jede Situation treibt die Geschichte vorwärts. Mit Spannung, mit Informationen, mit Legenden. Ein Mix aus purem, wilden nordischen Leben und mystischer Saga.
Ich gebe zu, zunächst musste ich mich etwas an die Namen gewöhnen, doch das lag nicht am Buch selbst. Natürlich wurden nordische Namen gewählt, welche das Bild authentischer machen, aber ungewohnt für meine deutsche Zunge sind. Aber kein Thema! Denn die wichtigsten Charaktere wurden zudem noch mit wunderschön herausgearbeiteten Charakterzeichnungen dargestellt. So konnte ich meiner Fantasie freien Lauf lassen.
Es gibt mehrere Handlungsstränge, die Elison gekonnt über die Seiten hinweg miteinander verknüpft. Die Autorin schont ihre Charaktere nicht. Es gibt Verwundungen, Blut und Schrecken, aber in keinem übertriebenen Maße. Alles hat die perfekte Dosierung bekommen.
Am meisten hüllten mich die Beschreibungen der Autorin ein. Sie holt viel aus der deutschen Sprache raus, wählt Wörter, die eine klare eigene Handschrift aufweisen. Es lädt zum Träumen ein. Es zeichnet ein klares Bild der Situationen und Gefühle und ist einfach malerisch.
Ich werde der Autorin treu bleiben, denn ich glaube, sie könnte mich mit jeder Geschichte verzaubern! Und noch eins: Diese Geschichte beinhaltet queere Charaktere und leider muss man noch immer betonen, dass dies kein Ausschlusskriterium für Verlage oder Buchhandlungen sein sollte! Lest, liebt und träumt. ♥

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere