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Veröffentlicht am 06.07.2025

Aus der Zauber

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Der Fall scheint klar: auf offener Bühne tötet der Zauberer seine hübsche Assistentin; fein säuberlich in der Mitte durchgesägt. Doch so einfach ist es mit diesem bühnenuntauglichen Todesfall nun doch ...

Der Fall scheint klar: auf offener Bühne tötet der Zauberer seine hübsche Assistentin; fein säuberlich in der Mitte durchgesägt. Doch so einfach ist es mit diesem bühnenuntauglichen Todesfall nun doch nicht, und so führt der Fall Leo immer tiefer in die Welt des Prater; ein kleines Stück Wien mit seinen ganz eigenen Gesetzen.

Die Pratermorde sind bereits der vierte Teil dieser Krimireihe, und auch dieses Mal wurde ich wieder sehr gut unterhalten. Man kann die Teile unabhängig lesen, empfehlen würde ich es aber nicht. Das Zusammenspiel zwischen Julia, Leo und Augustin holpert dieses Mal zu Beginn etwas, was natürlich auch an der Trennung des jungen Paares liegt. Gerade in der ersten Hälfte kommt für eine polizeiliche Ermittlung erstaunlich wenig Leo vor, finde ich. Auch vermisse ich die üblichen Auszüge aus Augustins Werken schmerzlich; immerhin schreibt er an einem neuen Buch, sodass es hier für den nächsten Band wieder Hoffnung gibt. Augustin wird in diesem Band noch vor ganz neue Herausforderungen gestellt, und die Art und Weise wie der etwas kauzige Ziehvater damit umgeht, macht ihn noch einmal liebenswerter. Die Figuren aus dieser Serie machen einfach Spaß, gerade auch weil sie Fehler machen dürfen. Auch der Schreibstil hat mir wieder sehr gut gefallen, das Wien kurz vor der Jahrhundertwende und v.a. die schreiend laute und bunte Welt des Prater kann man sich als Leser hervorragend vorstellen. Wie immer bleibt auch ein Blick auf die Schattenseiten nicht aus, Pötzsch findet hier ein gutes Mittelmaß. Der Fall ist wirklich sehr spannend gemacht, einige Überraschungen verstecken sich in den Seiten und gerade die Auflösung hatte ich so wirklich nicht erwartet. Insgesamt wieder ein runder Krimi, der nicht nur Fans historischer Romane auf eine spannende Wienreise mitnimmt.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Engine 99

Devil's Kitchen
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Andy heißt nicht wirklich Andy, und eine „echte“ Feuerwehrfrau ist sie auch nicht. Stattdessen arbeitet sie undercover, um eine Bande Feuerwehrleute zu überführen. Die legen Brände statt sie zu löschen, ...

Andy heißt nicht wirklich Andy, und eine „echte“ Feuerwehrfrau ist sie auch nicht. Stattdessen arbeitet sie undercover, um eine Bande Feuerwehrleute zu überführen. Die legen Brände statt sie zu löschen, und das sind noch ihre harmloseren Vergehen. Für Feuerwehrmann Ben wird die Lage schnell brandgefährlich, schließlich hat er Andy erst auf die Spur seiner Kollegen gebracht und droht jetzt jederzeit mit ihr aufzufliegen.
Helfer in der Not, die diese Not gnadenlos ausnutzen, ja sogar aktiv herbeiführen? Perfide. Und als Konzept für diesen Thriller wirklich toll ausgedacht. Fox nimmt uns mit in eine Welt, in der der Umgangston hart, die Einsätze lebensgefährlich und die Gier grenzenlos ist. Andy ist eine taffe Frau, die sich dieser Umgebung anpassen kann. Sie nimmt viel auf sich und hält einiges aus und das muss sie auch. Ben wirkt im Gegensatz dazu fast weich, auch wenn er es ebenfalls faustdick hinter den Ohren hat. Der Rest der Truppe wirkt wie ein Haufen zusammengewürfelter Psychopathen; fast ist man froh über das Nachwort, in dem die Autorin ausdrücklich darauf hinweist, dass ihr bei der Recherche niemand auch nur ansatzweise so Durchgeknalltes in einer Feuerwache begegnet ist. Aber man merkt als Leser schnell, dass in dieser Welt doch noch ein etwas altbackener und sehr männlicher Wind weht, ein teilweise toxisches Umfeld. Das Szenario ist sicherlich nicht superrealistisch, geht aber als Thriller gut auf. Fox erzählt in lockerem Stil, die Handlung ist durchweg spannend; jederzeit rechnet man damit, dass Andy und Ben auffliegen. Die Sprache ist derb und heftig, das passt hervorragend zur Handlung. Ab und an fand ich den Thriller dann etwas zu übertrieben, insgesamt hat mich Fox aber wieder überzeugt. Ein heftiger Thriller, der sich schnell wegliest und dabei wirklich gut unterhält.

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Veröffentlicht am 18.12.2024

Ein Stück walisischer Geschichte

Die Tochter der Drachenkrone
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Gwenllian ist gerade 14 Jahre alt, als ihr Vater, der Fürst von Südwales stirbt. Das ist nicht nur tragisch für sie als Tochter, sondern auch für ganz Wales, denn kriegerische Unruhen zwischen den Fürsten ...

Gwenllian ist gerade 14 Jahre alt, als ihr Vater, der Fürst von Südwales stirbt. Das ist nicht nur tragisch für sie als Tochter, sondern auch für ganz Wales, denn kriegerische Unruhen zwischen den Fürsten bestimmen sowieso schon den Alltag. Nun entbrennt nicht nur ein Streit um die Nachfolge unter Gwenllians Brüdern, sondern auch die Freincs wittern ihre Chance. Auf Ruhe und Frieden soll die Region noch lange warten müssen.
Die Tochter der Drachenkrone ist mein erstes Buch von Sabrina Qunaj, doch es wird nicht das letzte bleiben. Die Mischung aus Historie und Fiktion ist rund, der Stil lebendig und bildreich. Historische Hintergründe werden gut aufbereitet, sodass ich jetzt ein ganzes Stück schlauer bin was walisische Geschichte angeht. Ich bin der Autorin für Personenregister und Stammbäume dankbar, denn obwohl sie sich Mühe gibt, den großen Cast (mit den doch eher ungewohnten walisischen Namen) langsam einzuführen, gab es doch immer mal Verwirrung. Zum Glück lässt sich der erzählerische Faden aber immer wieder gut aufnehmen, der Roman liest sich locker und flüssig.
Gwenllian ist eine durchsetzungsstarke Frau, die einen sehr hellen Kopf hat und genau weiß, wann sie sich den Konventionen fügen muss oder wie sie etwas zu ihrem Vorteil nützen kann. Das klingt abgebrüht, ist es aber nicht, sondern einfach eine kluge Taktik um nicht völlig unterzugehen. Sie ist als Frau trotzdem erstaunlich oft inmitten des politischen Geschehens, nicht immer gelingt glaubhaft zu erklären warum. Um sie herum finden sich weitere historisch verbriefte Personen, denen man aber nicht ganz so nah kommt. Der Fokus liegt klar auf den Frauen und Gwenllian im Speziellen.
Der Roman erstreckt sich über knapp 20 Jahre, in denen Gwenllian einige Höhen und Tiefen erlebt. Ich bin ihr auf ihrem Weg leserisch sehr gerne gefolgt. Ein schöner historischer Schmöker!

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Brüder

Der König
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Acht Jahre sind vergangen seit Roy und Carl Opgard im norwegischen Os wieder als Brüder zusammenfanden. Sie haben sich etabliert, ein Wellnesshotel eröffnet, vielleicht auch den ein oder anderen Widersacher ...

Acht Jahre sind vergangen seit Roy und Carl Opgard im norwegischen Os wieder als Brüder zusammenfanden. Sie haben sich etabliert, ein Wellnesshotel eröffnet, vielleicht auch den ein oder anderen Widersacher aus dem Weg geräumt. Doch nun soll Os durch eine Umgehungsstraße ins Nichts verbannt werden; und das steht den Plänen der Brüder natürlich im Weg.
Mir war vom Vorgänger (Ihr Königreich) selbst nicht mehr allzu viel im Gedächtnis, deswegen denke ich schon, dass man diesen Krimi auch ohne Vorwissen lesen kann. Roy erzählt die Handlung, ihm kommt man dementsprechend am nächsten. Er hat sich etwas gemausert, doch immer noch scheint er auf die Dorfeinwohner etwas sonderbar zu wirken. Dazu kommt sicherlich die Tatsache, dass die Opgards und speziell er als der ältere Bruder immer noch unter Verdacht stehen mit dem Unfalltod ihrer Eltern etwas zu tun zu haben. Die ständige Beobachtung der Dorfpolizei nervt, doch Roy ist ein sehr kühler, kalkulierender Kopf, der auch in brenzligen Situationen die Nerven behält. Carl ist da nicht ganz anders, auch wenn er ebenfalls seine eigenen Vorteile auszuspielen weiß bzw. allerlei Kniffe kennt sich welche zu beschaffen. Die beiden arbeiten auf ähnliche Ziele hin, stehen dabei aber auch in Konkurrenz zueinander und haben eine wirklich komplizierte Geschwisterbeziehung. Dieses fragile Gleichgewicht droht jederzeit zu kippen, was allein schon sehr spannend zu lesen war. Nesbo erzählt ihre Geschichte gewohnt süffig, spannende Passagen lösen sich unerwartet mit schwarzem Humor ab, ja es bahnt sich sogar eine Liebesgeschichte an. Klingt erst mal nach Durcheinander, fügt sich aber erstaunlich gut zu einem wirklich lesenswerten Krimi, der mich auch mehr überzeugt hat als sein Vorgänger. Der König ist ein runder Krimi, der unterhält, mit sehr interessanten Charakteren und Beziehungen aufwartet und dabei mal wieder zeigt, dass Nesbo auch abseits von Hole wirklich gut schreiben kann.

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Veröffentlicht am 06.10.2024

Mysteriöse Machenschaften

Bis in alle Endlichkeit
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Privatdetektiv Lee Crowe soll den vermeintlichen Selbstmord einer jungen Millionenerbin untersuchen. Soweit so einfach, doch schnell wird klar, dass mehr hinter dem Tod von Claire Gravesend steckt. Lee ...

Privatdetektiv Lee Crowe soll den vermeintlichen Selbstmord einer jungen Millionenerbin untersuchen. Soweit so einfach, doch schnell wird klar, dass mehr hinter dem Tod von Claire Gravesend steckt. Lee findet sich unverhofft nicht nur auf der Spur von etwas ganz und gar Ungeheuerlichem, sondern schnell im Fadenkreuz seiner Widersacher wieder.

James Kestrel hat einen sehr spannenden Thriller abgeliefert, der mich wirklich gut unterhalten hat, auch wenn er für mich nicht ganz an seinen Erstling herankommt. Der Stil ist sehr angenehm zu lesen, gekonnt baut der Autor die Spannung auf; harte Szenen und temporeiche Wendungen kann er ebenso überzeugend wie wissenschaftliche Erläuterungen. Die Auflösung des Falls kam für mich wirklich völlig überraschend, lange wusste ich nicht worauf es hinauslaufen wird; Kestrels Erläuterungen dazu klingen fantastisch, aber absolut mach- und nachvollziehbar. Eine gruselige Vorstellung, ohne hier jetzt ins (spoilernde) Detail gehen zu wollen. Lee selbst hat mir gut gefallen, er ist vom Leben etwas gebeutelt, versucht hier aber immer das Richtige zu tun, die Mittel sind da auch schon mal zweitrangig. Ab und an blitzt die Verzweiflung durch, doch aufgeben würde er nie. Das mochte ich sehr an seiner Figur. Umso mehr freut es mich, dass der Autor im Nachwort durchblitzen lässt, dass es eventuell noch mehr Fälle mit ihm geben wird. Man darf gespannt bleiben.

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