Interessante Ansätze
Wendy, Darling – Dunkles NimmerlandHast du dich schon Mal gefragt, wie die Geschichte von Wendy und ihren Brüdern nach Nimmerland weitergeht? Mit einem „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ oder? A.C. Wise beschäftigt sich in „Wendy, ...
Hast du dich schon Mal gefragt, wie die Geschichte von Wendy und ihren Brüdern nach Nimmerland weitergeht? Mit einem „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ oder? A.C. Wise beschäftigt sich in „Wendy, Darling“ mit dieser Frage und ihre Antwort ist klar und deutlich: Nein.
In diesem Roman warten zwei Handlungsstränge auf den Leser. Wendys Vergangenheit nach ihrem Nimmerland-Abenteuer – in der Psychiatrie und ihrer Gegenwart, in der sie ihre Tochter Jane retten möchte, vor Nimmerland, vor Peter. In der weiterführenden Geschichte von A.C. Wise glauben die Menschen in Wendys Umgebung, dass sie Fantasie und Realität nicht auseinanderhalten kann. Nimmerland? Ein Hirngespinst von ihr. Doch sie findet Stärke in ihrer Wahrheit, bis sie letztendlich auch stark sein muss. Für ihre Tochter.
Für mich hatte „Wendy, Darling“ eine unterschwellige Spannung. Es gibt sehr wenige Dialoge, eher viele Gedanken und Beschreibungen. Die Geschichte spielt größtenteils im Kopf der Charaktere und doch konnte mich gerade der Stil hier abholen. Der Schreibstil war bildhaft, düster und qualitativ hochwertig.
Damit war ich dann auch neugierig auf die drei Hauptcharaktere: Wendy, Peter, Jane.
Ich mochte insbesondere die erwachsene Wendy richtig gerne. Trotz ihrem Alter ist sie abenteuerlustig, erklimmt Hügel, zieht ihre Schuhe aus, um den Sand zwischen ihren Zehen zu spüren oder möchte den Sebel durch die Luft sausen lassen. Ihre Perspektive weckt Lust, selbst ein Abenteuer zu bestreiten oder wie ein Kind Sandburgen zu bauen. Gleichzeitig versucht sie an ihren Erfahrungen zu wachsen und verantwortungsbewusst durchs Leben zu gehen.
Peter ist wiederum DAS Mysterium des Buches für mich gewesen. Über ihn wollte ich möglichst alle Hintergründe wissen. So wird schnell klar, dass er die Abenteuerlust in Wendy wecken konnte, aber auch ein paar toxische Seiten an sich aufweist.
Jane wiederum ist eher rational und möchte in ihren jungen Jahren bereits Wissenschaftlerin werden. Gerade mit ihrem Wissen über unsere Welt, hinterfragt sie die Gegebenheiten und Ungereimtheiten in Nimmerland sofort. Denn in Nimmerland scheint nichts zusammenzupassen.
In Nimmerland berühren sich Schein und Sein auf Messers Schneide. Ich habe die Beschreibungen des Settings geliebt. Gerade, wenn Wendy sich an eines ihrer Abenteuer mit den Piraten oder den schillernden Beschreibungen der Flossen von den Meerjungfrauen erinnert. Es gibt nur Extreme, wunderschön oder unheimlich. Es verspricht Abenteuer, Erlebnisse, aber auch Gefahr und Blut. Und was Peter sagt, ist Gesetz.
Ich fand, dass insbesondere durch die Zeit in der Psychiatrie und durch die zwei Gesichter von Peter und Nimmerland Spannung aufkam. Die Ideen fand ich super, hätte aber in allen Punkten mehr Tiefe-Potenzial gesehen. In der Psychiatrie hätte ich mir auch Gespräche mit Wendy gewünscht, in der es um eine Aufarbeitung ihrer engen toxischen Freundschaft zu Peter geht. Zudem habe ich mir insbesondere vom Ende erwartet, dass es mehr Worte, Seiten, Infos zum – Wie? Wieso? Weshalb? – gibt. Eine ausführlichere Auflösung, ein größeres Fantasy-Konstrukt mit allen Zusammenhängen. Es kommen auch Erläuterungen zu Peter, aber etwas zusammenhangslos, kurz, oberflächlich. Er, seine Geschichte oder Legende wurde mir zu wenig „erklärt“.
Fazit:
Für den Plot und das Spannungslevel hätte ich noch ganz viel mehr Potenzial gesehen. So hat die Autorin doch schon einige richtig geniale Ansätze. Im Roman zeigt uns die Autorin ihre Version der Zukunft von den Darling-Geschwistern und entwirft dabei eine starke, abenteuerlustige Wendy sowie einen toxischen Peter. Es ist ein Roman mit unterschwelliger Spannung, den man nur lesen sollte, wenn man wenigen Dialogen nicht abgeneigt ist.
Zitat:
"Peter war und ist ein Teil von ihr; Nimmerland ist ein Teil von ihr." - Wendy