Authentische Charakterentwicklung
König ZiegenbartKönig Ziegenbart ist bereits mein dritter Märchenroman aus Jacquelines Feder. Hier nimmt sie einen meiner liebsten und doch eher einen der unbekannteren Märchen ins Visier und schreibt ihre eigene Version ...
König Ziegenbart ist bereits mein dritter Märchenroman aus Jacquelines Feder. Hier nimmt sie einen meiner liebsten und doch eher einen der unbekannteren Märchen ins Visier und schreibt ihre eigene Version von. (König Drosselbart)
Anfangs lernt der Leser Prinzessin Isabel kennen: hochmütig, stolz und eingebildet. Das sind nicht unbedingt die ersten Adjektive, die einem bei einer sympathischen Person einfallen. Doch bei Jacqueline als Autorin, der Königin der charakterlichen Entwicklung, war ich einfach gespannt, was sie für Isabel und den Leser bereithält.
Der Beginn der Handlung, ähnelt dem Geschehen in König Drosselbart sehr. Eine eingebildete Prinzessin will nicht heiraten und beleidigt alle Umwerber, um sie zu verschrecken. Danach kündigt ihr Vater an, dass der nächste Umwerber, und sei es ein Bettler, der am Morgen durch das Tor spaziert, sie zur Ehefrau erhält. Ein einfaches Leben außerhalb des Palastes, solle sie Demut, Dankbarkeit und Freundlichkeit lehren.
Doch baut die Autorin durch viele Details ihre eigene Note in dem Geschehen ein. Sei es damit, dass der Thronerbe dem zweitgeborenen Prinzen befiehlt sich als ihn auszugeben und die Prinzessin zu umwerben. Oder sei es mit einer sprechenden Ziege, die Isabel so häufig für dumm erklärt, weil sie das Verhalten von Menschen nicht nachvollziehen kann und ihr damit eine wichtige Lebenslektion nach der anderen mit auf den Weg gibt.
Die sprechende Ziege Betti ist und bleibt mein Favorit. Doch finden sich hier vielschichtige und interessante Charaktere. Ein Hauptfokus liegt eindeutig auf Prinzessin Isabel und ihrer charakterlichen Entwicklung und dem zweitgeborenen Prinzen Lars, der einiges an Moral im Herzen trägt, aber auch eine dünne Zündschnur besitzt. So ergebt sich eine Mischung aus einer Menge Kabbeleien, aber auch spritzigen, humorvollen Wortgefechten.
Fazit:
Bisher mein Favorit unter den Märchenneuerzählungen der Autorin. Sie bietet dem Leser eine unsympathische Protagonistin, die an ihrem Abenteuer reift und die der Leser lieben lernt. Zudem eine Meeeenge Stellen zum Lachen, ob durch die Situationskomik mit der Ziege Betti oder durch den Schlagabtausch zwischen den Hauptfiguren. Des Weiteren schleichen sich kleine Weisheiten ins Geschehen mit ein und eine spannende psychologische Betrachtung im Bereich Hochmut. Für die romantischen Herzen unter den Lesern, gibt es auch einige prickelnde oder herzerwärmende Szenen.