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Veröffentlicht am 07.06.2025

Interaktiver Sommerroman voller Herz, sizilianischem Flair und wunderschöner Gestaltung

My Italian Lovestory
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Inhalt:

Emilia kehrt nach Jahren in ihre alte Heimat Sizilien zurück – nicht, um dort Urlaub zu machen, sondern um ihrem Vater auf seinem Weingut zur Seite zu stehen. Dieser kann sich nach einem Beinbruch ...

Inhalt:

Emilia kehrt nach Jahren in ihre alte Heimat Sizilien zurück – nicht, um dort Urlaub zu machen, sondern um ihrem Vater auf seinem Weingut zur Seite zu stehen. Dieser kann sich nach einem Beinbruch nicht wie gewohnt um den Betrieb kümmern. Zwar stehen ihm Mitarbeiter zur Verfügung, doch in diesem Jahr folgt eine Katastrophe der nächsten: Ein Schädlingsbefall bedroht die gesamte Weinernte. Es heißt, schnell zu handeln, bevor ein erheblicher finanzieller Schaden entsteht.

In der malerischen Kulisse Siziliens begegnet Emilia nicht nur alten Erinnerungen, sondern auch zwei Männern aus ihrer Jugend: Paolo, mit dem sie sich früher oft in die Haare bekommen hatte und der heute als Vorarbeiter tätig ist, sowie Angelo, ihr ruhiger Kindheitsfreund, der gerade als Vollzeitkraft im Betrieb ihres Vaters eingestiegen ist.

Gemeinsam mit den beiden versucht Emilia, das Schädlingsproblem zu lösen – und gerät dabei emotional zwischen die Fronten. Wird sie die Weinernte retten können? Und für wen wird sich ihr Herz entscheiden – für den temperamentvollen Paolo oder den bodenständigen Angelo? 


Meinung:

„My Italian Lovestory“ ist weit mehr als eine einfache Urlaubsromanze – es ist ein kleines Gesamtkunstwerk. Schon beim ersten Anblick überzeugt das Buch mit seinem detailverliebten Farbschnitt, der Zitronen und sizilianische Ornamente zeigt, und direkt für Sommerstimmung sorgt.

Doch auch das Innenleben hält Überraschungen bereit: Statt linear von vorne bis hinten zu lesen, begibt man sich mit Emilia auf ein interaktives Abenteuer. Am Ende jedes Kapitels – das stets über vier Doppelseiten geht – wird man vor Entscheidungen gestellt: Soll Emilia erst einkaufen oder lieber die Rebstöcke inspizieren? Diese interaktive Erzählweise, auch wenn sie nur punktuell eingesetzt wird, verleiht dem Lesen eine besondere Dynamik und macht die Geschichte erlebbar.

Ein weiteres Highlight sind die wunderschönen Watercolor-Illustrationen, die das Buch durchziehen. Die liebevoll gestalteten Szenerien – etwa Landschaften, das Weingut oder emotionale Momente – laden zum Träumen ein und ergänzen die Geschichte perfekt. Ergänzt wird das Ganze durch fünf sizilianische Rezepte, die nicht nur thematisch passen, sondern auch Lust machen, selbst den Kochlöffel zu schwingen.

Besonders praktisch empfand ich das Lesebändchen – obwohl ich normalerweise kein Fan davon bin. Bei einem Buch, das nicht chronologisch gelesen wird, ist es jedoch überaus hilfreich.

Inhaltlich sollte man keine komplexe, tiefschichtige Handlung erwarten – das Buch lebt eher von der Atmosphäre, dem Urlaubsfeeling und der charmanten Liebesgeschichte. Der Fokus liegt klar auf Emilias persönlicher Entwicklung, eingebettet in eine glaubhaft geschilderte Rahmenhandlung. Das Ganze wird mit viel Lokalkolorit - rund um das Weingut – abgerundet. Offenbar hat sich die Autorin intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

Die beiden männlichen Hauptfiguren, Paolo und Angelo, entwickeln sich im Laufe der Geschichte auf überraschende Weise. Während Paolo zunächst etwas schwierig wirkt, zeigt er bald empathische Anteilnahme und Zuwendung. Angelo wiederum gewinnt über die Seiten Charaktertiefe und zeigt eine interessante Entwicklung. Die Autorin versteht es geschickt Leser-Sympathien zu lenken – und genau das macht einen Teil des Reizes aus.

Und das Beste daran? Man kann das Buch einfach noch einmal lesen – und sich beim zweiten Mal vielleicht für den anderen Mann entscheiden.




Fazit:

„My Italian Lovestory“ ist ein Buch, das nicht nur mit seiner romantischen Geschichte, sondern vor allem durch seine besondere Aufmachung begeistert. Die interaktiven Entscheidungen, die liebevoll gestalteten Illustrationen und die einzigartige Atmosphäre machen diese Geschichte zu einem echten Erlebnis.

Wer eine leichte, sommerliche Lektüre sucht, die das Fernweh weckt und mit kleinen, kreativen Details überrascht, wird mit diesem Buch große Freude haben. Die Handlung ist vielleicht nicht tiefgründig, aber sie ist charmant, lebendig und genau richtig, um für ein paar Stunden dem Alltag zu entfliehen.

Ein Herzensbuch für alle, die Geschichten lieben, bei denen man mitfühlen, mitentscheiden und sich einfach mal kurz wegträumen darf – am besten mit einem Glas Wein in der Hand und Sizilien im Kopf.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Zwischen Mauern und Worten

Break to You
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Inhalt:

Als sich die Tür hinter Adriana schließt, weiß sie, dass die kommenden Monate ein Kampf ums Überleben sein werden. Ihr einziger Halt: ein Notizbuch, in dem sie ihre Gedanken in Gedichtform festhält. ...

Inhalt:

Als sich die Tür hinter Adriana schließt, weiß sie, dass die kommenden Monate ein Kampf ums Überleben sein werden. Ihr einziger Halt: ein Notizbuch, in dem sie ihre Gedanken in Gedichtform festhält. Doch noch bevor sie sich in der neuen Umgebung orientieren kann, wird ihr das Buch abgenommen.

Adriana wurde von einer Freundin betrogen und für eine Tat verurteilt, die sie nicht begangen hat. Nun muss sie sich in einer Jugendstrafanstalt zurechtfinden – einer Welt mit eigenen Regeln, strengen Hierarchien und täglichen Machtkämpfen. Als sie ihr Notizbuch schließlich zurückbekommt, verliert sie es erneut – diesmal in der Bibliothek. Jon, ein Mitinsasse, der als gefährlich gilt, findet es. Er beginnt, ihre Einträge zu kommentieren, und stellt das Buch zurück. Nach und nach entspinnt sich ein stiller Austausch, der beiden Jugendlichen hilft, ihre Gefühle zu verarbeiten und in einer gnadenlosen Umgebung ein Stück Halt zu finden.



Meinung:

Neal Shusterman gehört neben Jay Kristoff zu meinen Lieblingsautoren, daher war für mich klar, dass ich „Break to You“ lesen musste. Gemeinsam mit Debra Young und Michelle Knowlden erzählt er eine berührende Geschichte. Erzählt wird diese abwechselnd aus zwei Perspektiven: zum einen der von Adriana zum anderen der von Jon.

Besonders eindrücklich gelingt den AutorInnen die Darstellung des Gefängnisalltags. Adriana muss lernen, sich in einem Alltag, geprägt von brutalen strittigen Hierarchien und blutigen Rivalitäten, zurechtzufinden. Die Beziehungen zwischen den Insassinnen sind von dem ständigen Versuch geprägt, keine Schwäche zu zeigen. Doch nicht nur die Mitinsassinnen sind eine Herausforderung – auch die MitarbeiterInnen der Anstalt sind nicht immer wohlwollend. Der Psychologe nutzt seine Position, um Jugendliche zu manipulieren, und Jon setzt gezielt Gerüchte ein, um seinen Status zu sichern.

Das Buch sensibilisiert für die Realität in Jugendstrafanstalten – eine Welt voller Isolation und Ausweglosigkeit, die von der Gesellschaft oft vergessen wird. Besonders eindringlich sind die Schicksale der Jugendlichen: Da ist das Mädchen, dessen Eltern sie eines Tages einfach nicht mehr abgeholt haben und das nur deshalb noch hinter Gittern sitzt, weil niemand weiß, wohin mit ihr. Oder die junge Mutter, die ihr Kind liebt, aber kaum in der Lage wäre, es außerhalb der Anstaltsmauern großzuziehen.

Trotz der Härte des Alltags gibt es Hoffnung – in Form von kleinen Gesten, von Vertrauen, das langsam wächst, und von der Kraft der Worte. Die Bibliothek wird zu einem Zufluchtsort, Büchern kommt eine besondere Bedeutung zu.

Ohne moralischen Zeigefinger, aber mit feinem Gespür für Zwischentöne, zeigen die AutorInnen, wie diese Jugendlichen, die oft in ihrem Leben bereits schwere Zeiten durchgemacht haben, sich dennoch ein Stück Selbstbestimmung bewahren.

Die Handlung beginnt ruhig und konzentriert sich zunächst auf den Gefängnisalltag, die Dynamiken unter den Insassen und die Herausforderungen, denen Jon und Adriana gegenüberstehen. Erst nach und nach nimmt die Geschichte an Fahrt auf, bis sie im letzten Viertel eine mitreißende Wendung erfährt.

Was das Ende betrifft, so wird es sicherlich polarisieren. Einerseits bleiben einige Fragen unbeantwortet, was die Geschichte offener und realistischer erscheinen lässt. Andererseits gibt es eine Art von Abschluss, der nicht zwangsläufig als klassisches Happy End zu bezeichnen ist, aber dennoch einen hoffnungsvollen Ton trifft. Das Buch zeigt eindrücklich, dass es im Leben selten einfache Lösungen gibt – manches bleibt ungewiss, manches ungerecht, und nicht jede Geschichte endet mit einem klaren Schlussstrich. Gerade diese Unvollkommenheit macht den Roman so authentisch und nachdenklich stimmend.



Fazit:

„Break to You“ erzählt eine Geschichte, die zwischen Härte und Hoffnung balanciert. Die ruhige Erzählweise lässt die Leser tief in den Gefängnisalltag eintauchen, bevor die Handlung sich zuspitzt und in einem dramatischen Höhepunkt endet.

Das offene Ende mag nicht für jeden befriedigend sein, doch gerade seine Unvollkommenheit macht es so lebensnah. Das Buch zeigt, dass es nicht immer klare Abschlüsse gibt – aber selbst in schwierigen Situationen kann es Lichtblicke geben.

Eine eindrucksvolle, nachdenklich stimmende Lektüre, die noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Ein gelungener runder Abschluss

Lucid Fate – Was, wenn wir nicht sterben?
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Inhalt:


Somna und Corpora, die Traumwelt und die wache Welt, haben sich vermischt. Traumwandlungen sind nun überall möglich, und Emotionen können sich ungehindert Bahn brechen. Nichts ist mehr wie zuvor. ...

Inhalt:


Somna und Corpora, die Traumwelt und die wache Welt, haben sich vermischt. Traumwandlungen sind nun überall möglich, und Emotionen können sich ungehindert Bahn brechen. Nichts ist mehr wie zuvor. Eine allgemeine Unberechenbarkeit herrscht, und das Leben ist gefährlicher als je zuvor.

Da die Menschen Angst voreinander haben, ziehen sich viele zurück, an Orte, an denen sie auf möglichst wenig Zivilisation stoßen und den Traumwandlungen anderer ausweichen können. Die Großstädte leeren sich. Viele Menschen haben nicht gelernt, mit ihren neuen Fähigkeiten umzugehen. Leere Auslagen in den Geschäften führen dazu, dass die Menschen um die letzten Lebensmittel kämpfen. Doch eine kleine Traumwandlung könnte genügen, um die letzte Kartoffel im Korb einfach zu vervielfältigen. Vielleicht wäre der Geschmack nicht derselbe, aber es würde satt machen und eines der vielen Probleme – zumindest vorläufig – lösen.

Ein Blick zum Himmel zeigt, dass sich auch hier vieles verändert hat: Unzählige Seelenpartikel der Verstorbenen schweben dort. Auch die Welt der Toten hat sich mit den anderen beiden Welten vereint.

Selena plagen Schuldgefühle, denn sie war es, die einst Eric bei der Zerstörung der goldenen Tore in Somna geholfen hat. Am liebsten würde sie alles rückgängig machen. Doch um Somna und Corpora wieder zu trennen, scheint es nur eine Lösung zu geben: Ria, Eric und sie müssen erneut durch ein Tor gehen. Doch das würde bedeuten, dass sie alle drei ihr Leben lassen müssten. Vielleicht wäre Selena sogar bereit dazu. Doch Ria hat klar gemacht, dass sie sich nicht opfern möchte. Und was ist mit Mo, die Selena liebt? Und selbst wenn Ria sich dem Plan anschließen würde – wie sollten sie Eric dazu bringen, durch das Tor zu gehen? Er, der als Herrscher über die neue Welt regiert, hat alle Macht an sich gerissen und ist längst nicht am Ende seiner Ziele angelangt …



Meinung:


Nina Martin erzählt in ihrer Traumwelt-Reihe die Geschichte von Selena und Ria, zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Ria zurückhaltend, still und nachdenklich ist und skeptisch auf die Dinge blickt, gleicht Selena einem Wirbelsturm. Selbstbewusst, mutig und entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Kein Wunder, dass die beiden jungen Frauen nach der Verschmelzung von Somna und Corpora aneinander geraten. Denn während Ria der neuen Welt eine Chance geben möchte, ist es Selena, die unbedingt zum status quo ante zurückkehren will. Doch um diesen Plan zu verwirklichen, müssen Ria, Selena und Eric erneut durch ein Traumtor schreiten – wohl wissend, dass sie dabei aller Wahrscheinlichkeit nach ihr Leben lassen würden.

Durch die wechselnden Erzählperspektiven erhält der Leser spannende Einblicke in die Gedankenwelt von Selena und Ria. Beim Lesen ist es unmöglich, nicht in einen inneren Konflikt zu geraten. Auch ich ertappte mich dabei, wütend auf Selena zu sein, die keinerlei Verständnis für Ria aufbringen wollte. Für mich war es absolut nachvollziehbar, dass Ria an ihrem Leben hängt und es nicht leichtfertig aufgeben will. Doch sobald Ria diese Gedanken ausspricht, gerät sie selbst in einen inneren Konflikt. Ihr Umfeld bestärkt sie nicht in ihrer Haltung, sondern zwingt sie, darüber nachzudenken, ob ihr Wunsch zu überleben nicht egoistisch ist.

Die Prioritäten verschieben sich, als Lil, Rias beste Freundin, und Mo, Selenas Vertraute, entführt werden. Beide Frauen sind sich einig: Sie müssen die Menschen retten, die ihnen am meisten bedeuten. Doch um das zu schaffen, müssen sie herausfinden, wo Eric Mo und Lil versteckt hält. Sie müssen zusammenarbeiten, um etwas zu bewirken.

Es beginnt eine spannende Suche, bei der Selena und Ria unterschiedliche Wege einschlagen, aber dennoch miteinander agieren und einander vertrauen müssen. Ich habe beide Perspektiven mit großer Neugier verfolgt, wobei mich Rias Entwicklung noch ein wenig mehr fesselte. Das lag an mehreren Faktoren. Zum einen an der überwiegend interessanten Beziehungsdynamik zwischen ihr und Yunus. Zum anderen haben mich die Orte, die sie aufsuchen mussten, besonders fasziniert. So reisen Yunus und Ria in eine von Eric erschaffene Strafzone in Berlin, in der Menschen gefangen gehalten werden, die sich gegen das System gewehrt haben.

Obwohl "der Gegenspieler" der Protagonistinnen, Eric, über weite Strecken hinweg kaum direkt in Erscheinung tritt, sind die Auswirkungen seiner Taten allgegenwärtig. Er hat eine Welt voller Gefahren geschaffen, und seine Forschungen sind so weit vorangeschritten, dass sie nicht ohne Konsequenzen bleiben.



Fazit:


"Lucid Fate – Was, wenn wir nicht sterben?" bringt uns den Showdown. Im Verlauf der Geschichte fieberte ich dem Clash von Selena, Ria und Eric entgegen. Ich wusste, dass das Finale noch einmal besonders spannend werden würde.

Peu à peu verdichtet sich die Handlung. Es gelingt Nina Martin nicht nur, eine konstante unterschwellige Spannung in diesem Band zu halten; je weiter die Handlung voranschreitet, desto straffer wird der Spannungsbogen.

Etliche lose Fäden und alte Rätsel finden zusammen um die Serie zu einem runden Abschluss zu bringen.

Die Lucid-Reihe empfehle ich Fans von Anna Benning und Franzi Kopka sowie allen, die sich für ein faszinierendes Traumwelten-Szenario begeistern können.

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Es bleibt spannend

Honesty. Was die Lüge uns kostet
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Inhalt:


Die Vereidigung der neuen Taskforce des Investigationssektors, zu der auch Maes Bruder Nick gehört, wurde von einer Explosion überschattet. Es handelte sich um einen Anschlag, der einer Gruppe ...

Inhalt:


Die Vereidigung der neuen Taskforce des Investigationssektors, zu der auch Maes Bruder Nick gehört, wurde von einer Explosion überschattet. Es handelte sich um einen Anschlag, der einer Gruppe namens „The Speakers of Lies“ zuzuordnen war.

In der Folge hatte Mae allerhand damit zu tun, ihre Gefühle in den Griff zu bekommen. Denn Gefühle sind in Sestiby - genauso wie Lügen - verboten. Mae wusste, würde ihr Geheimnis auffliegen, dann würde sie aus den inneren Ringen verband werden und ihre Familie und ihre Liebsten vermutlich nie wiedersehen.

Dass während des Anschlages viele Menschen verletzt wurden und ihr Dad seitdem im Koma lag, machte es Mae nicht leichter, diese Vorgabe umzusetzen. Auch konnte sie nicht in Ruhe mit Grayson sprechen, der sie seit den Ereignissen zu meiden schien und von dem sie ja wusste, dass er dem Widerstand angehörte. Mae musste also annehmen, dass er es ihr übel genommen hatte, dass sie sich während des Anschlages um ihre Familie gekümmert hatte.

Dass Nick nun in die Führungsriege des Investigationssektors gewählt wurde und eindeutig Geheimnisse hütete, über die er weder mit Mae noch mit dem Rest der Familie sprechen durfte, machte alles nicht einfacher. Nick musste, wie Mae herausgefunden hatte, genauso, wie der Rest der Oberen, ein Liar sein. Und über all das hinaus wurde Kane nun auch zum Präsidierenden gewählt. Ein Mann, der, wie Mae herausgefunden hatte, nicht nur außerordentlich skrupellos war, sondern auch gefährliche Geheimnisse hütete.

Mae besaß also aktuell nur noch einen Ansprechpartner, nämlich Jamar, der ebenfalls dem Widerstand angehörte. Doch Maes Probleme konnte auch er nicht lösen.

Die Ereignisse führen dazu, dass Mae sich entscheiden muss, sich dem Widerstand anzuschließen. Doch auch dieser ist misstrauisch, was neue Mitglieder anbelangt ...



Meinung:


Den ersten Band von „Honesty“ habe ich vor längerer Zeit gelesen. Folglich stellte sich mir, vor dem Griff zur Fortsetzung die Frage, wie gut es mir gelingen würde, wieder in die Geschichte hineinzufinden. Franzi Kopka wirft den Zuschauer aber nicht einfach in die Handlung. Durch eine doppelsträngige Erzählstruktur, die immer wieder Anleihen beim Vorband nimmt, ist ein schrittweises Eintauchen des Lesers in die Handlung des Buchs möglich.

Darüber hinaus gab es zu Anfang eine Timeline, die allerdings nur leidlich hilfreich ist. Im Ergebnis bleiben alle wichtigen Handlungsfäden hängen.

Bei komplexeren Fantasygeschichten, in denen viele fremde Begriffe und Namen genannt werden, empfinde ich über eine Einstiegshilfe hinaus aber auch ein Glossar als sehr hilfreich. Dieses hätte ich mir im zweiten Band von „Honesty“ gewünscht.

In „Was die Lüge uns kostet“ legt Franzi Kopka den Fokus auf Maes innere Zerissenheit. Die Protagonistin hat allerhand damit zu tun, ihre Gefühle und die ihr gegebene Möglichkeit zu lügen geheim zu halten. Dass ihr Dad im Koma liegt und die künstliche Intelligenz ihm lediglich eine Heilungschance von 38 % prophezeit, macht ihr zusätzlich zu schaffen. Und dann ist da noch Grayson, für den sie Gefühle entwickelt hat, die Beobachtungen, die sie bezüglich der Führungsebene und insbesondere betreffend Kane gemacht hat und die Gedanken rund um die „Speakers of Lies“ oder wie sie im Geheimen genannt werden: „The Speakers of Truth“.

Mae muss für sich feststellen, dass sie die Art, wie die Attentäter vorgegangen sind, nicht tolerieren kann. Handeln sie für den Widerstand oder handeln sie im eigenen Namen. Welche Ziele verfolgt diese Organisation und wer steckt dahinter? Gibt es überhaupt so eine Gruppe oder geschah der Anschlag vielleicht im Namen von Kane, der die Vorkommnisse zu seinen Gunsten nutzen möchte?

Allerhand Fragen werden in der Geschichte aufgeworfen und allerhand Konflikte baut Franzi Kopka in ihre Fortsetzung ein. Die Autorin verzichtet über Längen auf große Dramatik und arbeitet mit unterschwelliger Spannung.



Fazit:


Kannst du dir vorstellen in einer Welt zu leben, in der Gefühle und Lügen verboten sind? Wenn du beim Gedanken an dieses Szenario plötzlich neugierig geworden bist und Lust hättest, so eine Geschichte zu lesen, dann ist „Honesty“ genau das richtige Buch für dich.

Schritt für Schritt verdichtet die Fortsetzung dieser Reihe die Handlung. Eine unterschwellige Spannung stellt sich zunehmend ein, die geladen ist von allgegenwärtigen Geheimnissen und obskuren Geschehnissen.

Die Handlungsfäden bleiben jedoch in ihrer Widersprüchlichkeit bestehen, eine einfache Auflösung findet nicht statt, auch wenn es manchmal scheint, als käme es zu einer glücklichen Fügung.

Am Ende sind so viele Fragen noch offen, daher freue ich mich auf das Lesen der Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 12.06.2024

Locker-leichte Liebesgeschichte

From Friendzone with Love
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Inhalt:

Ein halbes Jahr war vergangen, seit Blair Damian gefriendzoned hatte. Damals hatte Damian lange mit sich gehadert, bevor er der Schwester seines besten Freundes seine Gefühle gestanden hatte. ...

Inhalt:

Ein halbes Jahr war vergangen, seit Blair Damian gefriendzoned hatte. Damals hatte Damian lange mit sich gehadert, bevor er der Schwester seines besten Freundes seine Gefühle gestanden hatte. Er wusste einfach, dass es auch künftig keine andere Frau geben würde, mit der er lieber seine Zeit verbringen würde. Eine reine Freundschaft war zu wenig. Er hatte seine Gefühle aussprechen müssen. Die Antwort kam wie eine kalte Dusche: Blair bat ihn um Verständnis, als sie sagte: „Du bist einfach mein bester Freund, Damian. Das verstehst du doch, oder?“

Damian hatte Verständnis vorgetäuscht, obwohl er keines empfunden hatte. Er hatte sich von Blair distanziert. Zwar hatte Damian seine große Liebe nie vergessen können, doch hatte die Abfuhr eine klaffende Wunde hinterlassen. Nichts ist vernarbt, weswegen Damian zunächst Distanz zu Blair sucht.

Doch wie zwei Magnete bewegen sich die beiden kontinuierlich auf einander zu. Es kam unausweichlich dieser unerwartete Moment. Dieser Tag, an dem Damains mentaler Schutzschild von einem Tag auf den anderen in sich zusammenfallen sollte ...



Meinung:

Als ich das erste Mal den Klappentext von „From Friendzone with Love“ gelesen hatte, war für mich klar, dass ich dieses Buch würde lesen wollen. Eine locker-leichte Liebesgeschichte, das war perfekt für die anstehenden Sommermonate. Leichte Lektüre für die abendlichen Lesestunden auf der Terrasse.

Genau diese Erwartungen hat das Autorinnenduo, die unter dem Pseudonym Eliza Hart schreiben, mit ihrem Wattpadroman auch erfüllen können.

Damian hatte sich, nachdem er feststellen musste, dass seine Gefühle für Blair einfach zu stark und eine Freundschaft auf Dauer für ihn einfach nicht ausreichen würde, entschieden, seine beste Freundin zu ghosten. Dieses Vorgehen funktionierte weitestgehend gut, bis zu dem Zeitpunkt, als Blair plötzlich nicht nur in seiner Berufsschule auftauchte, sondern ihre Klasse aufgrund Umbauarbeiten mit seiner zusammengelegt wurde.

Nicht nur das. Auch will es der Zufall, dass Blair und eine weitere Mitschülerin mit Damian und einem weiteren Mitschüler in eine Gruppe gesteckt wurden, in der es darum ging, gemeinsam ein Marketingprojekt umzusetzen. Damians größter Albtraum wird wahr. Denn Blair verhält sich ihm gegenüber wie immer: perfekt.

Es ist vermutlich absehbar, welchen Verlauf die Geschichte nimmt, wo der Fokus der Handlung liegt: Natürlich geht es im weiteren Verlauf um die Entwicklung der Liebesgeschichte zwischen Blair und Damian. Der Fokus der Geschichte liegt hauptsächlich auf Damians Gefühlschaos und der Frage, ob und wie es ihm gelingt, dieses zu kontrollieren.

Ein weiterer Handlungsstrang kommt hinzu, als Blair und Damian dazu gezwungen werden eine Fakebeziehung einzugehen, um die Avancen eines aufdringlichen Teammitglieds aus der Projektarbeit einen möglichst dezenten Dämpfer zu verpassen.

Ein nervenaufreibendes und forderndes Vorhaben sowohl für Damian, als auch anfangs für den Leser. Natürlich benötigt es für eine gute Liebesgeschichte Konflikte und die sind mit dieser Handlung unausweichlich. Doch bei 480 Seiten braucht es doch noch etwas mehr. Das wissen die Autorinnen. Neben allerhand Gefühlen geht es in diesem Buch auch um die Entwicklung zweier Projekte. In der Berufsschule versuchen Blair und Damian den Wettbewerb um ein Marketingprojekt für sich zu entscheiden, da ein attraktiver Preis winkt.

Dem Zufall kommt in der Handlung eine wirklich entscheidende Rolle zu. Man könnte aber auch behaupten, dass das Schicksal denen, die zueinander passen, oft manchmal auch ein wenig auf die Sprünge hilft …



Fazit:

„From Friendzone with Love“ von Eliza Hart ist eine leichte und unterhaltsame Liebesgeschichte, die gut für die Sommerlektüre geeignet ist. Die Autorinnen erfüllen die Erwartungen an eine unkomplizierte Romanze und bieten ausreichend Konflikt und Spannung, um die Geschichte interessant zu halten.

Die Entwicklung der Beziehung zwischen Damian und Blair basiert auf einer Reihe von Zufällen, die manchmal vorhersehbar wirken, aber immer emotional gestaltet sind. Die Mischung aus persönlichem Gefühlschaos und beruflichen Herausforderungen sorgt für Abwechslung. Besonders die erzwungene Fakebeziehung und die beruflichen Projekte bieten interessante Spannungspunkte.

Stilistisch überzeugen die Autorinnen mit einem flüssigen und angenehmen Schreibstil, der die Seiten schnell verfliegen lässt. Eines meiner wenigen Probleme mit „From Friendzone with Love “ ist dennoch das Pacing. Dieses ist manchmal langatmig, was vorkommt, wenn man sich zu lange mit Micro-Aspekten der Figuren und deren Selbstfindung aufhält.

Insgesamt ist „From Friendzone with Love“ eine solide Liebesgeschichte, die trotz einiger vorhersehbarer Elemente und gelegentlich konstruiert wirkender Zufälle, angenehme Lesestunden bietet und den Leser gut unterhält.

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