Wenn dunkle Geheimnisse an die Oberfläche dringen
Die YachtIn ihrem dritten Psychothriller „Die Yacht“ entführt uns Sarah Goodwin zusammen mit einer Gruppe alter Studienfreunde aufs Meer. Dunkle Geheimnisse, soziale Unterschiede und daraus resultierende eskalierende ...
In ihrem dritten Psychothriller „Die Yacht“ entführt uns Sarah Goodwin zusammen mit einer Gruppe alter Studienfreunde aufs Meer. Dunkle Geheimnisse, soziale Unterschiede und daraus resultierende eskalierende Konflikte sorgen für beklemmende Spannung.
Um was geht es?
Hannah ist zur exklusiven Silvesterparty ihrer reichen Freundin Libby und deren Ehemann eingeladen – in einem italienischen Hafen auf einer Luxusyacht. Dort möchte die alte Freundesclique aus Studientagen zusammen mit ihren Partnern gemeinsam ins neue Jahr starten. Schnell entwickeln sich durch die sozialen Unterschiede und den exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum erste Konflikte. Hannah ist froh, dass sie die Yacht am nächsten Tag wieder verlassen kann. Doch sie erlebt eine böse Überraschung. Am nächsten Morgen treibt das Schiff im offenen Meer, ohne die Chance Hilfe zu rufen oder zurück in den Hafen zu navigieren. Die Nerven liegen blank und das Drama nimmt seinen Lauf.
Protagonistin des Buches ist Hannah, ehemals Künstlerin, die es aber im Vergleich zu ihren Freunden nicht geschafft hat, reich und berühmt zu werden. Sie arbeitet in einem Callcenter, ist unzufrieden mit ihrem Leben, hat Bindungsängste und fühlt sich klein und unscheinbar. Trotzdem meistert sie ihr Leben und MUSS aufgrund ihrer Lebenssituation pragmatisch sein. Sie ist ein wenig zu gut für diese Welt und sucht die Schuld bei Konflikten immer zuerst bei sich selbst, statt bei anderen. Umso schlimmer, dass sie Silvester mit ihren reichen Freunden verbringt, bei denen sie sich noch minderwertiger fühlt und die sie teils unverhohlen mobben. Die Nebencharaktere, allesamt reich und berühmt, sind charakterlich das genaue Gegenteil von Hannah. Zum Großteil sind sie arrogant und denken, dass sich die Welt nur um sie dreht und sich alles nach ihrem Willen richten muss. Die berechnende Libby und ihr adeliger Mann Olly, die immer etwas ätherisch und abwesend wirkende Maggie mit ihrem arroganten, frauenverachtenden Verlobten Leon. Das bietet viel Konfliktpotenzial untereinander. Da passt der hippe, nette Künstler Harry nur schwer ins Bild.
Sarah Goodwin schafft es, durch ihren unverkennbaren Schreibstil sehr schnell ein beklemmendes Gefühl beim Leser aufzubauen. Die unterschwellige bedrohliche Stimmung zieht sich durch das gesamte Buch, brandet mal auf und ebbt wieder etwas ab – ist aber immer vorhanden. Dazu passt auch die von der Autorin gewählte Location perfekt: das einsam treibende Luxus-Schiff ohne Kontakt zur Außenwelt und mit minimalen Vorräten. Die durch die Notlage entstehenden Konflikte werden durch die sozialen Unterschiede noch verstärkt, die Sarah Goodwin durch die überspitzt dargestellten Charaktere noch stärker herausarbeitet. Da ist zum einen Hannah, die einfach nur zu gut für diese Welt ist und es allen recht machen will. Demgegenüber stehen die Reichen und Schönen, die eine große Portion Egoismus an den Tag legen und ihr Wohl über das der anderen stellen. Das Buch selbst hat mir viele spannende Lesestunden beschert bis hin zu dem überraschenden, aber plausiblen Ende.
Fazit:
Wer gerne Bücher liest, die etwas düster sind und sich mit sozialen Unterschieden und den daraus entstehenden Spannungsfeldern und Konflikten beschäftigen möchte, wird bei „Die Yacht“ voll auf seine Kosten kommen. Es ist ein typischer Sarah Goodwin und vom Stil unverkennbar. Mir persönlich hat dieses Buch besser gefallen als „Das Resort“, an „Stranded – Die Insel“ kommt es für mich nicht heran. Leser, die klassische Ermittlungsarbeit oder haarsträubende Action bevorzugen, sollten lieber die Finger von dem Buch lassen.