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Veröffentlicht am 20.04.2025

Ohne Folgeband wertlos

Eislotus. Wasser findet seinen Weg
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Ich liebe Bücher und bin immer eher geneigt, sie wohlwollend zu beurteilen, was sich auch daran zeigt, wie viele ich schon mit vier oder fünf Sternen bewertet habe. Ein Buch muss mich also schon sehr verärgern ...

Ich liebe Bücher und bin immer eher geneigt, sie wohlwollend zu beurteilen, was sich auch daran zeigt, wie viele ich schon mit vier oder fünf Sternen bewertet habe. Ein Buch muss mich also schon sehr verärgern oder enttäuschen, damit es von mir nur zwei Sterne bekommt. Leider ist das bei "Eislotus - Wasser findet seinen Weg" der Fall und das bedaure ich selbst, denn das Buch hat so vielversprechend begonnen.

Äußerlich ist es wunderschön und passend zum Element Wasser gestaltet und insbesondere der Farbschnitt sieht selbst wie ein Seelenbuch aus. Und auch die Geschichte beginnt und entwickelt sich erst einmal vielversprechend.

Aufwendig und liebevoll wurde eine eigene High-Fantasy-Welt der Elementemagie geschaffen, in der sich Menschen an die vier Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer mittels eines Seelenbuches binden und dann entsprechende Magie ausüben und eine Art Unsterblichkeit erlangen können, da sie nach ihrem physischen Tod in das Buch als Seele eingehen, sich dort mit anderen geliebten Seelen im selben Buch wiedervereinigen können und "zu Tinte werden". Je mehr Seelen ein Buch enthält, desto mächtiger ist es.

Diese Idee hat mir sehr gefallen - endlich mal wieder ein spannendes High-Fantasy-Buch, in dem es um eine seltenere Art von Magie geht (mal keine Werwölfe, Vampire, Hexen oder ähnliches) und das nicht so stark in Richtung Romantasy geht, sondern klar Fantasy ist (auch wenn zwei Charaktere sich ein bisschen zueinander hingezogen fühlen, aber mehr als tiefe Freundschaft entwickelt sich in dem Buch zwischen ihnen nicht und es gibt keinerlei romantische oder "spicy" Szenen, das habe ich zur Abwechslung sehr angenehm gefunden).

Um neue Bücher an Seelen binden zu können, braucht es die Buchbinder, und damit die den verschiedenen Elementen nahestehenden Menschen nicht mehr, wie in der Vergangenheit, blutige Kriege um diese knappe Ressource führen, gibt es eine Art Turnier, einen "Stellvertreterkrieg", bei dem ausgewählte Angehörige der vier Elemente miteinander darum kämpfen, wer die Buchbinder für den nächsten Zyklus in die eigene Region und Stadt führen darf. Die ausgewählten beziehen für diese Zeitspanne eine Akademie in Lort, der Stadt, die auf den Ausgleich der Elemente achtet, werden dort untergebracht, verpflegt und ausgebildet und müssen sich immer wieder Aufgaben und einer Auswahl durch die Stadtbewohner stellen.

Das ist eine durchaus bekannte Idee, die sich auch in anderen Fantasybüchern und Dystopien findet, hier aber auf eine ganz eigene Art und Weise ausgetragen wird. Originell habe ich gefunden, dass es nicht hauptsächlich um Kämpfe geht, sondern auch um Intelligenz und Kreativität, um Verbindungen der Elemente miteinander und darum, die Dinge kritisch zu hinterfragen. Geschildert ist das Buch abwechselnd aus den Perspektiven der Mondgebundenen (Wasser-Element) Nara und des Sonnengebundenen (Feuerelement) Katso, das macht es auch nochmal interessanter.

Bis kurz vor dem Ende hätte ich das Buch insgesamt mit soliden vier Sternen bewertet (keine fünf Sterne, weil es speziell am Anfang einige Längen aufweist). Ein aufwendiges, interessantes Worldbuilding, spannende Aufgaben und glaubwürdige Charaktere, das mag ich. Während der Lektüre baut sich Spannung auf und man hofft auf die Beantwortung vieler offener Fragen, die sich stellen, z.B. was mit Naras angeblich verstorbenen Eltern wirklich passiert ist, was es mit den Ungebundenen auf sich hat, wer hinter gewissen Attentaten steckt, wer die Stimme ist, die immer wieder in den Fußnoten kommentiert, wem zu trauen ist und wem nicht und natürlich, wer am Ende das Turnier gewinnt.

Ohne spoilern zu wollen, muss ich an dieser Stelle sagen: so gut wie keine dieser Fragen wird am Ende beantwortet. Das Buch endet einfach mittendrin, wir sind noch nicht einmal in der Nähe des Endes des Turniers, da ist das Buch auf einmal zu Ende, und auch sonst wird so gut wie keine dieser und meiner weiteren offenen Fragen beantwortet, nur eine einzige, eher irrelevante, Kleinigkeit in Bezug auf einen Verrat wird aufgedeckt. Aber ansonsten endet das Buch gefühlt einfach in der Mitte der Handlung und lässt mich ratlos und enttäuscht zurück.

Mir ist klar, dass es sich dabei um den ersten Band eines Zyklus handelt und dieser somit nicht absolut alle offenen Fragen klären wird. Ich habe aber schon viele mehrbändige Fantasy-Zyklen gelesen, und die guten davon sind so verfasst, dass man auch am Ende eines einzelnen Bandes ein befriedigendes Leseerlebnis hat. Üblich ist zum Beispiel, dass viele offene Fragen sich am Ende des Bandes klären, aber eine offen bleibt, es also einen Cliffhanger gibt, der neugierig macht, weiterzulesen. Das würde ich angebracht finden. Aber das Ende dieses Buches ist eine einzige Sammlung an offenen Themen und Fragen, es wird so gut wie nichts aufgeklärt.

Und genau das verärgert und enttäuscht mich und macht mich auch nicht geneigt, die Folgebände zu lesen... wer sagt mir, dass dann meine Fragen beantwortet werden und nicht jeder Band und vielleicht am Ende auch die komplette Serie mit vielen offenen Fragen endet?

Ein guter Anfang und eine spannende Idee, die aber völlig unzureichend ins Ziel bzw. eben nicht ins Ziel gebracht wurde. Fast scheint es so, als wären die letzten 50 oder 100 Seiten verloren gegangen. Schade, dass das Lektorat die Autorin hier nicht darauf hingewiesen hat. Sie hat zweifellos Erzähltalent und es wäre sonst so ein spannendes Buch, aber mit so einem unbefriedigenden Ende kann ich von diesem Buch nur abraten.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Enttäuschend langweilig, langatmig und unplausibel

Flusslinien
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"Flusslinien", das neue Buch von Katharina Hagena, hätte ich so gerne gemocht. So ansprechend waren das schöne Cover mit der Flusslandschaft und die Kurzbeschreibung. Ich habe mich auf ein witziges, lebenskluges ...

"Flusslinien", das neue Buch von Katharina Hagena, hätte ich so gerne gemocht. So ansprechend waren das schöne Cover mit der Flusslandschaft und die Kurzbeschreibung. Ich habe mich auf ein witziges, lebenskluges und unterhaltsames Buch gefreut, doch wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Damit ich ein Buch mit nur zwei Sternen beurteile, muss schon einiges zusammenkommen, denn ich bemühe mich immer, Bücher so großzügig wie möglich zu betrachten und zu beurteilen. Deshalb werde ich nun genau darauf eingehen, in welchen Bereichen mich dieses Buch enttäuscht hat.

Was schätze ich am Lesen?

1) Eine interessante, glaubwürdige Geschichte:

Hier haben wir die 102-jährige Margrit, die in einer noblen Seniorenresidenz in Hamburg lebt. Ihre 18-jährige Enkelin Luzie, die aufgrund des Traumas eines Vergewaltigung bei einem Auslandsaufenthalt in Australien (wo ihr Vater lebt) die Schule abgebrochen hat und Tätowiererin werden will. Arthur, in seinen 20ern, der seinen Zwillingsbruder Theo verloren hat, als Taucher gearbeitet hat und außerdem Kunstsprachen erfindet und verkauft, aber nebenbei in der Seniorenresidenz als Fahrer jobbt. Abwechselnd erleben wir die Geschichte aus den Perspektiven dieser drei Personen mit. Das wusste ich schon aus der Kurzbeschreibung und das hätte eine nette Geschichte werden können. Leider passiert aber sehr wenig und das Buch ist voll von irrelevanten, ausgiebig erzählten, langweiligen Szenen, die für mich nirgendwo hingeführt haben. Dieses fast vierhundert Seiten lange Buch reiht Szene an Szene an Szenen, ohne wirklichen Spannungsaufbau oder Höhepunkt.

2) Gut gezeichnete, glaubwürdige Figuren, die tiefgründig und authentisch dargestellt sind und eine interessante Entwicklung aufweisen:

Wir lernen die oben erwähnten Figuren kennen und dann noch einige weitere in ihrem Umfeld, z.B. Mutter und Vater von Luzie (sind getrennt) Arthurs Zwillingsbruder Theo, oder Gregor, einen Mitbewohner Margrits in der Seniorenresidenz. Sowohl die drei Hauptfiguren als auch alle Nebenfiguren blieben für mich aber sehr blass charakterisiert. Nach der Lektüre des Buches könnte ich kaum jemanden von ihnen abseits von sehr plumpen Stereotypen (Luzie ist verletzt und rebellisch aufgrund des Traumas, Margrit ist weise und gütig,....) charakterlich tiefgehender beschreiben. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Figuren eine sonderliche Entwicklung durchgemacht hätten und sie bleiben für mich sehr blass. Auch habe ich mich während der Lektüre den meisten von ihnen innerlich nicht nahe gefühlt, was mir normalerweise bei gut geschriebenen Büchern sehr schnell gelingt, selbst bei unsympathischen Figuren, wenn diese authentisch gezeichnet sind.

3) Eine besondere, schöne und einprägsame Sprache:

Insgesamt zeichnet sich dieses Buch dadurch auch nicht sonderlich aus. Gelegentlich gibt es schöne und einprägsame Sätze insbesondere in den Margrit-Kapiteln, die ja als weise dargestellt werden soll, so z.B. auf S. 44: "Nun, da die Schatten länger und die Risse tiefer werden, muss sie noch einmal ihre letzten Bilder einordnen." In diesem Bereich schneidet das Buch also für mich weder bemerkenswert noch besonders schlecht ab.

4) Ausgiebige Recherche, sodass man beim Lesen auch etwas über die beschriebenen Themen lernt oder diese zumindest nicht komplett unglaubwürdig wirken:

Das ist ein weiterer Punkt, der mich in diesem Buch sehr enttäuscht hat. Plakativ werden so gut wie alle Zeitgeistthemen (Coronazeit, Ukrainekrieg, Klimawandel, Fridays for Future,...) oberflächlich genannt und eingebaut, ohne sie aber tiefer mit dem Buch zu verbinden. Das wirkt auf mich, als ob die Autorin regelrecht eine Liste all dieser Themen abgearbeitet hätte. Ich mag durchaus Romane mit aktuellem Bezug, aber hier wäre es mir lieber gewesen, die Autorin hätte sich auf wenige dieser Themen beschränkt, diese aber authentischer und tiefgehender in das Buch eingebaut. Überhaupt empfinde ich das Buch über weite Strecken als sehr oberflächlich: immer wieder kamen durchaus interessante Themen auf, z.B. zur Umweltproblematik, die mit der immer weiter betriebenen industriellen Elbvertiefung für die Schifffahrt verbunden ist, aber diese wurden meistens nur kurz gestreift, bis das nächste von gefühlt hunderten Themen kurz angeschnitten wurde. Manches war auch schlicht extrem klischeehaft beschrieben, z.B. reist Arthur nach Belarus, wo sich eine Gruppe für eine seiner Kunstsprachen interessiert, diese Gruppe hat die Kunstsprache in kürzester Zeit nahezu perfekt gelernt, hält darin komplexe faschistische Vorträge und Arthur flieht angeekelt und reist mit dem nächsten Flieger um 4000 Euro zurück nach Deutschland, wobei er die gesamten Ersparnisse von sich und noch welche von seinem Bruder aufbraucht. Hier hatte ich nicht das Gefühl, dass sich die Autorin mit Belarus, mit Kunstsprachen oder mit sonst etwas näher auseinandergesetzt hat. Auch das Tätowieren alter Menschen in der Seniorenresidenz wirkte auf mich nicht sehr glaubwürdig und authentisch geschildert. Damit hat mich das Buch auch in dieser Hinsicht sehr unzufrieden zurückgelassen.

5) Gut unterhalten zu werden:

Wenn ein Buch schon nicht sonderlich glaubwürdig ist, literarisch kein hohes Niveau aufweist, keine besondere Figurenentwicklung hat und ich auch nicht wirklich was dabei lernen kann, dann wäre es schön, wenn es wenigstens so spannend oder witzig geschrieben wäre, dass ich mich dabei gut unterhalten würde. Ich nehme zur Kenntnis, dass die Autorin versucht hat, humorvoll und weise rüberzukommen, aber, wie gesagt, über weite Strecken hat mich das Buch mangels wirklich interessanter Handlung sehr gelangweilt.

6) Interessante historische Bezüge:

Was mich wirklich gewundert hat, war das Nachwort. In diesem gibt die Autorin an, dass sie speziell über die Gestalterin des Römischen Gartens in Hamburg, Else Hoffa, schreiben habe wollen, da sie festgestellt habe, dass einiges, was über diese zu finden sei, korrigiert und ergänzt werden könnte. Ja, zu Else Hoffa gibt es immer wieder Exkurse, speziell in den Erinnerungen der alten Margrit, denn Else Hoffa wird fiktiv als lesbische Partnerin von deren Mutter Johanne dargestellt. Allerdings haben diese Elemente für mich als Fremdkörper im Roman gewirkt, nicht wirklich mit dem Rest der Geschichte verbunden, und ich wäre allein aufgrund der Lektüre nie draufgekommen, dass das ein zentrales Element des Buches sein sollte, dazu war es als Thema viel zu wenig präsent.

Fazit: Ich nehme der Autorin nicht ab, über sehr alte Menschen, Kunstsprachen oder sonstige der im Buch behandelten Themen wirklich tiefgründig recherchiert zu haben. Die Geschichte an sich war für mich langatmig und langweilig erzählt, die Figurencharakterisierung blass, kaum Charakterentwicklung da und das Leseerleben unbefriedigend und langweilig. Schade. 2 Sterne für die Bemühung, eine humorvolle, berührende Geschichte zu schreiben, und für stellenweise gute Ansätze dazu. Keine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Mittelmäßig, mit Luft nach oben

Acht Wochen verrückt
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Ich habe schon viele autobiografische Bücher und autofiktionale Memoirs zu Menschen und ihre psychischen Erkrankungen gelesen, z.B. von Matt Haig oder Kathrin Weßling. Insofern war ich auch neugierig auf ...

Ich habe schon viele autobiografische Bücher und autofiktionale Memoirs zu Menschen und ihre psychischen Erkrankungen gelesen, z.B. von Matt Haig oder Kathrin Weßling. Insofern war ich auch neugierig auf dieses frühe Werk der von mir geschätzten Autorin Eva Lohmann, das auf einer wahren Geschichte beruhen soll.

Milena, genannt Mila, ist Ende 20, und schon länger nervlich am Ende. Sie hat zwar eine Beziehung, die okay ist, und eine Festanstellung, aber seit Wochen ist sie nur mehr müde und am Weinen, versteht sich selbst nicht mehr. Schließlich wird ihr über ihre Psychiaterin ein 8-wöchiger Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik angeboten, und um die Zeit dort geht es in diesem Buch, gegliedert nach Wochen.

Wir erfahren ein bisschen etwas über Milas Alltag dort, über Gymnastikstunden, Kontakte mit anderen Patientinnen und Patienten, Essen in der Kantine und gelegentliche therapeutische Gespräche. Dabei erleben wir insbesondere sehr stark Milas Blick auf die diversen Patientinnen mit Essstörungen mit - es gibt in der Klinik sowohl Anorektikerinnen und Bulimikerinnen (mit einer davon teilt Mila das Zimmer) als auch Esssüchtige mit sichtbarem Übergewicht. Dieser Blick auf die Menschen mit Essstörungen ist nicht unbedingt ein sympathischer, insbesondere jener auf die übergewichtigen Esssüchtigen, über diese wird teilweise mit Worten geschrieben, wie man es mit einer Sensibilität aus den 2020er-Jahren heute nicht mehr tun würde. Das Buch ist aus dem Jahr 2011, und das merkt man ihm hier, und an einigen anderen Stellen, auch an. Insofern ist es ein guter Spiegel dafür, wie unsere Welt sich seither weiterentwickelt hat.

Inwiefern die 8 Wochen in der Klinik wirklich zu Milas Gesundung beitragen, ist mir aus dem Buch nicht wirklich klar geworden. Es gibt nur gelegentliche therapeutische Gespräche, die kaum in die Tiefe zu gehen scheinen, und ein einziges Gespräch gemeinsam mit ihren Eltern, unter Anwesenheit des Therapeuten, in dem eher klischeemäßig den Eltern viel Schuld an Milas psychischen Problemen zugeschoben wird, weil Mila sich so an diesen und ihren Leistungsansprüchen orientieren würde. Zu Mila selbst und ihrem psychischen Zustand bekomme ich wenig Zugang, zu sehr an der Oberfläche bleiben die Schilderungen des Klinikalltags und vor allem der anderen Patientinnen, die sehr klischeemäßig in eine Schachtel gepackt werden, z.B. "das Reh" für eine Mitpatientin mit braunen Haaren und einer zuerst etwas zurückgezogenen Ausstrahlung.

Ein wichtiger Baustein der Gesundung, auf den Mila und der Therapeut offenbar so stolz sind, ist, dass sie aus der Klinik heraus ihre Festanstellung gekündigt hat. Wie sie sich danach finanzieren möchte und ob der Aufbau der geplanten Selbständigkeit unter ihrem nach wie vor stark beeinträchtigten psychischen Zustand realistisch ist, darauf wird kaum eingegangen.

Insgesamt ist es für mich ein Buch, das die Komplexität psychischer Erkrankungen, ihre Auswirkungen und den möglichen Umgang damit nur sehr oberflächlich und unzureichend behandelt. Andere Bücher von Eva Lohmann, speziell den Trennungsroman und "Das leise Platzen unserer Träume" kann ich sehr empfehlen, diese sind wesentlich tiefgründiger. Dieses Frühwerk empfehle ich eher nicht.

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Macht keinen Spaß

Mein Tagebuch für 5 Jahre
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Ich habe jetzt die letzten 5 Jahre mit viel Freude die Fragen aus "F&A" beantwortet, das hat mir viel Freude gemacht und es war interessant, die Ergebnisse zu vergleichen. Für die nächsten 5 Jahre wollte ...

Ich habe jetzt die letzten 5 Jahre mit viel Freude die Fragen aus "F&A" beantwortet, das hat mir viel Freude gemacht und es war interessant, die Ergebnisse zu vergleichen. Für die nächsten 5 Jahre wollte ich zur Abwechslung neue Fragen beantworten und habe mir dieses Buch ausgesucht. Aufgrund der hübschen Gestaltung und der positiven Bewertungen hab ich mir einiges erwartet.

Nun nach dem ersten Monat bin ich schon enttäuscht davon: die Papierqualität ist eher schlecht, das Hineinschreiben viel mühsamer und auch die Fragen sind für mich weit weniger inspirierend und interessant als die im anderen 5-Jahres-Buch. Ich werde mich nach einer Alternative umsehen, das halte ich keine fünf Jahre durch.

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Viele gravierende Rechtschreibfehler, nicht neutral

Erfüllendes Mutterglück oder kinderlose Freiheit?
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Aufgrund der positiven Rezensionen war ich gespannt auf dieses Buch. Ich selbst bin Mitte 30 und habe ein Kind. Mich interessiert das Thema theoretisch, ich wollte außerdem wissen, ob ich es Freundinnen ...

Aufgrund der positiven Rezensionen war ich gespannt auf dieses Buch. Ich selbst bin Mitte 30 und habe ein Kind. Mich interessiert das Thema theoretisch, ich wollte außerdem wissen, ob ich es Freundinnen empfehlen kann und ob ich mein früheres Ich, vor der Entscheidung für unser Kind, dort wiederfinden würde.

Ich bin froh, dass mein früheres Ich dieses Buch nicht gelesen hat. Nicht lesen konnte, da es damals noch nicht erschienen war. Denn das Buch gibt vor, neutral zu sein und einem alle Werkzeuge für eine freie Entscheidung in die Hand zu geben. Doch das tut es nicht, an vielen Stellen scheint die innere Haltung der Verfasserin durch und dass sie sich ihre eigene Lebenssituation - mit ihrem ach so wunderbaren, 30 Jahre älteren Partner, der keine Kinder mehr will oder kriegen kann - schönreden möchte.

Wie sehr sich die eigene Persönlichkeit durch ein Kind verändert, kommt nicht genug durch, es geht vorrangig um das "Ich", das man jetzt ist, kinderlos, und was einem da wichtig sei, z.B. Freiheit und Unabhängigkeit. Und das Buch bleibt auch auf einer sehr logisch-rationalen Ebene und hilft nicht dabei, sich emotional-intuitiv in das Thema "Eltern werden" einzuspüren... dabei wird auch nur selten das große Glück, das viele Kinder für ihre Eltern immer noch sind und das mit noch so vielen Argumenten nicht aufzuwiegen ist, spürbar.

Und obwohl die Verfasserin x Male betont, wie "emphatisch" (sie meint "empathisch", aber leider ist dieses Wort durchgängig falsch geschrieben, offenbar gab es hier keinerlei Korrektorat) sie doch sei und wie gut sie sich in alles einfühlen könne... wer weiß, wie es wirklich ist, ein Kind zu haben, sieht an vielen Beispielen im Buch, welchen Trugschlüssen sie da unterliegt. Besonders stark zeigt sich das zum Beispiel im Kapitel über die Freundschaften und wie diese sich durch ein Kind ändern würden und wo sie allen Ernstes meint, dass die kinderlose Freundin in einer Freundschaft, in der eine ein Kind kriegt "eine sehr viel größere Anpassungsleistung vollbringen muss" als die, die gerade Mutter geworden ist. (S. 296) und sich außerdem beleidigt fühlt, dass ihre Freundin, die ein kleines Kind hat, ihr dabei nicht in jedem Moment vollen Blickkontakt und volle Aufmerksamkeit schenken kann, während sie von ihren Arbeitsproblemen erzählt (statt, wie eine tatsächlich empathische Person, sich in die Freundin einfühlen zu können und dankbar dafür zu sein, dass diese sich immerhin so sehr bemüht, sich die Arbeitsprobleme anzuhören, obwohl sie nebenbei auf ihr kleines Kind schauen muss... etwas sehr Anstrengendes, was alle tatsächlichen Eltern wissen).

Liebe Ellen Kuhn, als eine, die beides schon erlebt hat - zuerst einige Male, dass eine ihrer Freundinnen ein Kind bekommt und dann schließlich, selbst Mutter zu werden - kann ich dir sagen: du irrst dich sehr und es gibt ganz vieles, was du da nicht siehst. Vielleicht gar nicht sehen kannst, ohne diese Erfahrung gemacht zu haben (ja, das ist tatsächlich so, wenn das auch vorher keiner hören will, wollte ich auch nicht)... aber täusche dich doch nicht selbst so sehr und meine, du könntest dich tatsächlich in alles so sehr einfühlen.

Ja, es sind einige interessante Perspektiven in dem Buch... und doch liest es sich für mich klar als eines, das eher gegen die Mutterschaft gerichtet ist, von einer, die sich schon dafür entschieden hat, aus nachvollziehbaren persönlichen Gründen, und dafür Gründe sucht.

Für eine neutrale Entscheidung und Unterstützung bei dem Prozess, sich für oder gegen Kinder zu entscheiden, kann ich es deshalb nicht empfehlen. Es gibt auch noch einige weitere störende Rechtschreibfehler, die sich durch das Buch ziehen, davon ist emphatisch statt empathisch der wichtigste, weil häufigste, aber nicht der einzige. Ich werde das Buch nun wieder verkaufen.

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