Witzig und wirklich eine gute Unterhaltung, auch wenn man noch selbst nicht in Rente ist!
Crime im HeimWas kommt dabei heraus, wenn eine Horde rüstiger Rentner beschließt, Hamlet aufzuführen, ein Mops auf mysteriöse Weise das Zeitliche segnet und ein pensionierter Zahnarzt zur Obduktionsbesteck-Garnitur ...
Was kommt dabei heraus, wenn eine Horde rüstiger Rentner beschließt, Hamlet aufzuführen, ein Mops auf mysteriöse Weise das Zeitliche segnet und ein pensionierter Zahnarzt zur Obduktionsbesteck-Garnitur greift? Richtig: ein kriminell komisches Abenteuer mit Herz, Hirn – und Hüftgelenkersatz! Ida Tannerts „Crime im Heim“ ist ein Fest für alle, die britischen Humor in deutscher Ausführung lieben, gern mal laut auflachen beim Lesen und keine Angst vor ergrauten Ermittlern haben, die mit Rollator und Restgehirnzellen dem Verbrechen auf die Spur kommen.
Im Zentrum des gepflegten Chaos steht das Seniorenstift »Silberblick«, das mit seinem gut gemeinten Kulturangebot irgendwo zwischen Akkordeonfolter und Bastelhölle angesiedelt ist. Friedhelm, ein abgehalfterter Feuilletonist mit Theaterfaible und galanter Großmanns-Geste, hat genug vom stillen Rentnerdasein. Er will die große Bühne – mit Shakespeare, Pathos und Puderperücke. Unterstützung bekommt er von Katia, Ex-Yogalehrerin, heimliche Herzensdame und baldige Hamlet-Darstellerin in Personalunion mit Miss Marple auf Kamillentee.
Doch bevor der erste Vorhang fällt, fällt der erste Hund: Ophelia, ein Mops mit Bühnenambitionen, segnet auf mysteriöse Weise das Zeitliche. Die Diagnose: Mord durch Projektil – Standesgemäß ermittelt per Zahnspiegel und Aristokraten-Nagelset. Und das ist nur der Anfang. Bald purzeln die Leichen (na gut, es sind nicht so viele), Geheimnisse kommen ans Licht, und die „Grauen Stars“ nehmen die Ermittlungen auf – mit mehr Grips als Gebiss und einer Prise Altersstarrsinn, die Sherlock Holmes vor Neid erblassen ließe.
Tannert (alias Tessa Korber) gelingt hier ein Geniestreich in Sachen Seniorenkrimi: Witzig, schräg, voller Wortakrobatik und mit einem liebevollen Augenzwinkern für all die Marotten, Zipperlein und Eigenheiten des Alters. Zwischen Theaterprobe und Täterjagd wird philosophiert, gezankt, geschmust und geschossen – und das alles mit einer solchen Lebensfreude, dass man das Gefühl hat, im Haus Silberblick steppt der Bär. Oder zumindest der Mops.
Besonders gelungen sind die Dialoge, sie knistern vor Sprachwitz, schräge Bilder und überraschende Bonmots pflastern die Seiten, und selbst die toten Vierbeiner haben mehr Charakter als so mancher Tatort-Kommissar. Die Senioren sind keine Abziehbilder, sondern echte Typen mit Vergangenheit, Ecken und Kanten – und einem gesunden Hang zum Drama, der der Shakespeare’schen Vorlage alle Ehre macht.
Fazit: „Crime im Heim“ ist wie ein spritziger Eierlikör mit Schuss – süffig, warm ums Herz machend und mit einem Nachklapp, der es in sich hat. Wer gern über Mord lacht, Rollatorenrennen spannend findet und Shakespeare in Badeschlappen schätzt, wird dieses Buch lieben. Ein Must-Read für alle Fans von Cosy Crime, gepflegtem Nonsense und der Frage: Was kann im Altersheim schon schiefgehen? Spoiler: Alles. Und das ist großartig so.