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Veröffentlicht am 27.04.2025

Immer für dich da

Junikinder
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Julia und ihre ältere Schwester Liv sind im Juni geboren, mit fünf Jahren minus zwei Tagen Abstand, Geburtstag gefeiert wird stets am Tag dazwischen. Einst geben sie einander das Versprechen, immer füreinander ...

Julia und ihre ältere Schwester Liv sind im Juni geboren, mit fünf Jahren minus zwei Tagen Abstand, Geburtstag gefeiert wird stets am Tag dazwischen. Einst geben sie einander das Versprechen, immer füreinander da zu sein, aber können sie das tatsächlich für den Rest des Lebens so einhalten? Einschneidende Geschehnisse stellen Julia und Liv auf eine schwierige Probe.

Julia hat es nicht leicht. Als Säuglingsschwester ist sie permanent sehr fordernden Situationen ausgeliefert, privat teilt sie sich mit einem manipulativen Charakter das Sorgerecht für Sohn Truls, zusätzlich hat sich das Verhältnis zu ihrer Schwester Liv distanziert und abgekühlt. Da passiert das schier Unglaubliche an ihrem Arbeitsplatz.

In eher ruhigem Stil beschreibt Marcus Jarl seine Charaktere und Szenen. Dabei blickt er ganz genau aufs Detail und lässt so den Leser tiefe Einblicke nehmen in den Alltag einer Frühgeborenenstation. Eine wenig erfreuliche Überraschung überschattet alsbald Julias Alltag und bringt die junge Frau in ein unlösbares Dilemma. Auf diesen ersten Abschnitt, der im Juni 2022 spielt, folgen zwei weitere große Teile, welche mittels Rückblenden aus Julias und Livs früherem Dasein erzählen und Zusammenhänge begreifbar werden lassen. Im abschließenden vierten Teil kehren wir ins Jahr 2022 zurück, spitzt sich die Lage naturgemäß zu und wartet auch mit einer ganz passablen Lösung auf. Trotz der zeitweise empfundenen Kühle im Schreibstil wird das Drama in der Geschichte gut transportiert – nicht jede Einzelheit muss erwähnt werden, um alles zu verstehen – da und dort hätte ich aber doch noch gerne mehr teilhaben wollen an den Gefühlen der Betroffenen. Nach außen hin gehen sie mit ihrem Schicksal fast zu gelassen um, wie es in ihrem Inneren aussieht, könnte vielleicht noch eindringlicher vermittelt werden.

Alles in allem hat mir der Roman Junikinder sehr gut gefallen, im Vordergrund stehen tapfere und selbstständige Frauen, für die ich mir auch künftig schöne gemeinsame Stunden vorstellen kann. Wer eine ruhige Lesezeit sucht mit wegweisenden Momenten, der ist bei den Schwestern Julia und Liv gewiss gut aufgehoben.

Veröffentlicht am 24.04.2025

Trio auf Scheidungsreise

Bad Tourists
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Drei Frauen um die Fünfzig – die sonst recht unterschiedlichen Damen Darcy, Kate und Camilla haben sich aufgrund einer einzigen Gemeinsamkeit zusammengefunden und treten anlässlich Darcys Scheidung eine ...

Drei Frauen um die Fünfzig – die sonst recht unterschiedlichen Damen Darcy, Kate und Camilla haben sich aufgrund einer einzigen Gemeinsamkeit zusammengefunden und treten anlässlich Darcys Scheidung eine Reise auf die Malediven an. Aber statt erholsam wird es im Ferienresort ziemlich schnell turbulent und aufregend. Unerwartete Überraschungen lassen Zweifel an Freundschaft und Vertrauen aufkommen.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln lässt Caro Carver diese Geschichte aufleben. Neben den bereits genannten Figuren nimmt auch Jade eine wesentliche Rolle ein. Sie verbringt zur selben Zeit wie die drei Freundinnen ihre Flitterwochen auf den Malediven, vor dem malerischen Hintergrund einer phantastischen Ferienidylle braut sich allerdings Schreckliches zusammen. Mit einer verblüffenden Ruhe und Gelassenheit werden aktuelle Geschehnisse geschildert, wird auf ein grausames Massaker im Jahre 2001 zurückgeblickt. Wer meint, sehr schnell den Überblick zu haben und alle Zusammenhänge zu erfassen, wird sich vielleicht im Laufe der Kapitel doch noch wundern und eines Besseren belehren lassen, denn die Autorin hält einige Wendungen und Neuigkeiten bereit, mit denen ich jedenfalls nicht gerechnet hätte. So verläuft die gesamte Handlung fesselnd, bleibt die Spannung auf einem konstant guten Niveau, um des Lesers Neugierde nicht schwinden zu lassen. Lediglich zum Ende hin wird es etwas zu drastisch, was eigentlich nicht nötig gewesen wäre.

Caro Carver wählt verschiedene Themenbereiche rund um das Leben einer Frau und verpackt diese gekonnt in ihrem vorliegenden Thriller. Insbesondere die Wut und ihre Ausdrucksmöglichkeiten finden Raum in der Handlung und zeigen, welche Folgen ein Trauma haben kann. Mir hat´s gut gefallen, ich spreche gerne eine Empfehlung aus.

Veröffentlicht am 21.04.2025

Trio in Hamburg

Elbnächte. Die Lichter über St. Pauli
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Louise ist mit einem reichen Mann verheiratet und reist von einer Stadt zur nächsten, verbringt Zeit auf Pferderennbahnen und in noblen Bars. Bis ihr Gatte spurlos verschwindet. Ella ist eine ehemalige ...

Louise ist mit einem reichen Mann verheiratet und reist von einer Stadt zur nächsten, verbringt Zeit auf Pferderennbahnen und in noblen Bars. Bis ihr Gatte spurlos verschwindet. Ella ist eine ehemalige Prostituierte und reist mehr zufällig als geplant nach Hamburg. Alles, was sie will, ist ein neues Leben. Da trifft sie auf Louise und gerät in ein unaufhaltsames Abenteuer.

Unterschiedlichste Handlungsstränge und Schauplätze eröffnen diesen Roman, der im Jahre 1913 überwiegend in Hamburg spielt. Wie die Geschichten einer eleganten Dame, einer unfreiwilligen Liebesdienerin und eines Einarmigen zusammenhängen könnten, erschließt sich dem Leser erst nach einigen Kapiteln, in welchen man nach und nach erkennt, wohin die Reise führt. Aber da kommt auch schon die nächste Überraschung, denn plötzlich entwickelt sich die ganze Angelegenheit zu einem Krimi, den man so vielleicht nicht erwartet hätte.

Stete Perspektivenwechsel gewähren Einblicke in die Sichtweise und Gedankenwelt der einzelnen Figuren, die man sich aufgrund der detaillierten Charakteristik gut vorstellen kann. Turbulente Szenen schrammen bisweilen am Rand der Glaubwürdigkeit, sodass hier die Authentizität leider ein wenig leidet. Dennoch lernt man die Welt Hamburgs um 1900 gut kennen mit den großen Unterschieden zwischen Arm und Reich, den Möglichkeiten für Mann und Frau. Umso schöner, dass das Trio Louise, Ella und Paul – nicht ganz aus freien Stücken – so zusammenwächst und agiert, wie es Henrike Engel vorgesehen hat.

Ein unterhaltsamer Roman mit extrem unterschiedlichen Hauptfiguren und fast unlösbaren Problemen. Ob sich alle Träume erfüllen, wird wohl erst der Folgeband verraten.

Veröffentlicht am 01.04.2025

Einsamer Wolf

Narbensommer #Thriller
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Kurz nach der Abifeier wird die Leiche von Michelle bestialisch zugerichtet am Waldrand aufgefunden. Zwanzig Jahre später ereignen sich brutale Prostituiertenmorde in Frankfurt, zudem stehen die albanische ...

Kurz nach der Abifeier wird die Leiche von Michelle bestialisch zugerichtet am Waldrand aufgefunden. Zwanzig Jahre später ereignen sich brutale Prostituiertenmorde in Frankfurt, zudem stehen die albanische Mafia und die Rockergruppierung Wölfe in Konkurrenz. Auf Marc Davids und Zoé Martins warten einige Herausforderungen.

Der Einstieg mit der feucht-fröhlichen Party ist gelungen, die Gedanken eines Unbekannten ebenso, dann geht es allerdings in komplizierte Verstrickungen zwischen Albanern und Wölfen, welche einem Geduld abverlangen beim Lesen. Auch die Deutlichkeit der Tatortbeschreibungen voller grausamer Details müssen einmal verdaut werden, passen aber zum Genre Thriller und zur Handlung rund um einen einsamen Wolf, der immer wieder zu Wort kommt. Was auf den ersten Blick unvereinbar scheint, bringt Chris Dominik in einen schlüssigen Zusammenhang, die zweite Hälfte des Buches präsentiert sich dann auch übersichtlicher als die anfangs unnötig scheinenden Diskussionen zwischen zwei Ermittlungsleitern. Gekonnt fügt der Autor die einzelnen Puzzlesteinchen zusammen und bringt die fesselnden Kapitel zu einem überzeugenden Ende.

Bestialisch im Detail, bedrohlich im Mafiamilieu, großartig in der Ausführung – Narbensommer, ein Thriller für Hartgesottene.

Veröffentlicht am 27.03.2025

Fria Nordström

Der Mann aus der Flut
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Fria Nordström hat gute Gründe, vom LKA Hamburg in die neue Polizeiwache Sylt Nord zu wechseln, wo sie gleich in der Nähe in einem geerbten alten Reetdachhaus wohnt. Während der einheimische Kommissar ...

Fria Nordström hat gute Gründe, vom LKA Hamburg in die neue Polizeiwache Sylt Nord zu wechseln, wo sie gleich in der Nähe in einem geerbten alten Reetdachhaus wohnt. Während der einheimische Kommissar von ruhigen Zeiten spricht, kommt die Meldung über einen Selbstmörder herein. Allerdings ist er fest davon überzeugt, dass Tammo Mattes sich niemals selbst erhängt hätte. Kaum angekommen, muss Fria also schon in einem möglichen Mordfall ermitteln.

Martin Krügers spezieller Schreibstil fesselt den Leser von Anfang an, die unheimlichen Vorgänge auf der Insel tun ihr Übriges, um dem Krimi sein besonderes Flair zu verleihen. Da geht es einerseits um den alten Seemann Mattes, der gerne als verrückt bezeichnet worden ist, andererseits um einen gestrandeten Unbekannten, der sich an nichts erinnern kann. Und wer ist der exzentrische Mann mit dem silbergrauen Haar, der stets seien Willen durchsetzt? Spannende Kapitel reihen sich aneinander und geben mehr Rätsel auf als sie enthüllen. Die später hinzukommenden Szenen aus Tätersicht hingegen lüften schnell ein Geheimnis. Wer mir leider die ganze Zeit über recht fremd geblieben ist, ist die Hauptfigur Fria Nordström. Zu ihrer Person wird vieles angedeutet aber wenig wirklich detailliert erzählt, vielleicht lichten sich die Nebel im folgenden Band?

Fria auf Sylt – die Kommissarin und Hündin Fee besitzen den richtigen Spürsinn, offene Fragen zum Fremden werden hoffentlich in einer Fortsetzung geklärt. Mir hat dieser ungewöhnliche Kriminalroman gut gefallen und meine Neugierde für mehr von Fria Nordström ist geweckt.