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Veröffentlicht am 21.04.2025

Natur. Familiäre Konflikte und ein großes Vermächtnis

Wo wir uns treffen
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Der Todesfall des Patriarchen Philipp führt in der Familie Brooke zu einigen Veränderungen und vor allem zum Aufeinandertreffen der Familie. Philipp Brooke hat von seinen Vorfahren ein beachtliches Vermögen ...

Der Todesfall des Patriarchen Philipp führt in der Familie Brooke zu einigen Veränderungen und vor allem zum Aufeinandertreffen der Familie. Philipp Brooke hat von seinen Vorfahren ein beachtliches Vermögen und Grundbesitz geerbt. Gemeinsam mit und unter der Federführung seiner Tochter Frannie hat er dieses in den vergangenen Jahren stark renaturiert. Mit der Leidenschaft für die Natur wurde auch die Enkelin, Frannies Tochter Rowan, infiziert. Doch leider hat sich der alte Herr keine Gedanken um seine Nachfolge gemacht, so dass eine enorme Summe Erbschaftssteuer zu entrichten ist. Frannie versucht daher, die Kriterien für das Heritage-Property Siegel zu erfüllen. Doch auch ihr Bruder Milo hat Pläne. Einen Teil des Landes möchte er gemeinsam mit einem befreundeten Investor für ein Wellness-Retreat nutzen, ausgerechnet das Stück Land, welches schon immer vom Freund der Familie, Ned, bewohnt wird. Philipp Brooke selbst schein als Mensch dagegen kaum jemand hinterher zu trauern. Er schien kein sympathischer Mensch gewesen zu sein, hat seine Frau und Familie regelmäßig betrogen. Und dies holt die Familie am Tag der Beerdigung auch ein. Eine folgenschwere Enthüllung zwingt alle Angehörigen dazu, sich mit der Geschichte der Familie und der Verantwortung auseinanderzusetzen.
Der Roman ist eine Liebeserklärung an die Natur. „…wie junge Farnblätter entrollen sich die brennenden, nadelspitzen Gefühle in ihrem Innern und gehen im Grün der Bäume und im Klang des Wassers auf.“ Fran und Rowan, aber auch Ned, leben im tiefen Einklang mit der gegebenen Natur und zollen ihr Respekt. Die Sprache speist sich aus naturnahen Bildern und trägt diese in zahlreichen Bildern durch die Seiten. Dies ist wunderbar zu lesen, echt, authentisch, nicht kitschig. Eine konfliktbehaftete Familiengeschichte ist eingewoben in ein generationenübergreifendes Vermächtnis. Am Ende bleibt die Frage nach Verantwortung und Schuld. Ein tolles Buch, welches erst im Nachgang die volle Stärke entfaltet.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

So viele Geheimnisse, die das Leben belasten

Stromlinien
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Die Zwillinge Enna und Jale wachsen bei ihrer Oma auf und warten gemeinsam sehnsüchtig auf den Tag, an dem ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch genau an diesem Tag ist Jale verschwunden, ...

Die Zwillinge Enna und Jale wachsen bei ihrer Oma auf und warten gemeinsam sehnsüchtig auf den Tag, an dem ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch genau an diesem Tag ist Jale verschwunden, die Maurer taucht nicht auf und ein kleines Motorboot versinkt in der Elbe. Enna ist verzweifelt. So verschieden die Schwestern auch sind, so sehr fühlt Enna sich Jale verbunden, teilt alles mit ihr und macht sich Sorgen. In dieser Verzweiflung beginnt sie Luca aus ihrer Schule zu vertrauen. Nahe stehen die Mädchen sonst nur sich selbst, vor Bindungen schotten sie sich ab.
Nach und nach klärt sich die ganze Geschichte auf und es ist erstaunlich, wieviele Geheimnisse Menschen behalten können und was dies mit ihnen bewirkt. Verbitterung, Einsamkeit und tiefes Misstrauen haben sich in das Haus von Enna, Jale und ihrer Oma eingeschlichen. Die Geschichte der Familie reicht mehrere Generationen zurück und ist tief verbunden mit der Elbe und den darin befindlichen Inseln. Realität fließt an vielen Stellen mit in das Buch ein. Eine wesentliche Rolle spielen 2 Schiffsunglücke und die Insel Hahnöfersand. Es empfiehlt sich das Nachwort zu lesen, hier wird Fiktion von Wirklichkeit getrennt. Insgesamt Handbuch das Buch sehr gern gelesen. Es war schön zu sehen, wie Enna ihren eigenen Weg findet, wenn auch unter tragischen Umständen. Die ganze Tragödie, die diese Familie begleitet, wird es Stück für Stück offenbart und es tut regelrecht weh zu lesen, wie schwer es sich die Menschen durch anschweigen gemacht haben. Ein tolles Buch.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Eine Geschichte wie ein Strandspaziergang

Regen an sonnigen Tagen
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Lisa schreibt unter dem Pseudonym Johanne Nielsen einen Erfolgsthriller nach dem anderen. Doch tief in sich drin verspürt sie den Wunsch, neue Wege zu gehen. Ein erster Versuch in diese Richtung endet ...

Lisa schreibt unter dem Pseudonym Johanne Nielsen einen Erfolgsthriller nach dem anderen. Doch tief in sich drin verspürt sie den Wunsch, neue Wege zu gehen. Ein erster Versuch in diese Richtung endet in einem vernichtenden Zeitungsartikel. Lisa bricht zusammen und wacht erst im Krankenhaus wieder auf, neben sich ihre Mutter, die in gewohnter Manier dem Personal Anweisungen erteilt. Lisa beschließt, einmonatige Tage im Ferienhaus der Familie auf Rügen zu verbringen, die Mutter im Schlepptau. Auf ihren Strandspaziergängen trifft sie Benedict mit seinem Hund Edgar. Fortan werden die Spaziergänge regelmäßig, die Gespräche tiefgründiger. Doch Benedict umgibt ein Geheimnis und auch Lisa kann sich erst nach und nach öffnen und holt so ein Erlebnis aus tiefster Kindheit hervor. Dies bringt eine ganze Lawine ins Rollen und die Familie steht bald Kopf.

Nach 2 Krimis der Autorin war dies ein ganz anderes Leseerlebnis, bewegend und tiefgründig. Auf der einerseits wird gezeigt, wieviel Einfluss Eltern auf ihre (auch erwachsenen) Kinder haben können und wie schwer es manchmal sein kann, sich daraus zu befreien. „Hab keine Angst, dich neu zu erfinden“ meint Lisas Mutter. Denn auch darum geht es, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören, diese überhaupt zu erspüren und dann den Mut haben, neue Wege zu gehen. Es zeigt aber auch, was Eltern bereit sind auf sich zu nehmen, um ihre Kinder vermeintlich zu schützen. Toll verpackt in tiefgründige Gespräche am Strand. Ich habe vor allem Benedict ins Herz geschlossen. Das Buch liest sich sehr angenehm, mit wundervollen Illustrationen. Sehr gelungen und in jedem Fall lesenswert.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Auf in eine neue Welt

Maggie Blue - Das Portal zur Düsterwelt
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Maggie lebt seit kurzem bei ihrer Tante Esme. Der Vater hat die Familie verlasse , der Mutter befindet sich wegen Depressionen in einer Klinik. Also mitten im Schuljahr muss Maggie auch noch die Schule ...

Maggie lebt seit kurzem bei ihrer Tante Esme. Der Vater hat die Familie verlasse , der Mutter befindet sich wegen Depressionen in einer Klinik. Also mitten im Schuljahr muss Maggie auch noch die Schule wechseln. Ihre Mitschüler machen es ihr nicht leicht. Die einzige Gesellschaft ist neben ihrer schrulligen Tante ein Kater. Irgendwie fühlt Maggie sich seltsam an diesem Ort. Und dann passieren merkwürdige Dinge - der Kater spricht mit Maggie, ihre Widersacherin Ida wird von der Vertrauenslehrerin entführt, und Maggie reist durch ein Portal in die Düsterwelt um Ida zu retten. Alles weiter müssen die Leser selbst herausfinden.
Zu allererst hat mich das Cover angesprochen, wunderschön abenteuerlich gestaltet. Der SchreibStil ist angenehm zu lesen und ich war ganz schnell in der Geschichte drin. Die Fantasiewelt wird eindrucksvoll geschildert. Spannung, Witz und Humor, aber auch Freundschaft und Mut bringt Maggie Blue mit.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Das Buch ist der Titel

Verdammt wütend
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Wie kann man wütend schreiben, ohne das Wort zu benutzen? Die Autorin hat dies geschafft. Allein indem sie über mehr als 2 Seiten zu Beginn schreibt, was es heißt Frau zu sein und damit nahezu jedes Klischee ...

Wie kann man wütend schreiben, ohne das Wort zu benutzen? Die Autorin hat dies geschafft. Allein indem sie über mehr als 2 Seiten zu Beginn schreibt, was es heißt Frau zu sein und damit nahezu jedes Klischee und jedes (sich zum Teil widersprechendes) Rollenbild bedient, hat sie mich bereits gefesselt. Britt verbringt mit ihrer Familie und den Freunden ihres Mannes wie jedes Jahr den Sommer am Meer im Sommerhaus von Nico. Diesmal platzt ihr der Kragen, sie schreit ihre Meinung förmlich an alle raus und verlässt das Haus. Bis zum nächsten Morgen kommt sie nicht zurück. Während des Buches erfahren wir mehr über ihre Gedankengänge, die Liebe und Gedanken zu ihrer Tochter, zu ihrem Mann. Aber wir erfahren auch, was während ihrer Abwesenheit passiert mit den anderen. Britt ist immer wütend, sie trägt eine solch unbändige Wut in sich seit ihrer Kindheit. Früh verlässt ihre Mutter die Familie, was sicher einen großen Beitrag zur Wut leistet. In ihrer kleinen Auszeit kommt Britt sich selbst etwas näher. Ausgerechnet mit der verhassten Nico verbringt sie diese Stunden. Doch so gegensätzlich wie die beiden sind, so sehr hilft es Britt, langsam sich selbst zu spüren. Sie hat nie gelernt, ihre Bedürfnisse zu spüren, geschweige denn zu äußern. Und so lebt Britt eigentlich nicht ihr Leben, sondern wird gelebt und zum Spielball ihres Umfeldes.
Das Buch ist außergewöhnlich – im Schreibstil, aber auch im Spiel der Gestaltung. Da sind mal 3 wütende Sätze auf eine Seite geschmissen, der Rest der Seite bleibt leer. Und so reißt einen Britt mit in den Strudel der Wut. Vieles kann ich absolut nachempfinden und es ist das, weswegen sich viele Mütter heute erschöpft fühlen. Der Druck von außen – „Mädchen zu sein, bedeutet viel Schminke zu benutzten, aber trotzdem natürlich auszusehen, Mädchen sollen sich so schminken, dass sie ungeschminkt aussehen, als wären sie so aufgewacht.“ Und derer Beispiele sind zahlreich aufgeführt. Wenn man als Frau in jede der „Anforderungen“ passen möchte, bleibt ein Hauch von Bandbreite, in der frau sich frei bewegen kann. Also kommt man nicht drumherum, sich seinen eigenen Wünschen zu widmen und lernen, die Bedürfnisse zu äußern – ABER: So wurden Mädchen nicht erzogen. Das macht wütend.
Die gute Nachricht ist: Wir können es lernen, auf uns selbst zu hören. Es mag manchmal schmerzen und wir ecken bestimmt auch an. Aber wir haben nur ein Leben. Und auch Britt hat eine Lösung gefunden.

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