Platzhalter für Profilbild

Mirja103

Lesejury Profi
offline

Mirja103 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Mirja103 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.04.2025

Die Idylle ist sehr trügerisch

Der Honigmann
0

Das Leben in Fischbach scheint perfekt zu sein: eigenes Häuschen, Natur drumherum, nette Nachbarn, alle verstehen sich gut. Doch dann brodelt die Gerüchteküche: was ist mit dem Honigmann, der ein kleines ...

Das Leben in Fischbach scheint perfekt zu sein: eigenes Häuschen, Natur drumherum, nette Nachbarn, alle verstehen sich gut. Doch dann brodelt die Gerüchteküche: was ist mit dem Honigmann, der ein kleines Geschäft für Honig und Deko führt und so nett zu Kindern ist? Ist er ein verurteilter Straftäter? Hat er erneut Taten begangen? Schnell eskaliert die Situation. Er muss auf jeden Fall weg, egal ob er etwas gemacht hat oder nicht, er könnte ja noch was machen. In einer WhatsApp-Gruppe schaukeln sich die Menschen gegenseitig hoch. Was wird passieren?

Der Autor hat die Entwicklung sehr gut beschrieben. Zunächst lernt man die Idylle kennen und die ersten Risse. Dann konzentriert sich alles auf den Honigmann. Sehr treffend wird geschildert, wie schnell alle mit einem Urteil sind und wie schnell es auch wieder umschlagen kann. Ich fand dies sehr eindrücklich und realistisch. Die Charaktere sind sehr gut dargestellt. Man hat schnell ein Bild vor Augen und ahnt, wie die Figuren reagieren werden. Der flüssige Schreibstil ist sehr angenehm. Es gibt überraschende Wendungen, so dass man neugierig ist, wie es weitergeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2025

Sehr berührend

Mein drittes Leben
0

Nachdem ihre 17-Jährige Tochter bei einem Unfall ums Leben kommt, fällt Linda in ein tiefes Loch. Sie steckt in ihrer Trauer fest, kann nichts anderes mehr fühlen, keine Nähe zulassen. Sie mietet einen ...

Nachdem ihre 17-Jährige Tochter bei einem Unfall ums Leben kommt, fällt Linda in ein tiefes Loch. Sie steckt in ihrer Trauer fest, kann nichts anderes mehr fühlen, keine Nähe zulassen. Sie mietet einen Hof in einem Dorf und verkriecht sich dort. Die körperliche Arbeit lenkt sie ab. Sie kann aber nach wie vor nur von Stunde zu Stunde Leben. Ihr Mann besucht sie alle 2 Wochen. Aber wie lang kann er dies noch aushalten? Langsam baut sie zu einzelnen Personen wieder eine Beziehung auf. Findet sie doch zurück ins Leben?

Mich hat das Buch sehr berührt. Lindas Gefühlswelt ist sehr authentisch. Auch die anderen Figuren finde ich sehr gut dargestellt. Man fühlt mit Linda, aber auch mit den anderen, weil deren Perspektive nicht ausgeklammert wird. Auch wenn Linda im Mittelpunkt steht, verfolgt man das Leben der anderen Figuren. Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig. Die Szenen sind sehr gut beschrieben. Das Buch zeigt, dass Trauer individuell ist und es keinen Zeitplan dafür gibt. Es zeigt gleichzeitig die Hoffnung auf, dass man irgendwann doch wieder Freude am Leben haben und nach vorne gucken kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2025

Kritzelqueen und Mysteryman

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
0

Erin stellt aus Versehen ihr Lieblingsbuch mit ihren persönlichen Notizen und einer Postkarte ihrer verstorbenen besten Freundin in einen öffentlichen Bücherschrank.Sie kontrolliert regelmäßig, ob es wieder ...

Erin stellt aus Versehen ihr Lieblingsbuch mit ihren persönlichen Notizen und einer Postkarte ihrer verstorbenen besten Freundin in einen öffentlichen Bücherschrank.Sie kontrolliert regelmäßig, ob es wieder zurückgestellt wurde. Irgendwann steht es tatsächlich wieder im Bücherschrank. Zunächst stellt Erin entsetzt fest,dass jemand ihre Anmerkungen kommentiert hat. Als sie auf der letzten Seite aber die Frage liest, ob sie sich in einem bestimmten Buch treffen, ist sie neugierig. Sie nimmt beide Bücher mit und es beginnt ein reger Bücheraustausch. Irgendwann stellt sich heraus, dass sie sich nicht fremd sind. Wie geht es jetzt weiter?

Die Geschichte wird in wechselnden Kapiteln aus Erins und James Sicht erzählt. Dadurch lernt man beide besser kennen und man erfährt viel über ihr aktuelles Leben und die Vergangenheit. Ich muss gestehen, dass ich Erins Verhalten nicht immer nachvollziehbar fand. Sie ist kaum bereit, sich andere Sichtweisen anzuhören oder auf andere zuzugehen. Das zog sich für mich etwas zu lang hin, aber trotzdem fand ich das Buch sehr berührend.

Es werden viele Themen aufgegriffen: psychische Erkrankungen, Krebserkrankung, Umgang mit Verlust, Mobbing, Selbstverwirklichung, Schuldgefühle, verzeihen können. Der Schreibstil ist sehr angenehm. Die wechselnden Perspektiven sorgen dafür, dass man immer neugierig auf die Erlebnisse/Sichtweise der anderen Person ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2025

Berührende Familiengeschichte

Die andern sind das weite Meer
0

Die Familiengeschichte wird im Wechsel aus der Perspektive des Vaters und der drei Kinder erzählt. Vater Hans leidet zunehmend unter Demenz. Er fühlt sich aber noch ganz fit und seine Kinder wollen nicht ...

Die Familiengeschichte wird im Wechsel aus der Perspektive des Vaters und der drei Kinder erzählt. Vater Hans leidet zunehmend unter Demenz. Er fühlt sich aber noch ganz fit und seine Kinder wollen nicht sehen, dass er mehr Unterstützung bräuchte, weil sie zu sehr mit ihrem eigenen Leben und Problemen beschäftigt sind. Durch die unterschiedlichen Perspektiven bekommt man einen guten Einblick in das Leben und die Gefühlswelt der einzelnen Personen. Alle haben ihr Päckchen zu tragen, suchen sich aber in der Familie keine Unterstützung sondern versuchen, allein zurecht zu kommen. Erst im Laufe des Buches verstehen sie, wie wichtig und hilfreich Zusammenhalt sein kann. Diese Entwicklung ist sehr rührend zu lesen. Vorher gab es immer wieder Stellen, an denen ich die jeweilige Person gern aufgefordert hätte, genauer hinzugucken.
Die Autorin hat einen schönen Schreibstil und schildert ihre Charaktere lebensnah und realistische Situationen. Mich hat das Buch berührt und nochmal in Erinnerung gerufen, dass man genauer hinsehen und mehr zusammenhalten sollte. Es ist keine Schwäche, Fehler einzugestehen und sich helfen zu lassen. Ein Neuanfang kann gelingen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2025

Alleswürde

Die schönste Version
0

Jella und Yannick führen scheinbar eine glückliche Beziehung und es kommt plötzlich zu einer Explosion. Nachdem Yannick sie gewürgt hat, zeigt Jella ihn an und flüchtet zu ihrem Vater. In Rückblicken wird ...

Jella und Yannick führen scheinbar eine glückliche Beziehung und es kommt plötzlich zu einer Explosion. Nachdem Yannick sie gewürgt hat, zeigt Jella ihn an und flüchtet zu ihrem Vater. In Rückblicken wird deutlich, dass die Beziehung schon länger nicht mehr gut war sondern von Auseinandersetzungen geprägt. Jella zweifelt immer wieder, ob die Anzeige richtig war, hat Mitleid mit Yannick und denkt, dass sie übertreibt und ihr eigenes Verhalten für die Eskalation gesorgt hat. Das ist manchmal schwer auszuhalten, weil es von außen völlig klar ist, dass sein Verhalten falsch war - egal was vorher passiert ist, was Jella gesagt oder gemacht hat. Es ist aber sehr realistisch, dass die Frau Fehler und Verantwortung bei sich sucht. Sehr anschaulich schildert die Autorin, dass Jella sich auch früher schon so verhalten hat, wie Männer es sich wünschen oder erwarten würden. Es werden eindrückliche Beispiele dafür geschildert und es macht wütend zu wissen, wie häufig solche Situationen leider immer noch vorkommen, weil (vor allem) Männer geschickt manipulieren. Jella schämt sich, deshalb verkriecht sie sich zunächst und spricht nicht darüber, was passiert ist. Irgendwann kämpft sie aber doch für ihre Alleswürde. Es ist ein schwieriger Weg und braucht Zeit. Es wäre wünschenswert, wenn dieses Buch viele Leser*innen zum Nachdenken anregt und dafür sorgt, dass man mehr auf sein Bauchgefühl hört und genauer hinsieht. Vielleicht hilft es auch, endlich für sich selbst einzustehen und sich nicht ständig für andere zu verbiegen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere