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Chrihart

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Veröffentlicht am 26.04.2025

Zauberhafte Metamorphose einer älteren Dame

Ms Darling und ihre Nachbarn
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Die bekannteste Eigenschaft eines Schmetterlings ist vermutlich seine Transformation, bei der er sich aus einer unbeweglichen und etwas molligen kleinen Raupe in ein geflügeltes Kunstwerk verwandelt. Aber ...

Die bekannteste Eigenschaft eines Schmetterlings ist vermutlich seine Transformation, bei der er sich aus einer unbeweglichen und etwas molligen kleinen Raupe in ein geflügeltes Kunstwerk verwandelt. Aber er ist nicht der einzige, der diesen drastischen Wandel durchläuft. Auch die 77-jährige strenge Ms Dorothy Darling macht eine extreme Metamorphose durch. In dem Buch "Ms Darling und ihre Nachbarn" von der Autorin Freya Sampson, erschienen im Dumont Verlag, lebt sie zurückgezogen im Shelley House. Die dortigen Nachbarn sind sehr verschieden und erst auf den zweiten oder dritten Blick sympathisch, denn sie werden anfangs aus der Sicht von Dorothy beschrieben. Sie haben es allesamt nicht leicht mit Dorothy, denn sie ahndet jeden ihrer Regelverstöße.

Erst als die 25-jährige flippige Kat einzieht und das Haus geräumt werden soll, taut Dorothy aus ihrer jahrelangen verbitterten Verpuppung auf und entwickelt sich von der bissigen Raupe zum lockerleichten Schmetterling. Irgendwann verlässt sie zu ihrer eigenen Überraschung auch mal wieder das Haus und nimmt ihr Leben in die eigene Hand. Sie beginnt mit Mut und Entschlossenheit für das Haus zu kämpfen. Dass die beiden gegensätzlichen Frauen einiges gemeinsam haben und sich zusammen gegen den Abriss des Hauses wehren, würde man als Leser am Anfang nicht vermuten. Beide hüten ihre Geheimnisse, sind anderen gegenüber misstrauisch und ruppig in ihrer Art. Klassische Einzelgänger. Ein zeitweise herrenloser Hund ist nicht ganz unschuldig an der positiven Entwicklung, denn die beiden müssen sich zu ihrem anfänglichen Leidwesen um ihn kümmern und deshalb Zeit miteinander verbringen bzw. sich absprechen.

Die Story entwickelt sich langsam, wird dann aber immer rasanter. Es macht Spaß, die sich immer abwechselnden Sichtweisen von Dorothy und Kat zu lesen und die allmähliche Verwandlung, besonders der Älteren, mitzuverfolgen. Mit viel englischem Humor erzählt die Autorin Freya Sampson die Geschichte über widerwillige Nachbarschaft, wachsende Freundschaft und wiedergewonnenes Vertrauen. Wie aus der zusammengewürfelten Hausgemeinschaft eine verschworene wird, das beschreibt Sampson mit viel Liebe zu den Charakteren. Und auch die Liebe ist Thema im Buch. Das Buch geht ans Herz keine Frage, ist aber zum Glück zu keiner Zeit kitschig. Die Geschichte ist genau das richtige für gemütliche Stunden auf dem Sofa oder im Garten bei einem Tässchen englischen Tee. Ein Buch, das sich sehr leicht liest und dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlässt und dabei an die eigene Zivilcourage appelliert..

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Weiblicher Robin Hood bestiehlt reiche Nazis in der Schweiz

Die Meisterdiebin
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Eine jüdische Kaufhauserbin in Wien verliert das Geschäft und ihre Liebsten. Die verfolgte junge Frau wird zur Meisterdiebin, die überwiegend Nazis bestiehlt. Ich finde es interessant, dass Elise mit der ...

Eine jüdische Kaufhauserbin in Wien verliert das Geschäft und ihre Liebsten. Die verfolgte junge Frau wird zur Meisterdiebin, die überwiegend Nazis bestiehlt. Ich finde es interessant, dass Elise mit der Zeit die Beutezüge als Widerstand begreift. Sie verhält sich wie eine Art Robin Hood und spendet auch Beträge an Flüchtlingsorganisationen. Elise hat sich allerdings nicht im Griff. Sie macht sich angreifbar, wenn sie öffentlich hohe Tiere der Nationalsozialisten verbal angeht. Sie bringt sich immer wieder in Gefahr. Diese auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte erzählt die Autorin Christine Jaeggi so spannend und eingehend, dass man meint, dass man mit Elise auf Beutezug geht. Die wahre Erika B., auf deren Geschichte das Buch basiert, hat sich zu über 90 Schweizer Hotelzimmern Zutritt verschafft und zwischen 1936 und 1946 millionenschweren Schmuck erbeutet, wie im Nachwort erläutert wird.

In dem ersten Teil des Buches mit dem Titel Die Meisterdiebin, im Zytglogge Verlag erschienen, erzählt Jaeggi, wie aus dem kleinen Mädchen die erwachsene Meisterdiebin wird. Und davon, dass die Weichen früh gestellt werden. Ihr Großvater ist ihr Ein und Alles und hat einen Laden, in dem er Uhren repariert und teuren Schmuck herstellt, den Steinen ihren Schliff verpasst. Elise hat also in frühester Kindheit einiges zum Thema Schmuck mitbekommen.

Elise erlebt das Einmarschieren von Hitlers Truppen in Österreich und alles Grauen, was dazu gehört. Man kann Elises Gefühle als Leser sehr gut nachvollziehen, ihre Ängste und ihre Verzweiflung. Das Zeitgeschehen ist in vielen kleinen Szenen erlebbar gemacht worden. Die Figur Elise ist sehr lebendig gezeichnet. Frühere Freunde verleugnen sie und helfen nicht. Sie steht irgendwann alleine da. Mit der Protagonistin fühlt man als Leser mit und man möchte gerne wissen, wie es weitergeht.

Elise macht eine schwere Zeit durch, verliert alles und kann in die Schweiz flüchten. Die Tante ihres Mannes entpuppt sich entgegen der Erwartungen als gute Seele, die selbst Verluste erlitten hat. Nun ist auch klar, wie Elise zur Meisterdiebin werden konnte. Eine Gelegenheit in Wien hat den Anfang gemacht, um die Flucht überhaupt erst zu ermöglichen. Zufälle und Rachegedanken, aber auch Sachzwänge sind mitentscheidend, besonders der, dass sie als Emigrantin in der Schweiz nicht arbeiten darf. Aber sie will Mutter und Schwester nachholen, dafür braucht sie Geld. Das Buch nimmt an Fahrt auf. Elise gerät in einen regelrechten Rausch und wird immer professioneller, besorgt sich Verkleidungen. Ich finde, dass sie dennoch unvorsichtig agiert. Die Spannung steigert sich bis zum Finale immer mehr, was mir sehr gut gefällt. Die Schlinge legt sich immer enger um Elises Hals, denn ein Korporal heftet sich an ihre Fersen. Das Finale ist überraschend, denn es kommen noch verstörende Details aus der Vergangenheit zu Tage.

Fazit: Das Buch von Christine Jaeggi, das auf wahren Begebenheiten basiert, ist ein äußerst spannender historischer Krimi aus der Sicht der Diebin, die durch ihre Verfolgung durch die Nazis aus einer Opferrolle heraus gehandelt hat. Der Roman ist der Figur einer legendären Meisterdiebin gerecht geworden. 5 Punkte!

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Vom Kind sein und sich in den Moment vertiefen

Tomke gräbt
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In dem von Julia Dürr illustrierten Buch „Tomke gräbt“, im Mixtvision Verlag erschienen, erzählt die Autorin Lena Hach von der Vertiefung ins Tun. Das, was viele Erwachsene längst verlernt haben, ist in ...

In dem von Julia Dürr illustrierten Buch „Tomke gräbt“, im Mixtvision Verlag erschienen, erzählt die Autorin Lena Hach von der Vertiefung ins Tun. Das, was viele Erwachsene längst verlernt haben, ist in dem Bilderbuch Thema. Ein Kind gräbt mit seiner Schaufel schlicht ein Loch im Garten. Hier trifft es glücklicherweise auf Erwachsene, die nicht sofort dieses Graben verbieten, aber die Menschen in seiner Umgebung stellen Vermutungen darüber an, was das zu bedeuten hat. Es muss doch alles einen Sinn und Zweck haben! Dazu gibt es allerdings keine Antworten. Denn „wer gräbt, kann nicht antworten“, ist im Buch zu lesen.

Das Buch überzeugt mit der einfachen Botschaft des Im-Hier-und-Jetzt-Seins. In Zeiten einer permanenten Reizüberflutung und des Verlangens nach immerzu gesteigerter Aufmerksamkeit gibt das Buch den jungen Leserinnen und Lesern ein Gefühl der Geborgenheit, in der man einfach die Zeit vergessen und nach Herzenslust buddeln kann. Einfach so, ohne Vorhaben oder Ziel. Alle anderen haben immer etwas zu tun, das einen Zweck verfolgt, und wuseln geschäftig um das Kind herum.

Nur das Kind ist ins Tun vertieft, niemand kann es aus der Konzentration auf den Augenblick des Grabens reißen. Es gräbt sich durchs Erdreich und begegnet Maulwürfen und Regenwürmern. Das gipfelt in fantastisch anmutende Gänge durch ein gewaltiges Erdlabyrinth. Die Geschichte ist also auch etwas für die Fantasiebegabten, die sich nicht nur in der Nacht ans Träumen wagen. Statt also im Garten zu arbeiten, könnte man zur Abwechslung sich auch mal hinsetzen und träumen, sich sonnen, den Schmetterlingen im Flieder zusehen, die Katze streicheln, wenn sie vorbeischaut, ein Glas Wein trinken im letzten Abendlicht, sich über den Zaun hinweg unterhalten, den Moment genießen.

Das grabende, selbstvergessene Kind ist ein gelungenes Sinnbild für das Erleben im Augenblick. Dafür hat Dürr eine sehr besondere Bildsprache gefunden. Tomke sitzt mit Kappe auf dem Kopf im Mittelpunkt. Die vielen verschiedenen Blau- und Grüntöne des Gartens lassen die Schaufeln in den Farben Gelb und Orange leuchten. Alles ist in einfachen Strichen und Flächen gemalt. Ein wunderbar ansprechender Illustrationsstil!

Fazit: Das Buch ist nicht nur für kleine Leute zu empfehlen. Als Erwachsener kann es einen daran erinnern, wie es war, Kind zu sein.

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Veröffentlicht am 05.01.2025

Kommissar Cornelius räumt in Leipzig auf

Das Haus der Bücher und Schatten
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Eine seiner besten Figuren! Kai Meyer spinnt in dem Buch mit dem Titel "Das Haus der Bücher und Schatten", erschienen im Knaur Verlag, um den Kommissar Cornelius eine sehr gelungene Kriminalgeschichte. ...

Eine seiner besten Figuren! Kai Meyer spinnt in dem Buch mit dem Titel "Das Haus der Bücher und Schatten", erschienen im Knaur Verlag, um den Kommissar Cornelius eine sehr gelungene Kriminalgeschichte. Cornelius ist ein Mann mit Rückgrat. Und das im Jahr 1933, als die Nazis schon im Polizeipräsidium Einfluss nehmen. Er wird suspendiert, weil er keine unschuldigen Kommunisten wegen einiger Morde in seinem Bezirk verhaften will. Zudem wird angeblich ein Kollege von einem Mädchen erschossen, das er flüchtig kennt. Er will in beiden Fällen die wahren Mörder finden. Doch das ist nicht so einfach, denn seine Gegner sind zahlreich, und das nicht nur, weil er so ein unbequemer Bulle ist.

Es ist nie ganz sicher, wem er trauen kann. Auch nicht in den eigenen Reihen. Einer der aktuellen Fälle ist mit einem Ereignis verknüpft, das sich 20 Jahre zuvor in Livland, dem heutigen Lettland, ereignete. Dort besucht eine junge Lektorin mit ihrem Verlobten einen von ihr betreuten Schriftsteller. Es hat sehr viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Cornelius ist der beste Kommissar, er räumt nach vielen herben Rückschlägen im Graphischen Viertel von Leipzig gründlich auf. Es ist das dritte Buch von Meyer, das im Graphischen Viertel spielt. Auch eine daraus bekannte Figur kommt kurz darin vor. Es ist ein Buchhändler, der dem Kommissar einen Tipp gibt. Seine Suche führt ihn in okkulte Kreise.

Die Story ist wie immer stimmig und die Orte und das Setting gut recherchiert. Man taucht abwechselnd ein in die Welt des grauverhangenen Leipzigs mit den Druck- und Dampfmaschinen und in die weiße schneebedeckte Landschaft Livlands. Man liebt die Hauptfigur des Kommissars, der ungelenk und brummig, aber unverdrossen den Spuren folgt und keine Angst zeigt, auch wenn seine Gegenspieler übermächtig erscheinen. Obwohl das Buch über 500 Seiten hat, habe ich das Buch in nur wenigen Tagen gelesen. Das Tempo ist rasant und lässt einen als Leser atemlos zurück. Ich hätte nichts gegen einen zweiten Fall mit Kommissar Cornelius einzuwenden.

Fazit: Eine klare Empfehlung für diese hochspannende Lektüre. 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Nicht ausgeschlossen: Nach der Lektüre wird man zum Igelfan

Das Igel-Tagebuch
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Das Igel-Tagebuch, aktueller Buchtitel der britischen Journalistin Sarah Sands, im Verlag Dumont erschienen, ist ein biografisches Buch. Das ja. Ein klassisches Tagebuch würde ich es dennoch nicht nennen ...

Das Igel-Tagebuch, aktueller Buchtitel der britischen Journalistin Sarah Sands, im Verlag Dumont erschienen, ist ein biografisches Buch. Das ja. Ein klassisches Tagebuch würde ich es dennoch nicht nennen wollen. Zeitlich sind ihre Aufzeichnungen und Gedanken zwischen der Coronazeit und dem Beginn des Angriffkriegs auf die Ukraine angesiedelt. Sie findet eines Tages einen Igel in ihrem Garten. Igel „Peggy“ hat Parasiten. Ihr Mann und Sarah wollen dem Igel helfen und bringen diesen zur Igelstation. Es folgen elf Kapitel voller Fakten, Hintergrundwissen und Interviews zu Igeln.

Das Buch punktet aber nicht nur durch Wissensvermittlung, sondern auch durch das Erzählen einer persönlichen Geschichte. Während sich die Autorin um den Igel kümmert, kommt ihr Vater ins Krankenhaus und sie bangt auch um dessen Leben. So wechseln sich die Krankheitsbefunde und gesundheitlichen Fortschritte des Tiers und des Vaters ab. Sands versucht in den Assoziationen zum Thema Igel, die sie hat, etwas Tröstliches zu finden.

Es bedeutet zuerst nur Ablenkung für sie, dann schon fast Lebenssinn. Sands lernt die Natur der Igel kennen und schätzen. Der philosophische Aspekt nimmt einen großen Teil ihrer Gedanken ein. Überraschenderweise ist in Literatur, Liedern und politischen Reden zuweilen die Rede von Igeln. Unterschiedlichste Igel-Projekte werden von Sands recherchiert und beschrieben. Sie besucht z. B. den Ort Alderney auf der Insel Guernsey, wo helle Igel vorkommen. Auch ein Hund namens Henry, der trainiert wurde, Igel aufzuspüren und zu schützen, wird u. a. vorgestellt. Um nur zwei der Projekte zu nennen.

Das Schöne an Igeln ist, dass sie eine Art Leitspezies sind. Was auch immer wir für Igel tun, wie zum Beispiel wilde Gartenecken einrichten, nützt auch allen anderen Tieren. Mit Igelschutz helfen wir der gesamten Natur, zitiert Sands eine der Igelschützerinnen.

Es ist die Rede von einer regelrechten Igel-Community, die dem Buch viele eindrückliche Gespräche und Begegnungen beschert. Alles in allem ein launig erzähltes Buch über die wachsende Liebe und Begeisterung zu den stacheligen Tierchen, die durchaus auf die Leser überspringen kann.

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