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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2025

Interessant, rätselhaft und philosophisch

Tokyo Sympathy Tower
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Dieser Roman der jungen Schriftstellerin Rie Qudan wurde mit dem Akutagawa Prize, dem renommiertesten Literaturpreis Japans, ausgezeichnet. Richtig Aufsehen erregte Qudan jedoch, als sie auf der den Preis ...

Dieser Roman der jungen Schriftstellerin Rie Qudan wurde mit dem Akutagawa Prize, dem renommiertesten Literaturpreis Japans, ausgezeichnet. Richtig Aufsehen erregte Qudan jedoch, als sie auf der den Preis begleitenden Pressekonferenz bekannte, einen Teil des Romans mit Hilfe von KI verfasst zu haben.
In einem späteren Interview zeigt sich Qudan überrascht vom Ausmaß der Diskussionen und der Kontroversen, die dieses “Bekenntnis” in der Öffentlichkeit ausgelöst haben und rechtfertigt den Einsatz mit der Verbesserung der Qualität ihrer Arbeit und im Dienste von hochwertiger Kunst.
Gleichzeitig mahnt sie eine sorgfältige Abwägung von Vorteilen und Risiken im Einsatz von künstlicher Intelligenz an.

Das hat mich natürlich sofort interessiert und während dem Lesen ihres Romans versuchte ich den Anteil und den Einfluss der KI zu erkennen. Aber wie du dir denken kannst, war mir das nicht möglich.
Übrigens glaube ich, dass viele Autor*innen mittlerweile auf Unterstützung durch KI zurückgreifen, aber die wenigsten sprechen darüber.

Künstliche Intelligenz spielt auch inhaltlich eine große Rolle in dem sehr philosophischen Text, wobei, wie Qudan in dem Interview sagt, es eigentlich um Menschen geht, die sich Einfluss von KI nicht mehr entziehen können.

Eine davon ist die Architektin und Protagonistin Sara Makina, die mit dem Entwurf eines neuen Wolkenkratzers, dem Tokyo Sympathy Tower, beauftragt wird, der das Stadtbild Tokyos nachhaltig verändert soll.
Und nicht nur das Stadtbild. Der Tokyo Sympathy Tower steht als Luxusgefängnis mit allem erdenklichen Komfort gleichzeitig für ein neues Menschenbild. In diesem Gefängnis soll es keine “Kriminellen” mehr geben, sondern “homo miserabilis, also Menschen, die unser Mitgegfühl verdienen.

Rie Qudan macht sich in ihrem Roman viele Gedanken, wie Namen und Wording unsere Wahrnehmung und Realität verändern.

“Namen sind vielleicht nicht materiell, aber sie sind Worte, und Worte prägen die Wirklichkeit. Die Realität beginnt immer mit Worten. Nicht die Menschen, die gut in Mathematik und Physik sind, bewegen die Welt, sondern die, die gut reden können.”

In dem dünnen Roman stecken verdichtet sehr viele Themen. Der Klappentext greift mit seiner Beschreibung zu kurz und erfasst das Abstraktionspotential des Textes nur ungenügend.
Ich finde in „Tokyo Sympathy Tower“ einen sehr interessanten und anregenden Roman, der mir nur manchmal vielleicht etwas zu wenig greifbar war.

“Unablässig fluten Fragen mein Inneres, durchtränken meine Pfeiler und Balken und zwingen mich, Antworten zu finden. Ich muss nachdenken.”

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Atmosphärisch und poetisch

Perlen
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Dieser kleine wunderbare Roman hatte es unfairerweise nicht leicht bei mir. Die laute Konkurrenz starker Lesehighlights, gegen die sich die leise erzählte Geschichte durchsetzten musste, war groß.

Der ...

Dieser kleine wunderbare Roman hatte es unfairerweise nicht leicht bei mir. Die laute Konkurrenz starker Lesehighlights, gegen die sich die leise erzählte Geschichte durchsetzten musste, war groß.

Der erste Roman der englischen Autorin Siân Hughes wurde in England zum Überraschungserfolg und landete 2023 auf der Longlist für den Booker Prize. Das spricht sehr für die feine Qualität ihrer sensibel und zart erzählten Geschichte.

Im Zentrum des Romans steht die Suche nach einem Warum. Die Mutter der Ich-Erzählerin Marianne verschwand, als sie 8 Jahre alt war und muss fortan mit ihrem kleinen Bruder und ihrem Vater alleine das Leben und den Alltag bewältigen.
Warum ist die Mutter damals aus dem Haus gegangen und nie mehr wieder gekommen?
Die Erzählerin schildert Episoden aus ihrer Kindheit, die fortan vom Fehlen der Mutter überschattet ist. Aber sie beschreibt auch die Erinnerungen an ihre Mutter, die allesamt voller Wärme, Lieder und Liebe sind.
Marianne wird älter und versteht immer mehr, was sich damals vielleicht im Inneren ihrer Mutter abgespielt hat. Und warum sie nicht mehr da ist.
Seit ihrer Kindheit ist die Erzählerin auf der Suche nach der verlorenen Geborgenheit, die sie damals mit ihrer Mutter spürte. Sie möchte selber einen kleine Familie und ein zu Hause haben. Doch als sie Mutter wird, droht die Vergangenheit sie einzuholen…

„Wenn eine nahestehende Person in den Fluss geht und nie mehr daraus auftaucht, bedeutet das, dass diese Möglichkeit auch uns anderen offensteht.“

Anders als der Klappentext vielleicht suggereriert ist „Perlen“ kein spannender Roman im Sinne von klassischer Suspense und die Spurensuche nach dem Geheimnis der Mutter findet eigentlich hauptsächlich in der Innenwelt und der Erinnerung der Erzählerin statt.
Vielmehr ist der Roman eine leise Erkundung wie sich psychische Erkrankungen über die Generationen auswirken und weitergegeben werden können. Mir persönlich war dieser Punkt fast zu dezent ausgearbeitet, aber vielleicht bin ich durch die oben erwähnten laut schreienden Lesehighlight auch etwas abgestumpft.
Auch der episodenartige Erzählstil mit den großen Zeitsprüngen hat mir persönlich nicht so zugesagt.
Die Atmosphäre hingegen hat mir wirklich sehr gut gefallen. Unter den Beschreibungen der wie verzaubert beschriebenen Kindheit in dem verwilderten Haus, in dem Brot gebacken, gesungen und gelacht wird, liegt eine dunkle Traurigkeit, die sich durch den ganzen Roman zieht und sich erst gegen Ende emotional auflöst.

Ich denke, „Perlen“ ist ein äußerst zeitloser und empfehlenswerter Roman, der sicher und hoffentlich noch viel gelesen werden wird!

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Hart und kompromisslos

Play Boy
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Als ich letztes Jahr den ersten auf Deutsch erschienenen Roman „Love Me Tender“ der französischen Autorin gelesen hatte, war ich instantly und completely fascinated.

Constance Debré lebt und schreibt ...

Als ich letztes Jahr den ersten auf Deutsch erschienenen Roman „Love Me Tender“ der französischen Autorin gelesen hatte, war ich instantly und completely fascinated.

Constance Debré lebt und schreibt kompromisslos und hat mich mit ihrer Tabulosigkeit und Direktheit eingenommen. Jetzt hat Max Henninger mit „Play Boy“, der bereits 2018 - also vor „Love Me Tender“ in Frankreich erschien - einen weiteren Roman der Autorin ins Deutsche übersetzt.
Auch entwicklungstechnisch würde ich „Play Boy“ von „Love Me Tender“ ansetzten und die Roman unterscheiden sich inhaltlich, aber nicht stilistisch.
Debré schaut in „Play Boy“ weniger auf ihre gescheiterte Ehe und die Beziehung zu ihrem Sohn wie in „Love Me Tender“, sondern mehr auf ihre Sexualität und ihre Herkunft und Klassenzugehörigkeit.
Nachdem sie mit ihrer bürgerlichen Existenz und ihre Ehe gebrochen hat, entdeckt sie ihre Liebe zu Frauen und macht erste Erfahrungen.

Ihr Blick auf die Frauen, die sie begehrt und die sie begehren ist dabei von einem männlichen Blick geprägt - zweckmäßig, zielgerichtet und kalt.

„Und dass eine Frau zu lieben bedeutet, sie gleichzeitig zu verachten. Ich habe die Gewalt der Männer verstanden. Ich hab mich gefragt, ob es das ist, was sie für uns empfinden, was Laurent für mich empfunden hat.“

Ich empfinde die Art wie Debré die Beziehungen der Erzählerin beschreibt, als stark funktional und auch als Provokation. Ich hinterfrage meine eigenen Geschlechterzuschreibungen und Vorurteile.

„Ich verstehe Männer, die zu Nutten gehen. Ich verstehe sogar die Vergewaltiger. Zum ersten Mal spüre ich die ganze Gewalt des Verlangens wie einen Stich.
Des Verlangens nach dem Körper der Frauen.“

Immer wieder beschreibt die Erzählerin, wie sehr sie sich von der Gesellschaft abgestoßen fühlt und wie sehr sie sich selbst als Außenstehende sieht. Konventionen sieht sie als sinnentleert und nur als Feigenblatt für die Sinnlosigkeit des Lebens

„Offenbar kommt es ihnen nie in den Sinn, dass sie morgen sterben werden. Ich verstehe nichts von ihrem Leben. Ich hab versucht, so zu sein wie sie, aber es ist mir nicht gelungen.“

Ich würde sogar sagen, dass Debré zeigt in „Play Boy“ fast eine Art Defätismus, angesichts der Unmöglichkeit des Einzelnen, ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen oder auch nur zu erkennen, was Freiheit bedeuten könnte. In ihrem Beruf als Anwältin erkennt sie klar das Klassensystem und auch ihre eigene Position darin.

„Ich bin reich und sie ist arm. Deshalb werde ich gewinnen. Es wird so kommen müssen. Die Reichen gewinnen immer. So wie die Armen immer sterben. Es ist nicht meine Schuld. Es ist nicht meine Schuld, dass die Reichen gewinnen. Es ist nicht meine Schuld, dass ich reich bin. Ich bin so geboren. Es liegt in meiner DNA, steht bereits lange fest. Ich bin ein Kind reicher Eltern, die selbst reiche Eltern hatten.“

Definitiv ist „Play Boy“ wieder eine lesenswerte und aufregende Veröffentlichung der Autorin, die mich mit ihrer wirklich harten Kompromisslosigkeit meine eigenen Prägungen und Glaubenssätze hinterfragen lässt. Debré verweigert und bricht mit jeder Art der Gefälligkeit und der Anbiederung a die Lesenden. Das macht ihre Art zu Schreiben so besonders.
Unglaublich gerne möchte ich noch mehr von Debré lesen und ihre Entwicklung und ihren Weg weiterverfolgen und einfach mehr von dieser kraftvollen und intensiven Literatur erleben.

Wenn du noch nichts von Debré gelesen hast, würde ich dir wahrscheinlich als erstes „Love Me Tender“ empfehlen, es ist in meiner Erinnerung weniger hart, vielleicht auch weniger nihilistisch, aber genauso tabulos und kompromisslos.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Feiner literarischer und atmosphärischer Debütroman

Herzgrube
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Das ist logischerweise mein erster Roman von Andrew McMillan, denn es ist sein Debütroman. Wenn dir sein Name vertraut vorkommt, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass er bereits mehrere hochgelobte ...

Das ist logischerweise mein erster Roman von Andrew McMillan, denn es ist sein Debütroman. Wenn dir sein Name vertraut vorkommt, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass er bereits mehrere hochgelobte Gedichtbände („Physical“ und „Pandemonium“) veröffentlicht hat, die in Deutschland jeweils als zweisprachige Ausgabe beim März Verlag erschienen sind.

Dass McMillan schon viel Lyrik geschrieben hat, merke ich auch in seinem ersten Roman, denn er ist stilistisch äußerst kunstfertig und sehr gekonnt aufgebaut und komponiert.
Auch inhaltlich ist sein Roman sehr vielschichtig und dicht, wobei allerdings nicht jedes Thema ausführlich behandelt wird, manches wird nur in Nuancen angedeutet.
Mir fiel der Einstieg in den Text nicht ganz leicht, ich habe erst ungefähr nach der Hälfte die Zusammenhänge und die Verbindungen zwischen den Figuren und dem geschichtlichen Kontext verstanden.

Die Genialität des Aufbaus und der Geschichte ist mir erst ganz am Schluss klar geworden, als die Puzzlestücke alle an ihrem Platz lagen.

McMillan zeichnet in seinem ersten Roman das Porträt einer Kleinstadt im Norden Englands, es ist der Ort Barnsley, in dem er auch aufgewachsen ist. Dort hatten einst die Männer der Stadt unter Tage Kohle abgebaut. Auch Simons Vater, eine von McMillans Figuren, hat dort in der Dunkelheit seinen Lebensunterhalt verdient. Heute sind die Gruben geschlossen, doch die Zeiten der Bergarbeit sind noch lange nicht vergessen.

„Die gesellschaftliche Gewalt der Vergangenheit liegt offen zutage. Das Verborgene, Verdrängte unter der Erde ist quicklebendig und gegenwärtig, es atmet noch, es hustet noch, es ist noch rutschig, es sackt weg.“

Simon verdient neben seinem Job im Callcenter seinen Lebensunterhalt mit Auftritten als Drag Queen und mit intimen Videos auf OnlyFans.
Sein Freund Ryan weiß davon und schwankt zwischen Faszination und Ablehnung.
In dem kleinen Ort, der lange vom harten Bergarbeitermilieu geprägt war, ist Queerness immer noch etwas Schambehaftetes. Und diese Scham hat lange Tradition.

McMillan gräbt in seinem Roman schichtweise in die Tiefe, lässt die Feldforschung und historische Stimmen zu Wort kommen, dazwischen scheinbar kontextlose Bergarbeiterszenen, die das Männliche, Archaische und das Gemeinschaftliche der Grubenarbeit unterstreichen.

„Und der Gestank; das animalische Dickicht aus Männern, gemischt mit dem Öl und Ruß des Förderbands.“

Im Heute suchen Simon und Ryan ihre queere Identität, genauso wie Simons Vater Alex, der noch mit der Vergangenheit klarkommen muss.

Erzähltechnisch spielt McMillan mit verschiedenen Stilmitteln, nutzt verschiedene Perspektiven, bewegt sich im Spannungsfeld von Voyeurismus und der Lust, sich zu zeigen.

„HERZGRUBE“ hat keine stringent durchgehende Handlung, sondern zeigt vielmehr ein Stimmungsbild, dessen Gesamtheit sich mir aber erst ganz am Schluss komplett erschloss und erst nachträglich einige Szenen in den Kontext setzte.
Ich fand den Roman etwas herausfordernd, aber am Ende sehr lohnenswert und literarisch besonders.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Fresh und wild mit ein paar Abzügen

Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
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Als jemand der aktiv Social Media nutzt, habe ich mir schon öfter Gedanken um die Dauerhaftigkeit meiner Daten im Netz gemacht. Und ich gehe, vielleicht typisch für meine Generation, vorsichtig mit meiner ...

Als jemand der aktiv Social Media nutzt, habe ich mir schon öfter Gedanken um die Dauerhaftigkeit meiner Daten im Netz gemacht. Und ich gehe, vielleicht typisch für meine Generation, vorsichtig mit meiner persönlichen Exposition um.
Einige Content Creator*innen sehen das weniger kritisch und zeigen ihre Kinder unverpixelt im Netzt und bestreiten ihr Einkommen mit der Vermarktung ihres Familienlebens.
In ihrem wortwörtlich schillernden Debütroman denkt Fiona Sironic die Frage weiter, die auch ich mir stelle: was passiert, wenn die Kinder älter werden und nicht mehr mit der öffentlichen Verbreitung ihrer Bilder und Videos einverstanden sind?

Die fiktive Antwort darauf gibt sie mit ihrem Debütroman „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“.

Maja und Merle sind zwei Schwestern im Teenageralter und Töchter eines berühmten Influencerinnenpaars. Vor allem die ältere Maja hat sich schon länger dafür entschieden, nicht mehr auf den Accounts ihrer Mütter in Erscheinung zu treten und versucht auch ältere Daten aus dem Netz zu entfernen. Die beiden suchen neue Wege, gegen die bestehende Verhältnisse zu revolutionieren und gehen Samstags immer in den Wald und sprengen Sachen in die Luft.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive der Teenagerin Era geschrieben, die die beiden bewundert und Samstags heimlich im Wald beobachtet. Als sie von den beiden dabei erwischt wird, schließt sie sich der kleinen Gruppe an. Zwischen ihr und Maja knistert es. Eine junge Liebe zwischen Sprengsätzen.

Sironics Roman selbst ist eine wahre Themen Explosion! Ihre Handlung ist nicht weit in der Zukunft angesiedelt und doch hat sich die Welt stark verändert. Der Klimawandel ist fortgeschritten und hat den Alltag der Menschen verändert. Gemüse- und Obstanbau ist nur noch in Gewächshäusern möglich und viele Tierarten sind ausgestorben.
Mir gefällt diese leicht dystopische Setting wirklich sehr gut, es ist realistisch und fühlt sich ziemlich nah und bedrohlich an.
Die Menschheit wird schließlich notgedrungen gezwungen sich verändern um zu überleben. Immer wieder kommt Sironic auf ausgestorbene Vögel und Tierarten zu sprechen und stellt somit Vernichtung und Aussterben in den Mittelpunkt ihres ganzen Romans.

In der Welt von Era, Maja und Merle gibt es nur noch Überreste vieler Tiere und Pflanzen, aber auch die Überreste von vergangenen Technologien, die ebenfalls ausgestorben sind.
Was wird am Ende von uns bleiben? Unsere Bilder und Videos im Netzt?

“Die Aufmerksamkeit einer Spezies ist so eine Sache, deren Mechanismen sich in kurzer Zeit verändert haben.”

Ich fand sehr interessante Gedankengänge in diesem irisierenden Roman und ich fand großen Gefallen an Sironics Zukunftsversion. Teilweise fiel es mir etwas schwer dazwischen den Geschichte von Era,Maja und Merle zu folgen und fand ihre Motivationen und innere Welten nicht nachvollziehbar genug beschrieben.

Ich mochte den modernen und jugendlichen und somit für die 15-jährige Erzählerin authentischen Schreibstil sehr gerne. Der Roman ist meiner Meinung nach ein super freshes Beispiel für zeitgenössisches Nature Writing, was auch die Auszeichnung Sironics mit einem Werkstattstipendium im Rahmen des Deutschen Preises für Nature Writing zeigt.

Sprachlich fresh, inhaltlich wild – die Figuren für mich nicht ganz rund, aber definitiv ein ideenreichen Blick auf das was war und (vielleicht) bleibt.

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