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Veröffentlicht am 28.05.2025

Trauma der Kinderverschickung

Am Meer ist es schön
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Der Roman ist geteilt in zwei zeitlich wechselnde Erzählstränge (1969/2018-2019) und im Mittelpunkt steht Susanne, die als achtjähriges Mädchen 1969 zur Kur an die Nordsee fahren "musste". Ihr wurde vom ...

Der Roman ist geteilt in zwei zeitlich wechselnde Erzählstränge (1969/2018-2019) und im Mittelpunkt steht Susanne, die als achtjähriges Mädchen 1969 zur Kur an die Nordsee fahren "musste". Ihr wurde vom Kinderarzt Untergewicht bescheinigt und in St.Peter-Ording sollte sie aufgepäppelt werden. Hier erlebte sie Grauenvolles, ebenso wie die anderen Kinder, die dort waren. 2018 ist Susanne 57 Jahre alt und alleinerziehende Mutter einer mittlerweile erwachsenen Tochter. Über das, was damals passiert ist, hat sie nach ihrer Rückkehr ihren Eltern erzählt, doch diese haben ihr nicht geglaubt. Jetzt liegt ihre Mutter mit Demenz im Pflegeheim im Sterben und die Alpträume von Susanne ploppen verstärkt neben Erinnerungen wieder hoch. Als Luise, die Mutter von Susanne und Oma von Julia, einen lichten Moment hat und sich entschuldigt, beginnt Susanne ihrer Tochter und teilweise auch der Mutter und ihren Geschwistern von damals zu erzählen.
Dadurch das die Vergangenheit so erzählt wird, dass sie zur Gegenwart wird, bin ich mit Susi mittendrin in den damaligen Ereignissen im Kinderheim. Ich erlebe nun mit Susi und den Kindern, mit denen sie sich teilweise eng anfreundet, da sie eine Schicksalsgemeinschaft bilden, die Schikanen, denn sie ausgesetzt sind. Alles wird aus Kindersicht erzählt und dadurch wird nichts beschönigt, nichts aufgebauscht, was es umso erschreckender macht. Die Autorin schafft eine sehr gute Balance zwischen Damals und Heute, denn das "Damals" hat nicht nur Spuren bei Susanne hinterlassen sondern auch bei den anderen Kindern, aber diese zeigen sich ganz unterschiedlich.
Ebenso wie die Autorin es im Nachwort des Buches erzählt, habe ich auch damals durch eine Sendung im Fernsehen von furchtbaren Zuständen bei den Kuren der Verschickungskinder erfahren. Bis dahin dachte ich, dass es eine damalige sinnvolle Maßnahme für erholungsbedürftige Kinder gewesen ist, denn ich kenne jemanden, die mir als Kind erzählt hat, wie toll sie es gefunden hat. Mir wird ganz übel, wenn ich überlege, dass ich auch noch "verschickt" hätte werden können.
Für diesen Roman, der mich sehr berührt hat und noch lange beschäftigen wird, vergebe ich fünf Sterne. Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Ein wunderschöner Roman über das Leben und die Liebe jenseits der Vierzig

Noch immer Zeit zu lieben
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Die Autorin Heike Abidi lässt in ihrem neuen Roman Menschen, die sich der 50zig nähern bzw. diese schon überschritten haben die "Hauptrolle" spielen, was mal eine schöne Abwechslung ist, denn in den meisten ...

Die Autorin Heike Abidi lässt in ihrem neuen Roman Menschen, die sich der 50zig nähern bzw. diese schon überschritten haben die "Hauptrolle" spielen, was mal eine schöne Abwechslung ist, denn in den meisten Romanen, die ich gelesen habe, spielen Menschen in jüngeren Jahren "die Hauptrolle". Im Mittelpunkt des Romans steht Isabel, Ende Vierzig, alleinstehend, Fotografin, deren Leben in den letzten Jahren hauptsächlich um ihre Mutter drehte, die an Alzheimer erkrankt war und nun gestorben ist. Während Isabel ihre Gedanken in die Vergangenheit schweifen lässt, in dem sie selber einen geliebten Menschenin Schweden verloren hat, was sie nie verwunden hat, meldet sich ihre Freundin und Agentin Olivia, die ihr einen vielversprechenden Auftrag in einem Stockholmer Hotel vermittelt. Isabell, noch mit dem Ausräumen des alten Lebens und dem ihrer Mutter beschäftigt, lässt sich widerwillig auf das Projekt und den Ort ein, an den sie mehr reisen wollte.

Durch die wundervollen Beschreibungen der Örtlichkeiten und der Menschen, durch tolle Dialoge und ganz schlicht allgemein dem Schreibstil , wobei ich alles fühlen, riechen, schmecken, hören, etc. kann, ensteht bei mir im Kopf mein "eigener Film". Da fast alles in Schweden spielt, darf natürlich auch ABBA nicht fehlen, aber auch die Erwähnung von Liedern anderer Musiker wecken Erinnerungen in mir und ein Gefühl von Nostalgie;) kam in mir hoch. Diese Kleinigkeiten wie Musik, Essen, Landschaft... geben dem Roman das gewisse Etwas, weil es nie aufgesetzt wirkt. Ich kann mit Isabel erleben, wie sie an Lebensfreude dazugewinnt und genieße mit ihr die Leichtigkeit des Seins mit netten Menschen insbesondere dem sympathischen Lennart - Schmetterlinge im Bauch garantiert. Gerade als ich denke, dass ich jetzt weiß, wie der Roman weitergehen wird, ändert sich noch mal alles.

Es ist ein Roman, der mir rundherum sehr gut gefallen hat. Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Sehr gut erzähltes Stück Zeitgeschichte

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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Die jüdische junge Lehrerin Stella Herzig hat rechtzeitig mit Hilfe einer Freundin vor den Nationalsozialisten aus Wien flüchten können. Das Heimweh und der Glaube, dass sie etwas für eine bessere Zukunft ...

Die jüdische junge Lehrerin Stella Herzig hat rechtzeitig mit Hilfe einer Freundin vor den Nationalsozialisten aus Wien flüchten können. Das Heimweh und der Glaube, dass sie etwas für eine bessere Zukunft beitragen kann, haben sie nun nach Kriegsende von London nach Wien zurückkehren lassen. Hier hat sie mit Hilfe ihrer Freundin Feli eine Stelle als Lehrerin an einem Gymnasium bekommen. Schwierigkeiten bereiten ihr nicht der Unterricht, sondern das Kollegium, denn wie in der gesamten Gesellschaft, gibt es hier auch noch genug Anhänger des Nationalsozialismus, was mehr oder weniger offen zur Schau getragen wird. Körperliche Züchtigung und Machtmissbrauch gegenüber den Kindern stehen auf der Tagesordnung.
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, obwohl ich an einigen Stellen gerne noch mehr erfahren hätte. Der Schreibstil ließ sich sehr gut lesen und ich mochte es wie Stella, die mit eigenen Problemen zu kämpfen hat, sich sehr idealistisch für ihre Schüler einsetzt. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Wunderschöner Roman mit liebenswerten Menschen und Tieren

Pfotenglück und Sommerwellen
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In diesem Teil der Romane aus dem fiktiven Ort Lichterhaven an der Nordsee steht der Landwirt Max, als geschiedener, alleinerziehender Vater von Lilly(7 Jahre) und Jonathan (5 Jahre), im Mittelpunkt der ...

In diesem Teil der Romane aus dem fiktiven Ort Lichterhaven an der Nordsee steht der Landwirt Max, als geschiedener, alleinerziehender Vater von Lilly(7 Jahre) und Jonathan (5 Jahre), im Mittelpunkt der Story. Um den Hof ist es finanziell schlecht gestellt, und so hat die Mutter von Max, die bekannte Influencerin und Unternehmensberaterin Isalie Charlotte Hansen gebeten sich der Situation anzunehmen.

Während Max zunächst einmal davon gar nicht erbaut ist, entwickelt sich die Sache ganz anders als von ihm gedacht, aber wie von mir erhofft und erwartet. Isalie erobert sämtliche Herzen, auch die eines Neufundländers namens Samson , der zunächst ein trauriges Dasein im Tierheim als ausgesetzter Hund fristet. Sie hat eine Menge guter Ideen und ein gutes Händchen für den Umgang mit Menschen und Tieren.

Ich habe mit großer Freude, die lieben Menschen, die mir aus anderen Teilen der Reihe schon bekannt sind, wiedergetroffen und bin in die superschöne Atmosphäre in Lichterhaven im Sommer eingetaucht. Ebenso wie Isalie und Samson die Nordsee kennenlernen, so habe ich das Nordseefeeling von Wasser, Sand, Wind und Salz gespürt und gewünscht, dass ich meinen nächsten Urlaub dort verbringen könnte. Der tierische Hauptdarsteller Samson ist ein absolutes Highlight in der Geschichte und ich fand es wundervoll an seinen Gedanken teilhaben zu dürfen.

Fünf Sterne und ich würde mich über einen weiteren Teil mit den liebgewonnenen Protagonisten freuen.


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Veröffentlicht am 29.04.2025

Sehr packende Geschichte über ein Stück deutscher Geschichte

Die Erbin
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Der Roman "Die Erbin" von Claire Winter spielt in Köln in den 50ziger Jahren und Cosima, die 1935 in die Industriellenfamilie Liefenstein hineingeboren wurde, auf diese bezieht sich der Titel. Im Jahre ...

Der Roman "Die Erbin" von Claire Winter spielt in Köln in den 50ziger Jahren und Cosima, die 1935 in die Industriellenfamilie Liefenstein hineingeboren wurde, auf diese bezieht sich der Titel. Im Jahre 1957 will sie eine Stiftung für bedürftige Frauen und Mütter gründen. Fast gleichzeitig lernt sie den Journalisten Leo Marktgraf kennen und unvermittelt sieht sie sich mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert.

Die Autorin erzählt sehr gekonnt und emotional einfühlsam, sowie auch spannend, die Geschichte der fiktiven Familie Liefenstein, die es so ähnlich bzw. die historischen Hintergründe es wirklich gegeben hat. Dazu reise ich als Leserin in die Zeit Ende der 1920 ziger - Kriegsende zurück und die Gegenwart ist dann Ende der 50ziger Jahre.. Der Roman erzählt wechselweise aus beiden Zeiten und beginnt zu einer Zeit als Cosima noch nicht geboren ist und hier wird auf das Familienleben inklusive des zahlreichen Personals sowie auf die politische Lage eingegangen. Während Cosima stückchenweise immer mehr von der Vergangenheit der eigenen Familie und auch ihr Handeln zu Kriegszeiten erfährt, erfahre ich parallel dazu die Vergangenheit in Echtzeit. Ich erfahre viel über historische Ereignisse aber auch das Leben zu Kriegszeiten, wobei schnell die unterschiedlichen Gesinnungen in einer Familie und auch im Personal deutlich werden. Es geht jedoch nicht nur um Hass, sondern auch um Liebe und Freundschaft sowie um Mut.

Ich konnte mich, obwohl Jahrzehnte nach Cosima geboren, trotzdem gut in sie hineinversetzen, was die Naivität bezüglich des Krieges und der Haltung der Menschen betrifft. Mir wurde selber auch erst als junge Erwachsene klar, dass mit Kriegsende und auch Jahrzehnte danach, die Einstellung vieler Menschen zum damaligen Geschehen sich nicht geändert hat.

Da in dem Roman sehr viele Protagonisten vorkommen, die bedeutsam für die Geschichte im Roman sind, hat es mich gefreut zu Beginn ein Personenregister vorzufinden. Die Story ebenso wie die Menschen sind so authentisch dargestellt, so dass ich das Gefühl hatte ihnen wirklich gegenüberzustehen. Es gibt einige Protagonisten, die mich sehr positiv, andere sehr negativ berührt haben, wobei eine Person beides geschafft hat.

Ich mag diesen Roman sehr, da er sich mit einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte auseinandersetzt und daran erinnert, wie alles damals anfing.

Ein Lesehighlight 2025 ! Fünf Sterne!

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