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Veröffentlicht am 16.05.2025

Von der Schwierigkeit, perfekt zu sein

Teddy
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Theodora “Teddy“ Huntley Carlyle stammt aus einer reichen und einflussreichen texanischen Familie. Ihr Onkel Hal rechnet sich sogar Chancen auf die nächste Präsidentschaft aus. Deshalb muss nach außen ...

Theodora “Teddy“ Huntley Carlyle stammt aus einer reichen und einflussreichen texanischen Familie. Ihr Onkel Hal rechnet sich sogar Chancen auf die nächste Präsidentschaft aus. Deshalb muss nach außen alles perfekt sein. Da passt es nicht ins Bild, dass Teddy mit knapp 35 noch unverheiratet ist und ihr Leben in jeder Hinsicht nicht in den Griff bekommt. Dann lernt sie David Shepard kennen, der wenig später einen Job in der amerikanischen Botschaft in Rom antreten wird. Sie heiraten, und Teddy freut sich auf den Neuanfang. Sie will die perfekte Diplomatengattin sein. Dazu gehört ein glamouröses Äußeres und perfektes Benehmen in der Öffentlichkeit. Anfangs bezaubert sie alle mit ihrer Schönheit und hat Spaß an ihrem kleinen Job in der Botschaft. Jedoch wird im Prolog schon deutlich, dass es nicht funktioniert hat. Bei einer Party nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft trinkt sie zu viel, und ein Fotograf schießt ein kompromittierendes Foto, dessen Veröffentlichung sie mit allen Mitteln verhindern will. Sie hat nicht nur bei einem anderen Empfang den Russen Jewgeni Larin wiedergetroffen, mit dem sie sich in Texas für eine Nacht eingelassen hat und den sie inzwischen für einen Spion hält - sie wird jetzt auch zum Opfer einer Erpressung, die ihr kurzes glanzvolles Leben wieder zerstören kann. Es gibt in diesem Zusammenhang einen blutigen Vorfall bei der letzten Party, und das Sicherheitspersonal der Botschaft befragt sie. Ihr detaillierter Bericht ist die Geschichte ihres Lebens bis zur Gegenwart. Inzwischen weiß Teddy, dass ihr Mann seine eigenen Geheimnisse hat und sie ihn nie wirklich kannte.
Die entscheidenden Ereignisse passieren im Sommer 1969. Es ist eine noch stark männerdominierte Epoche. Ihr Ehemann gibt ihr Taschengeld und kritisiert ihre Verschwendungssucht, obwohl das Geld von ihrer Familie kommt. Er schreibt ihr vor, was sie zu tun und zu lassen hat. Teddy glaubt, dass sie sich mit ihrer teuren Garderobe, dem Schmuck, den zahllosen Kosmetikartikeln und dem Sortiment an Pillen zu der Frau machen kann, die sie sein will. Sie hofft, in ihrem neuen Leben die perfekte Fassade aufbauen zu können. Um jeden Preis will sie verhindern, dass irgendjemand die Wahrheit über ihr zügelloses Leben in der Vergangenheit erfährt, vor allem über ihren gefährlichen Kontakt zu dem Russen. Teddy ist kein unsympathischer Charakter, legt aber viel zu viel Wert auf Äußerlichkeiten und lässt zu lang andere über sich bestimmen. Der Roman ist nicht frei von Längen. Die Tatsache, dass sie von Anfang in Vorausdeutungen äußert, dass sie es nicht schaffen wird, dass sie alles ruiniert hat, nimmt dem Roman noch zusätzlich die Spannung. Sprachlich ist das Buch gelungen, auf jeden Fall ein interessantes Porträt einer anderen Zeit und einer ungewöhnlichen Frau.

Veröffentlicht am 15.05.2025

Der erste Fall für Tara Kronberg

Signalrot
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Kriminalhauptkommissarin Tara Kronberg hat sich eine zweijährige Auszeit gegönnt, um private Schicksalsschläge zu verarbeiten. Jetzt wird sie dringend gebeten, die Sondereinheit Signalrot mit ihrer Expertise ...

Kriminalhauptkommissarin Tara Kronberg hat sich eine zweijährige Auszeit gegönnt, um private Schicksalsschläge zu verarbeiten. Jetzt wird sie dringend gebeten, die Sondereinheit Signalrot mit ihrer Expertise zu unterstützen, denn ein unbekannter Serientäter lässt Frauen für sich tanzen und verstümmelt und tötet sie dann. Die Polizei muss ihn dringend fassen, bevor es noch weitere Opfer des grausamen Sadisten gibt. Kriminaloberkommissar Gabriel Schneider soll Tara in dem neu gebildeten Dezernat 47 unterstützen. Tara Kronberg hat noch nie unter so schlechten Bedingungen gearbeitet. Ihr Büro ist eine hässliche dunkle Kammer, und anfangs verfügt sie nicht einmal über einen Computer. Immer wieder wird ihr der Zugang zu wichtigen Unterlagen verwehrt, und Informationen zum neuesten Entwicklungsstand der Ermittlungen des LKA unter dem unsympathischen Kollegen Brenner werden ihr vorenthalten. Es gibt weitere Leichen und vermisste Frauen, denen ein furchtbares Ende droht. Die Zeit drängt.
Wir begleiten Tara bei ihrer Arbeit, wo sie Spuren nachgeht, die das LKA übersehen hat. Anfangs ignoriert Brenner ihre Hinweise. Als man schon sicher ist, den Täter gefasst zu haben, präsentiert Tara ein Phantombild von einem völlig anderen Verdächtigen. Tara sucht am Ende allein den Ort auf, wo sie den Täter vermutet und bringt sich in Lebensgefahr. Zum Glück trifft der Kollege Gabriel schnelle Entscheidungen, um sie zu retten.
Besonders zum Ende hin gibt es mehrere Handlungsumschwünge. Die Vielzahl von Personen und ihre Beziehungen untereinander haben mich teilweise verwirrt. Dennoch ist es eine meist spannende Geschichte mit den sympathischen Hauptfiguren Tara und Gabriel. Der Thriller liest sich gut. Jedoch hat mir die teilweise exzessive Grausamkeit in der Darstellung weniger gefallen. Da darf man als Leser nicht zart besaitet sein.

Veröffentlicht am 10.05.2025

Schöne kleine Loser

Der Kaiser der Freude
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Der 19jährige Hai lebt mit seiner Mutter in East Gladness, einem heruntergekommenen Ort in Connecticut. Sie sind aus Vietnam geflohen und versuchen seit Jahren, sich ein neues Leben aufzubauen, ziemlich ...

Der 19jährige Hai lebt mit seiner Mutter in East Gladness, einem heruntergekommenen Ort in Connecticut. Sie sind aus Vietnam geflohen und versuchen seit Jahren, sich ein neues Leben aufzubauen, ziemlich vergeblich. Hai ist seit Jahren tablettensüchtig und bekommt sein Leben nicht in den Griff. Eines Tages steht er wieder einmal auf einer Brücke und denkt über Selbstmord nach. Dabei wird er von Grazina, einer 82jährigen Frau beobachtet, die den Krieg in Litauen überlebt hat. Sie hindert ihn daran, sich umzubringen, und er zieht in ihr heruntergekommenes Haus voller Erinnerungsstücke. Hai wird ihr Pfleger, denn sie wirkt zumindest zeitweise orientierungslos und dement. Im Laufe der Zeit kommen sie sich näher und helfen einander im Alltag. Hai hat schon einmal ein Studium in New York abgebrochen und will seine Mutter nicht noch einmal enttäuschen. Also erzählt er ihr eine Menge Lügengeschichten von seinem angeblichen Medizinstudium. In Wirklichkeit findet er durch seinen zwei Jahre jüngeren Cousin Sony einen Job in einem Diner. Dort müssen sie für wenig Geld hart arbeiten und bleiben für alle Außenstehenden arme Loser, die nie dazugehören werden. Auch Sony bekommt sein Leben nicht auf die Reihe, ist besessen vom amerikanischen Bürgerkrieg und von dem Film Gettysburg, den er sich schon unzählige Male angesehen hat.
Ocean Vuongs neuer Roman erzählt in einer sehr poetischen Sprache gesellschaftskritisch mit viel Empathie vom Schicksal der Ausgegrenzten, die es schaffen, durch Freundschaft und Solidarität zu überleben: "Das Leben ist gut, wenn wir einander Gutes tun" (S. 521). Besonders berührend ist die Beziehung von Hai zu Grazina, die er als Sergeant Pepper in gespielten Kriegsszenen immer wieder in der Vergangenheit trifft und dann in die Realität zurückholt. Nicht nur durch eingeschobene Fantasien, sondern auch durch zahlreiche Rückblenden und ständigen Wechsel der Zeitebenen liest sich der Roman nicht mühelos, aber er ist durchaus eine lohnende Lektüre wie schon Vuongs Debüt “Auf Erden sind wir kurz grandios“, das ich sehr schätze, auch wenn ich die Vielfalt von Themen, Episoden und individuellen Schicksalen teilweise etwas verworren finde.

Veröffentlicht am 30.04.2025

Sheesh, das war cringe!

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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In dem dritten Band der Reihe hat Monsieur Jean Perdu wieder mit seinem Bücherschiff, der Pharmacie Littéraire in einem Hafen an der Seine in Paris angelegt. Inzwischen hat er in der Auszubildenden Pauline ...

In dem dritten Band der Reihe hat Monsieur Jean Perdu wieder mit seinem Bücherschiff, der Pharmacie Littéraire in einem Hafen an der Seine in Paris angelegt. Inzwischen hat er in der Auszubildenden Pauline Lahbibi eine Helferin, die wie ihr Chef über sehr gute Menschenkenntnis verfügt und den Menschen, die sie um Hilfe bitten, das passende Buch vermitteln kann. Sie haben spezielle Veranstaltungen für Kinder eingeführt, was zum Teil zu wütenden Protesten der Mütter führt, die mit dem den Kindern vorgestellten Lesestoff nicht einverstanden sind. In diesem Zusammenhang gibt es auch rassistische Attacken gegen Pauline. Im Mittelpunkt der Handlung steht die knapp zwölfjährige Francoise, die Hilfe für ihre Mutter sucht. Die Mutter, eine Frau von Mitte 30 mit Namen Guinevere Aveline Cleo Bellanger, ist seit dem Tod ihrer Zwillingschwester Camille schwer traumatisiert und verlässt kaum das Haus. Sie hat 12 Jahre zuvor den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen, obwohl diese ihren Lebensunterhalt finanzieren. Francoise hat eine Liste von Dingen erstellt, die ihre Mutter unter ihrer Anleitung lernen soll, um endlich am realen Leben teilzunehmen. Auch Bücher sollen dabei helfen, denn wieder geht es darum, welche lebensverändernde Wirkung Bücher auf Menschen haben, sodass man sie wie Medikamente zur Heilung aller möglichen Störungen einsetzen kann. Dieses wichtige Thema gefällt mir wieder sehr gut, vor allem, weil Bücher einen so hohen Stellenwert in meinem eigenen Leben haben. Ich habe mit Freude festgestellt, dass ich die meisten der im Roman genannten Titel kenne. Außerdem ist Paris meine Lieblingsstadt, die ich so oft besucht habe, dass ich mich dort gut auskenne. Was mir nicht so gefällt, ist die sprachliche Qualität des Romans. Die unzähligen französischen Wörter und Lokalitäten sollen wohl ein typisch französisches Ambiente schaffen, sind aber so voller Fehler, dass sie bei mir das Lesevergnügen ebenso beeinträchtigt haben wie der - vorsichtig formuliert - kreative Umgang mit der deutschen Sprache und die beträchtliche Zahl von Fehlern, die ein gründliches Lektorat vermissen lassen. Hinzukommt die etwas gewollt wirkende Einbeziehung typischer Jugendsprache. Ich bin etwas enttäuscht.

Veröffentlicht am 30.04.2025

Eine sehr spezielle Crew von Feuerwehrleuten

Devil's Kitchen
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Die Crew “Engine 99“ - bestehend aus Chief Big Matt, Engo, Jake und Ben – ist in New York City im Einsatz. Der Leser weiß von Anfang an, dass sie einen Teil der Brände selbst legen, um im allgemeinen Chaos ...

Die Crew “Engine 99“ - bestehend aus Chief Big Matt, Engo, Jake und Ben – ist in New York City im Einsatz. Der Leser weiß von Anfang an, dass sie einen Teil der Brände selbst legen, um im allgemeinen Chaos dann Banken und Juweliergeschäfte und die Wohnungen an ihren Einsatzorten zu plündern. Die Polizei ist in inzwischen misstrauisch geworden, weil es oft kurze Zeit vor spektakulären Einbrüchen dort Brände gegeben hat. Benjamin Haig genannt Ben hat außerdem die Polizei durch einen Brief über ihre kriminelle Nebentätigkeit informiert, um im Gegenzug zu erreichen, dass die Polizei die Suche nach seiner verschwundenen Partnerin Luna und ihrem Sohn Gabriel wiederaufnimmt. Das FBI schickt daraufhin eine verdeckte Ermittlerin, die sich Andy Nearland nennt und Teil des Teams wird. Die Gruppe bereitet gerade ihren letzten großen Coup vor. Andy muss ständig fürchten, enttarnt zu werden und ihr Leben zu verlieren. Chief Big Matt hat äußert brutale Methoden, die Loyalität seiner Leute zu testen. Das zeigt er auch bei seinem Umgang mit Andy und Ben, die sich schon bald näherkommen. Andy hilft Ben bei seiner Spurensuche nach den beiden Verschwundenen. Während die Polizei glaubt, dass Mutter und Sohn aus eigenem Antrieb weggegangen sind, vermutet Ben, dass seine Kollegen etwas mit ihrem Verschwinden zu tun haben. Mit Hilfe von Andy gewinnt er neue Erkenntnisse.
Erzählt wird die Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen, abwechselnd aus Bens und Andys Perspektive. Jedes Mitglied der Gruppe hat hier eine dunkle Vergangenheit, die nicht ans Licht kommen soll, vor allem Big Matt, der bei 9/11 dabei war und durch eine Fehlentscheidung seine damaligen Kollegen im Stich gelassen hat. Die anfängliche enorme Spannung lässt später etwas nach und verliert sich in unzähligen Handlungsumschwüngen und immer neuen detailreichen Komplikationen, um dann zum Ende hin wieder rasant zuzunehmen. Mich hat der Thriller trotz seiner teils recht derben Sprache und einigen sehr gewalttätigen Szenen gefesselt, und ich habe ihn sehr zügig gelesen.