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Veröffentlicht am 04.05.2025

Vixed

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Natalie ist die beste Verkäuferin einer Firma für Nahrungsergänzungsmittel, genannt Vixed. Seit eine paar Monaten hat sie eine neue Kollegin namens Dawn Schiff. Dawn ist etwas seltsam, sie hält immer exakt ...

Natalie ist die beste Verkäuferin einer Firma für Nahrungsergänzungsmittel, genannt Vixed. Seit eine paar Monaten hat sie eine neue Kollegin namens Dawn Schiff. Dawn ist etwas seltsam, sie hält immer exakt die Zeiten ein, sei ist korrekt, sie ist unscheinbar, sie mag Schildkröten. Sie ist eine ideale Buchhalterin. Wenn Natalie ehrlich ist, muss sie zugeben, dass sie sich schon mal über Dawn lustig macht. Doch als Dawn eines Morgens nicht zur Arbeit erscheint, macht sich Natalie schon Gedanken. Dawn ist immer so vorhersehbar, da kann es einfach nicht sein, dass sie mal eben später kommt. Tatsächlich taucht Dawn nicht auf.

Am Arbeitsplatz ist auch nicht immer alles wie es scheint. Dawn und Natalie arbeiten in einem Großraumbüro. Ihre Plätze liegen nebeneinander und so bekommt die eine einiges von der anderen mit. Ihr Umgang ist freundlich, aber distanziert. So sehen sie das jedenfalls. Doch als die ewig gleich handelnde Dawn nicht zur Arbeit erscheint, beginnt Natalie sofort sich Sorgen zu machen. Seth, ihr gemeinsamer Chef, ist da noch ganz entspannt. Dawn hat mit ihm einen Termin gemacht, da wird sie ihrer Art entsprechend pünktlich auftauchen. Aber, was, wenn nicht? Natalie wird es wirklich unbehaglich als Dawn auch nicht in ihrer Wohnung ist.

Es ist auch bei einem Thriller schön, wenn man die eine oder andere Person findet, die einem sympathisch ist. Bei der Anlage dieses Romans könnte man auf den Gedanken kommen, die eine oder andere böte sich dafür an. Doch ganz so einfach ist es nicht. Natalie ist nicht immer nett zu ihren Kolleginnen und Dawn ist einfach seltsam und kühl. Gerade Dawn gegenüber, die nicht immer gut behandelt wird, möchte man Sympathie empfinden, aber man wundert sich, dass es nicht richtig klappt. Erst im Verlauf bekommt man eine Ahnung, woran das liegen könnte. Genau darin liegt das Geschickt der Autorin. Ihr gelingt es, die Leser und Leserinnen zu lenken und zu einem überraschenden Finale zu führen. Aus einer etwas sperrigen entwickelt sich eine wirklich spannenden Geschichte. Ob man solche Storys immer mag, muss man sich überlegen, aber ab und zu sind sie eine willkommene Abwechslung.

Veröffentlicht am 01.05.2025

Hund und Katz

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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DI Wilkins und DI Wilkins bilden seit Neuestem ein Team. Das ist nicht ganz einfach, denn Ryan Wilkins wurde von seiner vorherigen Dienststelle eher mehr als weniger strafversetzt. Er hatte keine einfache ...

DI Wilkins und DI Wilkins bilden seit Neuestem ein Team. Das ist nicht ganz einfach, denn Ryan Wilkins wurde von seiner vorherigen Dienststelle eher mehr als weniger strafversetzt. Er hatte keine einfache Kindheit und Jugend. Obwohl er sich als guter Ermittler erweist, merkt man ihm seine schwierige Herkunft noch immer an. Raymond Wilkins dagegen ist behütet in der Oberschicht aufgewachsen. Er hat an einer renommierten Universität studiert. Nur wegen seiner Hautfarbe bekommt er manchmal nicht den nötigen Respekt. Bei ihrem ersten gemeinsamen Fall müssen sie gleich im universitären Umfeld ermitteln. Denn in einem Arbeitszimmer der Uni wird eine Leiche gefunden.

Zwei, die sich erstmal überhaupt nicht leiden können, sollen hier ein Team bilden. Und Ryan Wilkins eckt gleich wieder an, weil er sich mit dem Provost der Lehranstalt anlegt. Raymond bekommt ganz schön zu tun, um das wieder gerade zu biegen. Ryan dagegen hat sofort das nächste Disziplinarverfahren am Hals. Während Raymond anfangs etwas auf Ryan herabblickt, steht Ryan seinem Kollegen durchaus nicht negativ gegenüber. Doch es passiert schon mal, dass sie ihre Gedanken nicht richtig koordinieren, wodurch die Nachforschungen recht schwierig werden können. Sie müssen erst noch lernen, wie sie ticken.

Dieser Ansatz ist schon mal vielversprechend. Ermittler, die sich nicht abkönnen, die die gegenüberstehen wie Hund und Katz, das verspricht interessante Unterhaltung. Zwar kommt der Gedanke auf, wie aus diesem Start eine Reihe werden soll, da sich ein Team ja eigentlich zusammenraufen soll, aber es gibt im englischen Original schon weitere Bände. Dem Autor scheinen die Ideen nicht auszugehen. Geistesblitze von DI Wilkins und akribisches Arbeiten von DI Wilkins, das ergänzt sich gut und es führt auch zu Ergebnissen. Das ist spannend zu lesen. Und auch die persönlichen Lebensumstände der beiden Polizisten, berühren einen. Jeder hat seine eigenen Probleme, die lebensnah geschildert sind. Gerne möchte man wissen, wohin die Reihe geht für dieses ungewöhnliche Duo und ob es noch zu einem echten Team wird. Von der Altehrwürden Universität gibt das Cover einen guten Eindruck.

Veröffentlicht am 24.04.2025

Im Herzen

Ámbar
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Ihr Vater ist ein Verbrecher, der vieles mit den Fäusten regelt. Das führt dazu, dass es immer wieder heißt, neuer Name, neuer Pass. Ámbar und ihr Vater bleiben nirgends lange. Doch mit fünfzehn Jahren ...

Ihr Vater ist ein Verbrecher, der vieles mit den Fäusten regelt. Das führt dazu, dass es immer wieder heißt, neuer Name, neuer Pass. Ámbar und ihr Vater bleiben nirgends lange. Doch mit fünfzehn Jahren entwickelt Ámbar eigene Gedanken und Gefühle. Eines Tages kommt Victor Mondragón mal wieder mit einer Schussverletzung zurück, die Ámbar in dem billigen Motelzimmer versucht zu flicken. Das hat sie gelernt seitdem sie mit ihrem Vater durch die Gegend zieht. Manchmal wünscht sich Ámbar schon richtige Freunde. Doch wieder ist ihr Vater auf der Jagd nach irgend etwas oder möglicherweise sogar auf der Flucht.

Victor ist der einzige Vater, den Ámbar hat und den sie kennt. Er versucht ihr Geschichten von früher zu erzählen. Doch mit der Mutter ist er nicht zusammengeblieben und sie hat er nie gewollt. Und doch ist sie seine Tochter. Die Tochter, die ihn wieder zusammenflickt. Und doch mit fünfzehn möchte sie nicht mehr warten oder Wunden reinigen. Ámbar hat eigene Träume. Heimlich spart sie auf ein Tattoo. Sie will selbst entscheiden, wer sie ist, wie sie heißt und wie lange sie bleibt. Als sie erfährt, wieso sie Ámbar heißt, löst das etwas in ihr aus.

Durch Argentinien reisen Ámbar und ihr Vater. Eine richtige Flucht ist es nicht, doch irgendwie schon. Rastlos von einem Ort zum anderen. Ámbar, Victor und die abwesende Mutter, die doch fehlt. Man schaut Ámbar zu, wie sie sich langsam von ihrem Vater emanzipiert, wie sie ihren eigenen Weg sucht. Ihr Vater scheint seines unsteten Lebens nicht überdrüssig zu werden. In Ámbar manifestiert sich die Frage, wie lange das noch so weitergehen kann oder soll. Man kann sich gut in Ámbar hineinversetzen. Mitten in der Pubertät ist es kein Wunder, dass sie rebelliert. Doch ihre Umgebung, ihre seit Jahren fortdauernde Gewöhnung an die Gewalt, führen sie zu anderen, aber doch verständlichen Handlung. Eine ganz eigene Heldin, die einem schließlich richtig sympathisch wird. Das ausdrucksstarke Cover ist ein richtiger Blickfang.

Veröffentlicht am 17.04.2025

Gastfreundschaft

Lyneham
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Mit seiner Familie kommt der zwölfjährige Henry Meadows auf dem erdähnlichen Planeten Perm an. Auf der Erde konnten die Menschen nicht mehr überleben. Nur die Privilegierten konnten die Reise antreten. ...

Mit seiner Familie kommt der zwölfjährige Henry Meadows auf dem erdähnlichen Planeten Perm an. Auf der Erde konnten die Menschen nicht mehr überleben. Nur die Privilegierten konnten die Reise antreten. Die Ankunft auf Perm gestaltet sich etwas holprig und die Landung erfolgte auf nicht genau am angepeilten Zielort. Zum Glück schaffen es Henry, sein Vater, seine Geschwister Chester und Loy ins Biom. Die Atmosphäre ihrer neuen Heimat ist nicht perfekt für die Gesundheit. Zum Glück können sich dekontaminieren lassen. Und doch merken die Neuankömmlinge schnell, dass auf Perm einiges anders läuft als erwartet.

Die Menschheit hat es also geschafft, den Planeten Erde für Menschen unbewohnbar zu machen. Dabei schien die Erderwärmung überwunden. Etwas lief jedoch schief gelaufen. Zum Glück stand das Konzept der Bilome schon. Leider war Henrys Mutter nicht mit dem selben Raumschiff unterwegs als der Rest der Familie. Besonders Loy, die jüngste der Geschwister, hatte gehofft ihre Mutter bei der Ankunft in die Arme zu schließen. Loy beginnt mit der Suche. Henry hat noch viel mit seiner Dekontamination zu tun und Chester ist irgendwie mit dem Kopf in den Wolken. Die seltenen Begegnungen mit Noah Rayser, der das Ganze entwickelt hat, lassen ein ungutes Gefühl zurück.

Die Menschheit zeigt hier, wie sie es geschafft hat, die Erde kaputt zu machen. Und wie immer sind es die Begüterten und Privilegierten, die die Flucht antreten können. Auf dem neuen Planeten soll alles besser laufen. Also Henry und seine Freunde ankommen, gibt es schon erste Risse in der Fassade. Und es gibt wieder einen, der das Sagen hat. In Rückblenden erfährt man wie die Geschichte auf Perm verlaufen ist. Zwei Handlungsstränge, die quasi aufeinander zu laufen. Und man erlebt mit, wie die Menschen es schaffen, auch ihre neue Heimat negativ zu beeinflussen. Rücksicht auf andere wird nicht genommen. Das Vergehen der einheimischen Natur wir zum Wohle der Menschen in Kauf genommen. Und es wirkt, als würden sie wieder nur Müll hinterlassen. Berichtet wird das Meiste von Henry, der mit seiner Kinderklugheit einiges an Schärfe nimmt. Mit seinem Roman hält der Autor einem einen Spiegel vor, in dem man nicht unbedingt gut wegkommt. Eine düstere und überraschende Dystopie. Gerade die Düsternis findet sich auch in der Gestaltung des Umschlags wieder.

Veröffentlicht am 05.04.2025

Der Meister

Was ich von ihr weiß
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Von Frankreich aus schickt ihn seine Mutter heim nach Italien, um dort eine Lehre anzutreten. Doch sein Lehrherr will nichts von seinem Lehrling wissen, jedenfalls so lange nicht bis er das Geld sieht, ...

Von Frankreich aus schickt ihn seine Mutter heim nach Italien, um dort eine Lehre anzutreten. Doch sein Lehrherr will nichts von seinem Lehrling wissen, jedenfalls so lange nicht bis er das Geld sieht, dass die Mimo mitgegeben hat. An dem neuen Ort lernt Mimo die gleichaltrige Viola Orsini kennen. Es könnte so schön sein, doch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg bestand noch ein großer Unterschied zwischen einer Adligen aus einer wohlhabenden und einflussreichen Familie und einem kleinwüchsigen Jungen, der in Armut geboren ist. Zwar hält Viola sich meist nicht an Konventionen, aber gegen alles kann sie sich auch nicht stellen. Und Mimo will auch seiner Berufung zum Bildheuer folgen.

Haben Mimo und Viola eine Chance? In Anbetracht der Umstände eher nicht. Und dennoch entwickeln sie eine Art Freundschaft, die sie ihr Leben lang begleiten wird. Die ausgesprochen intelligente Viola, die nicht nur behält, was sie liest, sondern es auch noch versteht, ist einfach zu früh geboren. Wäre sie fünfzig Jahre jünger gewesen, hatte sie für ihre Leistungen vielleicht einen Preis bekommen. So aber konnte sie ihre Fähigkeiten nicht einmal entwickeln. Und Mimo? Mit seiner Gestalt ist er schnell dem Spott ausgesetzt. Wenigstens als Künstler gelingt es ihm, sich einen Namen zu machen.

Dieser Roman entwickelt seinen Zauber nach und nach. Die besondere Komposition zieht einen bald in ihren Bann. Zunächst lernt man zwei Jugendliche kennen, die unbefangen miteinander umgehen. Nicht lange dauert es, bis sie sich den Konventionen der Zeit beugen müssen. Der größte Teil ihrer Freundschaft muss ein Geheimnis bleiben. In der Offenheit leben sie in unterschiedlichen Welten. So wie die Zeit voranschreitet entwickeln sich ihre Welten weiter auseinander und die Geschichte zwischen den beiden Weltkriegen läuft voran. Was wird die Zukunft bringen? Gefesselt verfolgt man diese gefühlvolle und manchmal schonungslose Erzählung, Immer der Zeit verhaftet bietet der Roman ein realistisches Bild der Menschen in ihrer geschichtlichen Epoche.

Durch die Gestaltung des Umschlags bekommt man eine schöne fast traumhafte Vorstellung von der Villa Orsini.