Profilbild von kayla

kayla

Lesejury Star
offline

kayla ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit kayla über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2025

Power Imbalance

Bittersüß
0

Mit „Bittersüß“ hat die Autorin Hattie Williams, die unter anderem in einem Verlag arbeitete, ihr Debut vorgelegt. Man fragt sich beim Lesen, ob es sich bei der Geschichte in Teilen um einen ...

Mit „Bittersüß“ hat die Autorin Hattie Williams, die unter anderem in einem Verlag arbeitete, ihr Debut vorgelegt. Man fragt sich beim Lesen, ob es sich bei der Geschichte in Teilen um einen autofiktionalen Roman handelt, da es inhaltlich um die junge Verlagsassistentin (und Ich-Erzählerin) Charlie geht, die mit einem älteren Starautor namens Richard Aveling eine Affäre hat.

Charlie bezeichnet sich selbst als „Kuckuckskind“, da ihr Dad nicht ihr richtiger Vater ist. Mit 16 Jahren verliert das Mädchen, das schon als kleines Kind hypersensibel war, seine Mutter und damit auch den Halt im Leben. Der Vater orientiert sich um, hat rasch wieder eine neue Partnerin, die schnell schwanger wird.

Später soll es Charlie gelingen, ihr Studium in Brighton trotz aller Widrigkeiten abzuschließen. Manchmal fragte ich mich beim Lesen, woher sie als junge Frau das Geld für „Drogen“ hatte, da später von ihren überaus wohlhabenden Freunden Eddy & Ophelia die Rede ist, welche zum britischen (Geld)adel gehören. Aber auch Charlie scheint nicht der klassische working class underdog zu sein, obwohl es für Oxford oder Cambridge nicht reichte, und sie heuert schließlich auch in einem renommierten Londoner Verlag an. Ist das ganz ohne ‚Vitamin B‘ möglich?

Ihre Freundin Ophelia ist immer für Charlie da, auch als die Protagonistin in Depressionen versinkt. Die Liebe zu einem älteren, berühmten Mann tut der Heldin indes nicht gut, auch gibt sie zu, schon immer für den Schriftsteller geschwärmt zu haben.
Die Geschichte einer toxischen Beziehung, die Story vom Scheitern & von der Emanzipation ist sicher nicht neu. Böse Zugen würden von "Play stupid games, win stupid prizes " sprechen. Die Erzählung liest sich aber flüssig und spannend, auch wenn die deutsche Übersetzung manchmal etwas geschliffener sein könnte („Kurz vor dem Bankrott, konnte er sich kaum noch über Wasser halten.“). Die Erzählung nimmt sich selbst sehr ernst & Williams Stil ist stellenweise (gewollt) naiv, doch auch packend.

Trotz kleiner Schwächen habe ich „Bittersüß“ gerne gelesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2025

Edie & Elliot gegen den Rest der Welt

Und plötzlich ist es wunderbar
0

Vorab:

Mhairi McFarlane ist eine meiner liebsten Chicklitautorinnen. Sie schreibt Liebesromane ohne Pathos, daher braucht sie das Lob einer Emily Henry (die für eine neue Zielgruppe steht) eigentlich ...

Vorab:

Mhairi McFarlane ist eine meiner liebsten Chicklitautorinnen. Sie schreibt Liebesromane ohne Pathos, daher braucht sie das Lob einer Emily Henry (die für eine neue Zielgruppe steht) eigentlich nicht.

Die Umschlaggestaltung des Romans „Und plötzlich ist es wunderbar“ macht richtig Lust aufs Lesen. Ein besonderes Plus: Die Filmrollen auf dem Cover haben einen Bezug zum Buchinhalt, da es unter anderem um den Schauspieler Elliot geht. Die Figurenkonstellation erinnert ein wenig an den Hollywoodstreifen „Notting Hill“, in welchem ein Normalo – Brite (verkörpert von Hugh Grant) auf eine amerikanische Schauspielerin (Julia Roberts) trifft. Nur sind die Rollen in „Und plötzlich ist es wunderbar“ vertauscht: Die Britin Edie soll dem Tinseltown-Mimen Elliot eine zweite Chance geben. Kennengelernt hatten sich die beiden, als die 36jährige die (Auto)biographie des Superstars verfassen sollte. Nun gilt es, die Liebesbeziehung nicht scheitern zu lassen, doch da gibt es die Yellow Press und allerlei Hindernisse, außerdem hat Edie einen neuen (sehr charmanten) Arbeitskollegen.

Wird es für Elliot und Edie ein Happy End geben?

Mhairi McFarlanes neuer Roman ist die Fortsetzung von „Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt“ – dies war mir vor der Lektüre nicht klar. Man kann „Und plötzlich ist es wunderbar“ aber prima als Einzelband lesen (natürlich kann es nie schaden, die Vorgeschichte zu kennen).
Man merkt, dass die Autorin sehr viel Erfahrung hat – sie entwirft ein interessantes Szenario mit eigenwilligen Figuren. Die Kapitel sind kurz, der Stil einfach, was bewirkt, dass man das Gefühl hat, mittendrin statt nur dabei zu sein. Da es keine Ich-Erzählerin gibt, wird andererseits eine gewisse Distanz zum Leser aufgebaut, was mir aber schon vor der Lektüre klar war, da ich weiß, dass McFarlanes bevorzugte Perspektive die des auktorialen Erzählers ist, aufgelockert wird das Ganze durch Dialoge. Mir gefällt der trockene britische Humor dabei besonders gut, ich kann mir aber vorstellen, dass die Anspielungen und Witzchen im englischen Original noch lustiger sind. Instagram spielt in der Geschichte eine nicht unerhebliche Rolle, dies wirkt in der TikTok – Ära fast liebenswert altmodisch, schließlich gehören die Protagonisten nicht zur Gen Z. Mhairi Mc Farlane schreibt Chicklit mit Anspruch, daher ist die Handlung (wie in dem Genre üblich) einigermaßen vorhersehbar, was mich aber nicht gestört hat. Die Erzählung bietet gute Unterhaltung, als Autorin hätte ich die Geschichte jedoch stellenweise gestrafft.

„Und plötzlich ist es wunderbar“ von Mhairi McFarlane ist eine locker-leichte Lektüre für Zwischendurch. Da die Handlung im Winter (an Weihnachten) beginnt, ist das Buch auf den ersten Blick vielleicht nicht die klassische Strandlektüre. Eine routiniert geschriebene RomCom für laue Sommerabende ist „Und plötzlich ist es wunderbar“ allemal.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2025

Inferno

Devil's Kitchen
0

In „Devil’s Kitchen“ entführt die australische Autorin Fox die Leser in die USA, nach New York.

Eine vierköpfige Truppe von Feuerwehrmännern begeht das scheinbar perfekte Verbrechen. Während ...

In „Devil’s Kitchen“ entführt die australische Autorin Fox die Leser in die USA, nach New York.

Eine vierköpfige Truppe von Feuerwehrmännern begeht das scheinbar perfekte Verbrechen. Während sie selbstverursachte Brände löschen, gehen die firefighter auf Raubzüge (Banken und Juweliere sind die bevorzugten Ziele) und sie begehen Versicherungsbetrug. Eine brenzlige Situation entsteht, als einer der Männer, Ben, den Verdacht hegt, dass die Kollegen seiner Freundin und ihrem Sohn etwas angetan haben könnten, denn die Latina Luna ist spurlos verschwunden, scheinbar einem Drogenkartell ihrer mexikanischen Heimat zum Opfer gefallen. Auf seinen anonymen Hilferuf hin wird eine Freelancerin, die als Undercoveragentin arbeitet, von den Behörden eingeschleust. Andrea „Andy“ Newland ist mit allen Wassern gewaschen & sie lässt sich fürstlich für ihre Dienste entlohnen, zumal ihr aalglatter Chef vom FBI skrupellos die Lorbeeren einheimsen will, da er vermutet, dass die Feuerwehrmänner von „Engine 99“ auch für einen bislang unaufgeklärten brutalen Polizistenmord verantwortlich sind. Um in den inneren Kreis vorzudringen, gibt Andy vor, Bens neue Freundin zu sein. Als die Crew den größten Coup ihrer Geschichte plant, gerät Andy in Teufels Küche…

Die Umschlaggestaltung der deutschen Ausgabe gefällt mir besser als das Originalcover, auch die Übersetzung von Andrea O’Brien ist sehr gelungen. Auf 431 Seiten wird ein ‚Spannungskracher‘ mit einem mehr oder weniger überraschenden Ende präsentiert. Durch die bildhafte Erzählweise der Autorin hatte ich zeitweise sogar das Gefühl, einen Actionfilm zu gucken. Der Roman ist einigermaßen dialoglastig, dies gefiel mir leider nicht so gut. Fox‘ Motto könnte „It’s a man’s world“ lauten, denn ihre vor Testosteron nur so strotzenden Protagonisten sind nicht zimperlich. Andy als toughe Ermittlerin schrammt haarscharf am Klischee der starken Frau vorbei. Nach und nach wird die jeweilige Motivation der (Anti)helden (der Anführer Matt Roderick etwa ist der einzige Überlebende einer Einheit, die am 11. September 2001 im Einsatz war) enthüllt und man erfährt, was Adrenalinjunkie Andrea antreibt. Ich hätte mir dennoch stellenweise eine filigranere Figurenzeichnung gewünscht.

New Yorker Feuerwehrleute auf Beutezug – diesen Ansatz fand ich angesichts der verheerenden Brandkatastrophe von Los Angeles im Jahr 2024 fast ein wenig makaber. Ein Thriller über australische Buschfeuer hätte Candice Fox in der Heimat wohl Kritik eingebracht, dabei sind die nicht-amerikanischen settings Fox‘ große Stärke.

Fazit: „Devil’s Kitchen“ hat mich trotz kleiner Schwächen gut unterhalten. Ich werde auch zum nächsten Roman aus Fox‘ Feder greifen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2025

Walk Like an Egyptian

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
0

Mit „What the River Knows“hat Isabel Ibanez den Auftaktband zur „Geheimnisse des Nil“- Dilogie vorgelegt.

„What the River Knows“ entführt die Leserinnen und Leser in eine faszinierende Welt, ...

Mit „What the River Knows“hat Isabel Ibanez den Auftaktband zur „Geheimnisse des Nil“- Dilogie vorgelegt.

„What the River Knows“ entführt die Leserinnen und Leser in eine faszinierende Welt, die von magischem Realismus und spannenden Abenteuern geprägt ist. Genretechnisch ist das Ganze eine wilde Mischung. Man sollte den Roman aber besser nicht mit dem Blick eines Geschichtswissenschaftlers betrachten, da es einige Ungereimtheiten gibt. Stilistisch ist die Story nicht schlecht; allerdings werden in dem kolonialismuskritischen Werk, das im 19. Jahrhundert angesiedelt ist, auch heutige Wertvorstellungen untergebracht und die Charaktere sprechen nicht so, wie es Menschen um 1880 getan hätten. Wenn Sätze wie „Jeder verdiente einen Mindestlohn.“ (S. 90) fallen, muss man schmunzeln.
Die Protagonistin der Geschichte, Inez Olivera, lebt bei ihrer Tante in Buenos Aires. Das Mädchen vermisst seine Eltern schmerzlich (sie sind lieber in Ägypten als in Argentinien). Als es die niederschmetternde Nachricht erhält, dass Vater und Mutter auf einer Expedition verstorben sind, gibt es für die temperamentvolle Inez kein Halten mehr - getrieben von Trauer und Neugier begibt sie sich (ohne Anstandsdame, verkleidet als Witwe) auf eine Schiffsreise nach Ägypten, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten – was geschah mit ihren Liebsten? Mit dem Tod der Eltern ist ihr eigenwilliger Onkel Ricardo (er führt selbst Grabungen durch) zum Vormund avanciert. Obwohl Inez noch auf ihrer Reise ein geheimnisvolles Artefakt gestohlen wird, will der Onkel die Protagonistin schnellstmöglich nach Hause schicken. Der Haudegen Whit (Die beiden liefern sich sofort hitzige Wortgefechte, die Motive des Helden werden erst im weiteren Handlungsverlauf enthüllt) nimmt Inez in Empfang; doch die Männer haben nicht mit dem Einfallsreichtum der Protagonistin gerechnet …
Ein besonderes Highlight des Romans stellt das interessante Setting dar, mir gefielen auch die spanischen Einsprengsel sehr gut, die Illustrationen im Buch sind ein besonderes Bonbon, ebenso wie die verspielte Umschlaggestaltung. Zu Beginn der Geschichte wirkt die Protagonistin manchmal fast pubertär und trotzig. Schon bald wird eine Liebesgeschichte angeteasert. Es ist allerdings schade, dass das Enemies - to – Lovers Stilmittel nicht schrittweise eingebaut wird. Whit und Inez geraten sofort aneinander, ich hätte mir in dieser Hinsicht mehr Raffinesse gewünscht, da ich dieses Trope eigentlich mag. Die Figurenzeichnung hätte für meinen Geschmack filigraner sein dürfen. Die Erzählung kommt nicht ohne Längen aus, ich fand die Geschichte aber insgesamt interessant; stellenweise hatte ich sogar das Gefühl, einen Film zu schauen – die Pharaonin Kleopatra spielt eine nicht unerhebliche Rolle.

Fazit:
Ich fühlte mich trotz kleiner Schwächen in der Gliederung der Geschichte gut unterhalten. Auf den zweiten Band der Jugendbuch - Reihe („Where the Library Hides“, erscheint im September) bin ich schon gespannt.



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2025

Toxische Figuren & große Gefühle

The Favourites
0



Emily Brontë meets Taylor Jenkins Reid

Im Winter gucke ich gerne Eislauf/hockeyfilme/serien wie "Mighty Ducks" oder "Spinning Out". Das Biopic über Tonya Harding ist ebenfalls sehenswert, ...



Emily Brontë meets Taylor Jenkins Reid

Im Winter gucke ich gerne Eislauf/hockeyfilme/serien wie "Mighty Ducks" oder "Spinning Out". Das Biopic über Tonya Harding ist ebenfalls sehenswert, auch Romane zum Thema mag ich, zuletzt "From Lukov with Love" (die „Lukov“ – Autorin Mariana Zapata ließ sich zweifellos vom 90s - Movie ‘Cutting Edge‘ inspirieren. ) Vom Stil her gefällt mir "The Favourites" aber besser - die Story wird aus der Perspektive der Protagonistin erzählt, es gibt aber auch reportageartige Einsprengsel, der Patchworkstil der Geschichte erinnert stark an Taylor Jenkins Reids „Carrie Soto is back“ – meine Lieblingssportlerromanze. Erzähltechnisch ist Reid jedoch etwas raffinierter als Layne Fargo aufgestellt; ich hätte Fargos Story dennoch gerne noch vor Weihnachten gelesen.
Der Liebesroman „The Favourites“ gleicht einer Achterbahnfahrt. Die Geschichte dreht sich um die beiden Protagonisten Katarina Shaw (Katarina Witt, anyone?) und Heath Rocha, deren Leben auf (melo)dramatische Weise miteinander verknüpft sind. In der Erzählung wird (wie eingangs erwähnt) ein Potpourri aus Regieanweisungen und Interviews präsentiert, was dem Ganzen eine fast filmreife Facette & eine dokumentarische Note verleiht – beim Lesen hat man daher das Gefühl, eine Serie zu bingen.
Katarina Shaws großes Vorbild ist die Eistanzikone Sheila Lin. Eine Goldmedaille ist das Ziel. Da kommt es Katarina sehr gelegen, dass ihr späterer Eistanzpartner Heath Rocha (er wird als PoC &Pflegekind eingeführt, Parallelen zu Brontës Heathcliff sind sicher gewollt) von ihrem Vater adoptiert wird und bei Shaws einzieht, Heath hingegen klammert sich regelrecht an das Mädchen. Ein weiterer Schicksalsschlag macht die Idylle schon früh zunichte; dennoch werden Shaw & Rocha eine symbiotische Liebesbeziehung eingehen. Wird der Leistungsdruck im Profisport dem Paar etwas anhaben können?
Zu Beginn der Lektüre war ich etwas genervt. Bei der Darstellung der Charaktere und ihrer Probleme trug die Autorin für meinen Geschmack etwas zu dick auf, die Protagonisten sind absolute Underdogs; mit toxischen Figuren erfindet Layne Fargo das Rad allerdings nicht neu. Auch gelingt es ihr nicht, die Leidenschaft wirklich greifbar zu machen. Einige Passagen hätte man definitiv kürzen können. Intrigen treffen auf Integrität, Konkurrenzkämpfe auf Kameradschaft, Fairness auf Fiesheiten, und es gibt auch den einen oder anderen plot twist. Der Handlungsverlauf ist insgesamt also eingängig und durchaus packend, wenn man sich für das Genre erwärmen kann.

Fazit: Mit „The Favourites“ präsentiert Layne Fargo eine interessante Sportlerromanze im Patchworkstil.




  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere