Ein Leben zwischen Luxus und Menschlichkeit
Cartier. Der Glanz von Gold„Cartier – Der Glanz von Gold“ ist der zweite Band von Sophie Villards Familien- und Unternehmenssaga rund um die Cartiers. Auch wer den ersten Band, so wie ich, noch nicht gelesen hat, findet trotz allerlei ...
„Cartier – Der Glanz von Gold“ ist der zweite Band von Sophie Villards Familien- und Unternehmenssaga rund um die Cartiers. Auch wer den ersten Band, so wie ich, noch nicht gelesen hat, findet trotz allerlei Personen schnell in die Handlung.
Das Cover besticht mit seinen weißen und goldenen Farben mit schlichter Eleganz und passt damit wunderbar zu der Marke Cartier und dem Schmuck den Jeanne im Laufe des Romans entwirft. Der Buchtitel hebt sich in goldenen Glitterbuchstaben deutlich hervor.
Nach Ende des Ersten Weltkrieges blicken die Cartiers voller Tatendrang in die Zukunft. Während seine jüngeren Brüder mit ihren Ehefrauen in die Filialen nach New York und London zurückkehren, erwecken Louis und seine langjährige Freundin, Vertraute und Designerin Jeanne die Pariser Filiale zu neuem Leben. Doch während das Geschäft in den wilden 20ern boomt, gibt es im Privatleben der Cartiers einige Unwegsamkeiten und vor allem Jeanne trifft es hart. Als dann die Weltwirtschaftskrise hereinbricht, bleibt auch das Geschäft der Cartiers nicht verschont.
Sophie Villards Saga eröffnet ihren Lesern einen interessanten Blick auf die Familie Cartier, sowie das Unternehmen und seine Stardesignerin. Historische Fakten werden mit fiktionalen Ideen angereichert und gelegentlich ein wenig angepasst. Dieser zweite Band der Saga beginnt mit dem Ende des Ersten Weltkrieges am 11. November 1918 in Paris und endet mitten im Zweiten Weltkrieg im Frühjahr 1942 in New York und umfasst damit einen ziemlich langen Zeitraum. Sophie Villard erzählt die Geschichte auf mehreren Handlungsebenen an den verschiedenen Orten und mit Blick auf die verschiedenen Personen. Der Roman lässt sich sehr flüssig lesen und bietet mit einigen überraschenden Wendungen, dem teils ungewissen Ausgang und den vielen Erzählsträngen durchaus Spannungspotenzial – vor allem für diejenigen Leser, die mit der Unternehmensgeschichte weniger vertraut sind. Etwas bedauerlich ist meiner Meinung nach nur, dass der Prolog schon recht viel vom Ausgang der Saga vorwegnimmt. Während der Lektüre trifft man auf viele berühmte, historische Persönlichkeiten, allen voran aber auf einige starke Frauen, die teils ehrgeizig und karriereorientiert sind und für ihre Rechte oder ihre Familie bereit sind zu kämpfen.
Insbesondere Pierre Cartiers Frau Elma hat einiges zu tun ihren Gatten von unüberlegten Handlungen abzuhalten. Ihre souveräne und gewitzte Art macht sie zu einer Sympathiefigur. Ebenso wie die Londoner Cartier Verkäuferin Miss Winter, die sich gemeinsam mit einer Kollegin der Konkurrenz für Frauenrechte einsetzt. Auch Coco Chanel und die ungarische Gräfin Jacquelin Almásy wissen genau, was sie wollen und verfolgen ehrgeizig ihre Ziele. Im Mittelpunkt des Buches stehen aber zweifelsfrei Louis Cartier und Jeanne Toussaint. Louis ist der älteste der drei Cartier Brüder und trägt auch als kreativer Kopf zuverlässig und souverän die größte Verantwortung. Das Verhältnis zu seiner erwachsenen Tochter ist schwierig, das zu seiner Ex-Frau noch schwieriger. Mit Jeanne hat er seit Jahren eine Vertraute und Geliebte an seiner Seite. Das Verlangen, das er plötzlich für die junge Gräfin Almásy entwickelt und sein Wunsch aus den bekannten Strukturen auszubrechen, wirkt beinahe wie eine Midlife-Crisis. Seine Gefühle sind Louis kaum vorzuwerfen, seine Rücksichtslosigkeit und Hinhaltetaktik mit der er beide Frauen im Unklaren lässt, machen ihn mir aber im Verlauf des Buches herzlich unsympathisch. Jeanne, die in ihrem Beruf sowohl kreativ als auch rational wirkt, erscheint in Bezug auf ihre große Liebe Louis mitunter verblendet und naiv, erhofft sie doch seit geraumer Zeit einen Heiratsantrag. Mit ihrem erbitterten beruflichen Gegner Moreau hat Jeanne es auch nicht leicht, ist dem Unternehmen Cartier aber mit allergrößter Loyalität und Passion ergeben. Immer wieder ist sie es, die rettende Ideen und Entwürfe hervorbringt. Auf eine angemessenen Anerkennung ihrer Tätigkeit wartet Jeanne jedoch lange. In den schweren Zeiten stehen ihre Freunde, allen voran Coco Chanel ihr stets zur Seite.
Alles in allem bietet der zweite Teil der Familiensaga einen gelungenen Einblick hinter die Kulissen der Luxusmarke Cartier – spannend und mit Spannungen. Für alle Luxusliebhaber und an der Entwicklung von Familienunternehmen Interessierte ein unbedingtes must-read und auch Freunde historischer Romane kommen hier voll auf ihre Kosten.