still und leise kommen die Gefühle auf einen zu
Die InselschwimmerinIch habe Die Inselschwimmerin begonnen und war sofort mittendrin. Diese Geschichte fühlt sich nicht an wie ein lauter Roman, der einem seine Dramatik aufdrängt – sie ist leise, warm und geht dabei trotzdem ...
Ich habe Die Inselschwimmerin begonnen und war sofort mittendrin. Diese Geschichte fühlt sich nicht an wie ein lauter Roman, der einem seine Dramatik aufdrängt – sie ist leise, warm und geht dabei trotzdem richtig tief. Die Erzählweise hat etwas Sanftes, fast schon Poetisches, und genau das hat mich direkt berührt.
Was mich wirklich geflasht hat, ist der Aufbau auf drei Zeitebenen. Jede Perspektive hat ihre eigene Stimmung, ihre eigene Spannung. Dadurch wollte ich ständig weiterlesen, um zu begreifen, wie alles zusammenhängt – was passiert ist, was verborgen bleibt, was noch ans Licht kommen muss. Es ist, als würde man ein Puzzle zusammensetzen, bei dem jedes Teil seine eigene Geschichte erzählt.
Die Figuren sind so echt, dass ich oft das Gefühl hatte, direkt neben ihnen zu stehen. Evies Schuldgefühle, ihre Sehnsucht und Zerrissenheit konnte ich fast körperlich spüren. Freyas Kampf um Wahrheit und Verantwortung hat mich sehr berührt, besonders, weil sie das Schweigen über etwas bewahrt, das sie gar nicht selbst zu verantworten hat. Die Eltern – ihr Wunsch nach einem Kind und wie daraus ein Abgrund geworden ist – haben mir beim Lesen manchmal richtig schwer auf der Brust gelegen.
Und dann Olivia. Ein Mädchen, das nie wirklich Liebe bekommen hat und ihr Leben lang danach hungert, gesehen zu werden. Ihr Schmerz ist leise und trotzdem immer da. Aber bei ihr gibt es einfach Dinge, die man nicht schönreden kann.
Dann das Missgeschick – oder besser gesagt: die Reaktion der Eltern darauf – hat mich besonders wütend gemacht. Keine Spur von Mitgefühl, nur Härte. Das war heftig unfair und hat beim Lesen richtig wehgetan.
Was ich richtig schön fand: Das Ende hatte etwas Befreiendes, fast etwas Tröstliches. Auch wenn ich mir insgesamt mehr über die Selkies erhofft hätte – sie hätten ruhig noch präsenter sein dürfen.
Die Inselschwimmerin war für mich ein stilles, aber unglaublich intensives Buch. Kein lauter Knall, sondern ein leises Eindringen unter die Haut – und genau das bleibt viel länger.