Profilbild von satzliebe

satzliebe

Lesejury Star
offline

satzliebe ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit satzliebe über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein neuer Mordfall für Hulda Gold

Fräulein Gold: Nacht über der Havel
0

Im nunmehr siebten Fall der Fräulein Gold-Reihe "Nacht über der Havel" nimmt uns die Autorin Anne Stern wieder mit nach Berlin, diesmal in das Jahr 1930 und lässt uns teilhaben am Leben der Hebamme Hulda ...

Im nunmehr siebten Fall der Fräulein Gold-Reihe "Nacht über der Havel" nimmt uns die Autorin Anne Stern wieder mit nach Berlin, diesmal in das Jahr 1930 und lässt uns teilhaben am Leben der Hebamme Hulda Gold und ihrer Freunde und Nachbarn. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr lesen. Die Hanndlungen der Protagonistin sind stimmig und nachvollziehbar Dieser Roman kann auch gelesen werden, wenn man die anderen Bücher nicht kennt. Zum besseren Verständnis würde ich jedoch mit dem ersten Teil beginnen.

Die Autorin fängt den Zeitgeist vorherragend ein. Sie schildert die Perspektivlosigkeit in Zeiten einer Wirtschaftskrise und die Gründe für das Erstarken des Nationalsozialismus und den Beginn des Antisemitismus authentisch.

An der Figur der Hebamme Hulda Gold schildert sie das Leben einer alleinerziehenden Frau und die damit verbundenen Schwierigkeiten und Vorurteile. Diese ist in einer beruflichen Situation gefangen, die sie frustriert, der sie aber nicht entkommen kann, da sie für sich und ihr Kind sorgen muss und sich finanziell .nicht von anderen abhängig machen will. Immer wieder muss sie sich rechtfertigen und hat oft selbst das Gefühl, ihrem Kind, nicht vollumfänglich gerecht werden zu können.
Der neue Partner tut zwar alles, um ihr zu helfen, aber doch bleiben Zweifel, ob er der richtige Mann für sie ist. Auch er trägt Altlasten aus einer früheren Ehe mit sich herum.
Über ihn lernt sie eine Familie kennen und stolpert so in einen Mordfall. Im Rahmen ihrer "Ermittlungen" kommt sie in Kontakt mit der Hitler Jugend und deren fragwürdiger Rekrutierung neuer Mitglieder und die Einschüchterung anders denkender. Dieser Teil der Geschichte ist gut in den Roman eingebunden.
Mich hat die Autorin gut unterhalten und kann ich den Roman sehr empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2025

Intrigen im Mittelalter

Das Lied des Vogelhändlers
2

Ralf H. Dorweiler nimmt uns in seinem historischen Roman “Das Lied des Vogelhändlers” mit auf den dritten Kreuzzug ins heilige Land unter Kaiser Friedrich Barbarossa und dann 10 Jahre später auf die Burg ...

Ralf H. Dorweiler nimmt uns in seinem historischen Roman “Das Lied des Vogelhändlers” mit auf den dritten Kreuzzug ins heilige Land unter Kaiser Friedrich Barbarossa und dann 10 Jahre später auf die Burg der Marktgrafen von Baden. Die beiden Zeitebenen gefallen mir sehr gut und werden vom Autor geschickt zusammengefügt. Am Buchanfang gibt es ein ausführliches Personenverzeichnis, welches sehr hilfreich ist. Etwas vermisst habe ich allerdings eine Landkarte, die den Weg der Kreuzritter zeigt. Dass jedes Kapitel mit einem Vogelnamen überschrieben ist, passt sehr gut zum Buchtitel. Auch die den Kapiteln vorangestellten Zitate sind mit sehr viel Bedacht ausgewählt. Das Buchcover ist schön gestaltet, zeigt es doch den Vogelhändler mit einem seiner gefiederten Freunde.

Die Handlungen der Protagonisten sind glaubhaft und nachvollziehbar. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Durch die bildhafte Sprache hat man den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein.

Bindeglied in diesem Roman ist Franziska von Hellenau, eine junge Frau, die auf dem Kreuzzug schwere Schicksalsschläge erleidet, die durch Entschlossenheit ihr Leben meistert und so zu einer starken Persönlichkeit heranreift. Auf Burg Hachberg trifft sie auf den Vogelhändler Wigbert und den Gesandten des Königs, Walther von der Vogelweide. Gemeinsam versuchen sie, das Rätsel um mehrere Unglücksfälle zu lösen und so einem Spion auf die Schliche zu kommen. Wigberts Kenntnis der dort lebenden Menschen und seine Ortskenntnisse sind enorm wichtig. Umso näher sie der Lösung kommen, umso gefährlicher wird es für sie.

Die Geschichte ist spannend und hat ein – von mir nicht vorhergesehenes – Ende. Dass die Täter auch gleichzeitig Opfer sind, lässt ihre Handlungen in einem anderen Licht erscheinen, rechtfertigt ihre Taten jedoch nicht.

Der Autor hat mich sehr gut unterhalten. Durch den geschickten Spannungsaufbau ist es mir schwergefallen, das Buch aus der Hand zu legen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Historisch
Veröffentlicht am 19.08.2025

Sansibar, Insel der Träume

Der Duft der fernen Insel
1

Christina Rey, alias Sarah Lark, nimmt uns in ihrem Roman “Der Duft der fernen Insel” mit nach Sansibar in das Jahr 1852 und lässt uns teilhaben am Leben von Eve, Nunu und Fanny. Der Schreibstil ist flüssig ...

Christina Rey, alias Sarah Lark, nimmt uns in ihrem Roman “Der Duft der fernen Insel” mit nach Sansibar in das Jahr 1852 und lässt uns teilhaben am Leben von Eve, Nunu und Fanny. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Frauen sind schlüssig und nachvollziehbar.

Das Buchcover ist wunderschön gestaltet und nimmt uns mit an den Strand von Sansibar. Da möchte man am liebsten gleich in den nächsten Flieger steigen. Bei der Schilderung der Landschaft gelingt es der Autorin vortrefflich, die Sehnsucht nach Sonne, Strand und Meer zu wecken; man hat das Gefühl, den Duft von Zimt und Muskat in der Nase zu haben.

Eve. Lehrerin an einer Blindenschule in Liverpool, geht nach Sansibar an den Hof des Sultans, um dessen blinder Tochter zu helfen, ihre Blindheit anzunehmen und ihre Wut in den Griff zu bekommen. Da sie der Sprache nicht mächtig ist, stellt sie Fanny, eine ehemalige Sklavin, ein und nimmt sie mit. Im Palast des Sultans lernt sie eine völlig neue Welt kennen, die sie sowohl fasziniert als auch schockiert. Ein Harem, bewacht von Eunuchen, und Sklaven, gewaltsam verschleppt aus Afrika.

Nach dem Tod des Sultans zieht sie sich mit Nunu auf deren geerbte Gewürzplantage zurück und entdeckt deren Begabung für die Parfümherstellung.

Dort lernt Fanny Moses kennen und lieben. Er ist Sklave, verschleppt aus einer Missionsstation in Afrika und gläubiger Christ, was noch zum Problem werden wird.

Es gelingt ihr, Nunu zu überreden, Ethan Collins als Verwalter einzustellen, den sie sehr schätzt und in den sie sich verliebt hat. Auch Nunu entwickelt Gefühle für Ethan und kann mit dessen Zurückweisung nicht umgehen. Sie beschuldigt ihn der Vergewaltigung und sorgt für seine Inhaftierung.

Als ihre Lüge auffliegt, verheiratet sie ihr Bruder und sie muss lernen, was es heißt, wenn nicht alles so läuft, wie man es gerne hätte. Für Nunu fangen schwere Jahre an. Ihr weiteres Leben führt sie bis nach Frankreich, wo sie ein weiteres Mal von einem Mann betrogen und hintergangen wird.

Sowohl Eve, Nunu als auch Fanny sind starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in den Hand nehmen und sich nicht unterkriegen lassen.

Die Autorin geht in diesem Buch auf die Kolonialzeit, die Sklavenhaltung und die Christianisierung ein und zeigt die jeweiligen Missstände schonungslos auf, was mir gut gefallen hat.

Die Geschichte von Fanny und Moses konnte mich nicht voll überzeugen, hat mich nicht wirklich berührt und mitgenommen. Trotzdem hat mich die Autorin gut unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 19.06.2025

In Plyn wird es nicht langweilig

Die Frauen von Cornwall
0

Daphne du Maurier nimmt uns in ihrem literarischen Debüt “Die Frauen von Cornwall” mit nach Plyn und lässt uns über vier Generationen teilhaben am Leben der Familie Coombe. So beginnt eine Familiensaga, ...

Daphne du Maurier nimmt uns in ihrem literarischen Debüt “Die Frauen von Cornwall” mit nach Plyn und lässt uns über vier Generationen teilhaben am Leben der Familie Coombe. So beginnt eine Familiensaga, die im Jahre 1830 startet und im Jahre 1930 endet.

Der für die deutsche Übersetzung gewählte Titel ist etwas irreführend, sind doch nur in den Teilen eins und vier die Protagonisten weiblich. Da hätte für den englischen Originaltitel “The Loving Spirit” eine passendere Übersetzung gefunden werden können.

Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig und einzelne Dialoge wirken hölzern. Dies liegt aber sicher daran, dass die Autorin den Roman in den Jahren 1929/1930 verfasst und sich die Übersetzerin genau an das Original gehalten hat.

Nicht alle Handlungen der Protagonisten sind für mich nachvollziehbar, was aber auch der Zeit geschuldet sein mag.

Die Geschichte beginnt mit Janet Coombe, die als wild beschrieben wird und ihre Wünsche und Träume nicht ausleben kann, besonders den Wunsch zur See zu fahren. Heute würde man sie wohl als freiheitsliebend und selbstbewusst beschreiben. Sie passt sich der damaligen Zeit an und beugt sich den Konventionen. Ein ganz besonderes Verhältnis hat sie zu ihrem Sohn Joseph, ihrem Liebling, das fast als krankhaft bezeichnet werden kann und weit über eine Mutter-Sohn-Beziehung hinausgeht.

Ihr Sohn Philip, dem dieses besondere Verhältnis nicht gefällt und sich zurückgesetzt fühlt, wird in der Folgezeit zur Belastung für die Familie.

Im zweiten Abschnitt wird das Leben von Joseph geschildert, der als Kapitän zur See fährt und ebenfalls als wild beschrieben wird. Er heiratet zweimal, findet aber in beiden Ehen keine Erfüllung. Eigentlich liebt er nur seine Mutter Janet und das Meer. Bei seiner zweiten Eheschließung kommt es seinem Bruder Philip in die Quere und schafft sich einen Feind fürs Leben.

Auch er erwählt eines seiner Kinder, nämlich Christopher, zu seinem Liebling und ist bitter enttäuscht, dass dieser seine Liebe zur See fahrt nicht teilt.

Christopher lässt die Seefahrt Seefahrt sein und lässt sich in London nieder, heiratet und wird Vater von drei Kindern. Er hat einen schwachen Charakter und ist leicht zu beeinflussen, was sich sein Onkel Philip zunutze macht. Eine Fehlentscheidung führt dazu, dass er nach seiner Rückkehr nach Plyn zwar in gutem Glauben handelt, aber trotzdem für den Ruin der Schiffswerft seiner Familie mitverantwortlich ist. Auch er hat ein Lieblingskind, nämlich seine Tochter Jennifer.

Jennifer geht mit ihrer Mutter nach dem Tod ihres Vaters nach London zurück und lebt im Haus ihrer Großmutter, die eine Pension betreibt. Den dort herrschenden Regeln beugt sie sich widerwillig, begehrt später gegen die Mutter auf, sucht sich eine Anstellung und geht schlussendlich nach Plyn zurück. Dort trifft sie auf ihren Großonkel Philip und versucht sich auf subtile Art an ihm zu rächen, was fast in einer Tragödie endet.

Daphne du Maurier beschreibt völlig unaufgeregt das Leben in Plyn und London. Diese Familiensaga hat alles, was eine gute Geschichte ausmacht. Es geht um Liebe, Hass, Intrigen, Betrug und Leidenschaft.

Das Buchcover ist sehr schön gestaltet. Es zeigt die Küste von Cornwall in Pastellfarben, ein richtiger Eyecatcher.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2025

Lea beginnt von vorn

Küstenrauschen
3

Marieke Hansen nimmt uns in ihrem Wohlfühlroman “Küstenrauschen” mit nach Ostfriesland auf die Krummhörn und lässt uns teilhaben am Leben der Tierärztin Lea Ostendorf, ihrer Familie, ihren Freunden und ...

Marieke Hansen nimmt uns in ihrem Wohlfühlroman “Küstenrauschen” mit nach Ostfriesland auf die Krummhörn und lässt uns teilhaben am Leben der Tierärztin Lea Ostendorf, ihrer Familie, ihren Freunden und Arbeitskollegen.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonistin sind stimmig und nachvollziehbar.

Das Cover des Buches ist schön gestaltet, bedient sich allerdings dem Klischee, wie man sich Ostfriesland vorstellt: Strand, an dem sich die Wellen brechen, herrlicher Sonnenuntergang und am Himmel kreischende Möwen.

Die Autorin hat mich von Anfang an abgeholt und ich bin ohne Probleme in die Geschichte eingestiegen. Auch alle Menschen, die Ostfriesland nicht kennen, erhalten durch ihre Beschreibungen einen guten Eindruck von Land und Leuten.

Lea kehrt nach einer großen beruflichen und privaten Enttäuschung von München auf die Krummhörn zurück, um in der Tierarztpraxis ihres Großvaters kurzzeitig auszuhelfen. Dies wird für sie zu einer großen Herausforderung, muss sie sich doch ihrem Trauma stellen, das sie vor vielen Jahren von zuhause nach München zum Studium hat gehen lassen. Auch in ihrer Familie läuft nicht alles glatt. Da gibt es Rivalitäten unter den drei Schwestern, die gelöst werden wollen. Der in der Tierarztpraxis tätige Kollege löst bei Lea widersprüchliche Gefühle aus. Ist sie schon bereit für eine neue Beziehung? Gut, dass sie noch ihre Freundinnen aus Schulzeiten hat, auf die sich immer verlassen kann.

Nicht alle Nebenschauplätze konnten mich voll überzeugen, z. B. das Verhalten von Jens und Iven fand ich überzogen. Die im Roman vorkommende Tante von Lea trägt nichts zur Geschichte bei und hätte gerne fehlen dürfen.

Der Autorin ist es ansonsten aber gut gelungen, die verschiedenen Charaktere liebevoll zu beschreiben. Am Ende war mir zu viel Friede, Freude, Eierkuchen. Ich hätte mir die eine oder andere Wendung gewünscht, so war vieles vorhersehbar.

Trotz meiner Kritik hat mich Marieke Hansen gut unterhalten..

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl