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Veröffentlicht am 22.06.2025

Packender Thriller

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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„Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein“ von Rebecca Russ
Verlag: Aufbau Audio
Eine abgelegene Wanderroute in der schwedischen Wildnis, zwei beste Freundinnen und ein Albtraum, der sich langsam ...

„Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein“ von Rebecca Russ
Verlag: Aufbau Audio
Eine abgelegene Wanderroute in der schwedischen Wildnis, zwei beste Freundinnen und ein Albtraum, der sich langsam entfaltet – dieses Hörbuch hat mich von Anfang an gepackt.
Julia und Nicki unternehmen eine scheinbar harmlose Wandertour zum Junggesellinnenabschied. Doch schnell wird klar: Etwas stimmt nicht. Nicki verhält sich seltsam, zieht sich zurück, schreibt heimlich in ihr Notizbuch – und verschwindet eines Nachts spurlos. Was folgt, ist ein beklemmendes Survival-Szenario in der Einsamkeit der Natur, das die Hörer:innen direkt ins Geschehen zieht.
Die Spannung bleibt konstant hoch, denn mit Julia irrt man durch Wälder, verliert jegliche Orientierung und fragt sich ständig: Was ist mit Nicki passiert? Was raschelt in der Wildnis? Tiere? Wer ist dort draußen? Und wird Julia überhaupt gefunden?
Besonders gelungen fand ich die Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden, sowie die inneren Dialoge zwischen Julia und Nicki, die immer wieder neue Hinweise streuen. Man beginnt selbst mitzurätseln, stellt Theorien auf – und liegt dann doch nicht ganz richtig.
Und dann ist da noch Lars. Charmant, einnehmend, attraktiv, zuvorkommend, finanziell gut gestellt und doch liegt manchmal etwas in seinem Blick. Sein Ego möchte seinen Willen durchsetzen - immer und überall. Doch sein charmantes Auftreten bekommt zunehmend Risse und bald stellt sich die Frage: Ist er wirklich der, der er vorgibt zu sein?
Die Sprecherin Ann-Kathrin Hinz bringt das Ganze wunderbar rüber. Ihre Stimme trägt viel zur Atmosphäre bei, sie trifft die Emotionen und erzeugt genau das richtige Maß an Unruhe, Verzweiflung und Dringlichkeit. Der flüssige Schreibstil der Autorin sorgt zusätzlich dafür, dass man dranbleibt – auch ohne große Action-Szenen.
Das Ende bietet eine interessante Wendung – nicht alles wirkt völlig glaubwürdig, aber in sich schlüssig genug, um zufrieden abzuschließen.
Ein packender Thriller, der ganz ohne großes Blutvergießen auskommt, dafür aber mit psychologischer Spannung, Naturgewalt und der Frage nach Vertrauen überzeugt.
Für alle, die gerne mitfiebern und sich auf düstere Pfade entführen lassen – eine klare Hör-Empfehlung mit 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Empfehlenswert

Locked in
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„Locked In“ von Henri Faber

Verlag: SAGA Egmont

Gesprochen von: Wolfgang Berger, Felix Holm, 
Sebastian Seidel

Spieldauer: 11 Stunden 30 Minuten

Du bist gefangen und dein Entführer liegt im Koma.

Genau ...

„Locked In“ von Henri Faber

Verlag: SAGA Egmont

Gesprochen von: Wolfgang Berger, Felix Holm, 
Sebastian Seidel

Spieldauer: 11 Stunden 30 Minuten

Du bist gefangen und dein Entführer liegt im Koma.

Genau das ist der Ausgangspunkt dieses packenden Thrillers, der mich durch seine bedrückende Grundstimmung, den ungewöhnlichen Plot und die wechselnden Perspektiven sofort in den Bann gezogen hat.

In Heidelberg verschwinden Menschen spurlos – und was zunächst wie ein gewöhnlicher Vermisstenfall beginnt, entwickelt sich zu einem psychologisch dichten Wettlauf gegen die Zeit. Als der Täter bei der Festnahme ins Wachkoma fällt, bleibt nur eine letzte Hoffnung: Der umstrittene Neurologe Dr. Theo Linde. Seine Methode, in das Bewusstsein von Komapatienten einzudringen, soll nun den entscheidenden Hinweis liefern. Klingt abgedreht? Ist es auch – aber auf eine gute, fesselnde Weise.
Henri Faber versteht es wirklich, Leser:innen und Hörer:innen mitzunehmen.
Der Perspektivwechsel zwischen Maertens, Dr. Linde und weiteren Figuren treibt die Geschichte mit hohem Tempo voran. Vergangenheit und Gegenwart prallen aufeinander, Szenenwechsel sind rasant und teils so abrupt, dass man fast atemlos folgt.
Was ist Wahn? Was ist Realität? Wer sagt die Wahrheit – und wer verschweigt mehr, als er sollte?

Die Thematik rund um das „Locked-In-Syndrom“ und die Frage, wie lange ein Mensch ohne Wasser überleben kann, gibt dem Thriller eine beklemmende Tiefe. Besonders der Gedanke, dass der Täter bewusstlos ist, aber vielleicht noch entscheidende Hinweise in sich trägt – das hat mich wirklich beschäftigt.

Die Charaktere hingegen waren mir – ehrlich gesagt – eher nicht sympathisch.
Maertens mit seiner ruppigen, fast kalten Art, geprägt durch einen unvorstellbar tragischen Verlust, bleibt einem irgendwie fremd. Dr. Linde wirkt fanatisch, getrieben von einer Liebe, die ihn auf bedenkliche Weise lenkt. Genau das macht die Story aber auch spannend – weil man nie genau weiß, auf wessen Seite man sich schlagen soll.

Die Sprecher Wolfgang Berger, Felix Holm und Sebastian Seidel haben die Geschichte großartig transportiert. Mit ihrer Stimme und Betonung schaffen sie es, die Spannung konstant zu halten und die düstere, teilweise klaustrophobische Atmosphäre sehr authentisch zu vermitteln. Trotz der Länge von über 11 Stunden wirkte das Hörbuch nie wirklich zäh – bis auf einen kleinen Durchhänger zur Mitte hin, wo es ein wenig langatmig wurde.Ein solider, atmosphärisch dichter Thriller mit spannender Thematik und ungewöhnlichem Plot. Für mich ein gelungener Hörgenuss – vor allem durch die Sprecher.
Die kleinen Schwächen im Mittelteil sorgen für einen Stern Abzug, deshalb nur 4 Sterne.
Henri Faber bleibt für mich eine spannende Stimme. Wer psychologische Tiefe und unerwartete Twists mag – reinhören/-lesen lohnt sich!

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Das Leben ist keine Gleichung

Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent
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„Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent“ von Michael Ebert 

Verlag: Penguin Verlag

Mathe, Männerseminare und das geklaute Gauß-Gehirn – ein tragikomisches Desaster mit Herz.

Was haben ein ...

„Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent“ von Michael Ebert 

Verlag: Penguin Verlag

Mathe, Männerseminare und das geklaute Gauß-Gehirn – ein tragikomisches Desaster mit Herz.

Was haben ein peinlicher TV-Auftritt, ein Nobelpreis, ein Jagdgewehr und das Hirn von Carl Friedrich Gauß gemeinsam?
Richtig: Dr. Hannes Hennes.

Mathematiker, Bruder eines Nobelpreisträgers, und – ganz ungewollt – Mörder.

In dem Roman begleitet man einen sympathisch überforderten Mann auf der Suche nach Sinn, Würde – und dem gestohlenen Gehirn seines großen Idols. Zwischen Gerichtssaal und Selbsthilfegruppe für Männer offenbart sich ein tragikomischer Held, der einem zunehmend ans Herz wächst.
Anfangs hatte ich Mühe, warm mit Hannes zu werden. Zu viele absurd-tragische Katastrophen in zu kurzer Zeit, zu viele Verfolger, zu viele schräge Zufälle.

Aber dann, still und fast unbemerkt, ist er mir ans Herz gewachsen. Vielleicht, weil er nicht perfekt ist. Weil er strauchelt, schweigt, hadert – und dennoch nicht aufhört, alles richtig machen zu wollen. Für seine Familie. Für sich selbst.

Michael Ebert erzählt mit einem Mix aus Ironie, Melancholie und trockenem Humor. Der Stil ist flüssig, pointiert, und dennoch schimmert immer wieder etwas Zartes durch: die Sehnsucht nach Anerkennung, der Wunsch, gesehen und geliebt zu werden.

Die mathematischen Einschübe sind charmant und originell, auch wenn sie sich mir nicht immer erschließen – aber sie gehören zu Hannes, genau wie seine Unbeholfenheit. Die Szenen in der Selbsthilfegruppe sind skurril, stellenweise fast zu viel des Guten, doch spätestens im letzten Drittel gleicht sich alles aus. Der Roman findet zu einer Tiefe, die berührt.

Trotz einiger überdrehter Szenen ist Michael Ebert ein Roman gelungen, der gleichzeitig unterhält und bewegt.

Dr. Hannes Hennes stolpert durchs Leben – und findet sich dabei selbst.

Eine Tragikomödie über Selbstzweifel, Pech, große Brüder und kleine Siege. Hannes Hennes ist kein Held – aber genau das macht ihn so menschlich.

Vier Sterne für ein ungewöhnliches Leseerlebnis, das mit skurrilem Humor beginnt und mit echtem Gefühl endet.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Zarter Roman

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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„Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“ von Ito Ogawa
aus dem Japanischen von Sabine Mangold
Verlag: Droemer

„Alles, was lebt, wird irgendwann einmal vergehen.
Das ist der Lauf der Dinge.“ (Seite 233) ...

„Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“ von Ito Ogawa
aus dem Japanischen von Sabine Mangold
Verlag: Droemer

„Alles, was lebt, wird irgendwann einmal vergehen.
Das ist der Lauf der Dinge.“ (Seite 233)

Ein stilles, sanftes Buch – wie ein leiser Fluss, der einen mitnimmt, 
ohne je laut zu werden.

Hatoko kehrt nach Jahren zurück nach Kamakura, um den Schreibwarenladen ihrer verstorbenen Großmutter zu übernehmen – und mit ihm das Amt der öffentlichen Schreiberin. Eine Aufgabe, für die sie schon als Kind vorbereitet wurde – mit Strenge, mit Disziplin, aber auch mit einer Form von Liebe, die sie damals nicht verstehen konnte.
Erst durch alte Briefe, die ihre Großmutter an eine Frau in Italien schrieb, beginnt Hatoko zu begreifen, was hinter der kühlen Fassade steckte: Zuneigung, Stolz, Sorge. Die Worte der Großmutter, von denen sie nie wusste, dass sie existieren, helfen ihr, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen.
Die Geschichte entfaltet sich ruhig, achtsam, poetisch. Es geht um Verlust, um Neuanfang, um Heilung. Und um die besondere Kraft geschriebener Worte.
Die japanische Kultur, die Kunst der Kalligrafie und die Rituale rund um das Briefeschreiben sind liebevoll verwoben mit Hatokos innerem Weg. Kleine Gesten, feine Beobachtungen und Figuren, die einem ans Herz wachsen – besonders Barbara und die kleine QP.

Ein zarter Roman, der nicht laut sein muss, um zu berühren.
Eine Leseempfehlung für alle, die ruhige, tiefgründige Geschichten lieben – und Schreibkunst als Lebenskunst verstehen.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Sein dürfen!

Wild wuchern
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„Wild wuchern“ von Katharina Köller
Verlag: Penguin

„Es war so schön im Sturm, es war so schön, ein Spielball zu sein und selbst nichts entscheiden zu müssen.“

Marie flieht aus ihrem luxuriösen, aber ...

„Wild wuchern“ von Katharina Köller
Verlag: Penguin

„Es war so schön im Sturm, es war so schön, ein Spielball zu sein und selbst nichts entscheiden zu müssen.“

Marie flieht aus ihrem luxuriösen, aber grausamen Leben in Wien – weg von ihrem wohlhabenden, aber gewalttätigen Ehemann Peter. Zuflucht sucht sie bei ihrer Cousine Johanna, die seit Jahren einsam auf einer Berghütte lebt.
Ein intensiver Roman über zwei Cousinen, die sich in ihrer Kindheit entfremdet haben und nun auf einer abgelegenen Tiroler Alm mit ihren eigenen Wunden und Ängsten konfrontiert werden.

Johanna – wortkarg, wild, in der Einsamkeit der Berge lebend.
Marie – gezeichnet von einem toxischen Ehemann, einer Welt des schönen Scheins und tiefen seelischen Narben.

Katharina Köller schafft es, mit ihrem drängenden, oft gehetzten Schreibstil, Maries innere Zerrissenheit spürbar zu machen. Ohne Kapitelabschnitte, ohne Pausen – als würde die Geschichte selbst atemlos nach Befreiung suchen.
Die Charaktere sind intensiv gezeichnet, die Kindheit der Cousinen geprägt von Ignoranz und Erwartungen.
Besonders beeindruckend: die Kontraste zwischen den beiden Frauen, die sich erst jetzt wirklich kennenlernen – und erkennen.
Die Tiroler Alm als Schauplatz verstärkt die Gegensätze: Freiheit und Enge, Natur und Trauma, Rückzug und Wiederfinden. Ein berührender, wilder, schmerzhafter Roman über das, was Kindheit aus uns macht – und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Wie sehr es unser erwachsenes Leben prägt.
Ein Roman über familiäre Erwartungen, tief sitzende Wunden und die Suche nach sich selbst.
Traurig, wütend, intensiv – aber auch voller Wahrheit. Zwei Frauen, zwei Leben, zwei Wahrheiten.

> Auf dem Berg ist man dem Himmeln viel näher und doch scheint es, als wäre der Himmel dort oben noch viel höher.<

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