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Veröffentlicht am 13.05.2025

Eine nicht immer faszinierende Frau

Teddy
1

Die Texanerin Teddy steht im Mittelpunkt der Erzählung von Emily Dunlay. Ein Ehemann ist lange nicht in Sicht, bis sie David kennenlernt, ihn bald darauf heiratet und mit ihm nach Rom geht. Als Diplomatengattin ...

Die Texanerin Teddy steht im Mittelpunkt der Erzählung von Emily Dunlay. Ein Ehemann ist lange nicht in Sicht, bis sie David kennenlernt, ihn bald darauf heiratet und mit ihm nach Rom geht. Als Diplomatengattin erwartet man von ihr stilsicheres Auftreten, was ihr trotz ihrer Unsicherheit im Vorfeld ganz gut gelingt.

Sie bewegt sich in einflussreichen Kreisen, es geht um Macht, um Intrigen und weitreichende politische Ambitionen und sie mittendrin - eine Frau zwischen Glamour und Alkohol mitsamt ihren Muntermachern, um zu funktionieren.

Wir schreiben das Jahr 1969, die Rolle der Frau wird in gesellschaftlicher und auch in finanzieller Hinsicht beleuchtet. Teddy entstammt einer vermögenden Familie, Senator Huntley, ihr Onkel, hegt Ambitionen auf ein höheres Amt. Wir erfahren mehr von ihr und ihrer Familie, von ihren Bekanntschaften und den Heimlichkeiten, dies alles in Dallas. Sie scheint nicht immer die glamouröse, selbstbewusste Frau zu sein und auch hier in Rom lässt sie sich oft treiben. „Rom… sollte meine Chance sein, jemand Besseres und Neues zu werden, doch jetzt wurde mir klar, dass diese Version von mir nicht existierte und auch nie existieren würde.“

Beim Lesen musste ich mir gelegentlich vergegenwärtigen, dass der Roman im Jahre 1969 angesiedelt ist, also vor mittlerweile 56 Jahren. Gut, die Frauen hatten schon viel erreicht und doch hatten nicht sie, sondern ihr Ehemann (falls nicht vorhanden ihr Vater oder der nächste männliche Verwandte) die Entscheidungsgewalt über ihr Vermögen. Dies wird auch hier deutlich, sie bekommt Taschengeld, sie ist in monetärer Hinsicht David ausgeliefert, auch wenn das Geld von ihrer Familie stammt.

Teddy lechzt nach Anerkennung, sie präsentiert sich als blondes Gift und dann wieder als blondes Dummchen. Sie lässt viel mit sich machen, tritt aber dann auch wieder ziemlich emanzipiert auf. Sie trifft falsche Entscheidungen, misst einer Sache zu viel Bedeutung bei, ein Skandal scheint sich anzubahnen.

„Alle reden über Teddy.“ Sie stellt sich mir als kapriziöse, unausgeglichene, exzentrische Frau vor, als lethargisch, als verschwenderisch, zuweilen auch als ganz amüsant, um dann wieder zu schockieren. Dies alles vor dem Hintergrund von einer männerdominierenden Gesellschaft. Eine Frau voller Selbstzweifel, die nach dem schönen äußeren Schein strebt, die mir – trotzdem es um sie geht – fremd bleibt, die ich selten verstehen konnte. Gut, Teddy wird arg überspitzt dargeboten, es sollte wohl so sein.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Das Verhängnis nimmt seinen Lauf

Wut und Liebe
1

Martin Suter berichtet in drei Teilen von „Wut und Liebe“, von Noah, dem erfolglosen Künstler und von Camilla, seiner großen Liebe. Und da ist noch Betty, die Noah in der Blauen Tulpe eher zufällig kennenlernt. ...

Martin Suter berichtet in drei Teilen von „Wut und Liebe“, von Noah, dem erfolglosen Künstler und von Camilla, seiner großen Liebe. Und da ist noch Betty, die Noah in der Blauen Tulpe eher zufällig kennenlernt. Beide scheinen sie eine Schwäche für Mojitos zu haben, denn bald kommen sie darüber ins Gespräch. Die 65jährige Betty ist auf dem Weg zur Herzpraxis kurz in dieses Lokal abgebogen und wie es manchmal so ist, macht der Alkohol die Zungen locker. Sie lässt ihn ein wenig hinter die Kulissen ihres Leben blicken und – macht ihm ein so verlockendes wie unanständiges Angebot.

Noah und Camilla sind seit drei Jahren ein Paar, sie lieben sich, jedoch beschließt Camilla, ihn nicht weiter finanziell zu unterstützen. Sie trennen sich. Derweilen wird der Kontakt zwischen Noah und Betty intensiver – das Verhängnis nimmt seinen Lauf…

…und die Erzählung scheint über weite Strecken eher dahinzuplätschern. Wobei es mich schon vorwärts treibt, denn dass Suter am Ende eine nicht vorhersehbare Wendung bereit hält, ahne ich und auch weiß ich dies aus seinen anderen Büchern. Also lasse ich mich auf Noahs Geschichte ein, der von Betty viel über den Geschäftspartner ihres verstorbenen Ehemannes erfährt und noch immer will er Camilla zurückerobern, dafür würde er auch auf nicht ganz legale Methoden zurückgreifen.

Martin Suter ist ein brillanter Erzähler, er nimmt hier seine Leser mit in eine Unternehmensberatung, deren vermögende Kunden Verschwiegenheit erwarten. Mit Noah ist es der arme Künstler, der fest an seinen Durchbruch und mit Betty seine Mäzenin gefunden zu haben glaubt. Dabei schreibt er unaufgeregt und launig, ich höre ihm, dem Schweizer, direkt zu. Die Story entwickelt sich eher gemächlich, das ganze Buch über erwartet man, dass etwas Entscheidendes passiert. Und ja – die ganze Dramatik offenbart sich, je mehr wir dem Ende zusteuern.

Auf unterhaltsame Weise werden so manch menschliche Abgründe aufgezeigt, Wut und Liebe sind nah beieinander, auch spielen Rachegelüste in vielerlei Form ebenso mit hinein wie Lug und Betrug. Das Buch macht nachdenklich und auch wenn es nicht an „Melody“ herankommt, so habe ich es doch gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Eine unerschrockene Frau im Nachkriegs-Wien

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
1

„Die Trümmerschule - Zeit der Hoffnung“ ist das erste von zwei Büchern, es handelt von einer mutigen Lehrerin, die im Wien der Nachkriegszeit für ein besseres Morgen kämpft. Beate Maly hat sich in diesem ...

„Die Trümmerschule - Zeit der Hoffnung“ ist das erste von zwei Büchern, es handelt von einer mutigen Lehrerin, die im Wien der Nachkriegszeit für ein besseres Morgen kämpft. Beate Maly hat sich in diesem Roman vom Leben der Pädagogin und Politikerin Stella Klein-Löw inspirieren lassen, wie sie im Nachwort verrät. Ein historischer Roman, der auf Tatsachen beruht, dessen Protagonisten jedoch fiktiv sind.

Die jüdische Lehrerin Stella Herzig (Klein-Löws Geburtsname) kehrt nach acht Jahren im Londoner Exil ins zerbombte Wien zurück, in den weitgehend zerstörten Schulen herrscht nach wie vor der Geist des Nationalsozialismus. Sie kommt bei ihrer Freundin Feli unter, die ihr am Lindengymnasium eine Anstellung als Deutsch- und Englischlehrerin verschafft hat. Es liegt im amerikanischen Sektor, in dem sich im Gegensatz zum sowjetisch besetzten Bezirk um einiges besser leben lässt. Pfeifer, der Direktor des Gymnasiums, befürwortet ihre fortschrittlichen Lehrmethoden, sie sieht und fördert jedes einzelne Kind, was so einigen im Lehrerkollegium jedoch aufs Äußerste missfällt. Deren althergebrachter, autoritärer Stil, ist auch bei vielen Eltern noch weit verbreitet, wir schreiben das Jahr 1946.

Beate Maly schafft es sofort, mich in ihre Geschichte zu ziehen. Die „Zeit der Hoffnung“ kommt trotz der Schwere der Themen gut durch wie etwa die Arisierung der Wohnungen, die sie gekonnt mit einflicht und auch der Hunger und der Schwarzmarkt sind Thema. Viele Soldaten sind im Krieg geblieben, andere schwer traumatisiert und/oder versehrt zwar wieder daheim, aber für ihr weiteres Leben gezeichnet. Stella hat Schlimmes erlebt, ihre jüdische Familie hat das Nazi-Regime nicht überlebt und auch jetzt ist sie vor verdeckten und auch offenen Anfeindungen nicht gefeit. Und doch gibt es Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe, all das ist gut eingebunden in diese Zeit des Wiederaufbaus inmitten des Schulalltags. Stella ist stellvertretend für die vielen starken, unerschrockenen, zupackenden Frauen eine beeindruckende und lebensnahe Protagonistin, auch die anderen Figuren sind glaubhaft angelegt.

Es ist ein versöhnliches Buch, aber auch ein erschreckend aktuelles Buch. Der Juden- und der Fremdenhass greifen wieder vermehrt um sich, das Geschichtsbewusstsein scheint in einigen Schichten unserer Gesellschaft vergessen zu sein. Dabei sollten wir unsere Vergangenheit nie vergessen. Ein lesenswertes Buch, dessen zweiten Teil „Jahre der Kinder“ ich nicht versäumen werde.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Nervenaufreibend

Die Lektorin - Ich schreibe dein Ende!
4

Nervenkitzel garantiert! So meine kurze, prägnante Zusammenfassung von T. J. Hammanns Debüt „Die Lektorin. Ich schreibe dein Ende“.

Die Lektorin Lilli Ziegler erhält ein Manuskript (eigentlich sind es ...

Nervenkitzel garantiert! So meine kurze, prägnante Zusammenfassung von T. J. Hammanns Debüt „Die Lektorin. Ich schreibe dein Ende“.

Die Lektorin Lilli Ziegler erhält ein Manuskript (eigentlich sind es nur ein paar Seiten davon), in dem sie und ihr Umfeld ziemlich eindeutig beschrieben sind. Ist dies eher dem Zufall geschuldet, dass dieser Manuskriptschreiber ihren Tagesablauf exakt nacherzählen kann? Oder was und vor allem wer steckt dahinter? Wenig später tauchen noch mehr dieser Manuskriptauszüge auf, allesamt sind sie erschreckend real. Der Schreiber dieser Zeilen scheint genau zu wissen, was in ihrem Haus vor sich geht und nicht genug damit, auch von ihrer Teenagertochter Emma weiß dieser Unbekannte alles, als ob er in ihrem Zimmer wäre, als ob er ihr ständiger Begleiter wäre, als ob er direkt neben Lilli stehen, als ob er Tag und Nacht bei ihnen wäre. Sie wendet sich an die Polizei, die ihr jedoch jegliche Hoffnung auf eine schnelle Aufklärung nimmt. Denn dass jemand im Haus war – und vielleicht noch ist – ist eindeutig, ein Einbruch kann aber nicht festgestellt werden, also scheidet Einbruchdiebstahl und somit ein Ermittlungsgrund schon mal aus. Lilli bleibt nichts anderes übrig, als selber nachzuforschen. Ihr Ex-Mann hat nach wie vor einen Schlüssel, auch gibt es im Freundeskreis ihres Sohnes Tobias einen ziemlich zwielichtigen Typen. Ein ehemaliger Freund von ihr taucht auf, auch die neue Freundin ihres Ex ist nicht so ganz zu durchschauen und es gibt noch einige mehr oder weniger finstere Gestalten – allesamt sind sie zunehmend mit Vorsicht zu genießen.

Die Story hat mich sofort gepackt, auch ich hatte so einige in Verdacht, bei anderen war ich mir ziemlich sicher, dass sie mit dieser geradezu grotesken Art, Lilli in die Enge zu treiben, zu tun haben, um dann doch wieder umzuschwenken. Hammann hat viele Fährten ausgelegt, jede davon könnte die richtige sein und doch sind sie allesamt nicht zielführend. Zumindest bis auf die eine Spur, die ich lange nicht sehen konnte. Gut gemacht, Herr Hammann! Der Thriller ist durchgehend atemraubend bis fast zum Schluss. Denn dann war mir so einiges zu konstruiert, zu abgefahren, um der vorhergehenden, wirklich guten Story gerecht zu werden.

Das Szenario ist beängstigend und furchteinflößend, die einzelnen Charaktere gut gezeichnet, der Schreibstil fesselnd, es ist ein Thriller mit Gänsehautfeeling. Lediglich gegen Ende zu spürt man, dass die losen Versatzstücke sich in die ansonsten rasante Story nicht so ganz einfügen mögen. Davon einmal abgesehen, ist es ein durchaus gelungenes Debüt - ein Psycho-Thriller, den ich gerne gelesen, den ich am Stück verschlungen habe.

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Der Weg ist das Ziel

Tage wie Salzwasser
1

Das erste Zusammentreffen war ein Unfall, auch danach geht es eher holprig weiter, irgendwann jedoch wissen sie, was sie voneinander haben. Atlanta und Enza – zwei ganz und gar unterschiedliche Frauen, ...

Das erste Zusammentreffen war ein Unfall, auch danach geht es eher holprig weiter, irgendwann jedoch wissen sie, was sie voneinander haben. Atlanta und Enza – zwei ganz und gar unterschiedliche Frauen, deren vordergründiges Ziel Noto ist, eine Stadt auf Sizilien. Aber von Anfang an:

Atlanta, die Mathematikerin durch und durch, lebt in Frankfurt, ihr langjähriger Freund hat seinen Lebensmittelpunkt in München, sie führen eine Wochenendbeziehung, was eigentlich ganz gut klappt. Bis zu dem Zeitpunkt, als Atlanta ungewollt schwanger wird und sie genau jetzt eine starke Schulter zum Anlehnen bräuchte. Eigentlich – denn er verlässt sie stillschweigend.

Enza ist eine zupackende, taffe Frau, die in Bad Vilbel einen Fahrradladen betreibt. Sie ist gewollt alleinstehend, zu ihrer Mutter hat sie eine enge Bindung und als diese ihr von ihrer schweren Krankheit erzählt, will sie direkt bei ihr einziehen. Mutter allerdings will, dass sie zunächst zu ihrer Tante nach Sizilien fährt, um ihre sizilianische Familie endlich kennenzulernen.

Da Atlanta und Enza das gleiche Ziel haben (wenngleich aus unterschiedlichen Gründen), machen sich die zwei gen Süden auf, jedoch wählen sie nicht die kürzeste Strecke, sie fahren über Freiburg nach Marseille und Barcelona, um irgendwann dann in Noto anzukommen. Der Weg ist das Ziel – so könnte man ihre Reiseroute umschreiben.

Das Schicksal treibt manchmal seltsame Blüten und vor allen Dingen ist es nie berechenbar. Gleich mal werde ich ins kalte Wasser geschmissen – zwei Frauen auf einem Motorrad, dazu ein Baby, das unbedingt auf diese Welt will und genau dieses kleine Wesen scheint mir dies zu erzählen. Noch bin ich etwas irritiert, was sich aber ganz schnell legt, denn diese „Tage wie Salzwasser“ sind so einfühlsam erzählt, trotzdem das Leben der beiden Protagonistinnen voller Turbulenzen und unvorhersehbarer Zwischenfälle ist. Die Ausgangssituation beider Frauen ist alles, aber schön ist sie ganz gewiss nicht und doch finden sie einen Weg, der beileibe nicht immer geradlinig verläuft. Eigentlich nie, es sind krumme Wege, die sie beschreiten müssen. Beide wollten das nicht, beide werden sie dazu gezwungen. Und – letztendlich ist es gut so, wie es ist.

Sita Maria Freys „Tage wie Salzwasser“ ist leicht und beschwingt erzählt und doch ist es eine Geschichte mit Tiefgang. Ein ergreifendes Debüt über Abschiede, über Neuanfänge und Freundschaft. Emotional, traurig und bittersüß, ein ganz besonderer Roadtrip, den ich gerne gelesen habe.

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