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Veröffentlicht am 14.05.2025

Humorvolle Gesellschaftskritik mit kleiner Bitternote

Der Duft des Wals
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„Der Duft des Wals“ ist der erste Roman des fankokanadischen Drehbuchautors und Übersetzers Paul Ruban. Er wurde in Kanada zu einem Überraschungserfolg.
Kein Wunder, denn auch ich fand den Roman äußerst ...

„Der Duft des Wals“ ist der erste Roman des fankokanadischen Drehbuchautors und Übersetzers Paul Ruban. Er wurde in Kanada zu einem Überraschungserfolg.
Kein Wunder, denn auch ich fand den Roman äußerst unterhaltsam und süffig mit einem bittersüßen Nachgeschmack.

Der Duft des Wals ist in diesem Fall wie auf dem Klappentext angekündigt, der Duft des Verfalls, denn der Wal liegt verwesend am Strand.
Oder eigentlich ist bereits auf Grund der Verwesungsgase explodiert und hat sich überall am Strand verteilt.
Und nicht nur am Strand, sondern auch in und auf dem luxuriösen All-inclusive- Resort des tropischen Urlaubsparadieses, das den Schauplatz des Roman bildet.
In diesem Resort platziert Paul Ruban allerlei verschiedene Figuren mit ihren mehr oder minder schwierigen Problemen, die sich dort eigentlich eine Auszeit vom Alltag erhoffen.
Allen voran das Ehepaar Judith und Hugo mit ihrer Tochter Ava, deren Ehe in einer schweren Krise steckt. Aber wo eigentlich ein paar schwül-heiße Tage und entspannte Drinks am Pool die Leidenschaft wieder neu entflammen sollten, ist der Geruch des Wals bald nur noch mit einer unangenehmen Nasenklammer zu ertragen.
Die Tochter Ava versucht sich in der Zwischenzeit mit einem wirklich omnipräsenten „Etch A Sketch“ (wohl eine Art Zaubertafel) die Zeit zu vertreiben.
Neben dieser kleinen, kurz vor der Trennung stehenden Familie hat sich Ruban noch ein paar andere liebenswerte und skurrile Figuren ausgedacht: das schwer verliebte ältere Hotelfaktotum Waldemar soll sich um die Bereitung des Gestanks kümmern, ein narkoleptisches Zimmermädchen ist dabei Objekt seiner Begierde. Die bußfertige Stewardess Céleste arbeitet daran eine alte Schuld abzutragen, um endlich einen Geist loszuwerden.

Natürlich liegt die Analogie des nicht zu vertreibenden Geruchs des Wals auf der Hand. Es ist das gestankgewordene Unbehagen, das auf universeller Ebene durch unseren moralisch zweifelhaften Lebensstil ausgelöst wird.
Ruban baut immer wieder kleine Andeutungen ein, die das unterstreichen: die zerstörte Natur durch den Tourismus, die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte, die ungleiche Verteilung von Ressourcen. Und auf der individuellen Ebene der Figuren sind es die Gefühle und Probleme, die irgendwann nicht mehr geleugnet oder unterdrückt werden können.


Obwohl mich der Roman wirklich sehr gut unterhalten hat, bin ich am Schluss nicht ganz zufrieden. Das Ende finde ich grundsätzlich stimmig, ist mir aber persönlich zu überhastet und zu überfrachtet ausgearbeitet worden.

Trotzdem ist „Der Duft des Wals“ meiner Meinung nach ein sehr empfehlenswerter Roman voll mit humorvoller Gesellschaftskritik mit einer kleinen Bitternote im Abgang.

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Veröffentlicht am 09.05.2025

Emotionale Hommage

Die Geschichte der Maria Schneider
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Wer sich auch nur ein bisschen für Filme interessiert, weiß wahrscheinlich wer Maria Schneider war. Ihre größte Bekanntheit erlangte sie durch ihre Rolle in dem Skandalfilm des italienischen Regisseurs ...

Wer sich auch nur ein bisschen für Filme interessiert, weiß wahrscheinlich wer Maria Schneider war. Ihre größte Bekanntheit erlangte sie durch ihre Rolle in dem Skandalfilm des italienischen Regisseurs Bernardo Bertolucci „Der letzte Tango von Paris“ an der Seite von Marlon Brando. Schneider war damals 19, Brando, mit dem sie in dem Film einige intensive Sexszenen hat, fast 50.
Der Film sorgte in den 70ern für einen kassenträchtigen Skandalerfolg, gerade durch die Sexszenen polarisierte das Werk und die Bewertungen reichten von der Anerkennung als Meisterwerk bis hin zu entsetzter Ablehnung.
Was damals weder die Kritik noch die Öffentlichkeit wusste: die junge Maria Schneider wurde durch eine improvisierte und nicht mit ihr abgesprochenen Vergewaltigungsszene traumatisiert. Obwohl die anale Penetration durch Brando am Set lediglich simuliert wurde, fühlte sich Schneider durch die demütigende Szene tief erniedrigt und beschmutzt.

Auch Brando fühlte sich vom Regisseur Bertolucci manipuliert und verraten und verweigerte bis zu einer Aussprache 13 Jahre später jeden Kontakt.

»Nie wieder mache ich so einen Film. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich persönlich vergewaltigt.«

Schneiders Karriere und Leben wird für immer mit dieser traumatischen Szene, die sich die ganze Welt immer wieder ansehen kann, verbunden sein.

„Dir ist klar, dass diese Aufnahme dich für immer brandmarkt, wie ein misslungenes Tattoo, das man ein Leben lang versucht zu verstecken.“

Mit dem plötzlichen Medienrummel und der Prominenz nach dem Film kommt die angeschlagene Schneider nicht gut zurecht.
Beruflich wird sie auf ihr Aussehen und auf erotische Rollen reduziert. Privat verliert sie sich in der Alkohol- und Drogensucht.

Später, als Schneider beginnt alle Drehbücher mit Sex und Nacktszenen abzulehnen, stagniert ihre Karriere.

„Angezogen warst du nicht mehr interessant.“

Vanessa Schneider ist die Cousine von Maria und Teil einer weit verzweigten, großen und komplizierten Familie, in der die Abstammungslinien nicht immer ganz klar sind.

Sie erlebt schon als junges Mädchen den Wirbel um ihre Cousine mit, ist fasziniert von der wunderschönen Frau mit dem wilden Leben und den berühmten Freund:innen.

Als Kind ist Vanessa direkte Zeugin der Heroinsucht ihrer Cousine, sieht die Spritzen, versteht aber die Zusammenhänge nicht. Erst später ist ihr klar, dass Maria Drogensüchtig ist und entwickelt daraus einen Radar für Junkies.

Vanessa Schneider erzählt die Geschichte ihrer Cousine als Liebesbrief, in dem sie Maria direkt anspricht. Eigentlich war das Buch als gemeinsames Projekt geplant, doch Maria stirbt viel zu früh.

Die Geschichte der Maria Schneider ist ein eindringliches Beispiel, wie der Machtmissbrauch von Männern ein Leben beeinflussen und zerstören kann. Mit der #metoo Bewegung, die in Frankreich starke Wellen schlug, wird endlich auf diese Strukturen und Mechanismen aufmerksam gemacht.


„Das 21. Jahrhundert, das du kaum kanntest, Maria, wird das der moralischen Wiedergutmachung werden, in dem die jahrtausendealten Perversionen als unzumutbar angesehen werden. Die Opfer werden nun gehört, ihre Peiniger an den Medienpranger gestellt.“

Aber ist das wirklich so? Kann es sowas wie eine moralische Wiedergutmachung überhaupt geben? Wo sind die Peiniger am Medienpranger?
Ich fürchte, ich bin da nicht ganz so optimistisch, wenn ich mir überlege, dass ein missbräuchlicher und sexuell übergriffiger Mann wie Donald Trump Präsident werden kann.

Aber vielleicht sind deswegen die Geschichten von Frauen wie Maria und Vanessa Schneider umso wichtiger und sie sollen erzählt und gelesen werden.

„Die Geschichte der Maria Schneider“ ist keine Biografie im klassischen Sinne, sondern vielmehr wie The New York Times titelt „Eine wunderbare Hommage“.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte, authentisch und unterhaltsam erzählt

Bardame gesucht – Zimmer vorhanden
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Ich habe eine große Vorliebe für die Lebensgeschichten von Menschen, die mir Einblicke in ganz andere Zeiten und Lebensrealitäten vermitteln.
So landete auch „Bardame gesucht-Zimmer vorhanden“ auf meiner ...

Ich habe eine große Vorliebe für die Lebensgeschichten von Menschen, die mir Einblicke in ganz andere Zeiten und Lebensrealitäten vermitteln.
So landete auch „Bardame gesucht-Zimmer vorhanden“ auf meiner Leseliste. Es zeichnet das Leben von Herta Lueger, geboren 1947, vom österreichischen Burgenland bis zur ihrer Arbeit als Domina und Clubbesitzerin in der Münchner Szene nach.
Herta Lueger ist lange Jahre das, was manche Menschen vielleicht umgangssprachlich als „Puffmutti“ bezeichnen würden.
Ihr Buch beginnt mit einem schrecklichen Ereignis, das einschneidend im Leben Luegers ist: die junge Aline, die sie für erotische Dienstleistungen vermittelt, wird von einem Freier getötet.
Lueger landet wegen Zuhälterei vor Gericht. Danach ist nichts mehr wie vorher.

Doch wie wurde aus der als Ältesten von 8 Kindern im ländlichen Burgenland geborenen Lueger die schillernde Domina, die 20 Jahre führend in der Müncher Szene für erotischen Unterhaltung sein wird?

Schon als Kind weiß sie, dass sie nicht wie anderen ihr Leben lang auf dem Rübenacker arbeiten will. Sie wird sie mit 16 schwanger und heiratet in eine Familie voller Alkoholiker ein.
Doch ihr kleines Kind stirbt tragisch und ihre unglückliche Ehe scheitert nach der Geburt des zweiten Kindes.
Nach einem Rosenkrieg, den Lueger kämpferisch mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln führt, geht sie nach München.

“Im München der Siebzigerjahre konnte ich so sein, wie ich war. Es klingt seltsam, aber das erste Mal in meinem Leben musste ich mich nicht mehr verstellen.”

Lueger ist gelernte Friseurin, eine Arbeit, die ihr zeitlebens viel Freude macht und zu der sie immer wieder gerne zurückkehrt. Auch in München arbeitet sie in einem Friseursalon und bald auch als Bar- und Animierdame.

Nachdem Lueger erste Erfahrungen als Domina gesammelt hat, bleibt sie im Milieu.

“Warum ich das tat? Ich denke, weil ich mich im Grunde als wertlos empfand.”

Oft anekdotisch, manchmal nachdenklich erzählt Lueger von dieser Zeit. Die Arbeit als Domina, später auch als Clubbesitzerin und Vermittlerin von Sexarbeit macht ihr viel Spaß.

“Was war so toll, könnte man fragen. Die Macht und das Spiel, jeder buckelte. Ich spürte eine Macht, die ich nicht für möglich gehalten hätte.”

Doch Lueger blickt keineswegs nostalgisch auf das Milieu. Ich bin geschockt, wie viele ihre Freundinnen und Kolleginnen trotz Sicherheitsvorkehrungen durch männliche Gewalt den Tod finden. Es war und ist immer noch ein großes Risiko, als Sexarbeiterin oder in der erotischen Unterhaltung tätig zu sein.

“Irgendwie war man als Frau, egal, was einem passierte, immer selbst schuld.”

Lueger, die sich für ihre Lebensgeschichte keine Ghostwriter geholt hat, sondern ihre Lebensgeschichte gemeinsam mit ihrer Tochter Patricia aufschreibt, erzählt hauptsächlich anekdotisch und anhand der wichtigen Ereignisse in ihrem Leben. Sie ist eine äußerst tatkräftige und energetische Frau, die sich in ihrem Buch wenig mit gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhängen beschäftigt. Reflektionen über strukturelle sexistische Mechanismen im Milieu oder Gesellschaft findest du hier nicht.

Auch Überlegungen über die Geschlechterrollenzuschreibungen der jeweiligen Zeit finden sich eher selten. Dafür ist Lueger viel zu pragmatisch, unbemerkt bleiben sie ihr aber natürlich keineswegs.

“Es war paradox, ich hatte gut verdient, aber mein Mann rügte mich, dass seine Hemden noch nicht gebügelt waren.”

Luegers ungewöhnliche Lebensgeschichte spricht stattdessen für sich selbst und ist voller Licht und Schatten, voller Freude und Leid.
Sehr gerne bin ich mit ihr in ihre Erinnerungen an ein vergangenes Leben und an eine vergangen Zeit eingetaucht.
Ich habe mich darüber gefreut, dass Lueger mit ihren beiden erwachsenen Kinder ein so enges und gutes Verhältnis hat und ihr Buch leztendlich mit einem positiven Fazit endet.

„Bardame gesucht – Zimmer vorhanden“ ist kein analytisches Sachbuch, sondern eine eindrucksvolle autobiografische Erzählung über ein außergewöhnliches Leben. Herta Lueger berichtet ehrlich und direkt - und sehr unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Spannendes und fesselndes Nature Writing!

Im Tal der Bärin
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Erinnerst du dich noch an noch an den „Problembär Bruno“? Der Braunbär hielt sich ängere Zeit im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet auf, riss einige Nutztiere und legte ein Verhalten an den Tag, das ...

Erinnerst du dich noch an noch an den „Problembär Bruno“? Der Braunbär hielt sich ängere Zeit im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet auf, riss einige Nutztiere und legte ein Verhalten an den Tag, das als problematisch bewertet wurde. Nach gescheiterten Fangversuchen wurde das Tier zum Abschuss freigegeben und schließlich von einem anonym beauftragten Sicherheitsteam erschossen.
Im Vorfeld und im Nachgang gab es immense Diskussionen in der Politik, der Presse und der Öffentlichkeit über Tier- und Artenschutz, Zuständigkeiten und Verhältnismäßigkeiten.

Die damals sehr hitzig geführten Diskussionen und Standpunkte findest „Im Tal der Bärin“ wieder, das allerdings nicht in den Alpen, sondern in den Pyrenäen spielt.
Dort wurden gezielt Bären wieder angesiedelt, die jetzt mit den Bergbewohnerinnen um den Lebensraum konkurrieren.
In Arnauds Roman stehen zwei Protagonist
innen im Mittelpunkt, die zumindest auf den ersten Blick, den zwei unterschiedlichen Lagern anzugehören scheinen.
Der Schäfer Gaspard ist nach einem tragischen Vorfall mit einem Bären, bei dem eine junge Kollegin ums Leben kam immer noch stark erschüttert, hat sich aber für einen weiteren Sommer auf der Hochalm entschieden. Dort hütet er auf Lohnbasis die Herden von mehreren Schafzüchtern.
Alma ist Ethologin und erforscht im Zentrum für Biodiversität das Verhalten der wieder angesiedelten Bären und untersucht, wie ein Zusammenleben zwischen Wildtieren und Menschen besser funktionieren kann. Dabei stößt sie auf das Unverständnis und den Widerstand der lokalen Bevölkerung, allen voran dem der Schafsbesitzer, die um ihr Vieh fürchten.

Auf einer anderen Zeitebene erzählt Arnaud die Geschichte eines Bärendresseurs, der im 19. Jahrhundert ein Bärenjunges großzieht. Mit der erwachsenen Bärin wandert er nach Amerika aus und erfüllt sich seinen Traum von einem erfolgreichen Leben.

Der erste Roman, der von Clara Arnaud ins Deutsche übersetzt wurde, ist ein wahrer Pageturner und ein toller Bergroman. Durch die genaue Betrachtung der Wechselwirkung von Tier; Natur und Mensch ist „Im Tal der Bärin, wie ich finde, auch ein bemerkenswertes Beispiel für spannendes Nature Writing. Arnaud verbindet die persönlichen Geschichten ihrer Figuren mit der literarischen Umsetzung von ökologischen, historischen und philosophischen Themen.

“Alles hier war ein ständiges Werden und Vergehen, war Verwesung und Aufblühen, Freude und Schmerz.”

Auch wenn ich den Roman sehr gern gelesen habe, gibt es einen Wermutstropfen, der mir die Lektüre etwas verleidet. Es ist die doch recht häufige Verwendung eines Begriffs, den die damit gemeinten Volksgruppen der Sinti und Roma, sowie der Jenischen und andere Volksgruppen mehrheitlich ablehnen und der als stigmatisierend und veraltet gilt. Diese unbedarfte Verwendung ist mir schon bei „Der Menschensohn“, ebenfalls von einem französischen Autoren geschrieben, aufgefallen. Eine kurze Recherche ergibt, dass der Begriff tatsächlich in Frankreich, anders als in Deutschland, noch nicht weitestgehend tabuisiert ist, sondern sich der sensible Umgang erst allmählich entwickelt.
Für mich allerdings war das wiederholte Lesen des Begriffs ein wirklich störendes Element in einer eigentlich schönen Lektüre.

Falls dich das nicht stört, kann ich dir „Im Tal der Bärin“ auf jeden Fall empfehlen und es erinnerte mich sehr an „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy. Allerdings ist Arnauds Roman wesentlich weniger hollywoodreif, sondern schildert vor dem Hintergrund einer realistischen Handlung die Bergwelt und die Geschichten der Figuren.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Literarischer Grusel

Old Soul
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Die Kurzbeschreibung des Romans und die Blurbs auf dem Klappentext waren einfach so unglaublich gut und vielversprechend, dass ich ihn einfach lesen musste!
Ich lese ja schon gerne gruselige Horrorroman, ...

Die Kurzbeschreibung des Romans und die Blurbs auf dem Klappentext waren einfach so unglaublich gut und vielversprechend, dass ich ihn einfach lesen musste!
Ich lese ja schon gerne gruselige Horrorroman, aber natürlich nur wenn sie in literarisch ansprechender Form dargeboten werden, was leider viel zu selten der Fall ist.
Gerade wenn übersinnliche oder paranormale Elemente ins Spiel kommen, wird es oft…schwierig. Ein Beispiel für einen Roman, indem Grusel, Jenseitiges, Literatur UND Zeitgeschichte perfekt harmonieren ist „Unser Teil der Nacht“ von Mariana Enriquez oder vielleicht „Das Verschwinden“ von Sandra Newmann.

Auch „Old Soul“ würde ich in diese einzigartige Kategorie stecken. Es ist der vierte Roman der ausgezeichneten, britischen Autorin, aber der Erste, der jetzt auf Deutsch erscheint.
Vom Inhalt will ich dir nicht zu viel verraten, schließlich soll es ja spannend und gruselig bleiben.
Der Ich-Erzähler Jake verpasst in Japan seinen Flug nach Haus, genauso wie die Businessfrau Mariko. Da sie jetzt beide auf den nächsten Flug am nächsten Tag nach London warten müssen, beschließen sie gemeinsam etwas zu essen.
Eine klassische Zufallsbekanntschaft.
Doch während ihrer Unterhaltung stellen sie eine beunruhigende Gemeinsamkeit fest. Marikos Bruder hatte vor ein paar Jahren eine unerklärliche, psychische Episode und starb kurz darauf. Seine Wahnvorstellungen und sein Verhaltensmuster vor seinem Tod ähneln in unheimlicher Weise die von Jakes Freundin Lena, die ebenfalls kurz danach gestorben ist.
Beide Verstorbenen hatten kurz vor ihrem Tod die Bekanntschaft einer mysteriösen Frau mit einer unheilvollen und verstörenden Aura gemacht.

Jake, der endlich die Ursachen von Lenas unerklärlichen Veränderungen und ihren Tod kennen will, begibt, sich ausgehend von Marikos Geschichte auf eine Spurensuche.
Er findet noch wieder weitere Todesfälle, denen eine gruselige Wesensveränderung der Betroffenen vorausgingen und immer war eine mysteriöse Frau mit im Spiel.
Und obwohl die Fälle bis weit in die Vergangenheit zurückreichen, scheint die Frau selbst nicht zu altern….

Gut, ja der Stoff ist jetzt für Kennerinnen des Genres jetzt vielleicht nicht der Allerneueste und der Innovativste, aber mir macht das gar nichts, denn die Darreichungsform finde ich äußerst spannend und abwechslungsreich.

Zwischen den einzelnen Stationen der Spurensuche des Erzählers, die ganz allmählich ein Muster offenbart, gibt immer wider Kapitel aus der Perspektive „der Frau“. Das ist schon ziemlich spannend und auch gruselig.

Der Schreibstil ist ehr schlicht gehalten, und erinnert dadurch ein wenig an die vergangene Gruselklassiker mit einem modernen Upgrade. Genauso Barkers Art, die einzelnen Erzählungen und Zeugnisse in den Bericht des Ich-Erzählers zu verschachteln.

Der Schluss des Romans bricht ein wenig mit den gängigen Tropes des Genres und überrascht mich ziemlich. Er sorgt dafür, dass mir der Roman noch eine Weile im Gedächtnis bleiben wird, auch wenn der Roman auf Grund kleinerer Längen nicht ganz ein Highlight war.



Auf jeden Fall sind Horrorromane auch für Literaturliebhaber
innen mit Vergnügen lesbar, wenn sie die richtige Auswahl treffen.
Ich hoffe, dass Susan Barker noch weitere Romane veröffentlicht und die dann auch ins Deutsche übertragen werden.

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