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Veröffentlicht am 12.05.2025

Sommer, Glamour und mordslustige Kollegen

Very Bad Company
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Alpakawanderungen, Töpferkurse, Escape Rooms - Teambildende Maßnahmen sind nicht nur beliebt, sie gewinnen auch immer mehr an Bedeutung. Allerdings scheitert es dann erfahrungsgemäß oftmals an Tierhaarallergien, ...

Alpakawanderungen, Töpferkurse, Escape Rooms - Teambildende Maßnahmen sind nicht nur beliebt, sie gewinnen auch immer mehr an Bedeutung. Allerdings scheitert es dann erfahrungsgemäß oftmals an Tierhaarallergien, Missmut oder Desinteresse einzelner Kollegen. Zumal all diese Aktivitäten in keinster Weise mit einem Trip nach Miami mithalten können, oder? Doch so schillernd sich diese bezahlte Auszeit auch anhört, der Scheint trügt und kostet Leben.

Als Caitlin in den Flieger nach Miami steigt und dort zum ersten Mal ihren neuen Kollegen begegnet, ahnt sie noch nicht, in welch verlogenes Karrierespiel sie geraten ist. Gerade im Kreise ihrer weiblichen Kolleginnen wird sie jedoch schnell warmherzig empfangen. Als eine von ihnen eine Partynacht in einem angesagten Club mit ihrem Leben bezahlt, ist allen schnell klar, dass es sich hierbei um keinen Unfall handelt.

Es kommt wirklich selten vor, dass ich ein Buch an einem Wochenende inhaliere. Aber Emma Rosenblum hat mich von der ersten Seite an begeistert und ich konnte dieses Buch nicht mehr weglegen. Die Autorin versteht es, einen spannenden, undurchsichtigen und intrigenreichen Plot voller Twists zu entwickeln. Zudem ist die Story durch die ständigen Wechsel der Erzählperspektive unglaublich kurzweilig. Jedes Kapitel ist mit dem Namen einer Figur überschrieben, die auf den dann folgenden Seiten im Mittelpunkt der Geschehnisse steht. Dadurch wird schnell klar, dass jeder in dieser Story ein Geheimnis mit sich trägt, aber nur langsam fügen sich die Puzzleteile zu einem Ganzen.

Rosenblum erzählt wohldurchdacht und zweifelsohne bissig. Sie zeichnet ihre Figuren vielschichtig und realistisch. Dabei schafft sie es, jedem Teammitglied einen derart eigenen Charakter zu verpassen, dass unwillkürlich immer wieder Reibungen zwischen den Personen entstehen. Vom Anfang bis zur allerletzten Seite hält die Autorin die Spannung enorm hoch und landet mit ihrem auflösenden Twist am Ende eine finale Punktlandung!

Fazit: „Very Bad Company“ ist der perfekte Roman für die bevorstehende Sommerzeit! Wer viel Glitzer, Glamour und tödliche Geheimnisse mag, wird mit diesem spannungsgeladenen Buch voll auf seine Kosten kommen. Für mich auf jeden Fall ein Lesehighlight!

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Fesselnder Thriller mit düsterem Setting

Die Bucht
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Nancy und Calder sind ein tolles Paar. Nach dem Tod seiner Mutter hat er ihr Haus auf der Insel Langer geerbt. Die beiden lassen London hinter sich und wollen in ein neues Leben starten - vielleicht klappt ...

Nancy und Calder sind ein tolles Paar. Nach dem Tod seiner Mutter hat er ihr Haus auf der Insel Langer geerbt. Die beiden lassen London hinter sich und wollen in ein neues Leben starten - vielleicht klappt es ja nun auch endlich mit dem Nachwuchs. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft hat Calder einen schrecklichen Bootsunfall. Sein Leben hängt am seidenen Faden und nur mit Glück überlebt er. Doch der Unfall hat ihn verändert. Nancy ist beunruhigt und hat in manchen Situationen fast schon Angst vor Calder. Als dann noch eine Leiche angespült wird, überschlagen sich die Ereignisse. Ist Calder gar nicht der, der er vorgibt zu sein?

Die Story wird hauptsächlich aus der Sicht von Nancy erzählt. Eine wundervolle Protagonistin, die ich schnell ins Herz geschlossen habe. Das Leben auf der Insel ist für sie Neuland und sie gibt sich große Mühe, sich wohlzufühlen. Der Bootsunfall von Calder wirft sie völlig aus der Bahn, und auch sein verändertes Wesen danach macht ihr schwer zu schaffen. Zu Calder habe ich bis zum Schluss keine Bindung aufbauen können. Er war mir zu undurchsichtig und ich wusste nie genau, wie ich ihn tatsächlich einschätzen konnte. Beide Charaktere sind sehr detailliert gezeichnet und ihre Entwicklung hat mir außerordentlich gut gefallen.

Der Schreibstil von Webb ist düster und fesselnd. Ich fand die Szenerie hervorragend und konnte mir dank der bildhaften Beschreibung die Gegebenheiten gut vorstellen. Auch die bedrückende und düstere Atmosphäre hat Webb gekonnt aufgegriffen und mich damit komplett an die Handlung gefesselt. Die Geschehnisse rund um Calders Bootsunfall sowie seine Zeit im Krankenhaus fand ich sehr spannend. Und die Autorin selbst wohl auch, wie sie in ihrem Nachwort nochmal erwähnt.

Fazit: Ein fesselnder Thriller mit düsterem Setting und ereignisreichen Wendungen. Nachdem mich ihr letztes Buch leider nicht überzeugen konnte, hat mich Webb hier wieder voll abgeholt.

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Beklemmend, düster, fesselnd

Confession Room
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Willkommen im Confession Room! Der perfekte Ort, um eure Sünden anonym zu beichten. Dabei gibt es keine Regeln, wie die ehemalige Ermittlerin Emilia bald erfahren muss. Denn nachdem ein Mordgeständnis ...

Willkommen im Confession Room! Der perfekte Ort, um eure Sünden anonym zu beichten. Dabei gibt es keine Regeln, wie die ehemalige Ermittlerin Emilia bald erfahren muss. Denn nachdem ein Mordgeständnis nach dem anderen eingeht und kurz darauf die zugehörigen Leichen gefunden werden, will Emilia im Hintergrund ermitteln. Doch auch sie hat im Confession Room schon eine Beichte abgelegt, die ihr nun zum Verhängnis wird. Emilia muss nun eine Entscheidung treffen, die ihr komplettes Leben verändern wird - und nicht nur ihr Leben ist betroffen ...

Emilia war mir direkt sympathisch. Eine mutige und ehrliche Frau, die immer noch Schuldgefühle wegen des Mordes an ihrer Schwester hat. Kurz vor ihrem Tod hat diese bei Emilia versucht anzurufen, doch Emilia ging nicht ans Telefon. Bis heute hat sie damit zu kämpfen und ist auch immer noch auf der Suche nach Sophies Mörder. Die tiefe Bindung, die Emilia zu ihrem Ex-Freund hat, fand ich super schön. Er steht Emilia zur Seite und man spürt deutlich, dass seinerseits noch jede Menge Gefühle da sind. Dass er zufällig bei der Polizei arbeitet, spielt Emilia natürlich super in die Karten.

Die Geschehnisse im Confession Room haben mich stark an den ersten Teil von "Saw" erinnert. Mit Ketten an der Wand gefesselt, nur einer wird überleben usw. Teilweise fand ich all das etwas zu weit hergeholt und daher manchmal unrealistisch. Größtenteils allerdings haben mich diese Ereignisse fasziniert und bei Laune gehalten. Der Schreibstil war mitreißend und tat dabei sein Übriges.

Fazit: Ein geschickt konstruierter Thriller, der zwar ins Irreale abdriftet, mich aber dennoch super unterhalten konnte. Coole Plotideen und die lockere Sprache machen dieses Buch lesenswert.

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Veröffentlicht am 29.04.2025

Kreativ, unterhaltsam, mit coolen Sidekicks

Der irische Fremde
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Ich habe dieses Buch schon vor einigen Wochen beendet, wollte und musste es jedoch erst einmal sacken lassen, ehe ich erzähle, was ich darüber zu sagen habe. In den meisten Fällen (sagen wir einfach mal ...

Ich habe dieses Buch schon vor einigen Wochen beendet, wollte und musste es jedoch erst einmal sacken lassen, ehe ich erzähle, was ich darüber zu sagen habe. In den meisten Fällen (sagen wir einfach mal 99%) ist es so, dass mir ein Buch entweder richtig gut oder überhaupt gar nicht gefallen hat. Dieses hier gehört zu den 1%, bei denen ich mir unsicher bin. Ich habe zwischen 3 und 4 Sterne hin- und herüberlegt. Fazit siehe unten.

Was ich vorweg schon mal positiv hervorheben kann, ist die lebendige und erfrischende Sprache. Die hat mich von Anfang an gepackt und begeistert. Ich mochte die bildhaften Beschreibungen - und auch die lockeren Sidesteps, die dafür sorgen, dass einem die Formulierungen vertraut vorkommen. Als würde man all das selber sagen.

Zudem hat der Autor ein Händchen für Charaktertiefe und -entwicklung. Zugegeben: Nicht alle Figuren waren mir sympathisch, nicht mit allen war ich verbunden. Aber das ist für mich auch nicht entscheidend. Viel wichtiger finde ich, dass es der Autor schafft, die einzelnen Personen greifbar zu machen, lebendig. Und das waren sie. Einzig die Kinderpsychiaterin, die hier im Nebenstrang eingeführt wird, blieb relativ blass. Hier hätte ich gern mehr psychologische Fakten erfahren, weil mich Kinderkrankheiten sehr interessieren (ich bin Krankenschwester). Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau und wird von mir nicht bewertet.

Im Prolog lernen wir Mary (alias Maria) kennen und erfahren von dem Brand, der nicht nur das Familienhotel zerstört, sondern den Eltern auch das Leben gekostet hat. Ziemlich tragisch, und de facto ist es nachvollziehbar, warum Mary so geworden ist ... wie sie heute, 25 Jahre später, ist. Ich habe sie als sehr zerbrechlich, verletzlich, labil und rastlos wahrgenommen. Im weiteren Verlauf der Geschichte zeigt sie hier und da eine gewisse Reife und Stärke, trotzdem hat sie ihre Vulnerabilität nie ganz überwinden können.

Am meisten gefiel mir der dritte Leseabschnitt (Kapitel 17 bis 25), der mich mit einigen Wendungen und Ereignissen ziemlich von den Socken gehauen hat. Hier passierte so viel, dass stets eine bestimmte Frage im Raum stand: Whodunnit? Und da sprechen wir direkt über einen weiteren großen Pluspunkt: klassische Elemente. Hier hervorragend vom Autor eingeflochten. Ich war die ganze Zeit am Miträtseln, stellte Thesen auf, verwarf diese wieder, stellte neue auf. I loved it! Und ich habe auch diese kleinen Sidekicks auf Englisch, die man immer wieder findet, geliebt. Clever gemacht, Matthias.

Kommen wir zu dem Grund, weswegen ich bezüglich der Bewertung so am Hadern war: die finale Entwicklung der Story. Bis zum dritten Abschnitt konnte ich gar nicht fassen, was für ein cooles Buch ich da lese. Mir kam das Wort "Jahreshighlight" in den Sinn. Leider hat der letzte Abschnitt das ziemlich verhunzt. Wobei ich hier betonen muss, dass das natürlich Geschmackssache ist! Manch Leser feiert ein bestimmtes Thema, mach anderer möchte nichts darüber lesen. Da ich nicht spoilern möchte, zähle ich mal ganz allgemein auf, was mich persönlich wenig bis gar nicht in Büchern interessiert: Politik, Kriegsgeschehen und -verbrechen, Wirtschaftsprognosen, Börsenbusiness ... und davon war etwas im auflösenden Showdown enthalten. Damit konnte ich leider nichts anfangen und war/bin dadurch ziemlich zwiegespalten, sogar ein bisschen enttäuscht. Das i-Tüpfelchen waren die vielen Versionen der Vergangenheit, die mich verwirrt haben. Und die überkonstruierte Auflösung, wer nun wer ist und wer was gemacht hat und wieso dies, das, jenes. Kurz: Show don't tell! Jedoch möchte ich erneut klarmachen, dass das nichts mit dem Know-how des Autors oder seinen schriftstellerischen Fähigkeiten zu tun hat, sondern lediglich eine Frage des persönlichen Geschmacks ist.

Vielleicht matcht es beim nächsten Buch besser. :) Für dieses gebe ich aufgrund der kreativen Ideen und Wendungen, der facettenreichen Figuren und der coolen Sprache gern 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Coole Horror-Snacks für zwischendurch

SHINING IN THE DARK
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Ein Roman von Stephen King? Happy. Ein Buch, wo nicht nur er, sondern auch Poe, Keene, Chizmar und Lindqvist dran beteiligt sind? Nochmal happy. Als ich die erste Ankündigung vom Buchheim Verlag gesehen ...

Ein Roman von Stephen King? Happy. Ein Buch, wo nicht nur er, sondern auch Poe, Keene, Chizmar und Lindqvist dran beteiligt sind? Nochmal happy. Als ich die erste Ankündigung vom Buchheim Verlag gesehen hab, war ich sofort hin und weg. Das Cover ist genauso cool gestaltet worden wie bei den Originalausgaben. A little Shining in the Dark (krasser Übergang, oder?).

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der bekannten King-Fanseite »Lilja's Library - The World of Stephen King« präsentiert deren Gründer Hans-Åke Lilja diese herrlich-schaurige Horror-Anthologie. Zugegeben: Kurzgeschichten sind nicht so meins. Normalerweise. Wenn sich aber so viele namhafte Horror-Autoren versammeln, muss ich das Ding einfach lesen. Ein bisschen gewundert hab ich mich über die Tatsache, dass hier nur Männer dabei sind, denn es gibt durchaus Frauen, die das Genre ebenso perfekt drauf haben/hatten. Wie beispielsweise Shirley Jackson und Darcy Coates, um nur zwei zu nennen. Aber sei's drum.

Mir haben fast alle Geschichten gefallen - die eine mehr, die andere weniger. Besonders stach für mich die Story »Internet« von Jack Ketchum hervor, in der es um Cassandra und Andrew geht, die sich in einem Single Chat kennenlernen. Man plaudert, man wird privater, man verliebt sich - bis es schließlich zu einem Treffen kommen soll. Anhand von Tagebucheinträgen erfahren wir, warum Andrew Angst vor dem Treffen hat und welche Wünsche (die naive) Cassandra äußert. Diese Story strotzt nur so vor Klischees, auch wenn es ebenjenen nicht an Authentizität mangelt, denn ich kann mir gut vorstellen, dass es so oder so ähnlich im echten Leben ablaufen kann. Gruselig! Und das Ende hat mich einfach gekillt. Mit dem kleinen Schocker hab ich nicht gerechnet.

Natürlich ist auch der Horror-Altmeister himself vertreten ... und ich traue mich gar nicht, es auszuschreiben, aber seine Geschichte »Der blaue Kompressor« war für mich die schwächste von allen. Ich konnte mit dem Thema rein gar nichts anfangen, fand die Figuren (Mrs. Leighton, eine adipöse Frau, und Gerald Nately, ein Mann, der sich vor ihr ekelt und sie in seinem Manuskript verewigt) langweilig ausgearbeitet und den Erzählstil hier einfach seltsam. Die eigentliche Handlung wird immer wieder unterbrochen von (sozusagen) Randbemerkungen, die den Lesefluss enorm störten. Einzig bei der Stelle, wo der Typ seiner Story einen Namen gegeben hat, musste ich lachen. Darauf kann ich jetzt leider nicht näher eingehen, sonst verrate ich womöglich zu viel.

Fazit: Wer Bock auf kleine Horror-Snacks zwischendurch hat, ist mit diesem Werk bestens bedient. Man kann es immer wieder zur Seite legen und findet schnell wieder rein. Die Kurzgeschichten sind abwechslungsreich und (überwiegend) unterhaltsam. Ist definitiv einen Blick wert.

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