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Veröffentlicht am 13.05.2025

Winkelmann kann auch lustig

Mord im Himmelreich
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Kann Andreas Winkelmann auch lustig? Man kennt ihn ja vor allem von seinen ernsten und zum Teil sehr brutalen Thrillern.
Jetzt hat er aber einen humorvollen Wohlfühlkrimi geschrieben, der bei Knaur erschienen ...

Kann Andreas Winkelmann auch lustig? Man kennt ihn ja vor allem von seinen ernsten und zum Teil sehr brutalen Thrillern.
Jetzt hat er aber einen humorvollen Wohlfühlkrimi geschrieben, der bei Knaur erschienen ist.

"Mord im Himmelreich" ist der Auftakt einer Reihe rund um den ehemaligen Schauspieler Kupernikus, der auf dem Campingplatz "Himmelreich" Urlaub macht. Dort stolpert er über eine Leiche und übernimmt die Ermittlungen - schließlich hat er mal im Tatort mitgespielt.

Kupernikus als Protagonist fand ich klasse. Er ist sympathisch, hat das Herz am rechten Fleck und weiß, auf die Leute zuzugehen. Deshalb scheinen seine Ermittlungen auch erfolgversprechender als die der Polizei.
Mit dabei ist auch Annabelle. Leider hat sie mich mit ihrer Art ziemlich genervt und ich wurde einfach nicht warm mit ihr. Sie ist Künstlerin und etwas verschroben, das wurde auf jeden Fall gut dargestellt - aber mich konnte sie nicht für sich gewinnen.
Dafür aber umso mehr Kupernikus, deswegen ist davon auszugehen, dass man ihr in den nächsten Bänden wieder begegnet.

Sehr schön fand ich die Darstellung vom Campingplatz. Mich würden zwar keine zehn Pferde ins "Himmelreich" bringen, um dort im Wohnmobil Urlaub zu machen, aber die Darstellung der Camper war einfach herrlich. Hier hat Winkelmann verschiedene Charaktere gezeichnet, zum Teil etwas überzogen, und so eine schöne, anschauliche Atmosphäre geschaffen, die - zumindest für mich als Nicht-Camper - eine überzeugende Darstellung eines Campingplatzes liefert.

Humor kommt auf jeden Fall nicht zu kurz. Vor allem, wenn man die Eigenheiten der vorkommenden Personen zusammen nimmt oder die Unfähigkeit der Polizei, den Mörder zu finden. Ich musste oft schmunzeln und hatte beim Lesen Spaß.

Deswegen hat es mich dann auch überrascht, welch doch ernsten Hintergrund der Mord hat. Das hätte ich an dieser Stelle nicht erwartet. Ich möchte nicht spoilern, nur so viel: Aktueller geht es kaum.

Ansonsten hat es einfach Spaß gemacht, das Buch zu lesen: flüssiger Schreibstil, viele lebendige Dialoge, kurze Kapitel, keine Längen... Deswegen: Ja, Winkelmann kann auch lustig!

Veröffentlicht am 11.02.2025

Ein leckerer Mord

Mit scharfer Klinge
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Erzählt wird die Geschichte durch die Augen von Paul Delamare, der für einen bekannten Star-Koch einspringt und einen Kochkurs in einer Kochschule übernimmt. Damit wird aber auch direkt in eine Mordermittlung ...

Erzählt wird die Geschichte durch die Augen von Paul Delamare, der für einen bekannten Star-Koch einspringt und einen Kochkurs in einer Kochschule übernimmt. Damit wird aber auch direkt in eine Mordermittlung hineingezogen, denn schon kurz nach Beginn des Kurses ist bekannter Starkoch tot.

Mir hat die unaufgeregte Art gefallen, wie die Geschichte erzählt wurde. Typisch britisch wird alles sehr ruhig und überlegt erzählt, es gibt kein Drama und auch wenn es zum Teil etwas blutig zu geht, wird das nicht ausgeschlachtet.

Der Protagonist war mir sehr sympathisch. Er selbst hat vor kurzem seinen Lebensgefährten verloren und ist in Trauer, versucht sich aber mit dem Kurs abzulenken. Schön fand ich, dass man nach und nach immer mehr Einzelheiten aus seinem Privatleben und seiner Vergangenheit erfahren hat, ohne dass es zu viel Raum eingenommen hat.
Auch seine Art hat mir einfach gefallen: Er scheint immer die Ruhe zu bewahren und macht sich letztendlich selbst auf die Suche nach dem Mörder, weil er das Gefühl nicht loswird, dass die Polizei etwas übersehen hat.
Dadurch ist man als Leser selbst sehr nah am Geschehen.

Durch den klassischen Aufbau kann man außerdem gut miträtseln. So wie Paul nach und nach Hinweisen nachgeht, hat man als Leser auch die Chance, den Mörder zu entlarven - was mir hier aber nicht gelungen ist. Das Ende ist logisch, hat aber dennoch einen sehr guten Aha-Moment. Ich war damit sehr zufrieden.

Toll fand ich, dass auch das Kochen einen Großteil der Handlung ausmacht. Es spielt sich eigentlich alles in der Kochschule ab, man bekommt als Leser den Lehrplan mit und es gibt sogar Rezepte, die man nachkochen kann. Das finde ich sehr wichtig, wenn Cover und Klappentext suggerieren, dass eine bestimmte Tätigkeit im Vordergrund steht und das dann auch so durchgezogen wird.

Mir hat das Lesen super viel Spaß gemacht! Wer also mal etwas ruhigeres - aber trotzdem spannendes - sucht, macht hier nichts falsch!

Veröffentlicht am 08.11.2024

Super sympathisch

Ein blitzsauberer Mord
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Eine Putzfrau entdeckt die Leiche - und ermittelt natürlich, da sie aus Versehen die Mordwaffe gereinigt hat und jetzt selbst unter Mordverdacht steht.

"Ein blitzsauberer Mord" von @gesuchanekt ist der ...

Eine Putzfrau entdeckt die Leiche - und ermittelt natürlich, da sie aus Versehen die Mordwaffe gereinigt hat und jetzt selbst unter Mordverdacht steht.

"Ein blitzsauberer Mord" von @gesuchanekt ist der Auftakt einer Cosy Crime-Reihe rund um die Reinigungskraft Tilly Blich.
Witzig, ironisch, ein bisschen drüber - und genau deswegen sympathisch.
Ich mochte die Figuren, von denen jede irgendwie einen Schuss hat 😀, aber es passt herrlich zur Geschichte.

Der Fall selbst ist jetzt nicht sooo spannend, sondern eher gemütlich. Zumindest in den ersten Teilen des Buches. Als Leser kann man mitermitteln und selbst die einzelnen Hinweise zusammensetzen.

Am Ende gibt es einen klassischen Showdown, dieser war sehr dramatisch und hat den Fall schlüssig abgerundet.

Ich hatte Spaß beim Lesen, hab die Figuren liebgewonnen, während des Lesens einen Hunger auf Kuchen entwickelt und freue mich jetzt schon auf den nächsten Teil. Denn diese Reihe werde ich auf jeden Fall weiterverfolgen!

Veröffentlicht am 28.09.2024

Tod für Geld

Death TV
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Die Handlung des Buches ist in einer früher Zukunft angesiedelt. Das Leben unterscheidet sich nicht von unserem jetzigen, allerdings das Unterhaltungsprogramm. Dass es eine Show gibt, in der sich Menschen ...

Die Handlung des Buches ist in einer früher Zukunft angesiedelt. Das Leben unterscheidet sich nicht von unserem jetzigen, allerdings das Unterhaltungsprogramm. Dass es eine Show gibt, in der sich Menschen live im TV umbringen lassen und das von Millionen Menschen gesehen wird, ist ekelhaft - aber für den Plot unheimlich spannend.

Wie das Ganze abläuft, erfährt man schon im Prolog. Danach lernt man die Protagonistin Frankie kennen. Sie ist Mentalistin, hält sich ganz gut damit über Wasser, benötigt aber dringend Geld. Also entscheidet sie sich für die Teilnahme in der Show, damit ihre Erben von ihrem Tod profitieren können.

Der Aufbau ist richtig gut gemacht: Man begleitet Frankie in ihrem Alltag und lernt sie so gut kennen. Immer wieder gibt es Rückblenden, die ihren Weg zur "Todes-Attraktion" begleiten. Hier wird erklärt, wie alles abläuft und so werden geschickt diese wichtigen Informationen in die Handlung eingebettet. Ich konnte die Rückblenden immer kaum erwarten, weil sich während des Lesens immer wieder Fragen ergeben, die dann beantwortet werden.

Toll fand ich auch, dass man nie genau wusste, wer ist jetzt Freund und wer Feind von Frankie. Denn es könnte ja auch die Agentur dahinter stecken - vielleicht sogar ihr Mörder? Ich habe immer wieder umgeschwenkt und meine Sympathien neu verteilt. Das mag ich.

Es gibt ja einige Bücher, die das Umbringen von Menschen zur Unterhaltung anderer als Plot haben. Hier hat mir aber gefallen, dass sich die Protagonistin freiwillig dafür entscheidet und dass zwar die Art und Weisen, wie jemand umgebracht wird, genannt wird, aber nicht blutrünstig beschrieben. Es geht hier nicht darum, den Leser durch Blut zu schocken, sondern eher damit, wie "normal" ein Mord zur Unterhaltung werden kann. Und das ist es auch, was dieses Buch für mich ausmacht.

Ein Thriller ist es in meinen Augen nicht unbedingt, dafür ist es zu ruhig und an manchen Stellen fast schon zu sachlich. Aber ich könnte es jetzt auch keinem anderen Genre direkt zuordnen. Deswegen geht das in Ordnung.

Das Ende hingegen... hm... da bin ich noch hin- und hergerissen. Es passt zum Rest des Buches, ist aber auch leider etwas zu erwartbar. Nicht in jedem Detail, hier wurde ich auch noch überrascht, aber im Großen und Ganzen kann man damit rechnen, dass es so ausgeht.

Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden, denn ich hatte schöne Lesestunden!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.08.2024

Es war immer das Zimmermädchen!

Ein mysteriöser Gast
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Bei diesem Krimi handelt es sich um den zweiten Teil einer Reihe. Man muss den ersten Band "The Maid" zwar nicht unbedingt kennen, da die Fälle abgeschlossen sind und wichtige Details im zweiten wiederholt ...

Bei diesem Krimi handelt es sich um den zweiten Teil einer Reihe. Man muss den ersten Band "The Maid" zwar nicht unbedingt kennen, da die Fälle abgeschlossen sind und wichtige Details im zweiten wiederholt werden, aber ich empfehle dringend, die Reihenfolge einzuhalten. Denn nur so lernt man die Protagonistin von Anfang an kennen und versteht ihre Eigenheiten.

Was ich nämlich besonders toll fand war, dass Molly zwischen den Büchern eine richtig tolle Entwicklung ihrer Persönlichkeit durchmacht. Man merkt, dass aus der naiven, kindlichen Person eine junge, selbstbewusste Frau geworden ist, die sich nicht mehr einschüchtern lässt, sondern sich ihrer Eigenheiten bewusst ist und sie in Stärke umwandelt. Es hat richtig Spaß gemacht, sie so zu erleben.

Der Plot ist klassisch aufgebaut. Nach einer kurzen Einführung bricht das Opfer tot zusammen und schnell ist klar, dass es Mord war. Obwohl Molly damit eigentlich nichts zu tun haben will, ist sie gezwungen, eigene Ermittlungen anzustellen, denn es betrifft auch ihre Vergangenheit. Deshalb wechseln sich Kapitel aus der Gegenwart und der Vergangenheit ab. Dadurch entstehen auch immer wieder kleine Cliffhanger innerhalb des Krimis, sodass man einfach weiterlesen muss.

Es war toll, durch diese Rückblenden mehr über die Kindheit und die persönlichen Umstände von Molly zu erfahren. Ihre Vergangenheit wurde ja im ersten Teil nur wenig thematisiert.

Dadurch, dass diese hier mehr Raum einnimmt, ist die eigentliche Krimihandlung in der Gegenwart nicht so ausführlich aufgebaut, kommt aber in meinen Augen auch nicht zu kurz. Man kann als Leser gut den Hinweisen folgen und seine eigenen Theorien zum Mord und seinen Hintergründen aufstellen. Die Auflösung war für mich nicht so überraschend, aber bei Cosy Crime steht das für mich auch nicht im Vordergrund, sondern der Weg dahin und wie die Figuren damit umgehen. Und das ist hier auf jeden Fall wieder von der ersten Seite an gelungen.

Ich bin extrem begeistert, habe das Buch in jeder freien Minute in die Hand genommen und hoffe nicht nur, dass es auch einen dritten Teil gibt, sondern dass dieser nicht so lange auf sich warten lässt. Von mir gibt es 5 Sterne!