Neubeginn
Weil wir an Wunder glaubenVincent zieht mit seiner Frau Romy in ein kleines Moseldorf, um ihr die Möglichkeit zu geben, dort in einem betreuten Wohnen zu leben. Romy ist nach einem Unfall geistig eingeschränkt und nicht mehr in ...
Vincent zieht mit seiner Frau Romy in ein kleines Moseldorf, um ihr die Möglichkeit zu geben, dort in einem betreuten Wohnen zu leben. Romy ist nach einem Unfall geistig eingeschränkt und nicht mehr in der Lage in ihr altes Leben zurückzukehren. Sie soll in dieser Wohngruppe ein angenehmeres Leben führen, gefordert und gefördert werden.
Als Romy während eines Spaziergangs wegläuft, landet sie bei Valerie, die gerade mit einem Kapitel ihres Lebens abschließen will. Als Vincent Romy bei ihr findet, ist dies eine glückliche Fügung für Vincent.
„Weil wir an Wunder glauben“ von Josefine Weiss ist ein sehr berührendes Buch. Es wird aus den Perspektiven von Valerie und Vincent erzählt. Im Hörbuch spricht Funda Vanroy Valerie und Sebastian Fischer Vincent.
Die Geschichte, die in diesem Roman erzählt wird, ist eine sehr ernste und emotionale, weshalb es mir sehr schwerfällt, diese zu bewerten.
Während mir Valerie von der ersten Sekunde an sympathisch war, hatte ich mit Vincent lange meine Schwierigkeiten. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich mit Sebastian Fischer als Sprecher nicht warmgeworden bin. Seine Leseweise wirkte auf mich sehr hart, was wiederum gut zu Vincents Mauer passt, die er um sich gebaut hat. Aber dennoch fehlte mir ein bisschen Empathie in der Stimme. Auch der Protagonist Vincent ist, wie schon gesagt, sehr hart. Man merkt lange die aufgebaute Mauer und die Verzweiflung, aber dabei wirkt es manchmal auf mich auch wie Selbstgeißelung.
Zwischen dem Prolog und der Geschichte liegen fünf Jahre und für mich war es daher schwierig zu verstehen, warum Vincent so lange gemauert hat, nachdem ich im weiteren Verlauf die Familienmitglieder von Romy und ihm kennengelernt habe. Das war für mich ein gewisser Widerspruch.
Valerie ist ein wunderbarer Charakter, der über sich hinauswächst, absolut menschlich und herzlich ist. Sie steht für sich ein und das macht sie in herausragender Art und Weise, speziell weil sie versucht, ihre eigene Vergangenheit zu bekämpfen.
Auch die Nebencharaktere fand ich wirklich passend. Arndt ist der belehrende Charakter, aber gleichzeitig ein liebevoller Freund.
Ähnliches gilt für Charlotte und ihre Tante Fanny, das Dorfurgestein. Wobei mir die Weise, wie die Sprecherin die Tante gelesen hat, nicht gefallen hat.
Ich fand den Zusammenhalt im Dorf auch gut dargestellt. Das merkt man auch in dem Moment, indem Vincent beim Vorstellungsgespräch ist. So stelle ich mir ein kleines und uriges (Mosel-)Dorf vor.
Die Geschichte selber ist einfach traurig, steht aber dennoch als ein Vorbild für den Umgang mit so einer Situation und kann auch vielen Menschen in ähnlicher Lebensposition Mut machen.
Alles in allem eine tolle Geschichte, mit einem manchmal etwas holprigen Protagonisten. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt, Mut macht und Wege aufzeigt, mit einer solchen Situation umzugehen und sich dabei nicht selbst aufzugeben. Gleichzeitig eine Geschichte, die besagt, dass es viel wert ist, sich mit seiner Vergangenheit auszusöhnen!
Wer emotionale Geschichten mag, ist hier absolut richtig.