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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2025

Wild und bunt, aber nicht so schnell und einfach, wie versprochen

SOS Familienküche
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Manchmal muss es schnell gehen, aber schmecken soll und muss es gerade auch dann. Gut, da hilft man sich am besten mit dem einen oder anderen Fertigprodukt, das man mit frischen Zutaten pimpt. Dennoch ...

Manchmal muss es schnell gehen, aber schmecken soll und muss es gerade auch dann. Gut, da hilft man sich am besten mit dem einen oder anderen Fertigprodukt, das man mit frischen Zutaten pimpt. Dennoch finde ich die Rezepte in diesem Buch etwas befremdlich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Zutaten verwendet werden, die zumindest ich nicht im Standard-Vorrat habe und zum Teil noch nicht einmal kenne. Da nützt mir der Theorie-Teil auch wenig, in dem beschrieben wird, wie man eine Vorratshaltung anlegt. Die Tipps sind insgesamt nett gemeint, für mich aber mehr Seitenfüller und weniger praktikabel. Zudem sind die Rezepte bei näherer Betrachtung gar nicht so schnell zubereitet, wie anfangs versprochen wurde.

Es ist löblich, dass auch viele vegetarische Rezepte beinhaltet sind. Da ich jedoch keinen Tofu esse, fallen davon die meisten bei mir hintenüber. Ein paar witzige Ideen sind zu finden, doch das meiste ist für mich zu exotisch, zu wild kombiniert und nicht wirklich ideal für Kinder. Für mein Verständnis sind viele der Rezepte eher typisch Tiktok oder Youtube. Zwar bieten die Autorinnen für sogenannte Picky Eaters ein paar Tipps, aber ganz ehrlich, ich als Kind würde bei einer großen Anzahl der Rezepte erst zum Picky Eater werden.

Schade, ich hatte so große Hoffnung in das Buch gesetzt, aber ich finde es, zumindest für meine Familie, nicht wirklich passend. Auch zweifle ich an, dass die Mengen tatsächlich für vier Personen ausreichen. Bei uns reichen jedenfalls 400g Nudeln nicht für vier Esser. Zudem staune ich über die Länge der Zutatenlisten. Unter wenig verstehe ich dann doch etwas anderes.

Selbst die Arbeitsanweisungen lösen bei mir Kritik aus. Das Lieblingswort der Autorinnen scheint wohl INZWISCHEN zu sein. Der Stil ist arg knapp und wirkt hektisch notiert. Das macht das Duo nicht sehr sympathisch für mich. Den Tipp, das Gemüse für die ganze Woche schon mal zu putzen und zu schnibbeln und in Behältern im Kühlschrank aufzubewahren erstaunt mich in mehrfacher Hinsicht. Erstens kann ich mir nicht vorstellen, dass da nichts schlecht wird und zweitens frage ich mich, wann ich das machen soll, denn da stünde ich dann doch einige Stunden in der Küche.

Unglaublich, aber wahr, da hat der GU-Verlag ein mittelmäßiges Kochbuch auf den Markt gebracht. Das kenne ich von diesem Verlag sonst völlig anders, denn bisher haben die meisten Kochbücher von diesem Verlag bei mir wahre Begeisterungsstürme ausgelöst. Hier kann ich mit viel gutem Willen gerade mal drei Sterne geben.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Verfall

Der Duft des Wals
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In einem luxuriösen Urlaubs-Resort tummeln sich einige sehr unterschiedliche Gäste. Sie alle vereint, dass sie nicht so glücklich sind, wie sie vorgeben. Besonders deutlich wird das bei Judith und Hugo, ...

In einem luxuriösen Urlaubs-Resort tummeln sich einige sehr unterschiedliche Gäste. Sie alle vereint, dass sie nicht so glücklich sind, wie sie vorgeben. Besonders deutlich wird das bei Judith und Hugo, die schon eine Paartherapie hinter sich haben und in diesem Urlaub wieder zueinander finden wollen. Der üble Gestank, den ein toter, explodierter, gestrandeter Wal auch dann noch verbreitet, als er längst vom Strand entfernt wurde, wirkt sich dabei nicht gerade positiv aus.

Ja, es gibt schon die eine oder andere mehr oder weniger witzige Stelle, aber absurd komisch und grandiosen Humor kann ich hier nicht finden. Auch finde ich es erschreckend, worüber hier gelacht werden soll. Dafür finde ich aber jede Menge triebgesteuerte Figuren und darauf hätte ich gerne verzichtet.

Die Story ist insgesamt recht düster und deprimierend. Glücklich sind die Charaktere selten und wenn, dann nur sehr kurz. Alle sind geprägt von Verlusten. Neuanfänge sind zum Scheitern verurteilt. Der krasse Gegensatz zu den Gedanken und Gefühlen der Figuren, gleich welchen Alters oder Geschlechts, zum Urlaubs-Paradies kommt ganz deutlich an. Nur färbt eben hier nicht das Glück auf die Unglücklichen ab, sondern umgekehrt. Das Leben ist kein Ponyhof und kein Wunschkonzert, das ist mir schon klar, zumal auch ich nicht wenige Schicksalsschläge verkraften musste. Aber ich sah immer ein kleines Licht am Horizont. Das finde ich in diesem Roman leider nicht. Die Metapher mit dem Gestank habe ich schon verstanden. Und ja, es stinkt im übertragenen Sinne auch dann oft noch, wenn man im eigenen Leben ein Problem beseitigt hat. Aber das riechen dann nicht alle noch weiter und vor allem gibt es dann doch auch Menschen, die gerade keinen toten Wal am Strand liegen haben. Es ist also schwierig.

So ganz sicher bin ich mir nicht, was mir Paul Ruban mit seinem Buch sagen möchte. Und dennoch habe ich den Sprechern und Sprecherinnen der Hörbuchversion sehr gerne zugehört. Das ist schwer zu beschreiben. An keiner Stelle war Langeweile aufgekommen, alles passt stimmig zusammen, das Geschehen nimmt einen logischen Verlauf. Nur hat es mich einfach nicht abgeholt. Daher kann ich trotz allem gerne drei Sterne geben.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Keine leichte Kost

Russische Spezialitäten
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Dimitrij Kapitelman erzählt in seinem Buch hier über eine ganz persönliche Seite des Krieges zwischen Russland und der Ukraine. In den 1990ern ist er als Kind mit seiner Familie als „jüdischer Kontingentflüchtling“ ...

Dimitrij Kapitelman erzählt in seinem Buch hier über eine ganz persönliche Seite des Krieges zwischen Russland und der Ukraine. In den 1990ern ist er als Kind mit seiner Familie als „jüdischer Kontingentflüchtling“ von Kiew nach Leipzig gekommen. Seine Familie hat einen Laden für russische Spezialitäten eröffnet, wodurch die Verbindung zur Heimat über all die Jahre bestehen blieb. Nicht nur Deutsche kauften hier ein, auch die Nashi, also die anderen Aussiedler. Nach einem Schlaganfall und Corona wurde der Laden geschlossen. Der Beginn des Krieges hat zudem dann alles verändert. Er, der mit ganzem Herzen Ukrainer ist, seine Mutter, die trotz ihrer eigenen Vergangenheit Putinfan ist und sich auf die Seite Russlands schlägt. Kapitelman will seiner Mutter zeigen, was die Wahrheit ist und kommt auf eine gefährliche Idee: Er will mitten ins Kriegsgebiet fahren.

Man muss sich erst einmal an die kreative Sprache gewöhnen. Der Autor hat viele Wortspiele und neue Wortkreationen verwendet, auch eine ganze Menge russischer Ausdrücke nicht übersetzt. Da muss man erst mal reinfinden, um ohne zu stolpern flüssig lesen zu können. Ich liebe Wortspiele, aber in dieser Häufigkeit ist das doch ein bisschen anstrengend. Natürlich kann man hier keine leichte, lockere, fröhliche Lektüre erwarten. Dieses Sprachmodell ist quasi so verwirrend und anstrengend, wie die ganze Situation. Sie spiegelt sie also.

In meiner Kindheit war Russland die Sowjetunion, oder auch UdSSR, irgendwann die ehemalige Sowjetunion, aufgeteilt in 15 einzelne Staaten, darunter eben die Ukraine und Russland. Ruhe ist also hier noch nie gewesen. Ein Durcheinander, das Kapitelman irgendwie tatsächlich in Worte gefasst und in seinem kurzen Buch verdeutlicht hat. Eine Zerrissenheit, die keiner heilen kann.

Das Bewerten dieses Buches fällt mir entsprechend sehr schwer. Ich verstehe, was Kapitelman sagen möchte, aber die Art und Weise ist wirklich schwer zu ertragen und zu erdulden. Dieser Krieg ist so sinnlos, wie alle anderen, so schmerzlich und so endgültig. Das kann man einfach nicht wegleugnen. Dennoch kann ich dem Buch selbst leider nicht mehr als drei Sterne geben. Eben weil es so entsetzlich anstrengt, es bis zum Ende durchzuhalten. Und weil der Klappentext impliziert, dass Kapitelman mit seiner Mutter ins Kriegsgebiet fährt, das stimmt aber eben so gar nicht. Und was die Mutter lernen soll, wenn sie gar nicht dabei ist, erschließt sich mir leider absolut nicht.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Ein Sommer voller Ereignisse

Wenn die Tage länger werden
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Lisa ist Musiklehrerin und alleinerziehende Mutter. Diesen Sommer wird ihr Sohn bei den Großeltern väterlicherseits in Polen verbringen. Danach kommt er in die Schule. Lisa ist das erste Mal seit sechs ...

Lisa ist Musiklehrerin und alleinerziehende Mutter. Diesen Sommer wird ihr Sohn bei den Großeltern väterlicherseits in Polen verbringen. Danach kommt er in die Schule. Lisa ist das erste Mal seit sechs Jahren wirklich allein und kann machen, was sie möchte. Doch ohne Kind weiß sie gar nicht mehr, wie sie sich selbst definieren soll. Sie kramt ihre alte Geige heraus und stellt fest, dass diese restauriert werden muss. Das löst eine Reihe von Ereignissen aus.

Das Buch kratzt nur leicht an der Oberfläche und geht mir nicht tief genug. Das Thema müsste sich geradezu in die Haut fressen und viel intensiver behandelt werden. Raubkunst ist nach wie vor aktuell, auch wenn die eigentlichen Besitzer nicht mehr leben. Hier geht es um Gerechtigkeit und auch die Kindeskinder haben ein Recht auf die Rückgabe.

Ein weiteres Thema, das viel zu oberflächlich behandelt wird, ist Krankheit und Tod. Sei es nun die das Verhalten des Geigenbauers, der sich immer mehr in sich selbst zurückzieht und mit der Vergangenheit zu kämpfen hat, oder die Krebserkrankung seiner Tochter Ute. Selbst Lisas Mutter hat diese Kämpfe mit Geschehnissen aus ihrer Kindheit, aber auch mit dem Tod ihres Mannes. So ist die Story mehr als überladen mit schwierigen Themen, die nicht gebührend behandelt werden.

Dafür mäandert Lisa gedanklich und auch tatsächlich durch die Tage, durch die Zeit und braucht viele Anstöße, endlich in die Gänge zu kommen. Sie entwickelt sich für meinen Geschmack zu spät und dann plötzlich zu schnell in die richtige Richtung. Lisa lässt sich ständig zu viel gefallen, tritt zu wenig für sich selbst ein und ist sich selbst eindeutig zu wenig wert. Auf ihre eigenen Bedürfnisse nimmt sie keinerlei Rücksicht. So ist die Story nur wenig intensiv und fesselt nicht. Alles plätschert vor sich hin. Damit ist das Buch etwas für entspannte Lesezeit, nicht mehr. Das mag ich hin und wieder schon, doch nicht mit den Themen, die hier angerissen werden.

Die Figuren sind etwas blass. Irgendwie mag ich Ute am liebsten, obwohl auch bei ihr nur um den heißen Brei herumgeredet wird. Das Ende ist versöhnlich, ein kleines bisschen auch offen. Leider kann es mich aber nicht ganz mit dem Rest versöhnen. Dafür ist an zu vielen Stellen das Frauenbild einfach nur entsetzlich vorsintflutlich. Bleiben daher drei Sterne. Daran kann leider auch die sehr gute Sprecherin nichts ändern.

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Das kann Dicker besser!

Ein ungezähmtes Tier
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Sophie und Arpad leben ein privilegiertes Leben und erregen damit unweigerlich auch Neid. Besonders bei Karine und Greg, mit denen sie eigentlich gut befreundet sind. Karine merkt, dass Greg nicht uninteressiert ...

Sophie und Arpad leben ein privilegiertes Leben und erregen damit unweigerlich auch Neid. Besonders bei Karine und Greg, mit denen sie eigentlich gut befreundet sind. Karine merkt, dass Greg nicht uninteressiert an der schönen Sophie ist, was natürlich zu Spannungen führt. Und Greg sieht die große Chance, Arpad zu schaden. Eine Katastrophe scheint unausweichlich.

Die Story lebt von Erzählsträngen auf mehreren Zeitebenen und damit verbundenen Perspektivwechseln. Das ist teilweise anstrengend und ein klein wenig verwirrend. Dennoch ahnte ich recht früh, auf was alles hinauslaufen würde. Das ist nicht immer ein Nachteil, doch diesmal hat Dicker mich nicht mit seinen mehrfachen Twists und Wendungen für sich einnehmen können. Zu wenig Sympathie konnte ich für seine Figuren entwickeln. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wirklich alle ihre Geheimnisse und unangenehmen Charakterzüge haben.

Teilweise konnte ich über die Naivität so einiger Figuren nur den Kopf schütteln, dann wieder musste ich über Dreistigkeiten fast schon lachen. Ich weiß nicht, ob die hin und wieder aufblitzende Komik gewollt oder ungewollt ist. Für mich passte sie jedenfalls nicht so recht in die eigentliche Story.

Die Idee ist schon gut und einige der Wendungen sind wirklich gelungen, dennoch habe ich von diesem Autor einfach mehr erwartet. Torben Kessler hört man gerne zu, aber auch er kann aus einem mittelmäßigen Buch keinen Pageturner machen. Die Beschreibung: „Der Roman einer Ehe, eines Überfalls und der Mitte des Lebens voller Geheimnisse und Intrigen, Affären und Vergehen“ trifft es schon sehr gut, doch ist von allem eine Portion zu viel dabei. Dass dies Dickers bestes Buch ist, kann ich nicht unterschreiben. So weh es mir tut, aber dieser Dicker bekommt von mir drei Sterne.

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