amüsante Selbstfindung
No Hard FeelingsGenevieve Novaks Debütroman No Hard Feelings ist eine scharfzüngige und schonungslose Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der späten Zwanziger – von beruflicher Unsicherheit über toxische Beziehungen ...
Genevieve Novaks Debütroman No Hard Feelings ist eine scharfzüngige und schonungslose Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der späten Zwanziger – von beruflicher Unsicherheit über toxische Beziehungen bis hin zu der gnadenlosen Stimme im eigenen Kopf, die alles kommentiert. Die Protagonistin Penny fühlt sich verloren: Ihr Job langweilt sie, ihre Freundschaften sind kompliziert, und in der Liebe verharrt sie in destruktiven Mustern. Was das Buch besonders macht, ist Novaks Fähigkeit, diese Unsicherheiten mit einer Mischung aus Sarkasmus und tiefer Verletzlichkeit zu schildern.
Von Anfang an erinnerte mich Penny stark an Phoebe Waller-Bridges Fleabag: eine zynische, selbstironische junge Frau, die sich mit spitzen Kommentaren über Wasser hält, während sie innerlich mit Unsicherheit und Selbsthass kämpft. Ähnlich wie Fleabag ist auch No Hard Feelings voller trockener, oft bitterböser Beobachtungen über Dating, Freundschaft und die Absurditäten des Arbeitslebens.
Besonders Pennys innerer Monolog trägt dazu bei, dass man sich als Leser*in ihr nahe fühlt. Ihre Gedanken sind roh und ehrlich, manchmal erschreckend selbstkritisch, aber immer authentisch. Ihre Selbstzweifel sind nachvollziehbar, ihr Humor trifft oft ins Schwarze. Genau das machte sie für mich anfangs so sympathisch: eine junge Frau, die sich mit der Welt herumplagt und sich dabei selbst nicht allzu ernst nimmt.
Doch je weiter die Geschichte voranschritt, desto schwieriger wurde es, Penny zu ertragen. Ihre Selbstbezogenheit nimmt überhand – alles kreist um ihre Unsicherheiten, ihre Unzufriedenheit und ihre chaotischen Gefühle für Max. Ihre toxische Beziehung zu ihm, die von Abhängigkeit und einem ständigen Hin und Her geprägt ist, fühlt sich anstrengend an. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Penny früher reflektiert, anstatt sich immer wieder in denselben destruktiven Mustern zu verlieren. Auch ihr Umgang mit Freundinnen und Kolleginnen bleibt oft egozentrisch – sie hört wenig zu und nimmt kaum wahr, was um sie herum geschieht.
Dieses Verhalten mag realistisch sein, schließlich sind viele Menschen in schwierigen Phasen selbstzentriert. Doch erzählerisch sorgt es für Längen: Es passiert wenig, Penny tritt auf der Stelle, und ihre Selbstabwertungen wiederholen sich. Genau wie bei Fleabag fragt man sich: Wann beginnt sie, sich wirklich mit ihren Problemen auseinanderzusetzen, anstatt sie mit Sarkasmus zu überspielen?
Zum Glück wendet sich gegen Ende das Blatt. Penny beginnt – wenn auch spät –, sich mit ihren Mustern auseinanderzusetzen. Sie erkennt, dass sie ihr Glück nicht von Max oder ihrem Job abhängig machen kann, sondern sich selbst ernst nehmen muss. Dieser Entwicklungsprozess fühlt sich glaubwürdig an, weil er nicht abrupt geschieht, sondern in kleinen, unsicheren Schritten. Das letzte Drittel des Buches gibt der Geschichte eine neue Dynamik und lässt Penny als Figur reifen.
No Hard Feelings ist eine unterhaltsame, wenn auch manchmal frustrierende Lektüre. Wer Fleabag mochte, wird sich in Pennys schonungslos ehrlichen Gedanken wiederfinden – allerdings mit dem Unterschied, dass Penny weniger Reflexion und mehr Selbstmitleid mitbringt. Das Buch ist schnell gelesen, auch wenn es im Mittelteil seine Längen hat. Es ist eine scharfsinnige und witzige Auseinandersetzung mit den Unsicherheiten des modernen Lebens – solange man bereit ist, etwas Geduld für Pennys Entwicklung aufzubringen.
Danke an den Pola-Verlag und Netgalley für das Lese-Exemplar!