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Venatrix

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Veröffentlicht am 12.09.2017

EIne detailreiche Darstellung einer Epoche

Aufklärung
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Wir haben es hier mit einem detailliert beschriebenen Abbild einer Epoche zu tun, ohne die unsere Welt heutzutage anders aussehen würde.

Der Autor Steffen Martus bringt seinen Lesern auf knapp 900 Seiten ...

Wir haben es hier mit einem detailliert beschriebenen Abbild einer Epoche zu tun, ohne die unsere Welt heutzutage anders aussehen würde.

Der Autor Steffen Martus bringt seinen Lesern auf knapp 900 Seiten reinen Textes (der Rest auf die 1.040 Seiten sind ausführliche Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Quellenangaben) ein rund 100 Jahre währendes Zeitalter näher.

Das Buch ist in vier große Kapitel mit vielen Unterkapiteln gegliedert. Aussagekräftige Überschriften helfen den Inhalt zu sortieren.

Das Zeitalter der Aufklärung erstreckt sich von ca. 1680 bis 1784. Sein Beginn liegt ungefähr in der Zeit als die Türken keine Bedrohung mehr darstellen und endet wenige Jahre vor der Französischen Revolution. Die Übergänge sind fließend, wie so häufig in der Geschichte. Bevor sich Martus den wirklich umfangreichen Details in Deutschland widmet, gibt es noch einen Blick über den Tellerrand hinaus.
So erfahren wir, dass diese Epoche Janusgesichtig ist. Einerseits strebt man nach Frieden (siehe Türkenkriege, Religionskriege etc.) andererseits bricht man wegen vermeintlicher und echter Erbschaftsansprüche jede Menge Kriege vom Zaun (Spanischer Erbfolgekrieg, Siebenjähriger Krieg etc.).
Auch Aberglaube und Fortschrittsgedanke rittern um die Vorherrschaft. Selbst angesehene Denker gehen zum „Tischerl rücken“ und ähnlichen spiritistischen Sitzungen.

Nur kurz zu den vier großen Kapiteln:

Teil I 1680-1726: Die Anfänge der Aufklärung: „Im Fürstenstaat: die höfische Gesellschaft und ihre Projekte“, „In der Gelehrtenrepublik: die Universität als Staatsprogramm“, „Zwischen Stadt und Reich: Hamburger Patriotismus“.

Hier hat mir besonders die aufmüpfige Haltung der Hansestadt Hamburg gefallen, die sich weder von den Dänen noch von den Habsburgern (als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation) viel dreinreden lassen.

Teil II 1721-1740: Aufklärung ohne Grenzen, darunter: „Der Fall Wolff“, „Die Art der heutigen Welt“, „Die Natur der Aufklärung“, „Weibliche Aufklärung“, „Die radikale Aufklärung des Buchmarkts“

Hier erfahren wir einiges über den langsamen Wandel des Büchermarktes. Das Urheberrecht wird erst im Zuge der Französischen Revolution in Frankreich geschaffen, in England gibt es bereits einen Vorläufer, aber im Rest Europas sind die Schriftsteller von ihren Verlegern abhängig und es wird kopiert, was da Zeug hält, ohne auf das geistige Eigentum anderer zu achten.

Ein wichtiger neuer Aspekt: „Frauen sind auch Menschen“ – Heureka! Ja, welch geniale Erkenntnis! Frauen wird literarisches Verständnis zugestanden, publizieren geht nur unter einem männlichen Pseudonym. Von höheren Schulen oder gar Universitäten sind sie nach wie ausgeschlossen.

Teil III 1740-1763: Aufklärung im Widerstreit: „Politik für Newtonianer?“, „Jeder gegen Jeden“, „Scherzende und empfindsame Aufklärung“, „Strukturen der Empfindung“, darin „Demographie und Heiratsfurcht“, „Regieren mit Herz: Friedrich II. und Maria Theresia“, „Das ‚Spiel des Zufalls‘: der Siebenjährige Krieg“.

Hier liegt der Fokus auf den unterschiedlichen Herrschertypen Friedrich II. und Maria Theresia. Beide regieren absolutistisch und nehmen den einen oder anderen Gedanken der Aufklärer in ihre Regierungsarbeit auf, aber nur so weit sie ihnen nützt.

Teil IV 1763-1784: Das Ende eines „Zeitalters“?: „Zeitverwandte“, „Individualität der Aufklärung“, „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“

Hier lässt Steffan Martus wieder Kant zu Wort kommen.

Meine Meinung:

Das Zeitalter der Aufklärung ist noch sehr weit weg von „Gleiches recht für Alle“. Nach wie vor haben nur der Niedere und Höhere Adel, der Klerus sowie in manchen Teilen des deutschen Reichs die Bürger Rechte. Die große Mehrheit der Bevölkerung wird als „Seele“ bezeichnet und nach Belieben von einem Herrschaftsgebiet in ein anderes verschoben. Das Individuum zählt nichts. Bauern, Handwerker und andere haben keine Rechte sondern nur Pflichten.

Der Sohn Maria Theresias, Kaiser Joseph II. ist DER Herrscher des aufgeklärten Absolutismus. Er hebt alle Klöster auf, die sich nicht der Krankenpflege und/oder dem Unterricht widmen. Er zieht das Vermögen des Klerus ein und verordnet den „Klappsarg“. Viele seiner mit großer Ungeduld eingeführten Maßnahmen werden von seinem Bruder und Nachfolger Leopold II. wieder rückgängig gemacht.

„Gleiches Recht für Alle“ wird es auch nach der blutigen Französischen Revolution nicht geben. Das berühmte „Liberté, Egalité, Fraternité“ gilt nur für Männer. Als Olympe de Gouges, eine Schriftstellerin und Frauenrechtlerin der Aufklärung, dieselben Rechte auch für die Frauen einfordert, wird sie wegen Hochverrats verhaftet und 1793 auf der Guillotine hingerichtet.

Steffan Martus’ Werk ist sehr gut recherchiert und detailreich. Die philosophischen Ansichten der unterschiedlichen Vertreter sind gut herausgearbeitet. Allerdings muss man schon ein guter Kenner dieser Zeit sein, um dieses Buch mit wirklichem Genuss lesen zu können. Trotz der großen Detailgenauigkeit fehlen ein paar Seitenblicke wie auf Musik und Malerei, Wirtschaft (abseits des Büchermarktes) und die Gesellschaft außerhalb der gebildeten Schichten. Den hungernden Kleinbauern und den Tagelöhnern sind die philosophischen Ansichten und Geplänkel sicher egal, viel wichtiger ist es, die hungrigen Mäuler satt zu bekommen.

Fazit:

Ein tolles Sachbuch, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 06.08.2017

Dunkle Schatten der Vergangenheit

In tiefen Schluchten
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Mit diesem Krimi startet Autorin Anne Chaplet eine neue Krimi-Reihe.

Schauplatz ist Belleville, am Fuße der wildzerklüfteten Cevennen. Der malerische Ort hat eine bewegte Vergangenheit. Im 17. Jahrhundert ...

Mit diesem Krimi startet Autorin Anne Chaplet eine neue Krimi-Reihe.

Schauplatz ist Belleville, am Fuße der wildzerklüfteten Cevennen. Der malerische Ort hat eine bewegte Vergangenheit. Im 17. Jahrhundert Zuflucht zahlreicher Hugenotten, die sich vor der Verfolgung der Staatsgewalt in den vulkanischen Höhlen und Schluchten sicher wähnten. Doch die Sicherheit erwies sich als trügerisch: Verrat, Verfolgung, Tod oder Zwangskonvertierung prägten die Menschen.
Die Geschichte wiederholte sich während des Zweiten Weltkrieges. Wieder bot die Landschaft Flüchtlingen und Untergrundkämpfern Quartier, wieder endete so manches Menschenleben durch Verrat.

Die Menschen, die heute hier leben, zehren von ihrer Vergangenheit. Sie leben mit ihren tradierten Ansichten und so kommt es, dass Fremde und besonders Deutsche, nach wie vor scheel angesehen werden.

In diesem Umfeld lebt Viktoria „Tori“ Godon, Witwe eines Anwalts mit hugenottischen Wurzeln. Und eben diese Vorfahren sind es, die Tori in Belleville akzeptiert sein lassen. Trotz der Aversion der Dorfbewohner gegen alles Deutsche, leben nicht nur Tori sondern auch Eva, ein etwas in die Jahre gekommene Hippie, und Nico, ein deutscher Ex-Polizist, in der bizarren Landschaft.

Während Tori, im Gedenken an ihren Mann Carl, seiner hugenottischen Herkunft nachgeht, verschwindet ein Pensionsgast, der holländische Höhlenforscher Adriaan, aus Evas Haus. Niemand misst dem Verschwinden des Mannes große Bedeutung bei. Die Polizei, in Gestalt von Serge Masson, fühlt sich nicht zuständig. Als der alte Didier Thibon, mit dem Adriaan gesprochen hat, tot aufgefunden wird, kommt Unruhe in den beschaulichen Ort. Tori findet den Tod des alten Mannes eigentümlich, zumal sie ebenfalls mit Didier über alte Schätze und große Schande gesprochen hat.

Hängen das Verschwinden Holländers und der Tod von Thibon zusammen? Wenn ja, wie?

Tori macht sich auf die Suche nach den Zusammenhängen und gerät in dabei in höchste Lebensgefahr.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist kein üblicher Krimi nach dem üblichen Schema: „Mord – Täter – Motiv – Verhaftung“, sondern eine Kriminalgeschichte, über Schuld, Mitschuld durch Unterlassung und Sühne.

Die Story fängt eher ruhig an. Zuerst führt uns die Autorin in die Charaktere ein. Da ist z.B. Karim, Toris Nachbar, der einen Pitbull, mehr schlecht als recht, hält, und ihm den Namen „Hitler“ gegeben hat. Ein Synonym für die Denkweise mancher Dorfbewohner.

Tori selbst wirkt auf mich zu Beginn ein wenig verloren, tief gefangen in der Melancholie nach dem Tod ihres Mannes. Doch sie entwickelt sich. Zu allererst „entführt“ sie den Pitbull, tauft die Hündin July und entdeckt interessante Fähigkeiten des Hundes.

Nico, der Ex-Polizist, den so manches Geheimnis aus der Vergangenheit umgibt, wird ein treuer Freund und Begleiter Toris.

Oder Jan Fessmann, der Restaurator und Historiker, der an der Pfarrkirche arbeitet. Wird aus ihm und Tori in späterer Zukunft ein Paar?

Mir hat dieses subtile und komplexe Gewirr an Ressentiments und Beziehungen aus mehreren Jahrhunderten sehr gut gefallen. Dass dabei die eigentliche Krimihandlung ein wenig zu kurz gekommen ist, stört mich persönlich nicht weiter.

Den Schreibstil finde ich gut und das Buch hat mich gleich gefangen genommen und in die Welt der verschroben anmutenden Dorfbewohner mitgenommen.

Eine kleine historische Ungenauigkeit auf S. 54 ist mir aufgefallen: Es muss hier „..nach dem Putsch von Charles Louis Napoleon Bonaparte…“ (er regiert dann als Kaiser Napoleon III.) heißen und nicht Napoleon Bonaparte, weil der bereits 1821 auf St. Helena gestorben ist und daher nicht am Putsch 1851 beteiligt gewesen sein kann.

Fazit:

Ein interessanter Krimi, der mich veranlasst, mehr als die „Bartholomäus Nacht“ über die Hugenotten erfahren zu wollen.
Gerne gebe ich vier Sterne und warte auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 30.07.2017

der zweite Fall für Carl von Bäumer und Paul Gänzer

Noble Gesellschaft
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Autorin Joan Weng entführt uns wieder in das Berlin von 1925. Carl von Bäumer und Paul Genzer sind nach wie vor privat ein Paar. Außerdem ermitteln sie wieder. Manchmal wirklich gemeinsam, manchmal nebeneinander. ...

Autorin Joan Weng entführt uns wieder in das Berlin von 1925. Carl von Bäumer und Paul Genzer sind nach wie vor privat ein Paar. Außerdem ermitteln sie wieder. Manchmal wirklich gemeinsam, manchmal nebeneinander. Doch das Ziel ist dasselbe: einen Mörder zur Strecke zu bringen. Gar nicht so einfach, weil einige Todesfälle geschickt oder weniger geschickt als Selbstmorde getarnt werden.


Wir Leser geraten tief in den Strudel von Leidenschaften, Drogenmissbrauch, Schmuggel und Klein- und Großganoven. 


Ganz Berlin tanzt auf dem Vulkan, doch niemand ahnt, was noch auf Deutschland zukommen wird.

Joan Weng führt uns Leser gehörig an der Nase herum. Hin und wieder gibt es scheinbare Nebenhandlungen, die aber die Stimmung in Berlin gut darstellen.

Wie schon im ersten Krimi (Feine Leute) liegt der Fokus der Geschichte eher auf den teilweise kompliziert verstrickten Beziehungen der Protagonisten als auf der Ermittlungsarbeit. Die dümpelt stellenweise so vor sich hin. Erst gegen Ende des Buches steigert sich das Tempo. Die Auflösung wird dann quasi als „Bericht“ während des Geschirrspülens präsentiert - eine interessante Variante.

Die Charaktere scheinen oberflächlich zu sein, passen meiner Meinung nach aber perfekt in das Gesamtbild dieser Zeit. Die meisten Menschen, vor allem die Wohlhabenden, leben in den Tag hinein als gäbe es kein Morgen. Wieder erstaunlich, der offene Umgang mit Homosexualität (trotz aller Gesetze dagegen) und Drogen aller Art. Reich schnupfen Kokain und spritzen Morphium in aller Öffentlichkeit, die weniger Begüterten saufen Schnaps bis zum Umfallen.

Fazit:

Das Buch ist kein Krimi im herkömmlichen Sinn, „Tat - Ermittlung – Täter gefasst“ sondern ein Sittengemälde dieser Zeit. Die Reihe entwickelt sich, daher diesmal 4 Sterne.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Ein Sommerkrimi

Sylterbe
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Sibylle Narberhaus nimmt uns zum 9. Mal auf die Ferieninsel Sylt, auf der sich die Polizei im Normalfall nur mit verschwundenen Fahrrädern oder in den Dünen verloren gegangen Ehemännern beschäftigen muss, ...

Sibylle Narberhaus nimmt uns zum 9. Mal auf die Ferieninsel Sylt, auf der sich die Polizei im Normalfall nur mit verschwundenen Fahrrädern oder in den Dünen verloren gegangen Ehemännern beschäftigen muss, mit.

Diesmal verschwindet Leonie Mahnke, eine der beiden Stipendiatinnen, die von der Sylter Stiftung Kunst und Kultur ausgewählt worden sind, drei Monate auf der Insel zu verbringen. Die Wahl von Leonie ist nicht ganz unumstritten, denn sie ist eine Influencerin, mit der die üblichen kunstbeflissenen Sylter wenig anzufangen wissen. Man fördert im allgemeinen lieber Musikerinnen wie Alina Tottmann, eine begnadete Cellistin.

Just am Abend der künstlerischen Auftaktveranstaltung verschwindet Leonie spurlos. Die Kripo Westerland beginnt mit der Suche nach der Vermissten, die noch dazu die Tochter einer Bekannten von Kripochef Peter Reimers ist, der auf schnelle Ergebnis pocht, die Arbeit aber seinen Mitarbeitern überlässt. Als sich herausstellt, dass Leonie so ziemlich alles tut um Follower zu generieren, fragt sich so mancher aus dem Team, ob das Verschwinden nicht inszeniert worden ist.

Wenig später wird die Vorsitzende der Stiftung ermordet in den Dünen gefunden. Gibt es hier einen Zusammenhang zwischen dem Mord und dem Verschwinden von Leonie?

Die Vermisste bzw. den Mörder zu finden ist Aufgabe von Anna Ehemann Nick und seinem Team. Ob und wie das gelingt, müsst ihr selbst lesen.

Meine Meinung:

Der Krimi ist, wie alle anderen dieser Reihe rund um die Landschaftsgärtnerin Anna Scarren aufgebaut, die auf Grund ihrer Tätigkeit viel auf der Insel herumkommt und viele Leute kennt. Die Neuzugänge im Kripo-Team, Hubsy Westermann und Maurizio Ferrara, haben sich gut eingelebt, auch wenn Hubsy an eine Versetzung aufs Festland denkt, weil ihr der Vermieter die Wohnung gekündigt hat, und bezahlbarer Wohnraum auf Sylt kaum zu finden ist.
Sibylle Narberhaus stellt die Frage in den Raum, ob Influencer wirklich Künstler sind, also bleibende Werke schaffen wie Maler, Bildhauer oder Komponisten- Oder kreisen sie nicht vielmehr um sich selbst kreisen, um ihre mehr oder weniger wichtigen Anliegen, die zum Großteil aus Werbebotschaften bestehen, für die sie bezahlt werden, in die Öffentlichkeit zu bringen. Gleich vorweg, auf diese Frage muss jeder seine eigene Antwort finden.

Fazit:

Ein leichter Sommer-Krimi für Zwischendurch, dem ich 3,5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 16.05.2025

Hier ist wenig, wie es scheint

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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Als an der Universität von Oxford ausgerechnet im Büro des Dekans eine unbekannte Frauenleiche gefunden wird, wird DI R. Wilkins an den Tatort geschickt. Blöderweise gibt es diesen Rang und Familiennamen ...

Als an der Universität von Oxford ausgerechnet im Büro des Dekans eine unbekannte Frauenleiche gefunden wird, wird DI R. Wilkins an den Tatort geschickt. Blöderweise gibt es diesen Rang und Familiennamen in der Dienststelle gleich zwei Mal. Die beiden Ermittler haben noch dazu einen sehr ähnlichen Vornamen - Ryan und Ray. Während Ray, ein Sohn einer wohlhabenden nigerianisch-britischen Familie und Absolvent des ehrwürdigen College ist, ist sein Namensvetter in einem Wohnwagen in desolaten Familienverhältnissen und einem alkoholkranken Vater aufgewachsen. Es ist natürlich der ungehobelte Ryan der die ersten Ermittlungsschritte in Oxford einleitet, was zu Irritationen auf beiden Seiten führt.

Dennoch müssen Ryan und Ray, die von ihrer Chefin in ein Team gepresst werden, zusammenarbeiten. Die Aufklärung des Mordes verläuft ziemlich schleppend, zumal es mehrere Verdächtige gibt. Daneben kochen Professoren ihr eigenes Süppchen und der Dekan ist bemüht, einen möglichen Sponsor nicht zu vergraulen.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist weniger ein Whodunit-Krimi als ein fesselndes Psychogramm zweier unterschiedlicher Lebenswelten. Der smarte Ray mit seiner nigerianisch-britischen Herkunft kennt natürlich die Regeln in der universitären Gesellschaft, während Ryan wie ein Elefant im Porzellanladen agiert. Dennoch hat es mir gut gefallen, den beiden über die Schultern zu sehen. Grundsätzlich haben sie ja ein gemeinsames Ziel, nämlich den Mord autzuklären und den Täter dingfest zu machen. Die Ansätze und Methoden sind eben unterschiedlich.

Im Mittelpunkt steht nicht der Mord, sondern die beiden Ermittler. Ryan ist alleinerziehender Vater eines kleinen Sohnes. Die Mutter des Kindes ist an einer Überdosis gestorben. Daher hat Ryan ständig Probleme mit seiner Schwester, die sich um den Kleinen kümmert, denn die Arbeitszeiten eines Detectives sind alles andere als familienfreundlich. Das muss auch Rays Frau zur Kenntnis nehmen, die ihren Mann dauernd und zur unpassenden Zeit anruft.

Interessant finde ich, dass der psychisch auffällige Ryan bei der Polizei arbeitet. Als sein kleiner Sohn von seinem betrunkenen Großvater quasi entführt und bedroht wird, rastet Ryan aus und Ray, der dazukommt, kann das Schlimmste gerade noch verhindern. Dennoch wird Ryan ebenso wie die gemeinsame Chefin aus dem Polizeidienst entlassen.

Ich bin schon neugierig wie es weitergeht, denn Ein Mord im November soll der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe sein. Ob sich Ryan und Ray abermals begegnen werden?

Fazit:

Ein komplexer Kriminalfall, der eher durch seine Milieustudien punktet als durch Ermittlungsarbeit. Gerne gebe ich hier 3,5 Sterne.