Das Leben ist wundervoll
Noch immer Zeit zu liebenDie Fotografin Isabel Blum sollte nochmal so richtig durchstarten - zumindest sieht ihre Agentin und langjährige Freundin Olivia dies so. Die letzten fünfundzwanzig Jahre hat sie sich eher mit Kalender-, ...
Die Fotografin Isabel Blum sollte nochmal so richtig durchstarten - zumindest sieht ihre Agentin und langjährige Freundin Olivia dies so. Die letzten fünfundzwanzig Jahre hat sie sich eher mit Kalender-, Klassen- und Kindergartenfotos über Wasser gehalten und nun hat Olivia eine lukrative Fotosession an Land gezogen. Der Traumjob schlechthin – drei Wochen in einem Nobelhotel in Södermalm, einem Stadtteil von Stockholm, alles inklusive.
Wie gesagt – fünfundzwanzig Jahre sind es mittlerweile, die Isabel in Trauer verbracht hat. Seit Oscar, ihr schwedischer Verlobter, ertrunken ist, ebbt der Schmerz um ihn nicht ab und jetzt, nachdem auch ihre Mutter tot ist, bleibt nur noch eine große Leere. Sie will alles, aber nach Schweden will sie nie mehr. Was tun? Der Auftrag ist unterschrieben, Isabel setzt sich widerwillig in den Zug und schon unterwegs kommt sie mit einem netten Fahrgast ins Gespräch. Auch er will nach Stockholm, sie verstehen sich super, sie verquatschen sich regelrecht. An ihrem Ziel angekommen könnten sie sich eigentlich ein Taxi teilen, wie er findet – oder eher doch nicht, denn Isabel fällt gerade noch eine einigermaßen glaubhafte Ausrede ein, will sie doch jede Nähe zu einem netten Menschen - speziell die zu der männliche Spezies – meiden. Wenn sie sich da nicht mal täuscht!
Heike Abidi hat mich mit ihrem wundervollen Roman regelrecht verzaubert. Ihre Protagonistin Isabel ist Ende vierzig, sie war viele Jahre für ihre demente Mutter da, vom Leben erwartet und will sie nichts Aufregendes mehr und sollte es doch mal funken, blockt sie sofort ab. Mehr noch, seit Oscars Tod hat sie der Liebe abgeschworen. Nur gut, dass Olivia findet, dass es so nicht weitergehen kann. Bald trifft Isabell den sehr attraktiven Lennart, dem sie nicht aus dem Weg gehen kann, denn ausgerechnet er ist der Chef dieses Nobelhotels.
Mit Isabel reise ich nach Stockholm, der Stadt, die als das Venedig des Nordens bekannt ist. Ich war noch nie da, was ich dringend ändern muss. Schon allein die Beschreibung dieser lebendigen, dieser so charmanten Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten sind alle so eindringlich geschildert, dass ich am liebsten sofort die Koffer packen würde. Gamla Stan, die Altstadt, all die kulinarischen Köstlichkeiten, der Schärengarten, ABBA natürlich und noch so vieles mehr – ich habe Stockholm mit seinen vielen Inseln lesend erkundet, ich bin begeistert. Und natürlich ist es „Noch immer Zeit zu lieben“, auch wenn in Isabel ein Gefühlschaos herrscht. Ich kann sie schon verstehen und dann wieder nicht, so manches Mal möchte ich ihr dringend empfehlen, auf ihr Herz zu hören. Sie durchlebt bittere Momente, sie zieht ihre nicht immer nachvollziehbaren Schlüsse, und - genießt mit allen Sinnen, was ich ganz besonders an ihr mag. Das Ende dann hätte ich so nie erwartet – aber lesen Sie selbst. Es war eine wundervolle Reise in den hohen Norden, ein Wohlfühl-Roman zum Wegträumen schön.