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Veröffentlicht am 26.05.2025

Das Leben ist wundervoll

Noch immer Zeit zu lieben
2

Die Fotografin Isabel Blum sollte nochmal so richtig durchstarten - zumindest sieht ihre Agentin und langjährige Freundin Olivia dies so. Die letzten fünfundzwanzig Jahre hat sie sich eher mit Kalender-, ...

Die Fotografin Isabel Blum sollte nochmal so richtig durchstarten - zumindest sieht ihre Agentin und langjährige Freundin Olivia dies so. Die letzten fünfundzwanzig Jahre hat sie sich eher mit Kalender-, Klassen- und Kindergartenfotos über Wasser gehalten und nun hat Olivia eine lukrative Fotosession an Land gezogen. Der Traumjob schlechthin – drei Wochen in einem Nobelhotel in Södermalm, einem Stadtteil von Stockholm, alles inklusive.

Wie gesagt – fünfundzwanzig Jahre sind es mittlerweile, die Isabel in Trauer verbracht hat. Seit Oscar, ihr schwedischer Verlobter, ertrunken ist, ebbt der Schmerz um ihn nicht ab und jetzt, nachdem auch ihre Mutter tot ist, bleibt nur noch eine große Leere. Sie will alles, aber nach Schweden will sie nie mehr. Was tun? Der Auftrag ist unterschrieben, Isabel setzt sich widerwillig in den Zug und schon unterwegs kommt sie mit einem netten Fahrgast ins Gespräch. Auch er will nach Stockholm, sie verstehen sich super, sie verquatschen sich regelrecht. An ihrem Ziel angekommen könnten sie sich eigentlich ein Taxi teilen, wie er findet – oder eher doch nicht, denn Isabel fällt gerade noch eine einigermaßen glaubhafte Ausrede ein, will sie doch jede Nähe zu einem netten Menschen - speziell die zu der männliche Spezies – meiden. Wenn sie sich da nicht mal täuscht!

Heike Abidi hat mich mit ihrem wundervollen Roman regelrecht verzaubert. Ihre Protagonistin Isabel ist Ende vierzig, sie war viele Jahre für ihre demente Mutter da, vom Leben erwartet und will sie nichts Aufregendes mehr und sollte es doch mal funken, blockt sie sofort ab. Mehr noch, seit Oscars Tod hat sie der Liebe abgeschworen. Nur gut, dass Olivia findet, dass es so nicht weitergehen kann. Bald trifft Isabell den sehr attraktiven Lennart, dem sie nicht aus dem Weg gehen kann, denn ausgerechnet er ist der Chef dieses Nobelhotels.

Mit Isabel reise ich nach Stockholm, der Stadt, die als das Venedig des Nordens bekannt ist. Ich war noch nie da, was ich dringend ändern muss. Schon allein die Beschreibung dieser lebendigen, dieser so charmanten Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten sind alle so eindringlich geschildert, dass ich am liebsten sofort die Koffer packen würde. Gamla Stan, die Altstadt, all die kulinarischen Köstlichkeiten, der Schärengarten, ABBA natürlich und noch so vieles mehr – ich habe Stockholm mit seinen vielen Inseln lesend erkundet, ich bin begeistert. Und natürlich ist es „Noch immer Zeit zu lieben“, auch wenn in Isabel ein Gefühlschaos herrscht. Ich kann sie schon verstehen und dann wieder nicht, so manches Mal möchte ich ihr dringend empfehlen, auf ihr Herz zu hören. Sie durchlebt bittere Momente, sie zieht ihre nicht immer nachvollziehbaren Schlüsse, und - genießt mit allen Sinnen, was ich ganz besonders an ihr mag. Das Ende dann hätte ich so nie erwartet – aber lesen Sie selbst. Es war eine wundervolle Reise in den hohen Norden, ein Wohlfühl-Roman zum Wegträumen schön.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Mode, Mord und mehr…

Provenzalisches Licht
1

Ein Südfrankreich-Krimi voller Spannung ist ausgelesen, es ist der mittlerweile elfte Fall für Pierre Durand, den ehemaligen Pariser Kommissar, der sich schon vor geraumer Zeit nach Sainte-Valérie hat ...

Ein Südfrankreich-Krimi voller Spannung ist ausgelesen, es ist der mittlerweile elfte Fall für Pierre Durand, den ehemaligen Pariser Kommissar, der sich schon vor geraumer Zeit nach Sainte-Valérie hat versetzen lassen. Eigentlich wäre er noch in den Flitterwochen, doch die Pflicht ruft.

Sophie Bonnet entführt mich nicht zum ersten Mal in die Provence, immer auf des Kommissars Spuren und auch in diesem „Provenzalischen Licht“ ist Pierre mit einer Morddrohung gegen einen Designer konfrontiert, deren Ursprung lange zurückzureichen scheint.

Der exzentrische Modedesigner Cyril Fontanel will für seine Modenschau eine attraktive Kulisse, die er nun endlich hier gefunden hat. Der ganze Ort sollte als Laufsteg dienen, seine Models sieht er schon durch ganz Sainte-Valérie laufen. Schon allein dieses Vorhaben kommt bei so etlichen Dorfbewohnern nicht gut an, andere dagegen freuen sich auf diese ganz besondere Darbietung. Als nun der zweite Drohbrief auftaucht, ist diese Idee vom Tisch, die Show muss abgesagt werden oder aber eine Ausweich-Location muss her. Die Ermittlungen führen in die Vergangenheit und nicht nur ein Blogger mischt kräftig mit. Pierre und seine Kollegen sind so richtig gefordert – bis zum bitteren Ende, das für mich so gar nicht vorhersehbar war. Denn bis zuletzt hatte ich so einige Typen im Visier, es gab etliche Fährten, letztendlich jedoch überschlagen sich die Ereignisse nochmal.

Der Krimi vor herrlicher Kulisse ist spannend und bis zuletzt undurchschaubar, der Blick hinter die Kulissen der nach außen hin so glamourösen Modewelt mitsamt der Geschichte um die Stoffdruckkunst, die hier angesiedelt ist, ist interessant und sehr aufschlussreich.

Und natürlich sind es Charlottes Leckereien, die Lust auf ihre kulinarischen Kreationen machen. Ihre „Charlotte des fruits“ zergehen regelrecht auf der Zunge, schon beim Lesen hätte ich am liebsten eines davon (besser gleich mehrere) gekostet. Das Rezept dazu findet sich neben zwei anderen Köstlichkeiten am Ende des Buches.

Auch dieser elfte Fall für Pierre Durand hat mir spannende Lesestunden beschert, dieser Provence-Krimi war fesselnd und wendungsreich, er hat mich bestens unterhalten und nun wünsche ich Pierre endlich mehr Zeit für seine frisch angetraute Charlotte hat, ich gönne ihnen gerne eine Auszeit.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Schicksalhafte Kriegs- und Nachkriegsjahre

Maikäferjahre
1

Annis Maikäfer, wie sie Tristan liebevoll seit Kindertagen nennt, fliegt. Später dann nicht mehr. Er wird mit seiner Junkers JU 188 abgeschossen und gerät in Kriegsgefangenschaft. Vorher jedoch ist er ...

Annis Maikäfer, wie sie Tristan liebevoll seit Kindertagen nennt, fliegt. Später dann nicht mehr. Er wird mit seiner Junkers JU 188 abgeschossen und gerät in Kriegsgefangenschaft. Vorher jedoch ist er im Lazarett, er wird schwer verletzt geborgen und ist nun in der Obhut von O’Malley, der nicht zwischen Freund und Feind unterscheidet - ein Arzt aus Leidenschaft, der schon auch kritisch beäugt wird. Und da ist die junge, britische Krankenschwester Rosalie, die für Tristans Pflege zuständig ist. Es funkt sofort zwischen den beiden, aus Zuneigung wird Liebe, eine verbotenen Liebe zu dem Feind.

Gerade hat Anni noch den Feldpostbrief ihres Zwillingsbruders Tristan gelesen, als ihre kleine Clara auf die Welt drängt. Nach der Geburt leben Mutter und Tochter wieder bei Annis Eltern in Dresden. Die Baumgartners sind eine sehr musikalische Familie. Anni spielt Geige, ihr Vater Gottfried ist Violinist an der Semperoper wie auch der Halbjude Adam Loewe, der als Jahrhundertgeiger gilt. Nachdem Adam, der Jude, zu einem auswärtigen Arbeitseinsatz verpflichtet wird und nicht erscheint, stellt die Gestapo die Staatsoper auf den Kopf und auch bei der Familie Baumgartner erfolgt eine Durchsuchung, denn Gottlieb wird beschuldigt, ihn zu verstecken. Er wird verhaftet und später wieder freigelassen und doch ist er ein gebrochener Mann. Bald darauf wird Dresen bombardiert. Anni flieht mit ihrer kleinen Tochter, dabei trifft sie auf Adam. Gemeinsam versuchen sie, dem Inferno zu entkommen.

In den zwei Handlungssträngen, die wechselseitig aus Annis und aus Tristans Sicht erzählt werden, stellt Sarah Höflich vier junge Leute in den Mittelpunkt – Anni und Adam, Tristan und Rosalie. Es sind die letzten Kriegsmonate und die Jahre danach, in den Köpfen der Menschen ist der Judenhass und die nationalsozialistische Ideologie noch fest verhaftet, Fremdenfeindlichkeit und die Feindseligkeit zwischen den Völkern ist allgegenwärtig. Es sind Schicksale, die so oder so ähnlich viele Familien durchleiden mussten. Und doch gab es auch die anderen, die selbstlos helfen, ohne nach der Nationalität zu fragen.

Der Roman erzählt von Schuld und Verzweiflung, von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, von Liebe und Zuversicht und auch von der Zeit, die so manche Wunde heilt. Und trotz aller Gefahren und Unzulänglichkeiten ist es auch die Musik, die mit Vaters wertvoller Geige, einer Guarneri del Gesu, immer dabei ist. „Maikäferjahre“ ist ein wundervolles Buch, das mich tief berührt hat, das ich gerne gelesen habe und das ich sehr gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Nichts ist so, wie es den Anschein hat

Locked in
1

Das Locked-in-Syndrom ist eine fast vollständige Lähmung, jedoch sind das Bewusstsein und auch die geistige Funktion nicht beeinträchtigt. Man könnte also mit einem dieser Patienten durchaus kommunizieren, ...

Das Locked-in-Syndrom ist eine fast vollständige Lähmung, jedoch sind das Bewusstsein und auch die geistige Funktion nicht beeinträchtigt. Man könnte also mit einem dieser Patienten durchaus kommunizieren, könnte er sich verständlich machen.

Der Neurologe Dr. Theo Linde hat eine revolutionäre Methode entwickelt, um die Gedanken von Komapatienten lesen zu können. Ein privater Schicksalsschlag hat ihn dazu verstärkt forschen lassen und nun ist es die Heidelberger Polizei, die seine Dienste in Anspruch nimmt. Sie fahndet mit Hochdruck nach einem Entführer, der mittlerweile drei Opfer in seiner Gewalt hat. Ein Erfolg zeichnet sich ab, Kommissar Paul Maertens ist ihm auf den Fersen, es kommt zu einer Festnahme und kurz danach zu einem folgenschweren Unfall, bei dem der Täter schwer verletzt wird und ins Wachkoma fällt. Dr. Theo Linde wird gebeten, seine erprobte Methode auch bei diesem Patienten anzuwenden. Denn die Zeit drängt, da sie keinen Anhaltspunkt über das Versteck eines Entführungsopfers haben.

Es sind viele lose Fäden, die hier in einem rasanten Tempo erzählt werden. Schon der Prolog ist so furchteinflößend wie rätselhaft. Meine Vermutung, mit wem ich es hier zu tun habe, stellt sich lange danach als vollkommen falsch heraus. Henri Faber versteht es, Verwirrung zu stiften, seine Protagonisten sind schwer zu durchschauen. Mehr noch - sie sind allesamt nicht greifbar. Der Kommissar ist ein Eigenbrötler, er tritt nicht nur einmal ziemlich rüpelhaft auf. Ich mag ihn – nicht wirklich. Auch um die anderen Typen würde ich eher einen weiten Bogen machen, jeder einzelne hat jedoch seine ganz individuelle Ausstrahlung.

Ich bin ganz nah dabei, bin mit Linde bei seinem privaten Patienten, bin auch im Verlies und durchlebe eine schreckliche, eine verstörende Phase, dann wieder sind es Maertens Ermittlungen und seine Gedanken, in die er zuweilen abdriftet und mich komplett irritieren. Die kurzen Kapitel wechseln sich ab, führen zu den einzelnen Protagonisten und zu diversen Schauplätzen. Es geht rund. Und das nicht zu knapp.

Was passiert da? Was ist real, was Wahn? Wenn man meint, einige lose Fäden entwirren zu können, so kommt eine nicht vorhersehbare Wendung und alles wird neu gewürfelt - Henri Faber hält mich bis zum Ende in Atem. Schade nur, dass „Locked in“ das Ende einer Reise ist, die letzte Station als Henri Faber, wie der Autor zum Schluss wissen lässt. Aber wer weiß...

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Veröffentlicht am 15.05.2025

Ein Hochgenuss für jeden Thriller-Fan

Aschesommer
1

Härter, brutaler, spannender… Nachdem ich „Krähentage“ regelrecht verschlungen habe, musste ich diesen „Aschesommer“ unbedingt lesen und auch dieser zweite Fall für die Sondereinheit „Gruppe 4“ lässt mich ...

Härter, brutaler, spannender… Nachdem ich „Krähentage“ regelrecht verschlungen habe, musste ich diesen „Aschesommer“ unbedingt lesen und auch dieser zweite Fall für die Sondereinheit „Gruppe 4“ lässt mich schaudernd der Spur der Asche folgen.

Jakob Krogh und Mila Weiss, die Leiter der „Gruppe 4“, finden auf einem einsam gelegenen Hof zwei Tote. Eine kryptisch verfasste Todesanzeige hat sie hierher geführt, in ein auf dem Gelände versteckt gelegenes Kellergewölbe, einer Eiskammer gleich. „Das Sterben hat begonnen“, mit Asche geschrieben, lässt auf einen Serientäter schließen. Eile ist geboten. Es bleibt nicht bei den beiden Opfern, weitere folgen nach demselben Schema, das Ermittlerteam arbeitet auf Hochtouren. Auch wissen sie, dass dieser irre Täter einem wissenschaftlichen Phänomen folgt, aber alles Wissen nützt ihnen nichts, da sie zwar nahe dran sind, sie aber dennoch immer ein Stück weit zu spät kommen.

Derweilen werfen wir einen Blick auf Weilersgrund. Es ist eine Klinik für forensische Psychiatrie, alle Spuren führen hierher. Zu einem Insassen, der unter scharfer Bewachung steht, der für den Rest seines Leben hier eingesperrt bleibt. Er gibt sich zivilisiert, er ist hochintelligent, zudem äußerst manipulativ und durchaus gesprächsbereit und doch ist er nachweislich hier gefangen, er kann diese grauenhaft inszenierten Morde nicht begangen haben. Aber wieso führen ihre Ermittlungen immer wieder hierher?

Sie wissen mittlerweile um eine stark gefährdete Personengruppe, die Personenschutz bekommen und doch geht das Morden weiter. Als dann ein Mädchen verschwindet, wird es hektisch. Wir Leser wissen, war mit ihr geschieht, überhaupt sind wir gut im Bilde, was das Ungeheuerliche noch beklemmender macht. Benjamin Cors versteht es, die Spannung und die Dramatik immer höher zu treiben, man vergisst beim Lesen direkt das Atmen. Man möchte direkt eingreifen, um dann doch vor der nächsten teuflischen Tat zu stehen. Der Täter scheint einem diabolischen Plan zu folgen. Gnadenlos. Unerbittlich.

Der mörderische „Aschesommer“ hat mir keine Atempause gegönnt, ich musste einfach die Zusammenhänge wissen. Bis zum bitteren Ende habe ich kein Auge zugetan, aber was ist schon ein wenig Schlaf, wenn man diesen Thriller in Händen hält. Ich hoffe sehr, dass die Sondereinheit „Gruppe 4“ noch auf so manch vermeintlich unlösbare Fälle angesetzt werden, ich werde dabei sein. Unbedingt.

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