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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.10.2025

Leseempfehlung

Wo das Eis niemals schmilzt
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Was für eine Geschichte. Voll mit schweren Themen und trotzdem nicht zu erdrückend.

Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar und zieht den Lesenden sofort in die Geschichte. Ich fand die Handlung gut ...

Was für eine Geschichte. Voll mit schweren Themen und trotzdem nicht zu erdrückend.

Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar und zieht den Lesenden sofort in die Geschichte. Ich fand die Handlung gut und interessant. Spannend fand ich die Erklärungen zum Klimawandel, die Arbeiten von Unni am Gletscher und die Naturbeschreibungen. Auch haben mich die Lebensläufe von Jon und Unni mitgenommen und sehr nachdenklich zurückgelassen.

Unni, das Kind mit einem samischen Vater, das in Helsinki aufwachsen musste, weil die Mutter in Lappland nicht glücklich wurde und für Unni eine andere Zukunft wollte. Sie litt in Helsinki leise und sehnte sich nach ihrem Vater und der unberührten Natur. Weg von der Schule, dem Mobbing und der Ausgrenzung.

Auch Jons Werdegang fand ich traurig und beklemmend. Die Themen Zwangsadoption, der Verlust der Identität und die Suche nach dem inneren Frieden begleiteten den Lebensweg von Jon.

Die geschichtlichen Fakten und wie die Autorin diese verschiedenen Handlungsstränge miteinander verwoben hat, haben wir gut gefallen. Jedoch hätte ich mir bei diesen Themen mehr Tiefe, mehr Fakten und geschichtlichen Einblicke gewünscht. Die Autorin kratzt an der Oberfläche, was sie gut gemacht hat, aber für mich nicht ausreichend war. Hier hätte ich mir 100 Seiten mehr gewünscht, um dafür einen tieferen Einblick zu erhalten.

Trotzdem ist das Buch für mich eine klare Leseempfehlung. Die Themen werden nicht so häufig angesprochen und sollten doch zur Sprache kommen.

Veröffentlicht am 27.07.2025

Weder schwarz noch weiß

Dunkle Momente
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Es gibt kein schwarz oder weiß.

Eva Herbergen hat in ihrem Leben als Strafverteidigerin so einiges erlebt. Sie soll ihre Mandant:innen vor der Strafe schützen. Sie muss über den Tellerrand schauen ...


Es gibt kein schwarz oder weiß.

Eva Herbergen hat in ihrem Leben als Strafverteidigerin so einiges erlebt. Sie soll ihre Mandant:innen vor der Strafe schützen. Sie muss über den Tellerrand schauen und prüfen, warum ist das Verbrechen verübt worden? Wer trägt wirklich die Schuld? Sie sammelt neben Beweisen auch Geschichten, die die Menschen zu Tätern werden ließen.

Elisa Hoven ist Professorin für Strafrecht an der Universität Leipzig und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof und das liest man. Der Blick auf die Fälle ist oft nüchtern und sachlich. Ist man am Anfang noch schockiert über die Tat und dem Vorgehen muss man sich im Laufe der Ermittlungen eingestehen, dass nicht alles schwarz oder weiß ist. Vieles liegt in einem Graubereich und die Rechtsprechung überrascht nicht nur einmal. Doch auch die Strafverteidigerin Eva Herbergen bewegt sich immer wieder an der Grenze und manchmal überschreitet sie sie. Wie kommt sie damit zurecht und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Die Fälle sind angelehnt an realistische Fälle (True Crime Liebhaber werden dies mögen). Die Fälle werden gut geschildert und zeigen die Diskrepanz zwischen Recht und Gerechtigkeit auf. Auch die moralischen Ansprüche werden beleuchtet. Können sie standhalten? Und welchen Einfluss haben die Medien, wenn sie unreflektiert, nach einer Schlagzeile gierend von dem Verbrechen schreiben? Wie viele Details kann man einer Bevölkerung zumuten? Es tauchen viele Fragen auf, die nicht immer alle beantwortet werden. Dafür hätte es ein paar Seiten gebraucht.

Insgesamt war es ein interessantes Buch, welches, dank eines guten Schreibstil, den Lesenden die Komplexität von Recht und Gerechtigkeit, von Moral und der Gefahr von Vorverurteilung aufzeigt.

Veröffentlicht am 27.07.2025

Vier Frauen

Samstagabend im Lakeside Supper Club
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Ein Lokal, eine Familie, 4 Frauen und fast einhundert Jahre.

Der Autor erzählt in einem ruhigen und (eher) langsamen Tempo die Geschichte von Betty, Florence, Mariel und Julia. Sie arbeiten und leben ...

Ein Lokal, eine Familie, 4 Frauen und fast einhundert Jahre.

Der Autor erzählt in einem ruhigen und (eher) langsamen Tempo die Geschichte von Betty, Florence, Mariel und Julia. Sie arbeiten und leben mit dem Lakeside Supper Club. Jede auf ihre Art, jede mit mehr oder weniger Herzblut und Leidenschaft.

Der Lesende taucht in eine kleinstädtische amerikanische Welt ein. Man kennt sich. Die Fremden werden beobachtet und selbst nach Jahren nicht vollständig akzeptiert. Wer einmal etwas verwerfliches getan hat, wird geschnitten und ignoriert. Doch es gibt auch die Hilfsbereitschaft, die Unterstützung und die Freundschaft untereinander und natürlich die Liebe. Zudem erfährt man auch einiges über den Konkurrenzkampf zwischen einem Familienbetrieb und den Fast-Food-Ketten.

Der Autor springt zwischen den Frauen hin und her, wirft Rückblicke ein und sorgt so, nach und nach für ein immer besseres Bild. Die vielen kleinen Puzzelteile setzen sich langsam zusammen. Die Charaktere der Frauen arbeitet er (bis auf Julia) gut aus und so sieht man drei starke Generationen nebeneinander stehen. Sie sind wie Magneten, mal abstoßend, mal anziehend. Sie reiben aneinander und lieben sich doch. Die Schicksalschläge sind manchmal hart zu lesen, aber real. Man fiebert mit, hofft auf gute Zeiten, um dann doch dem Schicksal in die Augen sehen zu müssen.

Die letzten Kapitel waren mir etwas zu schnell erzählt. Julia konnte sich, aus meiner Sicht, nicht so gut entfalten. Trotzdem mochte ich die Geschichte sehr gern.

Veröffentlicht am 17.05.2025

Eine typische Suter-Geschichte - einfach gut

Wut und Liebe
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Liebe, Wut, Hass, Intrigen, Lügen und mittendrin Noah. Noah ist ein brotloser Künstler, der mit sich, seiner Kunst und dem finanziellen Durchbruch ringt. Seine Freundin verlässt ihn und löst dadurch eine ...

Liebe, Wut, Hass, Intrigen, Lügen und mittendrin Noah. Noah ist ein brotloser Künstler, der mit sich, seiner Kunst und dem finanziellen Durchbruch ringt. Seine Freundin verlässt ihn und löst dadurch eine Dynamik bei Noah aus. Das Schicksal lässt ihn auf eine ältere Dame treffen und so kommt die Geschichte ins Rollen.

Martin Suter erzählt unaufgeregt und im mäßigen Tempo seine Geschichten. Es lohnt sich dabei zu bleiben und den Protagonisten zu folgen. Der Autor geht bei keinem Charakter in die Tiefe, aber er baut kleine Wendungen ein, die den Blick auf den Charakter verändern (können). Die Einblicke in die Kunstwelt sind ernüchtern, aber wahrscheinlich recht nah an der Realität. Es macht dem Lesenden die schwierige finanzielle Lage und den Kampf um Ausstellungsplätze und Unterstützer:innen von Künstlern sichtbar. Auch Noah kämpft um Camilla, um den Verkauf von seinen Bildern, um kreative Ideen und mit seinem Gewissen. Mit jeder weiteren Seite rutscht man tiefer in die Geschichte, folgt den Charakteren, zweifelt an und mit ihnen und sucht den Twist, den bekannten Plot-Twist, den Martin Suter sehr oft in seinen Geschichten einbaut. Und er kommt und bringt dadurch die ganze Geschichte ins Wanken.

Martin Suter ist für mich ein Autor, der es bisher immer geschafft hat, dass ich wunderbar beim Lesen abschalten kann. Gern immer wieder und immer mehr.

Veröffentlicht am 17.05.2025

Bis die Sonne scheint - eine Familiengeschichte

Bis die Sonne scheint
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Bis die Sonne scheint, erzählt die Geschichte der Familie von Christian Schünemann. Besonders im Blick ist seine Mutter und wie sie das Leben anpackt. Seine Erinnerungen und die unzähligen Briefe seiner ...

Bis die Sonne scheint, erzählt die Geschichte der Familie von Christian Schünemann. Besonders im Blick ist seine Mutter und wie sie das Leben anpackt. Seine Erinnerungen und die unzähligen Briefe seiner Mutter an ihre Schwester sorgen für viele kleine Details, die man sonst im Laufe des Lebens vergisst.

Daniel, der Erzähler, erzählt von seiner Familie, wie ein Beobachter und nicht wie ein Teil der Familie. Die typische (westdeutsche) Familie aus den 80iger Jahren. Ein schmuckes kleines Haus, welches von außen gut ausschaut, aber im Inneren doch einige Mängel aufweist. Der Vater ein scheinbar erfolgreicher Architekt, die Mutter fleißig und nach Höherem strebend und die drei Kinder leben in einer Scheinwelt. Die heile Welt muss unbedingt nach Außen aufrecht erhalten werden, auch wenn die Mahnungen sich stapeln, das Geld nicht reicht und die Versuche Geld zu verdienen immer abenteuerlicher werden. Statt Rechnungen zu begleichen, wird schick Essen gegangen und in den Urlaub gereist. Die Mutter ist in dieser Geschichte die treibende Kraft, sie versucht alles zusammenzuhalten, auch die Fassade. Dabei wirkt sie leider nicht sehr sympathisch. Daniel steht am Rand und erzählt von seinen Träumen und Wünschen, die teilweise wie Seifenblasen platzen.

Die Geschichte wird ganz ruhig und in einem langsamen Tempo erzählt. Sie plätschert ganz leise vor sich hin. Lange wusste ich nicht, warum die Geschichte erzählt wird, was will mir der Autor mit der Geschichte sagen. Liest man das Nachwort vom Autor wird vieles klarer und emotionaler. Vielleicht hätte man diese Worte eher in eine Einleitung geschrieben, um den Lesenden auf die Geschichte vorzubereiten.

Insgesamt hat mir jedoch die Geschichte gut gefallen. Der feine Humor, der immer wieder durchblitzt, die Musik, Kleidung und das Leben in den 80iger Jahren wurden wunderbar beschrieben und in die Geschichte eingewoben, so dass man gut abtauchen konnte.