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Veröffentlicht am 18.05.2025

Hurra, endlich Schule!

Tschüss, Kindergarten! Ich bin bald ein Schulkind
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Die bunten Vorlesebücher der Baumhausbande haben ein neues Mitglied bekommen. “Tschüss Kindergarten- Ich bin bald ein Schulkind” ist ein farbenfrohes Vorlesebuch, das den Kindern viele Fragen dazu beantworten ...

Die bunten Vorlesebücher der Baumhausbande haben ein neues Mitglied bekommen. “Tschüss Kindergarten- Ich bin bald ein Schulkind” ist ein farbenfrohes Vorlesebuch, das den Kindern viele Fragen dazu beantworten kann, was sie in der Schule erwartet und wie der Abschied vom Kindergarten gut gelingt. Schon auf dem fröhlichen Hardcover dieses hochwertig mit Lesebändchen ausgestatteten Buches tummeln sich die Kinder mit großen Schultüten und ihren neuen Schulranzen.

In vierzehn Kapiteln, deren Länge genau auf die Altersgruppe der Schulanfänger zugeschnitten ist, erleben die Kinder des Kindergartens Holterdiepolter, was es bedeutet, bald ein Schulkind zu sein. Sie dürfen in eine Gruppe nur für die Großen, besuchen die Polizei und dürfen sich endlich ihre Schultasche aussuchen. Das ist gar nicht so einfach, denn es gibt so viele verschiedene Modelle. Zum Abschluss des Kindergartens feiern alle ein buntes Fest und die Kinder übernachten im Kindergarten. Was für ein Abenteuer!

Natürlich lernen die Kinder auch ihre neue Schule bei einer Schnitzeljagd kennen, erleben den aufregenden ersten Schultag und finden sich doch noch nicht so ganz im neuen Gebäude zurecht. So ist nicht alles eitel Wonne, denn in der Tagesbetreuung ist es oft zu laut oder Schulkameraden geben den Kindern Spitznamen, was nicht jedem gefällt. Auch schreiben lernen ist gar nicht so einfach, da muss man schon viel üben, bis die Buchstaben gelingen.

Sehr gut sind die einzelnen Charaktere der Kinder dargestellt sowie die verschiedenen Kulturen, aus denen die Kinder kommen. Hier erkennen die kleinen (Mit)Lesenden sicher einige ihrer Freunde wieder und können über ihre eigenen Erlebnisse in Kindergarten und Schule berichten. In heiteren Erzählungen lernen die Kinder wie wichtig Freundschaft und gegenseitige Hilfe sind und dass manchmal ein Neuanfang auch ein bisschen holprig verlaufen darf.

Autorin Katrin Pokahr hat dazu sehr nette und kindgerechte Geschichten erfunden, die durch die gelungenen und phantasievollen Illustrationen von Jutta Berend wunderbar ergänzt werden und so die Freude am Lesen oder vorgelesen bekommen erhalten. Durch die bildhafte und lebendige Erzählweise und die große Schrift werden die Kinder- Vorschulkinder und Schulanfänger- noch lange Freude an diesem Buch haben. Das dicke Papier trägt dazu bei, dass auch mehrere Kinder aus unterschiedlichen Altersgruppen diese bunten Geschichten immer wieder gerne lesen. Am Ende des Buches gibt es einen tollen Aktivteil. Hier finden sich neben Bastelideen auch Rezepte, Rätsel und Übungen für Vorschulkinder. Ein Bilderbogen vervollständigt die gelungene Ausstattung.

“Tschüss Kindergarten- Ich bin bald ein Schulkind” ist ein leicht lesbares, liebevoll gemachtes Buch und damit bestens als Geschenk zum Eintritt in die neue Welt der Schule geeignet. Meinem kleinen Mitleser und mir hat das Buch sehr gut gefallen, wir empfehlen es gerne weiter und vergeben dafür verdiente fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Bücher, die die Seele heilen

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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Mit “Die geheime Sehnsucht der Bücher” hat die Spiegel Bestseller-Autorin Nina George einen wunderbaren Roman vorgelegt, der beschreibt, wie Bücher geeignet sind, ihre Leser zu finden und je nach deren ...

Mit “Die geheime Sehnsucht der Bücher” hat die Spiegel Bestseller-Autorin Nina George einen wunderbaren Roman vorgelegt, der beschreibt, wie Bücher geeignet sind, ihre Leser zu finden und je nach deren Gemütszustand auch zu heilen. Schon des gut gezeichnete Hardcover vermittelt einen Eindruck von Paris, in dem Pauline, eine junge Auszubildende, die Bücher- oder besser die Heilmittel für Herz und Seele- ausliefert.

Monsieur Perdu hat sein Bücherschiff am Quai der Seine angelegt. Er ist literarischer Apotheker und verschreibt seinen Kunden und Kundinnen als Medizin Bücher, die sie brauchen, um das innere Gleichgewicht wiederzufinden. Eines Tages erhält er Besuch von Francoise, von ihrer Mutter genannt Frankie, ein Namen, den sie nicht leiden kann. Frankie ist fast 12 Jahre alt, ein erwachsenes Kind, das heimlich liest und sonst hofft, die Situation ihrer Familie verbergen zu können. Denn Frankies Mutter ist einmal himmelhoch jauchzend, einmal zu Tode betrübt und trägt sich mit Selbstmordgedanken. Daher lügt Frankie ständig und versucht den Schein der Normalität aufrecht zu erhalten, denn sie hat Angst, dass sie in ein Heim und ihre Mutter in eine Anstalt gebracht wird. Um mit ihrer Situation fertig zu werden, hat sich Frankie angewöhnt, Synonyme zu verwenden. So wird “lügen zu “tagträumen”.

Als Frankie Monsieur Perdu aufsucht, von dem sie Hilfe erhofft, kann sie ihn einfach nicht belügen, sie läuft davon. Monsieur Perdu fragt Pauline, ob er etwas falsch gemacht habe. Erst als auch Frankies Mutter- nach langem Zweifeln- zu Monsieur Perdu kommt, erkennt dieser die Situation, denn Frankies Mutter versucht sich in die Seine zu stürzen. Und doch, diese Frau hat etwas an sich und er beginnt, ihr von seinem eigenen Leben zu erzählen, das bis vor kurzer Zeit nicht glücklich war, denn Monsieur Perdu war überzeugt, nicht lieben zu können und nicht geliebt zu werden, er war wie eine Axt aus Eis. Wird es ihm gelingen, Frankie und ihrer Mutter zu helfen?

Nina George hat mit “Die Sehnsucht der Bücher” einen berührenden und tiefgründigen Roman geschrieben, der das Schicksal von Kindern beleuchtet, die eigentlich die Elternrolle übernehmen. So muss Frankie ihrer Mutter, die die Außenwelt fürchtet und nicht mit ihr umgehen kann, die alltäglichsten Sachen erst beibringen, wie kochen und bügeln. Doch langsam kommt die Mutter in ihrer Rolle an, besonders als Frankies Vater auftaucht, der schöne Mann, wie ihn Frankie nennt. Darf Frankie nun endlich Kind sein und Bücher auch zu ihrem Vergnügen lesen und nicht nur, um sich Rat zu holen.?

Die Autorin hat jedem Kapitel den Namen einer der handelnden Personen vorangestellt und die Charaktere feinsinnig und sensibel gezeichnet. Ein besonderes Stilmittel ist, dass Frankie bei ihren Synonymen immer auch mitdenkt, welche Wörter vor dem eigentlich gesuchten im Lexikon stehen. So relativieren sich Frankies Lügen und es gelingt ihr besser, die absurde Familiensituation zu ertragen. Doch unerwartet ergibt sich für Frankie eine Chance, zusammen mit Marie, einem elternlosen und genau so einsamen Mädchen, Bücher in der Öffentlichkeit vorzustellen. Bücher, die, wie viele meinen, dem Alter der Mädchen nicht angepasst sind. Die Eltern protestieren. Wird es Pauline und Jean Perdu gelingen, den Unmut zu ersticken und die Wahrhaftigkeit und Einzigartigkeit der Bücher zu verteidigen?

In ihrem Roman greift Nina George viele Probleme auf: Pauline, die wegen ihrer Abstammung angefeindet wird, hat Probleme, sich zwischen zwei Männern zu entscheiden. Eltern, die Jugendlichen Verantwortung, auferlegen, die sie eigentlich nicht tragen können und nicht tragen sollten. Engstirnigkeit von Eltern, die glauben, dass ihre Kinder von Büchern verdorben werden können. In fast poetischer Schreibweise schildert die Autorin sehr real, was Menschen bedrückt oder an einem erfüllten Leben hindert. Der eingängige, aber auch sensible und tiefschürfende Schreibstil zieht die Lesenden sehr schnell in seinen Bann, in den Bann dieses besonderen Buches.

“Die Sehnsucht der Bücher” ist ein Buch für Menschen, die Bücher lieben, die in einer Buchhandlung, die nicht nur aus Regalen bestehet, zwischen den Tischen mit den einzelnen Genres flanieren, mit suchendem Blick, und wenn sie ihre Lieblinge gefunden haben, diese verstohlen streicheln. Ein bisschen nur, das genügt. Sollten wir einander einmal in dieser Buchhandlung begegnen, beachten Sie mich bitte einfach nicht, ich bin auf der Suche nach “Die Sehnsucht der Bücher“, um es heimlich zu streicheln. Ganz kurz nur, denn das genügt.

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Veröffentlicht am 15.05.2025

So macht Wissen Spaß!

Bakabu - Abenteuer in MINTmausen
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“Abenteuer in MINTmausen” ist ein weiteres interessantes Buch der Bakabu-Reihe. Diesmal geht es anhand von kindgerechten Geschichten- das Buch wird ab fünf Jahren empfohlen-, in vielen Abenteuern darum, ...

“Abenteuer in MINTmausen” ist ein weiteres interessantes Buch der Bakabu-Reihe. Diesmal geht es anhand von kindgerechten Geschichten- das Buch wird ab fünf Jahren empfohlen-, in vielen Abenteuern darum, ein Musikinstrument zu finden, das man nicht mit den Händen berühren muss, um Töne zu erzeugen. Schon das strapazfähige und hochwertige Hardcover zeigt die liebenswerten Figuren, die das Singeland bevölkern, doch diesmal ist auch Minty Maus dabei, die gerne forscht und Entdeckungen macht. Und die überzeugt ist, dass man so ein Instrument auch finden kann.

Viele aus den anderen Bänden der Reihe bekannte Figuren sind dabei: Der Ohrwurm Bakabu, der in Hornhausen lebt, sein Freund Charli Gru, eine ängstliche Tontaube, die Wechstaben verbuchselt- Pardon -Buchstaben verwechselt. Ukuleila, die chillige Grille, die Geburtstag feiert und Mimi Lou, eine Fröschin mit ganz spezieller Sprache. Natürlich gibt es auch einige andere phantasievoll und kindgerecht gezeichnete Figuren. Die gelungenen Illustrationen, die sich über die Doppelseiten aus dickem Papier erstrecken, sind von Manuela Wildauer, Autor der Reihe ist Ferdinand Auhser, die Musik ist von Manfred Schweng. Da das ganze Buch immer mit Musik zu tun hat, gibt es einen QR-Code, mit dem man einerseits die Lieder zum Buch, aber auch Videos zu den Experimenten herunterladen kann, die nach jeder Geschichte genau beschrieben werden. So kann man mit Hilfe eines Luftballons eine Rakete basteln oder selbst herausfinden, wie die schiefe Ebene funktioniert. Für die Experimente braucht man keine besonderen Gegenstände, alles ist im Haushalt vorhanden. So lernen die Kinder durch alltägliche Situationen, wie Forschung schon im Kleinen funktionieren kann.

Dieses Buch ist einerseits lehrreich und spannend, die fröhlichen Geschichten und gelungenen Figuren laden dazu ein “Bakabu- Abenteuer in MINTmausen” oft zur Hand zu nehmen und immer wieder zu lesen oder die passenden Lieder anzuhören, die gereimte Texte haben und dadurch besonders eingängig sind. Langweilig wird es sicher nicht, wenn man so über Strom oder den Flaschenzug interessante und zu den Geschichten passende Fakten erfährt.
Daher findet sich hier eine Mischung aus Bilderbuch, Geschichtenbuch und Sachbuch und wird die Kinder zu weiteren Fragen herausfordern.


Aber keine Angst, für dieses Buch brauchen die Vorlesenden weder besondere Kenntnisse in Mathematik noch müssen sie besonderes technisches Wissen haben. Die kindgerechten Texte helfen nämlich mit, die Sprachkompetenz und den Wortschatz der Kinder zu fördern und so auch weitere Kompetenzen zu erwerben. Besonders freut mich als begeisterte Museumsbesucherin, dass das Buch in Zusammenarbeit mit dem Technischen Museum Wien entstanden ist, ein wunderbares Haus für kleine Forscher und Entdecker. Daher kann ich dieses gelungene Kinderbuch nur bestens empfehlen und gebe verdiente fünf Sterne.

Mein Fazit:
So macht das Lernen Spaß! Wenn die Kinder den Erfolg ihrer Experimente selbst erleben können wird ihre Freude an Forschung und Entdeckung gefördert. Die Themen Musik und Freundschaft ziehen sich durch das gesamte Buch, die fröhlichen Lieder können mittels QR-Code herunter geladen werden und laden zum Mitsingen ein. Falls man zu den Experimenten etwas wissen möchte, gibt es Videos. Daher bietet dieses hochwertige und liebevoll gemachte Buch mit tollen Illustrationen moderne Wissensvermittlung und Spaß in Einem. Sei Du in MINT schnell fit und mach doch einfach mit!

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Wunderbare Ferien in Schweden

Jonna & Liv. Ein tierisches Mittsommerfest
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Die bekannte Autorin Sandra Grimm hat mit “Jonna und Liv- ein tierisches Mittsommerfest” eine wunderbare Freundschaftsgeschichte für Kinder ab 7 Jahren geschrieben. Schon die fröhlichen Bilder auf dem ...

Die bekannte Autorin Sandra Grimm hat mit “Jonna und Liv- ein tierisches Mittsommerfest” eine wunderbare Freundschaftsgeschichte für Kinder ab 7 Jahren geschrieben. Schon die fröhlichen Bilder auf dem mit Hardcover ausgestatteten Buch stimmen auf diese in Schweden ganz besondere Jahreszeit an.

Und genau dort soll Jonna ihre Ferien zusammen mit ihrem Vater verbringen. Ihre Tante Frida besitzt einen Tierhof und da Jonna Tiere liebt, kommt Vorfreude auf. Sogar eine noch unbekannte Cousine gibt es, Liv, und Jonna ist überzeugt, dass sie Freundinnen werden können. Leider spricht Jonna nur wenig schwedisch und wird ihre Freundin Esma vermissen, aber sie ist überzeugt, in Liv eine Cousinenfreundin zu finden.

Doch in Schweden trifft sie auf eine mürrische Liv, die immer etwas an ihr auszusetzen hat. Nur Livs Freunde, die auch auf dem Tierhof helfen, behandeln Jonna freundlich. Da verletzt sich Tante Frida, die mit Liv gemeinsam die Tiere betreut, zu allem Unglück noch am Bein. Wo doch gerade die Vorbereitungen für das Mittsommerfest laufen, auf das sich alle schon riesig freuen. Nun erkennen Jonna und ihr Vater, dass sie Frida entlasten müssen. Und Jonna glaubt zu wissen, warum Liv so abweisend ist.

In ihrer schönen Freundschaftsgeschichte beschreibt Sandra Grimm das hyggelige Leben in Schweden und die Bräuche, die Kinder und Erwachsene pflegen, um Mittsommer zu feiern. So werden Blumenkränze geflochten, gesungen, getanzt, alle Nachbarn eingeladen und natürlich Erdbeertorte gebacken. Ganz besonders schön ist die Tierliebe von Jonna und Liv geschildert, die Arbeit auf dem Hof und dass es sogar gelingt, ein verletztes Rentier zu retten. Den ein Rentier ist etwas ganz Besonderes und man bekommt es nicht oft zu Gesicht.

Auch zeigt sich, dass ein Neubeginn schwierig sein kann und man Geduld haben muss, um die Zuneigung eines anderen Menschen zu gewinnen. Doch letztlich überwindet der Zusammenhalt der Kinder alle Hindernisse.

In einer leicht lesbaren und bildhaften Erzählweise beschreibt die Autorin die Charaktere der Kinder sehr lebensnah, auch auf die Tiere wird ein großer Schwerpunkt gelegt, daher ist dieses Buch natürlich für alle Kinder besonders interessant, die Tiere mögen. Ergänzt wird diese fröhliche und freundliche Geschichte durch gelungene schwarz- weiß Illustrationen von Miriam Fritz. Sprache und Kapitellänge sind genau der Altersgruppe entsprechend, die diese Geschichte gerne öfter zur Hand nehmen wird.

Mein Fazit:
Ein sehr gelungenes Sommerbuch, das die Bräuche und die schöne Landschaft in Schweden betont, aber immer wieder hervorhebt, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten und einander zu unterstützen, denn dafür sind Freunde schließlich da. Kinder, die Tiere mögen, sind hier genau richtig. Auch etwas ältere Kinder werden die gelungene Geschichte mit Freude lesen. Ich kann daher das Buch gerne empfehlen.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Eine engagierte Pädagogin in bitterer Nachkriegszeit

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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In ihrem bewegenden Roman “Die Trümmerschule-Zeit der Hoffnung” hat die Spiegel Bestseller Autorin Beate Maly ein Bild des Nachkriegsösterreich gezeichnet, das sich vor allem mit der Not und der Armut ...

In ihrem bewegenden Roman “Die Trümmerschule-Zeit der Hoffnung” hat die Spiegel Bestseller Autorin Beate Maly ein Bild des Nachkriegsösterreich gezeichnet, das sich vor allem mit der Not und der Armut der Kinder, schwarzer Pädagogik und dem immer noch schwelenden Judenhass beschäftigt.

Der Roman beleuchtet die unmittelbare Nachkriegszeit im Jahr 1946. Die junge Jüdin Stella Herzig kehrt aus dem Londoner Exil in das besetzte- oder befreite, je nach politischem Standpunkt und mit den Besatzern gemachten Erfahrungen- Österreich zurück. Stella hat alles verloren: Eltern und Schwester in der Gaskammer, das Vermögen und die Wohnung wurden arisiert. Trotzdem möchte Stella als überzeugte Sozialistin den Wiederaufbau ihres geliebten Wien nicht ehemaligen Nazis überlassen.

Unterstützt von ihrer Freundin Feli findet sie eine Stelle als Professorin für Deutsch und Englisch. Ihr Direktor ist fortschrittlich und unterstützt moderne Lehrmethoden. Doch in der Kollegenschaft ist schwarze Pädagogik, Demütigung der Schüler und der Rohrstock noch präsent. Stella schließt die von Hunger und Armut gezeichneten Kinder in ihr Herz. Vor allem bemüht sie sich, auch schwächeren Schülern zu helfen. Eine fast unlösbare Aufgabe?

In ihren Roman “Die Trümmerschule- Zeit der Hoffnung” zeichnet Beate Maly ein realistisches Bild des damaligen Unterrichtswesens und hebt besonders die Grausamkeit hervor, mit der manche Lehrer die Schüler und Schülerinnen behandelten. Viele Menschen- selbst geprägt durch Krieg, Hunger und Elend- vertraten die Auffassung, dass man Kinder besonders hart erziehen müsse, um sie lebenstüchtig zu machen. Dagegen kämpft Stella mit ganzer Kraft, aber wird sie auch Erfolg haben?

Natürlich beleuchtet der Roman auch das zerstörte und in Besatzungszonen geteilte Wien und schildert nicht nur die materielle Not, sondern auch die körperlichen und seelischen Verletzungen der Bevölkerung. Stella hat ihren Verlobten verloren, ihre Freundin Feli ist mit einem in russischer Kriegsgefangenschaft internierten Mann verlobt. Die Angst, ob die Männer aus der Gefangenschaft als körperlich und seelisch Invalide zurückkommen, ist unter den Frauen allgegenwärtig.

Trotz dieser schlimmen Zeit gibt es Hoffnung und Träume. So beginnt Stella eine zarte Beziehung zu knüpfen und sich auch in der Schule um einen verantwortungsvollen Posten zu bewerben. Doch sie hat mächtige Gegner mit guten Verbindungen in die höchsten Kreise. Hat eine jüdische junge Frau hier überhaupt Chancen?

In eindrücklicher und bildhafter Sprache, oftmals sehr berührend, beschreibt der Roman ein realistisches Szenario der frühen Nachkriegszeit und der damaligen Gesellschaft anhand des persönlichen Schicksals der jungen jüdischen Lehrerin Stella. Nationalsozialisten, ehemalige oder noch immer von der Ideologie des dritten Reiches überzeugte Menschen, die plötzlich vergessen haben, dass sie ein Parteibuch besaßen, stehen jungen, aufbauwilligen Leuten gegenüber. So bemüht sich Stella gegen alle Widerstände in der Kollegenschaft, den Kindern selbständiges Denken beizubringen und ihnen Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu vermitteln.

Der Roman orientiert sich am Leben der österreichischen Politikerin und Pädagogin Stella Klein-Löw und leistet einen bedeutenden Beitrag wider das Vergessen und Verdrängen der damaligen Zeit. Auch gibt er der Hoffnung Ausdruck, dass es gelingen kann, aus der Geschichte zu lernen. Dieser Roman ist absolut lesenswert und verdient fünf Sterne.

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