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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2025

Bis zur Unendlichkeit und darüber hinaus..

Aus! Die Wissenschaft vom Ende
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Nicht einmal das Ende des Maya-Kalender konnte sie aufhalten: Rechtzeitig vor Weihnachten haben die Science Busters ihr neuestes Werk herausgebracht.
Das Buch mit dem auffallend kurzen Titel „Aus“ bietet ...

Nicht einmal das Ende des Maya-Kalender konnte sie aufhalten: Rechtzeitig vor Weihnachten haben die Science Busters ihr neuestes Werk herausgebracht.
Das Buch mit dem auffallend kurzen Titel „Aus“ bietet sich ja geradezu an schön verpackt unter dem Weihnachtsbaum verschenkt zu werden. Denn was würde besser passen zu den Familienfeiern als sich über Ewigkeitschemikalien, die Frage wie schwer ein Meteorit sein muss um alles Leben auf der Erde, oder zumindest die Menschheit auszulöschen und dergleichen debattieren. Ansonsten kann man ja bei Familienstreitereien das Buch in die Höhe halten und auf den Titel zeigen.

Das Team um Martin Puntigam beschäftigt sich mit allen möglichen Fragen zum Thema Ende. Von der End-To-End Verschlüsselung, über Long Covid bis hin zu der Frage wie Chat-Gpt zum Auslöschen der meisten bekannten Lebensformen beitragen könnte ist alles dabei was das Herz des Nerds und Weltuntergangsfans begehren könnte.

Auch wenn Heinz Oberhummer und Werner Gruber nicht mehr mit von der Partie sind, ist das Buch immer noch sehr Astrophysik lastig. Selbst jemand der die Sience-Pasters seit Jahren nicht mehr verfolgt findet rasch wieder rein in die altbekannte und bewährte Mischung aus unnützen Wissen, fundierte Wissenschaft und österreichischen Humor.

Lediglich die Politikbezüge empfand ich teils etwas too much. Ein Leser der mit der österreichischen Innenpolitik der letzten Jahre nicht vertraut ist, wird sich sicherlich ein paar Mal am Kopf kratzen, weil er die Anspielungen nicht verstehen kann. Oder diese einfach überlesen. Auch wenn Jugendliche in ein paar Jahren das Buch lesen, werden sie oftmals nur Bahnhof verstehen. Ich kenne das noch aus meiner Kindheit und fand es immer seltsam, wenn ein Buch durch sowas outdated wirkt.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Porträt einer Frau, die sich nie gefunden hat

Heimat
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Heimat ist das erste Buch, das ich von Hannah Lühmann gelesen habe. Anfangs fiel es mir schwer, ins Buch einzusteigen. Der Text wirkt teils schlampig und verwirrend geschrieben. z.B. „Wie auf das Stichwort ...

Heimat ist das erste Buch, das ich von Hannah Lühmann gelesen habe. Anfangs fiel es mir schwer, ins Buch einzusteigen. Der Text wirkt teils schlampig und verwirrend geschrieben. z.B. „Wie auf das Stichwort hin kam Clemens nach oben, legte das Holz neben die Verandatür und berührte Karolin leicht an der Schulter. Jana verstand, dass es Zeit war zu gehen“. Weil er seine Frau mit der Hand berührt hat? Oder wegen dem Holz? Oder „aber er riss sich los und rannte in Richtung der Kletterwand“. Die Kletterwand wird hier das erste Mal erwähnt. Dazu kommen Formulierungen wie„sein Schlaf war unverwüstlich“. Ich wollte das Buch schon genervt weglegen, da es aber unter 200 Seiten hat, lass ich dann doch weiter. Das war eine gute Entscheidung.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist der Fokus auf die Hauptfigur. Als Leser nimmt man nur das wahr, was Anja wahrnimmt, und sieht nur das, was sie sieht. Diese Erzählweise erstreckt sich auf die gesellschaftlichen und politischen Themen, die zwar stets im Hintergrund präsent sind, aber nur am Rande behandelt werden – je nachdem, wie sehr sie Anja tatsächlich betreffen. Auch über Anjas neue Freunde bleibt vieles im Unklaren. Es wird nicht gezeigt, wie es um Karolin und ihren Mann steht. Das Verhalten des ältesten Sohnes von Karolin bleibt ebenfalls unerklärt. Diese Erzählstrategie erzeugt eine beklemmende Atmosphäre, da sie die fehlende Verbindung zwischen Anja und ihrer Umwelt schonungslos aufzeigt.

Dass die "Tradewife"-Frauen sich als AfD-Sympathisantinnen entpuppen, überrascht nicht wirklich. Man könnte es als Klischee abtun, doch leider entspricht es oft der Realität. Besonders interessant fand ich die Darstellung der älteren Generation vor Jana, sei es in der Figur der ehrgeizigen Ex-Chefin oder der ach so toleranten Hippiemutter, deren Toleranz jedoch schnell an ihre Grenzen stößt. Ihre Erziehungsmethoden sind zudem alles andere als zeitgemäß, was schmerzlich real wirkt.

Anjas Einstieg in die Szene wird überzeugend dargestellt. Unkommentiert wird sie mit Karolins Weltanschauung konfrontiert. Anfangs geht es um Studien zu den Stressfaktoren für Kinder in Kitas, doch schnell kippt das Ganze in Themen wie Impfungen und Freie Schulen. Die Gruppen, mit denen sie zu tun hat, sind entweder extrem liberal oder stark konservativ – einen Mittelweg scheint es nicht zu geben. Leider erlebe ich persönlich zunehmend das gleiche Phänomen. Ebenso wird im Buch die fehlende Diskussionskultur thematisiert, die ich ebenfalls immer häufiger beobachte.

Aufgrund des fehlenden moralischen Zeigefingers, der ein wenig bei der Einordnung helfen könnte, ist das Buch alles andere als eine leichte Lektüre. Als Leser muss selbst mitdenken und Grauzonen aushalten

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Schön gestalteter Kinder-Krimi mit historischem Flair

Aristide Ledoux – Meisterdieb wider Willen
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Aristitde Ledoux – Meisterdieb wider Willen ist ein Buch, welches sofort ins Auge sticht. Das detaillierte Cover mitsamt Einband ist ein wahrer Eye-Catcher und das Buch fühlt sich, einmal in die Hand genommen, ...

Aristitde Ledoux – Meisterdieb wider Willen ist ein Buch, welches sofort ins Auge sticht. Das detaillierte Cover mitsamt Einband ist ein wahrer Eye-Catcher und das Buch fühlt sich, einmal in die Hand genommen, sehr hochwertig an. Blättert man rein, verstärkt sich der Eindruck, findet man drinnen sogar Farbdruck, was heute schon eine Seltenheit darstellt. Die Kombination aus Bildern, Comicteilen und Text ist sehr gut gelungen. Es macht Spaß nur durchs Buch zu Blättern und die Bilder anzuschauen und gleichzeitig werden junge Leser durch die Textteile auch zum Lesen animiert. Dadurch, dass der Aufbau der einzelnen Kapitel sich ähnelt, wirkt das Buch geordnet und man wird nicht von Bildern erschlagen.

Die Geschichte verknüpft eine Krimi-Geschichte mit historischen und sogar gesellschafts-kritischen Themen. Immer wieder erfährt man etwas über Paris sowie über das Leben im 20. Jahrhundert. Jedoch nicht Oberlehrerhaft, lediglich Bruchstücke die ein Interesse an weiterer Nachforschung und Diskussion wecken können.

Es fehlt auch nicht an Witz, wobei im Vordergrund sicherlich Spannung steht. Streckenweise wird es auch ein wenig unheimlich. Aber nicht zu sehr, die Altersempfehlung ab 10 passt sicherlich.

Die drei Kinder, die die Hauptrolle im Buch spielen sind symphytisch und man fiebert mit ihnen mit. Die Erwachsenen-Figuren hingegen haben alle ihre Schwächen. Nach der Auflösung der Geschichte bekommt der Buchtitel gleich einen anderen Beigeschmack.

Das Ende wirkt auch etwas überhastet. Ja, es wird alles aufgelöst, jedoch bleiben Logik-Löcher. Und ich hätte gerne gewusst wie die Figuren sich weiterentwickeln. Daher hoffe ich auf eine Fortsetzung.

5 Punkte für die Zeichnungen und Gestaltung, 3,5 Punkte für die Geschichte

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Klassischer Krimi mit Retro Feeling

Im Finsterwald
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Bereits das wirklich gut gemachte Papp-Cover in Retro-Optik verspricht einen Krimi der altmodischen Art. Soll heißen: Spannung anstelle von blutigen Folterszenen, klassische Rätsel anstelle erzwungen Humor.

Auch ...

Bereits das wirklich gut gemachte Papp-Cover in Retro-Optik verspricht einen Krimi der altmodischen Art. Soll heißen: Spannung anstelle von blutigen Folterszenen, klassische Rätsel anstelle erzwungen Humor.

Auch die Liebschaften des Kommissars und die Hilfe von Kommissar Zufall erinnern an vergangene Zeiten. Das Setting im Museum und in den Wäldern außerhalb ist gut gewählt und bietet einige unheimliche Momente. Und überaschenderweise gibt es auch ein paar humorvolle Momente.

Das Buch bietet spannende Unterhaltung für Zwischendurch. Es werden auch schwere Themen angeschnitten. Das Schicksal einiger Figuren ist traurig und nicht immer siegte am Ende die Gerechtigkeit. Die Auflösung und auch das Schicksal der Familie des verschwundenen Mädchens hat mich überrascht.

Interessant ist auch das Zeitporträt. Die Geschichte spielt in den 20ern Jahren des vergangen Jahrhunderts. Die Gesellschaftliche Stellung und auch die Rollenaufteilung zwischen Männern und Frauen ist recht gut herausgearbeitet. Wobei mit Ellen und vor allem Dr. Iversen eher modern anmutende Frauenfiguren den Roman bevölkern. Hier und da gibt es auch gesellschaftskritische Momente.

Mit über 400 Seiten ist das Buch recht dick, hat aber tatsächlich keine Durchhänger. Ich habe es wirklich gerne gelesen und konnte es nicht mehr weglegen.

Bei dem Buch handelt es sich um den dritten Band einer Reihe. Die Vorgänger-Bücher kenne ich nicht. Das Buch lässt sich auch eigenständig lesen, jedoch bleibt einiges nebulös. Die Vorgeschichte zwischen den Hauptfiguren bleibt nur angedeutet.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Geht unter die Haut

Hello Baby
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„Hello Baby“ ist ein eher kleines dünnes Buch, das es schafft einen Nachhall zu erzeugen. Ich war mit dem Buch an einem Nachmittag durch, aber noch tagelang mit der Geschichte und den Figuren beschäftigt.

Das ...

„Hello Baby“ ist ein eher kleines dünnes Buch, das es schafft einen Nachhall zu erzeugen. Ich war mit dem Buch an einem Nachmittag durch, aber noch tagelang mit der Geschichte und den Figuren beschäftigt.

Das Thema unerfüllter Kinderwunsch ging mir sehr nahe und wurde schmerzhaft realitätsnahe behandelt. Die langwierige Behandlung in den klinisch sterilen Kliniken sowie die Ärzte die Hoffnung verkaufen, werden detailliert beschrieben. Eventuell zu realitätsnahe für jemanden der das gleiche durchmachen muss.

Auch Leser die das Problem nicht kennen, können sich im Buch wiederfinden. Die Figuren stehen vor den großen Fragen des Lebens. Wann ist der richtige Zeitpunkt eine Familie zu gründen? Soll man heutzutage überhaupt noch Kinder bekommen? Darf man das überhaupt? Und warum will man das?

Nebenbei bekommt man auch einen Einblick in die koreanische Kultur. Der Druck der Gesellschaft auf die Frauen, die Abschätzung für Schwiegertöchter die schon „zu alt“ sind, all das war auch im Hinblick auf das 4B-Movement sehr erhellend.

Das Buch sieht in natura übrigens weitaus besser aus als auf den Bildern. Das unter zu Hilfename von KI generierte Cover hat eine tolle Farbgestaltung und sieht sehr hübsch aus im Bücherregal.

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