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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2025

Abgründig, hypnotisch, brillant: Eine Reise in die tiefsten Schatten der Seele.

Super Acht
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"Super Acht" ist ein bitterkalter Thriller über Schuld und die Frage, wie viel Dunkelheit ein Mensch ertragen kann.

MJ Crowns "Super Acht" ist ein düsterer Noir-Krimi mit psychologischem Tiefgang. Die ...

"Super Acht" ist ein bitterkalter Thriller über Schuld und die Frage, wie viel Dunkelheit ein Mensch ertragen kann.

MJ Crowns "Super Acht" ist ein düsterer Noir-Krimi mit psychologischem Tiefgang. Die Geschichte entfaltet sich als ein klassischer Ermittlerroman, angereichert mit cineastischem Flair, der Detektiv Christian Blake als zerrissene Hauptfigur präsentiert. Nach einem Auftrag von Lady Chamberlain über ihren Anwalt beginnt er mit der Spurensuche zu einem abstoßenden Snuff-Film, der in dem alten Adelsanwesen der Chamberlains gefunden wurde – und deckt Schritt für Schritt ein perfides Netz aus Gewalt, Macht und sexueller Abartigkeit auf.

Die Story führt in eine kaputte Welt: Blakes eigene Vergangenheit ist von Alkoholismus, Verlust und Isolation geprägt. Diese brüchige Heldenfigur bekommt es mit Figuren zu tun, die alle eine Ambivalenz in sich tragen – von der geheimnisvoll-leidenden Lady Chamberlain bis hin zu dubiosen Informanten aus Londons Unterwelt.

Die Erzählung spielt gekonnt mit moralischen Grauzonen. Was ist Wahrheit, was Fiktion? Ist der Snuff-Film echt oder gestellt? Und wer steckt wirklich hinter dem Material?

Die Handlung schreitet zunächst langsam, aber intensiv voran, was der Detektivperspektive Rechnung trägt. Es geht um psychologische Eskalation – in Blakes Kopf ebenso wie in der Handlung. In der zweiten Hälfte tritt zunehmend der Thriller-Aspekt in den Vordergrund.

MJ Crown schreibt mit schneidender Präzision, großem psychologischem Feingefühl und einer melancholischen Kraft, die tief unter die Haut geht. Eine literarische Fahrt zwischen Noir, Psychogramm und Abgrund. Die Sprache ist gehoben, jedoch durchsetzt mit harter, direkter Umgangssprache – besonders in den inneren Monologen Blakes.

Fazit: MJ Crown gelingt mit "Super Acht" einen Noir-Krimi zu gestallten, der psychologisch packt, stilistisch überzeugt und sich trotz seiner düsteren, teils brutalen Thematik tief ins Leserherz brennt. Der Text ist komplex, emotional fordernd, aber literarisch außergewöhnlich. Die Ambivalenz der Figuren und die literarische Umsetzung von Grenzerfahrungen ist sehr gut gelungen.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Dieses Buch hat mich eiskalt erwischt

Plutonium
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Eine Frau. Ein Waffenhändler. Und ein Netz aus Lügen, das tiefer reicht, als ich erwartet hatte.

Ich habe Plutonium angefangen zu lesen, weil ich etwas Spannendes wollte – was zum Abtauchen, nicht zu ...

Eine Frau. Ein Waffenhändler. Und ein Netz aus Lügen, das tiefer reicht, als ich erwartet hatte.

Ich habe Plutonium angefangen zu lesen, weil ich etwas Spannendes wollte – was zum Abtauchen, nicht zu leicht, aber auch nicht zu komplex. Anders als erwartet, habe ich an manchen Stellen wirklich schlucken müssen. Der Roman hat eine interessante Mischung aus Thriller und psychologischen Momenten, da Jess doch einiges in ihrer Fremd-Geh-Beziehung aufarbeiten musste und sie genau hierhin gebracht hat. Jess ist ein komplexe Persönlichkeit, mutig, wütend, und doch verletzlich. Aufgrund der Gesamtsituation schlittert sie etwas naiv in das Agentenleben hinein. Den Weg, den sie beschreitet ist nachvollziehbar, auch wenn ich sie nicht immer gut fand. Aber am Ende muss ich sagen hat sie mich gekriegt und wer weiß, ob nicht ein ganz normaler Mensch nicht auch so handeln würde, wenn alles auf dem Spiel steht. Was mich besonders angesprochen hat, war, wie geschickt die Geschichte zwischen persönlichen Abgründen und politisch/krimineller Dimension wechselt. Da geht es um Macht, Plutonium, internationale Waffendeals. Es ist erschreckend real. Und gleichzeitig intim, weil man so nah bei Jess bleibt. Ich will nicht spoilern, aber es gibt einige Szenen, da habe ich echt den Atem angehalten. Jess Vergangenheit ist die Basis des Romans und das Spiel, auf das sie sich eingelassen hat, um an Informationen zu kommen, hat es schon in sich Sprachlich fand ich den Roman ansprechend und die Handlung absolut nachvollziehbar. Für mich war Plutonium ein spannender Thriller, nachdem man nicht gleich zum nächsten Buch greift.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Nichts für Zartbesaitete – aber genau das macht’s so gut


Tabulos - Gefangene der Lust - Erotischer Roman
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Zwischen Sehnsucht und Selbstzerstörung – ein Buch wie ein glühender Draht.
Tabulos ist das ehrlichste Buch über weibliche Lust, das ich bisher gelesen habe. Und ja, es ist an vielen Stellen hart. Jess ...

Zwischen Sehnsucht und Selbstzerstörung – ein Buch wie ein glühender Draht.
Tabulos ist das ehrlichste Buch über weibliche Lust, das ich bisher gelesen habe. Und ja, es ist an vielen Stellen hart. Jess taucht tief ein in eine Welt aus anonymen Dates, Spielarten der Lust, Kontrollverlust. Aber nie geht es dabei nur um Sex.
Es geht um ein Leben, das sich fremd anfühlt. Um eine Ehe, die zur Routine geworden ist. Um das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Und um den Versuch, das nachzuholen – um jeden Preis.
Ich habe das Buch in zwei Nächten gelesen, weil ich einfach wissen wollte: Wie weit geht sie? Und wird sie irgendwann aufwachen?
Besonders stark fand ich, wie unterschiedlich die Männerfiguren gezeichnet sind. Kein Schwarzweiß, sondern jede Begegnung bringt eine andere Facette von Jess zum Vorschein.
Dieses Buch hat mich berührt. Ein mutiges, intensives Leseerlebnis, das ich garantiert nicht vergesse.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Mehr Familiendrama als Romanze – dennoch lesenswert

Verzeihst du mir?
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„Verzeihst du mir?“ hat mich mit seiner vielschichtigen Geschichte überrascht. Was zunächst wie eine klassische Liebesgeschichte am Bodensee anmutet, entpuppt sich als tiefgründiges Familiendrama mit kriminellen ...

„Verzeihst du mir?“ hat mich mit seiner vielschichtigen Geschichte überrascht. Was zunächst wie eine klassische Liebesgeschichte am Bodensee anmutet, entpuppt sich als tiefgründiges Familiendrama mit kriminellen Elementen.

Die Handlung ist spannend und emotional, wobei die Autorin es schafft, komplexe Themen wie Schuld, Vergebung und familiäre Geheimnisse sensibel zu behandeln. Besonders beeindruckt hat mich die Entwicklung der Hauptfiguren, deren Schicksale auf unerwartete Weise miteinander verknüpft sind.

Allerdings hätte ich mir mehr romantische Elemente gewünscht, da der Titel eine stärkere Fokussierung auf die Liebesgeschichte suggeriert. Zudem waren einige Wendungen vorhersehbar, was die Spannung etwas minderte.

Fazit: Ein gelungenes Familiendrama mit emotionaler Tiefe, das jedoch weniger Romantik bietet als erwartet. Für Leser, die sich auf eine Mischung aus Spannung und Gefühl einlassen möchten, ist dieses Buch dennoch empfehlenswert.
Von mir gute 3,5 von 5 Sternen

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Gesellschaftskritischer Kriminalroman mit Potenzial – thematisch stark, stilistisch noch ausbaufähig

Ende des Schweigens
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„Ende des Schweigens“ beginnt mit einem düsteren Fund: Der 17-jährige Jackson Schulz - Nebenfigur - entdeckt auf einem Berliner Spielplatz die Leiche eines kleinen Jungen – ohne erkennbare Gewalteinwirkung, ...

„Ende des Schweigens“ beginnt mit einem düsteren Fund: Der 17-jährige Jackson Schulz - Nebenfigur - entdeckt auf einem Berliner Spielplatz die Leiche eines kleinen Jungen – ohne erkennbare Gewalteinwirkung, was zunächst auf einen natürlichen Tod oder Unfall hindeutet. Hauptkommissarin Helene Eberle und ihr Kollege Walter Paul übernehmen die Ermittlungen. Die beiden sind erfahrene Ermittler, wirken aber zugleich geerdet, realistisch gezeichnet. Besonders Eberles Perspektive – sie ist selbst Mutter – bringt eine emotionale Tiefe in den Fall.
Schnell wird klar: Es handelt sich um einen Mord – das Kind wurde mit Beruhigungsmitteln ruhiggestellt und starb an einer Überdosis
Im Zentrum steht die Frage, warum das Kind sterben musste? Die Spur führt zu einem ehemaligen Psychologen, der unter Verdacht steht, sich Jungen unangemessen genähert zu haben. Er war als Therapeut des Jungen tätig – aufgrund dessen Mobbingerfahrungen. Doch ist er tatsächlich der Täter?
Das Buch arbeitet mit zahlreichen Nebenfiguren. Diese werden funktional eingeführt, zeigen aber auch, wie viele kleine Versäumnisse und Wegsehen letztlich zu einer Tragödie führen können. Die gesellschaftliche Botschaft des Romans: Schweigen schützt die Falschen.
Die Sprache bleibt klar, sachlich, fast nüchtern und gleicht einer stringenten Kriminalerzählung mit Fokus auf Thema und Aufklärung. Es gibt keine klassischen Kapitel, eher einen Szenenwechsel. Der Roman kommt ohne große Abschweifungen aus, wirkt aber dadurch an manchen Stellen auch etwas karg. In Summe ist "Ende des Schweigens" ein gesellschaftskritischer Roman, der sich einem ersten Thema stellt – aber es literarisch nicht ausformt. Inhaltlich relevant, aber formal und emotional zu wenig investiert. Der Text kratzt an der Oberfläche eines Tabus, dem er erzählerisch nicht gerecht wird.

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