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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.06.2025

Eine Zeit des Umbruchs

Eine Welt nur für uns
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Claire Deyas Roman Eine Welt nur für uns entführt die Leser:innen ins Jahr 1945 nach Hyères an die Côte d’Azur – in eine Welt zwischen Zerstörung und Neuanfang. Im Mittelpunkt steht Vincent, der nach Jahren ...

Claire Deyas Roman Eine Welt nur für uns entführt die Leser:innen ins Jahr 1945 nach Hyères an die Côte d’Azur – in eine Welt zwischen Zerstörung und Neuanfang. Im Mittelpunkt steht Vincent, der nach Jahren deutscher Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, entschlossen, seine große Liebe Ariane wiederzufinden. Diese ist seit zwei Jahren verschwunden, zuletzt in Verbindung mit den deutschen Besatzern gesehen. Um ihrer Spur zu folgen, schließt sich Vincent einer Gruppe Minenräumer an – eine lebensgefährliche Aufgabe, die symbolisch für die Zerbrechlichkeit des Friedens steht.

Deya zeichnet eindrucksvoll das Bild einer vom Krieg gezeichneten Gesellschaft. Die Entscheidung, Minensucher in den Fokus zu stellen – darunter deutsche Kriegsgefangene und französische Freiwillige – eröffnet ein wenig beachtetes, aber historisch relevantes Kapitel der Nachkriegszeit. Die ständige Bedrohung durch tödliche Minen spiegelt treffend die seelische Unsicherheit der Figuren wider. Besonders gelungen ist dabei die Konstellation der Minenräumer: Die fragile Zusammenarbeit zwischen ehemaligen Feinden macht die Spannung greifbar.

Inhaltlich überzeugt der Roman durch seinen thematischen Tiefgang. Er erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern verhandelt große Fragen: Schuld und Vergebung, Identität, Traumata und der schwierige Weg zurück in ein ziviles Leben. Auch wenn Vincents Suche nach Ariane nicht durchweg fesselnd ist, bleibt sie doch emotional nachvollziehbar – gerade weil sie mit der Suche nach innerem Frieden verknüpft ist.

Der literarische Stil ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Deya beschreibt bildreich und atmosphärisch dicht – gerade die Landschaften, das Licht der Côte d’Azur und die dörfliche Nachkriegsstimmung sind sehr gelungen eingefangen. Gleichzeitig wirken manche Passagen sprachlich sperrig oder redundant, was den Lesefluss bremst. Ob dies am Originaltext oder an einer etwas holprigen Übersetzung liegt, lässt sich schwer sagen – stellenweise wirkt es jedenfalls so, als wäre der Text nicht ganz stilsicher übertragen worden. Längere Sätze verlieren gelegentlich an Klarheit, und einige Dialoge klingen hölzern. Vielleicht auch nur mein Eindruck...

Eine Welt nur für uns ist ein bewegender Roman über eine Zeit des Umbruchs. Die Kombination aus historischer Genauigkeit, psychologischem Feingefühl und einer stillen, aber kraftvollen Liebesgeschichte macht ihn absolut lesenswert. Trotz stilistischer Schwächen und kleiner Längen überzeugt Claire Deya mit einer eindringlichen Geschichte, die lange nachhallt. Für Leser*innen, die sich für die Nachkriegszeit interessieren und Literatur schätzen, die sich auch schwierigen Themen stellt, ist dieser Roman eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Zwischen Schmerz und Sehnsucht

Erdbeeren und Zigarettenqualm
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Du bist jung, studierst in Glasgow, küsst zum ersten Mal ein Mädchen, verliebst dich in deine beste Freundin – und liegst plötzlich in der Notaufnahme. So beginnt Madeline Dochertys Debüt Erdbeeren und ...

Du bist jung, studierst in Glasgow, küsst zum ersten Mal ein Mädchen, verliebst dich in deine beste Freundin – und liegst plötzlich in der Notaufnahme. So beginnt Madeline Dochertys Debüt Erdbeeren und Zigarettenqualm – direkt, intim, verletzlich. Was wie eine Coming-of-Age-Geschichte klingt, entpuppt sich schnell als ein ebenso intensives wie schmerzhaft schönes Porträt über Freundschaft, Krankheit und das Erwachsenwerden in all seiner Widersprüchlichkeit.
Die namenlose Protagonistin erzählt ihre Geschichte in der Du-Perspektive – ein ungewöhnlicher, aber wirkungsvoller Kniff, der sofort Nähe schafft, aber auch anstrengend sein kann. Man wird nicht nur zur Leserin, sondern zur Mitfühlenden, zur Vertrauten, fast zur Beteiligten. Der Stil erinnert an Sally Rooney, auch durch das Fehlen von Anführungszeichen, doch Docherty schafft es, eine ganz eigene Sprache zu finden: roh, direkt, poetisch – mit einem untrüglichen Gespür für Zwischentöne.
Im Zentrum steht die Freundschaft zur charismatischen, lebenshungrigen Ella. Sie ist Stütze und Schwachstelle zugleich, Rettungsanker und Abgrund. Während sich die Ich-Erzählerin durch ein unstetes Leben voller Partys, Jobs, Affären und innerer Unruhe treiben lässt, bleibt Ella der Fixpunkt – bis das Ungleichgewicht ihrer Beziehung zu kippen droht.
Besonders eindringlich ist die Darstellung der chronischen Krankheit Endometriose: Schonungslos, ehrlich und ohne falsches Pathos zeigt Docherty, wie diese Diagnose das Leben der Protagonistin durchzieht – körperlich, psychisch, sozial. Wer selbst betroffen ist oder Betroffene kennt, wird sich gesehen fühlen. Wer davon noch nie gehört hat, wird es nach diesem Buch nicht mehr vergessen.
Was bleibt, ist eine Geschichte voller Widersprüche: wild und traurig, zart und laut, vertraut und fremd. Ein Roman, der nicht nur erzählt, sondern spüren lässt – den Schmerz, die Sehnsucht, die Leere, die Hoffnung. Und die Liebe, die manchmal nicht reicht.

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Eine kluge, unterhaltsame und tiefgründige Doppelbiografie

Warren Buffett und Bill Gates
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Mit seinem Buch Warren and Bill: Gates – Die einflussreichste Freundschaft der Welt wirft Anthony McCarten einen faszinierenden Blick auf zwei der einflussreichsten Männer unserer Zeit – und auf die ungewöhnliche ...

Mit seinem Buch Warren and Bill: Gates – Die einflussreichste Freundschaft der Welt wirft Anthony McCarten einen faszinierenden Blick auf zwei der einflussreichsten Männer unserer Zeit – und auf die ungewöhnliche Freundschaft, die sie miteinander verbindet. Was zunächst wie ein klassisches Wirtschaftsporträt klingt, entpuppt sich als feinfühlig erzähltes Buch über Nähe, Einfluss, Werte und Verantwortung.
Zwei Männer, zwei Welten – eine Vision
Bill Gates, der technikbegeisterte, durchgetaktete Microsoft-Mitgründer, trifft auf Warren Buffett, den bodenständigen Investment-Guru aus Omaha. Zwei Persönlichkeiten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – und dennoch entsteht zwischen ihnen in den 1990er-Jahren eine der bemerkenswertesten Freundschaften des 21. Jahrhunderts. McCarten beschreibt eindrücklich, wie Gates’ anfängliche Skepsis gegenüber Buffett schnell in Bewunderung umschlägt – ein Gespräch reicht, und eine lebenslange Verbindung beginnt.
Spannend ist dabei die Alltäglichkeit ihrer Beziehung: sie spielen Bridge (auch online), essen Fast Food, scherzen über ihre Eigenheiten. Und doch ist es gerade diese Vertrautheit, aus der ein beispielloser Einfluss auf Wirtschaft, Philanthropie und globale Gesundheitsfragen erwächst.
Der größte Deal der Welt – ohne Geld
Das zentrale Projekt ihrer Freundschaft ist die Zusammenarbeit in der Bill & Melinda Gates Foundation. Buffett bringt rund 85 % seines Vermögens in die Stiftung ein – eine beispiellose Geste des Vertrauens und der Überzeugung. Gemeinsam arbeiten sie daran, globale Herausforderungen wie Malaria, Armut und mangelnde Bildung zu bekämpfen. McCarten zeigt hier eindrucksvoll, dass ihr “größter Deal” keiner an der Börse war, sondern einer für die Menschheit.
Persönlich und politisch
Besonders berührend sind jene Passagen, in denen McCarten von den privaten Momenten berichtet. Etwa wenn Gates sich in seinem streng durchgetakteten Alltag eine „Pause“ gönnt und mit dem Privatjet zu Buffett fliegt, um Abstand von Meetings, Medien und Melinda zu gewinnen. Oder wenn Gates rückblickend erkennt: „Ich hätte viel früher lernen sollen, dass man nicht jede Minute verplanen muss, um erfolgreich zu sein.“
Auch die Reibungspunkte spart McCarten nicht aus: Nach Gates’ Scheidung von Melinda French Gates 2021 tritt Buffett aus der Stiftung aus. Die Freundschaft habe sich abgekühlt, heißt es. Doch McCarten behandelt diese Entwicklung mit Respekt und stellt Fragen, die über das Persönliche hinausgehen: Wie viel Macht dürfen Einzelne haben? Ist es gesund, wenn private Akteure globale Agenden setzen?
Ein vielschichtiges Porträt
McCartens Stärke liegt darin, Fakten, Anekdoten und kritische Reflexion miteinander zu verweben. Er schreibt klug, ohne zu dozieren, charmant, ohne zu verklären. Die beiden Männer werden nicht als Helden stilisiert, sondern als Menschen mit Ambitionen, Fehlern, Stärken – und als Vorbilder für eine neue Art von Verantwortung.
Fazit
Warren and Bill: Gates – Die einflussreichste Freundschaft der Welt ist ein ebenso unterhaltsames wie aufschlussreiches Buch über eine Freundschaft, die aus einer zufälligen Begegnung entstand und globale Wirkung entfaltete. McCarten gelingt ein Porträt, das weit über Wirtschaft hinausgeht – ein Buch über Vertrauen, Wandel, Macht und Menschlichkeit.
Unbedingt lesenswert – für alle, die sich für Biografien, Zeitgeschichte und das Zusammenspiel von persönlicher Beziehung und globaler Verantwortung interessieren.

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Heimkehr in die Vergangenheit – Schuld, Schwestern und Selbstfindung

Die Inselschwimmerin
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Mit Die Inselschwimmerin legt Lorraine Kelly – bislang vor allem als britische Fernsehjournalistin bekannt – ihr Romandebüt vor. Entstanden ist ein gefühlvoller, zeitweise sehr bewegender Roman über Familie, ...

Mit Die Inselschwimmerin legt Lorraine Kelly – bislang vor allem als britische Fernsehjournalistin bekannt – ihr Romandebüt vor. Entstanden ist ein gefühlvoller, zeitweise sehr bewegender Roman über Familie, Schuld, Vergebung und das Finden von innerem Frieden – angesiedelt vor der rauen, atmosphärisch dichten Kulisse der schottischen Orkneyinseln.

Inhalt & Handlung
Im Mittelpunkt steht die 38-jährige Evie, die nach zwanzig Jahren in London auf die Orkneys zurückkehrt, um sich von ihrem sterbenden Vater zu verabschieden. Sie kommt zu spät – doch sie beschließt zu bleiben und sich ihrer belasteten Vergangenheit zu stellen. Das Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester Liv ist zerrüttet, ein traumatisches Ereignis liegt wie ein Schatten über der Familie. Während Evie das Elternhaus auflöst, findet sie Anschluss an eine Gruppe von Kaltwasserschwimmerinnen – starke Frauen, die ihr helfen, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Die Handlung wird auf drei Zeitebenen erzählt:
– Evies Kindheit ab den 1960er-Jahren
– Die dramatischen Geschehnisse im Jahr 2004
– Ihre Rückkehr im Jahr 2024

Dieser Aufbau schafft Spannung, lässt Raum für emotionale Tiefe und verleiht der Geschichte Struktur. Die zentrale Frage – welches Geheimnis Evie in die Flucht trieb – wirkt als verbindendes Element zwischen den Zeitebenen und hält die Leserschaft über weite Strecken in Atem.

Sprache & Stil
Angela Koonens Übersetzung ist einfühlsam und klar. Lorraine Kelly schreibt in einem angenehm flüssigen, bildhaften Stil, der manchmal etwas altmodisch wirkt, aber gut zur Atmosphäre der Inselwelt passt. Die wechselnden Perspektiven und Zeitsprünge ermöglichen einen tiefen Einblick in die Seelen der Figuren – vor allem Evies innerer Konflikt, ihre Schuldgefühle und ihr Weg zur Selbstvergebung sind überzeugend und nahbar dargestellt.

Charaktere
Die Figurenzeichnung ist vielschichtig, wenn auch nicht durchweg subtil. Evie wirkt authentisch, ihre Entwicklung glaubwürdig. Besonders gelungen ist auch die Figur von Freya – eine warmherzige Freundin ihres Vaters und eine Art moralischer Kompass im Roman. Liv hingegen bleibt in ihrer Rolle als destruktive Schwester etwas überzeichnet. Auch die Eltern – besonders die Mutter Cara – bedienen eher stereotype Rollenmuster.
Trotzdem gelingt es der Autorin, das Spannungsverhältnis innerhalb dieser zerrütteten Familie nachvollziehbar zu machen – und letztlich eine Geschichte zu erzählen, in der es um das Ringen um Anerkennung, Liebe und Wahrheit geht.

Stärken & Schwächen
Besonders positiv hervorzuheben ist der emotionale Tiefgang des Romans sowie das feine Gespür für zwischenmenschliche Spannungen. Auch die landschaftliche Kulisse der Orkneys bietet ein reizvolles Setting – obwohl hier atmosphärisch noch mehr möglich gewesen wäre.
Weniger überzeugend ist die Vielzahl an gesellschaftlichen Themen (Trauer, psychische Erkrankungen, LGBTQ, Krebs, Gewalt, Alzheimer u.a.), die zum Teil recht konstruiert wirken und nicht immer ausreichend auserzählt werden. Gegen Ende verliert der Roman etwas an Tempo und Stringenz – einige Handlungsstränge werden rasch aufgelöst, manches wirkt überhastet oder zu plakativ. Auch der Titel und die Bewerbung als „Schwimmroman“ sind leicht irreführend – das Schwimmen spielt nur eine symbolische, eher randständige Rolle.

Fazit
Die Inselschwimmerin ist ein gefühlvoller Roman über den Mut zur Versöhnung, die Kraft weiblicher Solidarität und die Suche nach Zugehörigkeit. Lorraine Kelly gelingt ein stimmiges Debüt, das trotz kleiner Schwächen überzeugt. Wer Familiengeschichten mit Tiefe, emotionaler Entwicklung und einer Prise Inselatmosphäre mag, wird hier fündig.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Hilft beim Umgang mit dem Thema Gaming!

Zocken, aber gesund!
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In Zocken, aber gesund! liefert Dr. Alok Kanojia – besser bekannt als „Dr. K“ – einen praxisnahen Leitfaden für Eltern, die sich mit dem Thema Gaming bei ihren Kindern auseinandersetzen. Als Psychiater ...

In Zocken, aber gesund! liefert Dr. Alok Kanojia – besser bekannt als „Dr. K“ – einen praxisnahen Leitfaden für Eltern, die sich mit dem Thema Gaming bei ihren Kindern auseinandersetzen. Als Psychiater und ehemaliger Videospielsüchtiger bringt er eine einzigartige Perspektive mit, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch persönlich nachvollziehbar ist.
Das Buch beleuchtet, warum Computerspiele für Kinder und Jugendliche so faszinierend sind, und bietet gleichzeitig Strategien, um gesunde Spielgewohnheiten zu fördern. Dr. K geht dabei auf häufige Fragen ein, wie:
• Wie lange sollten Kinder spielen dürfen?
• Wie kann man sie für andere Aktivitäten begeistern?
• Wie erkennt man problematisches Spielverhalten?
Ein besonderer Mehrwert für Eltern liegt in den konkreten Ratschlägen und dem klaren Fahrplan, den Dr. K anbietet. Er ermutigt zu offenen Gesprächen, Verständnis und dem Aufbau einer starken Eltern-Kind-Beziehung, ohne dabei in Alarmismus zu verfallen.
Zocken, aber gesund! ist ein wertvolles Werkzeug für alle, die einen ausgewogenen Umgang mit digitalen Spielen in der Familie suchen. Es bietet nicht nur Einblicke in die Welt der Gamer, sondern auch praktische Lösungen für den Alltag.

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