Sehr bewegend, feinfühlig und klug
Nicht tot zu sein, ist noch kein LebenBereits das Cover trifft den Inhalt des Buches ausnehmend gut, die weiße Blume vor dem dunklen Hintergrund, die auf den ersten Blick romantisch aussieht, aber doch zart und zerbrechlich ist. Das kleine ...
Bereits das Cover trifft den Inhalt des Buches ausnehmend gut, die weiße Blume vor dem dunklen Hintergrund, die auf den ersten Blick romantisch aussieht, aber doch zart und zerbrechlich ist. Das kleine rote Etwas in der Blüte, mit dem Blick nach unten, eine Frau vor dem Sprung in die Tiefe ?
Auch den Titel finde ich grandios getroffen.
Wir begleiten zwei Freundinnen aus der Studienzeit ins Erwachsensein mit recht unterschiedlichen Lebenskonzepten, die aber die Freundschaft weiterhin bestehen lassen. Diese Freundschaft ist durch die schwere Erkrankung von Marlene einigen Zerreißproben unterworfen, vor allem ändert sich die Rollenverteilung und die Balance zwischen Stärke und Schwäche unter den beiden Frauen mehrmals.
Das Buch ist in einer lebhaften, sehr flüssigen Prosa geschrieben, einige eingestreute Mails sorgen für zusätzliche Lebendigkeit. An jeder Stelle wird auf die Gefühle der beiden Frauen sehr einfühlsam eingegangen.
Der Krankheitsweg von Marlene wird ebenso eindrücklich geschildert wie die moralischen, medizinischen und persönlichen Fragestellungen, mit denen sich die Ärztin Helena auseinander setzt. Trotz einiger juristischer Details, vor allem, was das Thema Sterbehilfe betrifft, ist das Buch von Anfang bis Ende bewegend und spannend.
Es behandelt viele wichtige Themen - nicht nur das der Sterbehilfe - auf sehr interessante Art - Ehe, Treue, Freundschaft, Rivalität, natürlich Erkrankung, Mut, Hoffnung, Verzweiflung, Verantwortung, Religion. Dabei ist es sehr gut recherchiert und bietet für medizinische Laien auch ein hilfreiches Glossar am Schluss.
Ich vergebe voller Überzeugung fünf Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.