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Veröffentlicht am 22.05.2025

Fesselndes Porträt von Anita Berger - Ein Leben wie ein Tanz auf dem Vulkan

Der ewige Tanz
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MEINE MEINUNG
In seiner Romanbiografie „Der ewige Tanz“ portraitiert Autor und Schauspieler Steffen Schroeder das kurze, bewegte Leben der für ihre innovativen Tanzperformances berühmte Tänzerin Anita ...

MEINE MEINUNG
In seiner Romanbiografie „Der ewige Tanz“ portraitiert Autor und Schauspieler Steffen Schroeder das kurze, bewegte Leben der für ihre innovativen Tanzperformances berühmte Tänzerin Anita Berber (1899–1928) an, die als eine sehr ikonische und polarisierende Figur der Weimarer Republik gilt.
Anita Berbers provokante Erscheinung und skandalträchtige Lebensweise sorgte für Aufsehen und machte sie zu einer Symbolfigur des rebellischen Zeitgeists und einer Epoche des Umbruchs. Ihr Leben war geprägt von Höhen und Tiefen, von Exzessen und Tabubrüchen. Ihr unkonventioneller, androgyner Look, ihre Nackttänze, exzessiver Drogenkonsum und offen gelebte Bisexualität brachen mit den damaligen gesellschaftlichen Normen und machten sie zu einer Vorreiterin ihrer Zeit, indem sie stets die Grenzen der Kunst und Moralvorstellungen herausforderte.
Der Roman verwebt auf kunstvolle Weise historische verbürgte Begebenheiten und Fakten mit erzählerischer Freiheit, um das Porträt dieser ebenso faszinierenden wie innerlich zerrissenen Persönlichkeit zu zeichnen.
Die Handlung, die im Juli 1928 einsetzt, als Berber von der Schwindsucht schwer gezeichnet im Berliner Bethanien-Krankenhaus liegt, entfaltet sich in verschiedenen episodischen Rückblenden als ein vielschichtiges Mosaik aus Erinnerungssplittern. Die sprunghafte Chronologie kann mitunter anstrengend und verwirrend wirken, was den Lesefluss insgesamt etwas beeinträchtigt.
Mit seinem ansprechenden, bildhaften Schreibstil gelingt es Steffen Schroeder rasch, uns auf eine faszinierende Zeitreise in die Welt der Goldenen Zwanziger Jahre mitzunehmen – eine widersprüchliche Epoche im ständigen Wandel, die einerseits zwischen Armut, gesellschaftlichen Umbrüchen, ungezügeltem Vergnügen und Dekadenz taumelte und auf andererseits rasantem Fortschritt, beispielloser kultureller Aufbruchsstimmung und Innovation.
Wie einzelne Puzzleteile fügen sich die Bruchstücke von Berbers Vergangenheit und ihrer einzigartigen Karriere nach und nach zu einem lebendigen, vielschichtigen Porträt der Künstlerin und ihrer Epoche zusammen. Ob nun kurze Episoden zu ihrer Kindheit bei ihrer geliebten Großmutter Lu, ihren künstlerischen Triumphe oder selbstzerstörerischen Exzesse - diese fragmentarische Erzählweise spiegelt nicht nur eindrucksvoll die Komplexität von Berbers Kreativität und ihrem chaotischen Lebenswandel wider, sondern gewährt uns zudem schlaglichtartig aufschlussreiche Einblicke in die turbulente Atmosphäre der Weimarer Republik. Einfühlsam und facettenreich fängt er nicht nur deren Magie ein, sondern zeigt auch schonungslos ihre Abgründe und dunklen Seiten auf.

Sehr gründlich hat Schroeder das kulturgeschichtliche Umfeld sowie das historische Geschehen jener Zeit recherchiert und anschaulich in die Handlung eingeflochten Er versteht es hervorragend die besondere Ästhetik der wilden Goldenen Zwanziger im pulsierenden Berlin oder Wien einzufangen und ein faszinierendes Panorama der avantgardistischen, künstlerischen Kreise zu entwerfen. Wie kaum eine andere verkörperte Berber durch ihre Kunst, ihren avantgardistischen Stil und ihr exzentrisches Leben den Zeitgeist einer Generation, die traditionelle Moralvorstellungen durch provokative ästhetische Auflehnungen infrage stellte und bei der Tanz als Medium gesellschaftlicher Befreiung fungierte. Hervorragend haben mir vor allem die äußerst plastischen und eindringlichen Schilderungen von Bergers außergewöhnlichen, oft bis an die Grenze zur Nacktheit gehenden Tanzchoreografien gefallen, die ihr leidenschaftliches, künstlerisches Credo wiedergeben und deutlich zeigen, dass sie mit ihrer künsterlerischen Innovation und Radikalität ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht sogar voraus war. Bergers bahnbrechende Choreografien und sinnliche Darbietungen eröffneten eine innovative Dimension des Tanzes. Ihre künstlerische Vision prägte maßgeblich die Entwicklung des modernen Tanzes und etablierte sie als wegweisende Figur in dieser Kunstform. Durch die gewagte Verschmelzung von Bewegung und Erotik schuf sie eine einzigartige tänzerische Sprache, die die Grenzen des Konventionellen sprengte und neue Ausdrucksmöglichkeiten erschloss. Ein faszinierendes Highlight ist die mitreißende Darstellung ihres Skandalstücks „Kokain“, bei der Sprache und ekstatische Bewegung zu einer gelungenen Einheit verschmelzen. Sehr aufschlussreich sind auch die kurzen Episoden mit historischen Persönlicheiten wie dem Maler Otto Dix, der Berber 1925 in seinem berühmten Porträt als alte Frau verewigte, oder der Filmemacher Fritz Lang.
Trotz atmosphärischer Dichte bleibt Anita Berber leider als Hauptfigur merkwürdig distanziert und ihre Beweggründe wenig greifbar. Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass von Berber selbst wenig persönliches Material überliefert ist, aus dem man mehr über ihre Innenwelt erfahren könnte. Gerne hätte ich noch mehr über ihre inneren Dämonen und die psychologischen Hintergründe für ihre obsessive Hingabe an die Kunst und selbstzerstörerischen Drogenexzesse erfahren.
Durch umfassende Recherchearbeit insbesondere zu bekannten Personen in ihrem Umfeld ist es Schroeder dennoch gelungen, ihre schillernde Persönlichkeit mit ihrer mutigen, provokanten Art aber auch mit all ihren Ängsten und Nöten als gefeierte Künstlerin jener Zeit lebendig und authentisch darzustellen.
Geschickt räumt er mit dem gängigen Mythos der „femme fatale“ auf, indem er stimmig aufzeigt, wie Berbers subversive und skandalträchtige Inszenierungen nicht nur ihre feministische Emanzipation darstellten sondern oft auch auf kommerziellem Kalkül beruhten.
Geschickt thematisiert Schroeder auch die Doppelmoral einer Gesellschaft, die Berber gleichermaßen als Ikone des modernen, selbstbestimmten Frauentyps verehrte, der neue Ausdrucksformen und Lebensweisen sucht, und sie zugleich ächtete.

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Veröffentlicht am 10.05.2025

Schicksale im Schatten des Kanals der Träume

Der große Riss
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MEINE MEINUNG
In ihrem beeindruckenden historischen Roman Der große Riss entführt Cristina Henríquez die Leser in den unberechenbaren Dschungel Panamas zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wo ein gigantisches ...

MEINE MEINUNG
In ihrem beeindruckenden historischen Roman Der große Riss entführt Cristina Henríquez die Leser in den unberechenbaren Dschungel Panamas zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wo ein gigantisches Bauprojekt nicht nur die Geografie, sondern auch das Leben unzähliger Menschen für immer veränderte.
Vor dem Hintergrund des Baus des legendären Panamakanals, eines der ehrgeizigsten Ingenieursprojekte seiner Zeit, widmet sich Henríquez den Schicksalen jener Menschen, die in den Geschichtsbüchern oft übersehen werden: Arbeiter aus der Karibik, einheimische Fischer und Wahrsagerinnen, Frauen aus Barbados und amerikanische Ärzte.
Die vielschichtige Handlung ist im Jahr 1907 angesiedelt. Mit einem multiperspektivischen Erzählstil gelingt es der Autorin, die persönlichen Schicksale ihrer zahlreichen Charaktere zu einem bewegenden Mosaik zu verweben und zugleich ein facettenreiches gesellschaftliches Panorama zu zeichnen.
Ob nun Francisco, ein panamaischer Fischer, der dem Kanalprojekt kritisch gegenübersteht, und sein Sohn Omar, der sich wegen seiner Arbeit beim Kanalbau mit ihm entzweit, die jungen Ada aus Barbados, die in Panama Arbeit sucht, um das Leben ihrer kranken Schwester zu retten, sowie das amerikanische Ehepaar John und Marian Oswald, die nach Panama kommen um sich der Bekämpfung von Malaria zu widmen oder schließlich der Fischhändler Joaquin, der sich mit seiner Frau einer Protestbewegung gegen die Zwangsumsiedlungen anschließt – ihr Leben wird unweigerlich durch dieses gigantische Infrastrukturprojekt nachhaltig beeinflusst. Der Autorin gelingt es hervorragend, ihren faszinierenden Charakteren eine unverwechselbare Stimme zu verleihen und ihre individuellen Geschichten eindrucksvoll zu einem bewegenden Mosaik zusammen zu fügen.
Schrittweise erhalten wir facettenreiche Einblicke in die damalige multikulturelle Gesellschaft insbesondere in die Schicksale derjenigen, die damals zum Bau kamen, jener, die Widerstand leisteten, sowie derer, die versuchten, das zu bewahren, was rechtmäßig ihnen gehörte.
Mit ihrem lebendigen, detailreichen Schreibstil gelingt es Henríquez hervorragend, die Atmosphäre des frühen 20. Jahrhunderts in Panama einzufangen. Dabei verwebt sie nicht nur historische Details rund um den Kanalbau mit den fiktiven Elementen, sondern auch sorgsam recherchierte Fakten über technische Herausforderungen während des Kanalbaus, gesundheitliche Risiken sowie politische Verwicklungen.
Aus den unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet die Autorin die komplexen kulturellen und sozialen Spannungen zwischen Einheimischen und Zuwanderern, die dieses Projekt begleiteten, ebenso wie die Rolle von Frauen in der damals von Männern dominierten Welt sowie die Auswirkungen des Kolonialismus und Imperialismus.
Besonders eindringlich zeigt sie auf, wie wirtschaftliche und geopolitische Interessen sowie das Streben nach technologischem Fortschritt auf Kosten menschlicher Leben und sozialer Gerechtigkeit realisiert wurden.
Henríquez gibt jenen eine Stimme, die im Getriebe bedeutsamer historischer Ereignisse oft ungehört bleiben. Mit großem Feingefühl erzählt sie von den alltäglichen Kämpfen und ihren vergessenen Geschichten,

Die gelungene Verbindung aus sorgfältig recherchierten historischen Fakten, ergreifenden persönlichen Schicksalen und der eindringlichen Darstellung gesellschaftlicher Umbrüche macht den Roman nicht nur unterhaltsam, sondern regt zugleich zum Nachdenken an. Henríquez gelingt es, die komplexen Verflechtungen von Politik, wirtschaftlichen Interessen, Ausbeutung und den dunklen Seiten der menschlichen Natur auf beeindruckende Weise zu beleuchten.

FAZIT
Ein beeindruckender historischer Roman, der Geschichte lebendig werden lässt.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Ein inspirierender Ratgeber für einen Gute-Laune-Garten

Blumen, Kohl & Rock'n'Roll
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MEINE MEINUNG
Das faszinierende Sachbuch "Blumen, Kohl & Rocknroll" von Anja Klein, kürzlich erschienen im Kosmos-Verlag, ist ein unkonventioneller Gartenratgeber, der uns auf eine persönlichen Reise und ...

MEINE MEINUNG
Das faszinierende Sachbuch "Blumen, Kohl & Rocknroll" von Anja Klein, kürzlich erschienen im Kosmos-Verlag, ist ein unkonventioneller Gartenratgeber, der uns auf eine persönlichen Reise und einen abwechslungsreicher Streifzug durch den vielseitigen Gute-Laune-Garten der Autorin mitnimmt. Es ist insbesondere ein inspirierender Leitfaden für alle Gartenvisionäre, die davon träumen, sich ein kleines individuelles Gartenparadies anzulegen und konkrete Gestaltungsmöglichkeiten zur Umsetzung aufzeigt.
Die bekannte SPIEGEL Bestseller Autorin und reichweitenstarke Influencerin Anja Klein, die seit 2010 einen erfolgreichen Blog und Instagram-Account (@derkleinehorrorgarten) hat im Laufe der Zeit zusammen mit ihrem Ehemann Andreas Lauermann ihren 700 Quadratmeter großen Schrebergarten in eine fruchtbare grüne Oase umgestaltet.
Mit einer gelungenen Mischung aus persönlichen Erfahrungen, praktischen Tipps und atemberaubenden Fotos bietet das Buch einen inspirierenden Einblick in die Welt des Gärtnerns fern vom üblichen Perfektionismus. Gekonnt vermittelt die Autorin uns ihre Philosophie des Gärtnerns, bei der vor allem Freude und Leidenschaft im Vordergrund steht.
Inhaltlich deckt "Blumen, Kohl & Rock'n'Roll" eine breite Palette von Gartenthemen ab.
Von der Anlage von unterschiedlichen Beeten, prachtvollen Blumen-und Staudenrabatten über die Kultivierung von verschiedenstem Gemüse bis hin zur kreativen Verwendung ungewöhnlicher Baumaterialien - Klein lässt kaum einen Aspekt des Gärtnerns unberührt. Dabei geht sie nicht nur auf die Gartengestaltung und verschiedene Gartenelemente ein, sondern behandelt bespielsweise auch ausführlich Kompostmieten, in denen Grünschnitt und Gartenabfälle dem wichtigen Naturkreislauf zugeführt werden und später wieder der Bodenernährung dienen.
Besonders interessant ist ihre Herangehensweise an den Gemüseanbau. Hier finden sich nicht nur praktische Tipps zu Anzucht und Ernte, aus denen ich noch einige neue Anregungen mitnehmen konnte, sondern auch köstliche Rezepte zur Verarbeitung der Ernte aus eigenem Anbau.
Anja Kleins lockerer, humorvoller Schreibstil – gewürzt mit persönlichen Note und einer sehr unterhaltsamen Prise Rock'n'Roll-Attitüde - lässt sich angenehm lesen.
Die sympathische Autorin versteht es hervorragend, ihre Gartenerlebnisse, Erfahrungen und persönlichen Anekdoten abwechslungsreich, informativ und mit leicht verständlichen praxisnahen Anleitungen zu vermitteln. Sehr gefallen hat mir ihr erfrischend unkonventioneller Ansatz beim Gärtnern und ihre humorvolle, gelassene Einstellung, die dazu ermuntert, unvermeidbare Misserfolge und Fehlschläge als wertvolle Lektionen zu betrachten und Spaß und Freude an der kreativen Gartenarbeit in den Vordergrund zu stellen. Ich schätze vor allem auch ihren unverfälschten und aufrichtigen Einblick in die oft überraschende Welt der Gartenarbeit. Die realitätsnahe Darstellung zeigt eindrucksvoll, wie unberechenbar und zugleich faszinierend die Natur sein kann.
Insbesondere Garten-Neulingen sollte daher trotz der wundervollen Impressionen bewusst sein, wie viel Aufwand, Zeit und persönlicher Einsatz hinter einem derartigen Gartenprojekt steckt, und so kann man sich auf vielfältige Enttäuschungen unter dem Motto „Schönes Scheitern“ einstellen!
Ein faszinierender Aspekt des Werkes ist seine ganzheitliche Herangehensweise an Nachhaltigkeit. Klein präsentiert eine Fülle von Ratschlägen für umweltfreundliches Gärtnern und die Förderung der Biodiversität. Entsprechend wurde dieser Gedanke auch in der Buchproduktion selbst umgesetzt. Die Verwendung von Pflanzenfarben für den Druck unterstreicht eindrucksvoll die umweltbewusste Ausrichtung und das ökologische Engagement. Allerdings begleitet uns leider ein dezent unangenehmer und beharrlicher Eigengeruch durch die Seiten.
Die optische Gestaltung des brochierten Buchs ist außerordentlich gut gelungen und sorgt dafür, dass man es immer wieder gerne zur Hand nimmt. Ein besonderes Highlight sind die eindrucksvollen Fotografien von Andreas Lauermann, Anja Kleins mitgärtelnden Partner, die uns stimmungsvolle Schnappschüsse und ansprechende Portraitaufnahmen der vielen Gartenstars zeigen. Die zahlreichen, großformatigen Bilder fangen die atemberaubende Schönheit und Vielfalt des Gartens in allen Jahreszeiten ein, illustrieren den Inhalt sehr anschaulich und vermitteln einen lebendigen Eindruck des üppigen „Horror“-Gartens.
Sehr gelungen ist ebenfalls eine Luftaufnahme des gesamten Areals, die uns einen umfassenden Überblick über die Gestaltung und Aufteilung des Schrebergartens bietet.
Abgerundet wird das Buch mit einigen weiterführenden nützlichen Adressen und Literaturtipps, einem alphabetischen Register sowie einem kurzen Autoren-Porträt.

FAZIT
Ein inspirierendes und informatives Gartenbuch, das durch seine persönliche Note, praktischen Tipps und wunderschönen Bilder punktet. Es ist mehr als nur ein Ratgeber - es ist eine Einladung, das Gärtnern als erfüllendes Hobby zu entdecken und dabei Freude, Kreativität und eine Prise Humor und Gelassenheit zu kultivieren.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Origineller Krimi voller Rätsel und Abgründe

HEN NA E - Seltsame Bilder
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MEINE MEINUNG
Mit „Hen na E – Seltsame Bilder“ hat der mysteriöse japanische Kultautor und YouTuber, der unter dem Pseudonym Uketsu auftritt, einen außergewöhnlichen Spannungsroman geschaffen, der mit ...

MEINE MEINUNG
Mit „Hen na E – Seltsame Bilder“ hat der mysteriöse japanische Kultautor und YouTuber, der unter dem Pseudonym Uketsu auftritt, einen außergewöhnlichen Spannungsroman geschaffen, der mit dem Sketch-Mystery-Stil eine für das Krimi-Genre innovative Erzählform geschaffen hat.
Es handelt sich um einen psychologisch tiefgründigen Roman, der menschliche Abgründe beleuchtet und den Leser nachdenklich und erschüttert zurücklässt.
Geschickt kombiniert Uketsu in seinem Werk klassische Elemente des Kriminalromans mit rätselhaften Zeichnungen, die verborgene Botschaften enthalten und entschlüsselt werden müssen. Diese Illustrationen fungieren als eigenständige narrative Elemente, die nicht nur wichtige Hinweise zum Kriminalfall liefern, sondern auch die komplexe Handlung ergänzen. Mit dieser faszinierenden Erzählweise wird eine subtile Spannung erzeugt. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage durch den Roman, wie die Bilder miteinander zusammenhängen und welche Geheimnisse sie verbergen. Geschickt werden wir in ein spannendes interaktives Leseerlebnis eingebunden und dazu eingeladen, aktiv als Ermittler mitzuwirken und Verbindungen herzustellen. Trotz des eher gemächlichen Erzählstils entfaltet die Geschichte von Beginn an eine unheilvolle Atmosphäre, die mich rasch in ihren Bann ziehen konnte.
Die in vier Kapitel untergliederte, sehr fragmentiert wirkende Geschichte entwickelt sich wie ein Puzzle aus scheinbar unzusammenhängenden Geschehnissen, die sich nach und nach zu einem größeren Ganzen zusammenfügen und schließlich ein verstörendes Verbrechen offenbaren.
Nach einer kurzen Einleitung, in der eine Psychologin einen zurückliegenden psychologischen Fall aus ihrer Praxis anhand einer Kinderzeichnung analysiert, wechselt die Erzählperspektive. Die eigentliche Handlung beginnt mit einem mysteriösen Blogeintrag, der seltsame Zeichnungen enthält. Beide Erzählstränge scheinen zunächst unabhängig voneinander zu sein, doch ahnt man bereits früh, dass die Eingangsszene im weiteren Verlauf eine zentrale Rolle spielen wird. Das Bilderpuzzle aus dem Blog erweist sich zudem als bedeutsamer Ausgangspunkt für einen komplexen Kriminalfall. Die Einführung der unterschiedlichen Charaktere erfolgt schrittweise, wobei ihre Beziehungen zueinander anfangs unklar bleiben. Uketsu versteht es in seinem clever komponierten Krimi hervorragend, die Spannung durch abrupte Kapitelwechsel und raffiniert platzierte Cliffhanger zu steigern.
Weitere scheinbar unzusammenhängende Episoden mit neuen Charakteren sowie zusätzlichen Zeichnungen und Skizzen sorgen für weitere Rätsel und treiben die Handlung voran. Die Hauptfiguren sind weitgehend vielschichtig gestaltet. Ihre Vergangenheit und Beweggründe werden detailliert beleuchtet, was sie zu komplexen, glaubhaften Figuren macht. Gekonnt wirft der Autor ethische Fragen auf und zeigt die dunklen Seiten ihrer Persönlichkeit.
Besonders spannend ist es, über die in den Bildern verschlüsselten Hinweise zu rätseln und immer wieder neue Verknüpfungen zu entdecken.
Nach einigen unerwarteten Wendungen werden schließlich die Handlungsstränge miteinander verknüpft. Die schlüssige Auflösung offenbart nicht nur die zugrundeliegenden psychologischen Hintergründe der Taten, sondern auch deren erschütternde Konsequenzen.
Der Schreibstil des Autors ist sehr nüchtern und minimalistisch gehalten und setzt auf subtile Zwischentöne. Auch ohne Ausschmückungen gelingt es dem Autor, eine dichte und mitreißende Atmosphäre zu schaffen. Die Einbindung der Skizzen und Zeichnungen zur Unterstützung des Rätselprozess ist sehr gelungen und verleiht dem Krimi eine ganz besondere Note. Die detaillierte Erklärung der Bilderrätsel ist zwar hilfreich und interessant, wirkte für meinen Geschmack jedoch stellenweise etwas belehrend und hätte straffer gestaltet werden können.
Trotz der insgesamt gelungenen Erzählweise gibt es einige logische Schwachstellen sowie konstruiert wirkende Elemente in der Handlung. Diese mindern jedoch nicht wesentlich den Lesespaß, da die Spannung durchgehend hoch bleibt.
FAZIT
Ein kreativer und psychologisch packender Krimi, der den Leser aktiv zum Miträtseln einlädt - mit einer fesselnden, innovativen Erzählstruktur, komplexen Bilderrätseln und überraschenden Wendungen.
Trotz kleinerer Schwächen überzeugt er durch seinen originellen Ansatz und regt zum Nachdenken an.
Empfehlenswert für alle, die sich auf ein ungewöhnliches Leseerlebnis voller Rätsel und Überraschungen einlassen möchten!

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Beeindruckender, sehr atmosphärischer Roman

Über allen Bergen
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MEINE MEINUNG
Der tiefgründige, sehr atmosphärische historische Roman "Über allen Bergen“ von der französischen Autorin Valentine Goby ist ein beeindruckendes Werk, das uns in die majestätische Welt der ...

MEINE MEINUNG
Der tiefgründige, sehr atmosphärische historische Roman "Über allen Bergen“ von der französischen Autorin Valentine Goby ist ein beeindruckendes Werk, das uns in die majestätische Welt der französischen Alpen entführt.
Die Autorin erzählt eine zutiefst menschliche, berührende Geschichte rund um den jungen jüdischen Flüchtling Vadim während des Zweiten Weltkriegs. Zugleich ist es aber auch eine wundervolle Hommage an die faszinierende Kraft der Natur und die menschliche Widerstandsfähigkeit..

Angesiedelt in einer historisch bedeutsamen Zeit im Jahr 1943 folgen wir dem Schicksal des zwölfjährigen jüdischen Protagonisten Vadim aus dem besetzten Paris. Sowohl zur Verbesserung seines Asthmas als auch aus Sorge vor der Verfolgung durch die Nazis wird er mitten im Winter in ein kleines Dorf in einer entlegenen Bergregion bei Chamonix geschickt. Fernab der Zivilisation und des grausamen Kriegs findet Vadim, der in seiner neuen Heimat vorsorglich den Namen Vincent trägt, Zuflucht und kann ein neues Leben in Sicherheit beginnen. Zum ersten Mal in seinem Leben erlebt er inmitten der unwirtlichen, winterlichen Bergwelt die überwältigende Präsenz der Berge. Anschaulich und sehr beeindruckend fängt die Autorin die Einzigartigkeit der alpinen Landschaft ein und lässt uns an seinem Staunen über die die Stille und Klarheit der Bergwelt und der Ehrfurcht vor den Gewalten der Natur teilhaben. Goby beschreibt sehr einfühlsam seine allmähliche Anpassung an diese karge und raue Umgebung, den neuen arbeitsreichen Lebensalltag und das Einleben in sein neues Zuhause, einer einfachen, aber sehr warmherzigen Bauernfamilie.
Gekonnt präsentiert Goby die Bergwelt als nährenden, Trost spendenden und schützenden Raum, der für Vadim trotz der harten Bedingungen zu einem Zufluchtsort wird und ihm ermöglicht allmählich eine neue Identität anzunehmen. Zugleich beschwört sie subtil geschickt ein unheilvolles Spannungsfeld herauf, indem sie die bedrohlichen Gefahren durch den Krieg allmählich selbst die friedliche Bergwelt erreichen lässt, bis schließlich die harte Realität Vincent einholt.
Hervorragend hat mir die sympathische Hauptfigur Vincent und seine beeindruckende persönliche Entwicklung gefallen, die sehr vielschichtig und lebensnah portraitiert ist. Einfühlsam schildert Goby, wie es ihm gelingt, nicht nur körperlich und seelisch zu heilen, sondern auch seine Erinnerungen an sein früheres Leben zeitweise zu vergessen und schließlich seine traumatische Entwurzelung zu überwinden.
Allerdings erscheinen mir einige seiner tiefgründigen Betrachtungen für einen Jungen seines Alters eher unglaubwürdig. Auch ihre faszinierenden Nebenfiguren hat Goby sehr lebendig angelegt, so dass sie das harte Leben im Bergdorf authentisch zum Leben erwecken.
Ob nun seine herzensgute Ersatzmutter Blache, die junge Moinette, die Vincent die Alltagsverrichtungen und die pragmatische Lebensweise in den Bergen näherbringt oder der blinde Martin, der die Welt lediglich durch Geräusche, Gerüche und Berührungen wahrnimmt – all diese Charaktere tragen dazu bei, ein facettenreiches Bild der dörflichen Gemeinschaft zu zeichnen.

Gobys Schreibstil ist außergewöhnlich einfühlsam, bildhaft und atmosphärisch.
Ein besonderes Highlight des Romans sind die eindrücklichen Naturbeschreibungen und ausgezeichneten Schilderungen der sich wandelnden Jahreszeiten in den Bergen. Wortgewaltig und mit poetischen Nuancen fängt sie den Zauber der Berge sowie die Schönheit und Härte der alpinen Natur ein. So fühlte ich mich unmittelbar in die unwirtliche Bergwelt hinein versetzt, konnte die schneidende Winterkälte spüren, den herrlichen Duft der Frühlingsblumen riechen und die Wärme der Sommersonne auf der Haut fühlen. und die Kraft der Natur im Wechsel der Jahreszeiten förmlich spüren.

Obwohl die Geschichte in den 1940er Jahren während des Zweiten Weltkriegs spielt, behandelt der Roman mit der heilenden Kraft der Natur, der Widerstandskraft des menschlichen Geistes und der Fähigkeit, selbst unter schwierigsten Umständen Geborgenheit, Schönheit und Hoffnung zu finden, auch zeitlose Themen, die heute noch relevant sind.

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