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inkl. MwSt
- Verlag: Sonderzahl
- Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
- Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
- Seitenzahl: 210
- Ersterscheinung: 13.02.2023
- ISBN: 9783854496212
metallhasenalltag
short stories
Wer in Herbert J. Wimmers neuem Buch selbst eine Leseanleitung finden möchte, möge auf Seite 21 zum Begriff 031 blättern:
wörterbuch,
ein im wahrsten Wortsinn sprechendes Buch:»was schlägst du vor? fragt der benutzer sein altes wörterbuch. du musst mich was konkretes fragen, antwortet es. weiss ich nicht, lass mich in dir blättern. gern, irgendwas findet sich immer in mir.«Wären die 336 short stories alphabetisch geordnet, wäre der
metallhasenalltag
auch als Lexikon des Alltags zu benutzen, eine Nutzung, die aber jedem Leser, jeder Leserin trotzdem abseits des Alphabets offen steht: von
armbanduhr
bis
waschmaschine.
Auf diese Art entsteht ein Feld poetisierter Beobachtungen, die von Objekt zu Objekt schweifen. Auch kulinarische Begriffe sind zahlreich vetreten: von
apfelstrudel
bis
wurstrad,
wobei den
madeleines
(mit 36 Eintragungen) eine besonders ausführliche Rolle zukommt:»magritte-madeleines fallen aus dem himmel. sie tragen kleine bowlerhüte und schweben, mit ihren regelmässigen abständen ein streifenmuster bildend, in eine landschaft ohne gebäude und menschen. geschmackvolle bröselschauer fallen wie geschmacklose sternschnuppen. aus dem sternbild der fische können (g)astro-logisch nur sternschuppen fallen.«Nachgeradezu logisch, dass
madeleines
einen Verweis auf Marcel Proust provozieren bzw. auf den Proust-Effekt, der besagt, dass durch »geschmacks- oder geruchserlebnisse plötzlich ganz bestimmte erinnerungen« hervorgerufen werden. Ein eigenes zusammenhängendes Erzählgelände wie bei den
madeleines
bilden verstorbene und lebende literarische Weggefährten, denen mit 12 Eintragungen unter der Überschrift
labyrinth
zitierend Reverenz erwiesen wird.
Die short stories spielen in einer »gegenwart, die sich in der erinnerung verfestigt, die erinnerung ist gegenwart«. In diesem Sinn werden wir die Mund-Nasen-Schutz-Masken, die öfter, aber nicht zu oft in den Texten zur Sprache kommen, nie mehr wieder los werden:eingewachsen, eine zweite haut, mundlosegesichter, nasenlose gesichter, ich gewöhnemich daran. der gegenseitige schreck kommtbeim abnehmen, beim ablösen.
Die short stories spielen in einer »gegenwart, die sich in der erinnerung verfestigt, die erinnerung ist gegenwart«. In diesem Sinn werden wir die Mund-Nasen-Schutz-Masken, die öfter, aber nicht zu oft in den Texten zur Sprache kommen, nie mehr wieder los werden:eingewachsen, eine zweite haut, mundlosegesichter, nasenlose gesichter, ich gewöhnemich daran. der gegenseitige schreck kommtbeim abnehmen, beim ablösen.
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