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Veröffentlicht am 20.10.2016

Das Besondere im Alltäglichen erkennen

Das Leben ist gut
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Kurzmeinung
Ich hatte beim Hören sehr gemischte Gefühle. Feinfühligen Beobachtungen und Beschreibungen und witzigen Anekdoten haben mich begeistert. Aber dann gab es auch unzusammenhängende Aneinanderreihungen ...

Kurzmeinung
Ich hatte beim Hören sehr gemischte Gefühle. Feinfühligen Beobachtungen und Beschreibungen und witzigen Anekdoten haben mich begeistert. Aber dann gab es auch unzusammenhängende Aneinanderreihungen von Banalitäten, die echte Längen entstehen ließen.





Zur Handlung
Dieses Buch hat eigentlich keine richtige Handlung in dem Sinne. Der Protagonist Max plaudert ein wenig aus seinem Leben und seine Erzählungen plätschern so dahin. Er erzählt uns von seinem Alltag, seinem Eheleben, seiner Arbeit in der Bar und deren Gästen. Er gibt Anekdoten zum Besten und erzählt von seinen Freunden, seiner Jugend. Max hat schon immer in der selben kleinen Stadt gelebt. Er liebt seine Familie, seine Frau und seine Söhne. Und er liebt seine Arbeit in der Bar. Sein Leben ist eigentlich ganz gewöhnlich -und Max ist sehr zufrieden damit. Denn sein Leben ist gut.

Meine Meinung
Ich habe vor einiger Zeit Léon und Louise von Alex Capus gelesen und was von dem Buch sehr begeistert. Als ich dann von diesem neuen Buch von ihm gehört habe, war klar, dass ich es haben muss. Es hat sich so ergeben, dass ich es als Hörbuch bekommen habe. Das war sehr spannend, denn der Autor hat es selbst gelesen. Am Anfang fand ich es eher anstrengend ihm zuzuhören, wegen seines Akzents. Aber dann habe ich mich daran gewöhnt und fand es am Ende sogar sehr charmant.

Die Geschichte an sich hat bei mir sehr gemischte Gefühle ausgelöst.
Teilweise bietet uns Capus hier sehr genaue Beobachtungen und feinfühlige Beschreibungen, die leicht überspitzt dargestellt sind, so dass einem bestimmte Eigenarten erst richtig auffallen und einen zum Schmunzeln bringen. Solche Beschreibungen von sozialer Interaktion und bestimmten Typen Menschen sind ein wahrer Genuss. In seiner Bar lernen wir extravagante Charaktere kennen, die herrlich schillernd und bunt beschrieben werden. Aber auch ganz normale 0-8-15 Typen, wie wir sie alle kennen. Und gerade deren ehrliche und trockene, humorvolle Beschreibungen sind es, die einen zum Lachen bringen. Wenn er zum Beispiel zwei Frauen beschreibt, die in seine Bar kommen, beide nur einen Fürchtetee bestellen, aber stundenlang an einem Tisch sitzen, ununterbrochen reden und sich dabei immer abwechselnd gegenseitig über den Arm streicheln. Einfach herrlich. Da hat jeder sofort eigene Bilder im Kopf. Und Capus spitze Bemerkungen und feinen Beobachtungen bringen eben andere Aspekte viel mehr in den Vordergrund oder lassen uns das Komische in solchen Alltagssituationen erst erkennen.

Auf der anderen Seite gibt es dazwischen aber auch lange Beschreibungen von Banalitäten, aneinander Reihungen von unzusammenhängenden Anekdoten die teilweise echte Längen entstehen lassen. Da plätschert die Geschichte dann so vor sich hin und weil es eben ein Hörbuch ist, besteht die Gefahr, dass man in Gedanken abschweift und erst nach ein paar Minuten merkt, dass man gar nicht mehr zugehört hat. Aber irgendwie hat man dann auch nichts verpasst.
Das ist wirklich schade, denn von früheren Lektüren weiß ich, das Alex Capus das eigentlich besser kann. Und auch in diesem Buch gibt es ja viele Stellen, wo er sein schriftstellerisches Können grandios unter Beweis stellt.

Fazit
Eine Geschichte mit Längen. Aber ich finde, es ist trotzdem lesenswert. Denn dazwischen findet man echte Juwelen an genauen Beobachtungen und spitzen Beschreibungen. Die sind ein echter Genuss und man ist geneigt, über das eigene Leben zu philosophieren. Eine "Hymne auf die große Liebe" ist es finde ich nicht. Eher eine Hymne an das alltägliche Leben und an die kleinen Dinge, die es so besonders machen.

Auch das Hörbuch kann ich empfehlen. Am Anfang muss man sich vielleicht etwas "einhören". Aber dann ist es schön und Capus wirkt sehr sympathisch.

Veröffentlicht am 13.10.2016

Eine hochnäsige Protagonistin und ein träger Fall.

Flavia de Luce 1 - Mord im Gurkenbeet
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Meine Meinung:

Viele Blogger denen ich folge, haben in den höchsten Tönen von der Flavia Reihe geschwärmt und da ist das erste Buch natürlich gleich auf meine Wunschliste gewandert. Diesen Monat habe ...

Meine Meinung:

Viele Blogger denen ich folge, haben in den höchsten Tönen von der Flavia Reihe geschwärmt und da ist das erste Buch natürlich gleich auf meine Wunschliste gewandert. Diesen Monat habe ich es dann endlich geschafft, es zu lesen. Und was soll ich sagen? Die Enttäuschung war sehr groß. Ich hatte mir sehr viel davon versprochen: eine junge Detektivin, sarkastische Sprüche, vielleicht ein bisschen Kombination wie bei Sherlock Holmes.
Was ich bekommen habe war ein recht banaler Fall, eine höchst unsympathische Hauptfigur und jede Menge Langeweile.

Flavia ist gerade mal 11 Jahre alt, kann aber alles und weiß auch alles (zumindest ihrer Meinung nach). Daher ist es auch gar keine Frage, dass sie die Ermittlungen in dem Mordfall übernimmt, denn im Gegensatz zu ihr sind die Polizisten natürlich vollkommen verblödet und daher heillos überfordert. Zumindest sieht die schlaue Flavia das so. Und die muss es ja wissen -schließlich ist sie doch so schlau!

Flavias Gedanken und Sprüche sollen wohl witzig sein, sind es aber leider nicht. Sie kommt dadurch leider eher arrogant und überheblich rüber, und das macht sie für mich als Protagonisten sehr unsympathisch. Was schade ist, denn eigentlich mag ich kindliche Detektive und der Charakter hätte Potential.
Genau wie die Hintergrundgeschichte. Aus den Streitigkeiten mit den Schwestern hätte man bestimmt viel Witziges machen können. Leider sind die schwesterlichen Streiche eher gemein als lustig und die Schwestern bleiben als Charaktere sehr blass und werden mit den immer gleichen Floskeln beschrieben.

In Ansätzen ist viel Gutes dabei, wie zum Beispiel die skurrilen Nebencharaktere. Allen voran den alten Gärtner Dogger. Den fand ich echt super und er hat mich das ein oder andere mal zum Schmunzeln gebracht. Auch die Haushälterin ist ein schrulliger Charakter. Und auch aus den nerdigen Briefmarkensammlern oder der trutschigen Bibliothekarin hätte man viel machen können.
Aber leider wurden die Ansätze dann nicht gut genutzt und so entsteht eine Geschichte mit vielen Längen und Wiederholungen und die Spannung will sich gar nicht so richtig aufbauen.

Vielleicht werde ich es irgendwann noch mal mit dem zweiten Fall versuchen und Flavia noch eine Chance geben. Aber "Mord im Gurkenbeet" gehört leider zu den Flops in diesem Monat und daher werde ich erstmal eine Flavia- Pause einlegen.

Veröffentlicht am 13.10.2016

Ein Buch, das bewegt und noch lange nachhallt.

Bis ans Ende der Geschichte
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Zum Buch:

4 Personen stehen bei diesem Buch im Vordergrund.
Da ist einmal die junge Sage, die aus einer jüdischen Familie stammt. Seit einem Unfall, bei dem ihre Mutter ums Leben kam, lebt sie sehr ...

Zum Buch:

4 Personen stehen bei diesem Buch im Vordergrund.
Da ist einmal die junge Sage, die aus einer jüdischen Familie stammt. Seit einem Unfall, bei dem ihre Mutter ums Leben kam, lebt sie sehr zurückgezogen und lässt sich kaum auf andere Menschen ein, versucht den Kontakt so weit es geht zu vermeiden. Sie arbeitet als Bäckerin, weil es ihr erlaubt, nachts alleine zu arbeiten und niemanden sehen zu müssen.
Sie trägt einiges an emotionalem Ballast mit sich herum, hat den Unfall und den Tod ihrer Mutter nicht verarbeitet, gibt sich selbst die Schuld. Sie denkt von sich selbst, sie sei es nicht wert, geliebt zu werden, dürfe nicht glücklich werden und lässt sich deswegen auf eine Affäre mit einem verheirateten Mann ein.

Dann gibt es noch den 90-jährigen Josef. Er lebt schon seit langer Zeit in den USA und war in seinem Städtchen eine Stütze der Gesellschaft. Er trainierte das Footballteam, unterrichtet an der Schule und zeigt auch sonst viel ehrenamtliches Engagement.
Er trifft Sage in der Trauergruppe und sie finden schnell einen Draht zueinander. Die sonst so verschlossene junge Frau kann sich ihm öffnen.
Doch dann stellt sich heraus, dass er Sage vielleicht doch nicht so zufällig getroffen hat. Josef beichtet Sage, dass er im zweiten Weltkrieg für die Nazis gekämpft hat. Und nicht nur das, er war sogar SS Soldat und Aufseher im KZ Auschwitz. Für Sage ein riesiger Schock, da ihre Großmutter Überlebende des Holocaust ist und selbst in diesem Konzentrationslager war.
Josef bittet Sage darum, ihr zu verzeihen und ihm "beim Sterben zu helfen", da er nicht länger mit seiner Schuld leben kann.

Minka ist Sages Großmutter. Sie verbringt eine unbeschwerte Kindheit in einem polnischen Dorf und hat Ambitionen Schriftstellerin zu werden und später mit ihrer besten Freundin in London zu wohnen. Doch dann bricht der zweite Weltkrieg aus und das Leben, wie sie es kannte, war vorbei. Zunächst gibt es viele Restriktionen für die Juden und diverse Regeln, an die sie sich zu halten haben. Doch sie haben noch die Hoffnung, das schon alles noch gut werde, wenn sie sich nur an die Regeln halten. Dann wird die jüdische Familie gezwungen ins Ghetto zu ziehen, wo sie unter schlimmsten Bedingungen mit 2 anderen Familien in einer kleinen Wohnung leben müssen. Es gibt von allem zu wenig: zu wenig Platz, Essen, Kleidung, Brennholz. Nur Arbeit gibt es genug.
Doch Minka kann sich auch an diese Umstände anpassen und schreibt weiter ihre Geschichte.
Bis die Umstände immer schlimmer werden, ihre Familie entsetzlich leiden muss und schließlich die Deportation erfolgt. Doch Minka schafft es irgendwie, nicht daran zu zerbrechen.

Leo ist Bundesagent des Büro für Human Rights and Special Prosecutions (HRSP), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kriegsverbrecher aus der NS Zeit zu verfolgen und ihre Abschiebung und Verurteilung zu erreichen, um Jahre nach dem Krieg endlich für Gerechtigkeit zu sorgen.
Als Sage sich an ihn wendet, um von Josef uns seinen Gräueltaten zu berichten, ist er zunächst nicht sicher, ob er ihr glauben kann. Doch schnell wird ihm klar, dass er es hier mit einem echten Fall zu tun hat. Und noch schneller zieht ihn die junge Frau mit der rauchigen Stimme in ihren Bann.

Das Buch ist, wie so oft bei Jodi Picoult, aus der Perspektiven der verschiedenen Personen geschrieben. Für jede Person wurde eine andere Schriftart verwendet, was die Unterscheidung erleichtert und trotz der Perspektivwechsel ein flüssiges Lesen erlaubt.




Meine Meinung:

So, ich hoffe, ich habe jetzt nicht schon zu viel gespoilert. Aber es fällt mir sehr schwer meine Meinung zu dem Buch auszudrücken, wenn die eigentliche Geschichte gar nicht bekannt ist. Und aus dem Klappentext wird das ja nicht so richtig ersichtlich.
Das ist auch schon gleich mein erster Kritikpunkt. Aber dazu später mehr.

Was mir bei den Picoult Büchern eigentlich immer besonders gut gefällt sind die interessanten Themen, die solide Recherche und die Perspektivwechsel. Oft behandelt Picoult schwierige, moralische Themen und sie macht es dem Leser nie leicht, ein Urteil zu fällen, weil man durch die Perspektivwechsel auch in die Gedanken- und Gefühlswelt der vermeintlich "Bösen" eintauchen kann und anfängt, ihre Motive zu verstehen.

Auch in diesem Buch gab es wieder ein schwieriges Thema, das sehr gut recherchiert wurde. Das hat mir gut gefallen. Durch den großartigen Schreibstil der Autorin, wird man auch direkt ins Geschehen gesogen und hat Ereignisse aus der NS-Zeit sowohl aus Sicht der Täter, als auch der Opfer geschildert bekommen. Allerdings gingen mir die Geschehnisse teilweise so nahe, das ich immer wieder pausieren musste. Das war andres als zum Beispiel bei Schindler's Liste, wo eine Distanz zu den Handlungen herrschte, die es dem Leser leichter machten, die schrecklichen Geschichten und Schicksale zu ertragen. Also bei "Bis ans Ende der Geschichte" sollte man definitiv Taschentücher bereit legen und sich bewusst sein, auf was man sich einlässt.

Auch die Perspektivwechsel haben mir am Anfang sehr gut gefallen. Erst lernen wir die zurückgezogen lebende Sage kennen, die Jüdin der heutigen Generation, die aus ganz anderen Gründen emotionalen Ballast mit sich herumtragen muss. Auf der anderen Seite Josef, den ehemaligen SS-Mann. Ich fand es unglaublich spannend, seine Geschichte zu erfahren, da das für mich mal einen anderen Blickwinkel auf die Geschichte bot. Wenn ich bisher Bücher über die NS- Zeit gelesen habe, dann eher mit dem Fokus auf die Opfer. Hier fand ich es interessant zu verfolgen, wie aus einem ganz normalen Jungen so ein Monster werden kann.

Ein sehr langer Mittelteil

Ein bisschen gestört hat mich allerdings der Mittelteil des Buches. Wie gesagt leben die Picoult Bücher für mich davon, dass ein Problem aus den Perspektiven der verschiedenen Beteiligten beschrieben wird. Das passiert am Anfang ja auch.
Doch der Mittelteil, der gut ein Drittel des Buches ausmacht, ist komplett von Sages Großmutter Minka erzählt. Sie erzählt von ihrer Vergangenheit erst im Ghetto, dann im KZ Auschwitz.
Und als ich mich erstmal darauf eingelassen habe, konnte ich auch anerkennen, das es sehr gut geschrieben war. Das war der Teil des Buches, der mir so nahe ging, das ich Pausen vom Lesen brauchte.
Aber, und jetzt kommt mein Kritikpunkt, ich fand den Teil zu lang, für die Schilderung nur einer Person. Wo sind die Schilderungen aus Josefs Blickwinkel? Wo die Gedanken von Sage dazu?
Außerdem muss ich sagen, dass ich von Klappentext her etwas anderes erwartet habe. Und zwar das, was ich am Anfang und am Ende auch bekommen habe: die Aufarbeitung und die Beschäftigung mit dem Thema in der heutigen Zeit, die Frage nach Schuld und Vergebung, nach Rache, nach Erinnern und Vergessen.
Klar kommt man da um die Schilderungen der Vergangenheit nicht herum. Aber das hätte ja auch in kürzeren Abschnitten geschehen können. Wie in dem Kapitel über Josefs Vergangenheit. Aber vielleicht wäre das Minks Geschichte nicht gerecht geworden. Und wie gesagt, wenn man sich erstmal darauf eingelassen hat, ist es auch wirklich bewegend. Aber vielleicht hätte man die ganze Geschichte dann auch anders "vermarkten" sollen. Also auch diesen Schwerpunkt nennen.

Ein weiterer interessanter Aspekt dieses Buches ist die Geschichte in der Geschichte. Wie bereits erwähnt wollte Minka ja immer Autorin werden und hat schon als Mädchen angefangen, eine Geschichte zu schreiben. Und zwar über einen Upior, einen bluttrinkenden Untoten, anscheinend eine Figur aus polnischen Sagen. Sie hat schon früh begonnen, die Geschichte zu schreiben und schreibt sie weiter, als sie im Ghetto ist, schreibt weiter, auch als sie im KZ ist und so vielen "echten" Monstern begegnet, dass es für mehrere Leben reicht. Diese Upior-Geschichte" wird in vielen kleinen Abschnitten über das Buch verteilt erzählt und so kommt immer mal wieder vor einem neuen Kapitel ein "Upior- Abschnitt".
Ich muss sagen, dass mir Minkas Geschichte nicht so gut gefallen hat. Mir hat sich schon die Aussage dahinter erschlossen, die Übertragung der Monster Metapher auf die die SS Männer. Die Frage, ob man als Monster geboren wird, oder sich auch dagegen entscheiden kann. Die Frage, ob, wenn der Bruder ein Monster ist, einen das automatisch auch selbst zum Monster macht. Trotzdem habe ich sie im Lesefluss eher als störend empfunden.


Ein bewegendes Buch, das viel Stoff zum Nachdenken bietet.

Trotz der kleinen Kritikpunkte ist "Bis ans Ende der Geschichte" insgesamt ein wirklich bewegendes Buch, das viele Denkanstöße liefert und die Beschäftigung mit den schwierigen Themen Schuld, Vergebung, Gnade und Rache anregt.
Ich finde es unglaublich wichtig, sich mit der NS-Zeit zu beschäftigen und es nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, was damals passiert ist.
Dieses Buch bietet auf jeden Fall spannende Einblicke sowohl auf jüdischer Seite, als auch auf Seiten der Nazis. Und Picoult zeigt auch auf, wie schwierig der Umgang mit dem Thema heute noch ist. Wie Überlebende immer noch stark unter der Vergangenheit leiden. Wie Traumata an die nächste Generation sozusagen "vererbt" werden können. Wie schwierig die Verfolgung der Täter ist. Und wie schwierig die moralischen Fragen zu beantworten sind.
Da ist dieser Mann, der, seit er in den USA lebt, nur Gutes getan hat, ein liebevoller Ehemann war und sich für seine Gemeinde engagiert hat. Und dann ist da seine schreckliche Vergangenheit und immer noch die Einstellung, dass alle Juden gleich sind und die Gnade einer beliebigen Jüdin ausreicht, um Vergebung an Taten ganz anderer jüdischer Menschen zu bekommen.
Und das, um nur ein Beispiel zu nennen.

Fürs Lesen dieses Buches solltet ihr auf jeden Fall genug Zeit einplanen. Nicht nur, weil es einem so nahe gehen kann, dass man immer wieder Pausen machen muss, in denen man das Buch zur Seite legt. Sondern auch, weil so viele bedeutungsvolle Sätze in diesem Buch sind, über die man erstmal in Ruhe nachdenken muss. Ich hab mir auch einige Zitate rausgeschrieben, die ich nicht vergessen möchte.

Ein Buch, das bewegt, erinnert und noch lange nachhallt.

Veröffentlicht am 24.09.2016

Das Warten hat sich gelohnt!

Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil eins und zwei (Special Rehearsal Edition Script) (Harry Potter)
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Kurzmeinung:

KEIN 8. Harry Potter Band, aber ein schönes Wiedersehen mit alten Freunden und ein erneutes Eintauchen in die magische Welt, die wir so lieben.


Meine Meinung:

Kaum ein Buch wurde wohl ...

Kurzmeinung:

KEIN 8. Harry Potter Band, aber ein schönes Wiedersehen mit alten Freunden und ein erneutes Eintauchen in die magische Welt, die wir so lieben.


Meine Meinung:

Kaum ein Buch wurde wohl so heiß ersehnt, über kaum eine Geschichte im Vorfeld schon so viel spekuliert.
Erst die Ankündigung -ein neues Harry Potter Buch- und alle Potterheads weltweit (ich inklusive) machten jauchzend Freudensprünge. Neue Geschichten aus der Zaubererwelt -ich konnte es kaum erwarten. Und dann die Ernüchterung: das Buch wird kein Roman, es wird nicht von J.K. Rowling selbst geschrieben, es wird kein achter Harry Potter Band... Zugegeben, ich hatte im Vorfeld dann gemischte Gefühle. Einerseits konnte ich es kaum erwarten zu erfahren, wie es Harry, Ron, Hermine und all den anderen lieb gewonnenen Zauberern und Hexen in den letzten 19 Jahren ergangen ist. Andererseits hatte ich auch Angst, das meine hohen Erwartungen nicht erfüllt werden könnten und ich enttäuscht sein würde.
Und dennoch habe ich voller Vorfreude auf das Erscheinen des Skripbuches hin gefiebert. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Ich habe schon viele Rezensionen und Meinungen von Bloggern gelesen, denen die Geschichte nicht gefallen hat und teilweise kann ich das schon auch nachvollziehen. Aber ich glaube, viele sind vielleicht auch mit einer falschen Erwartungshaltung an das Buch herangegangen.
Ich bin wie gesagt ein riesiger Potter- Fan und lese auch gerne FanFiction (also Geschichten über die bekannten Charaktere, die von Fans geschrieben werden), nur um überhaupt wieder in meine geliebte magische Welt abtauchen zu können. Klar, ist das dann kein J.K. Rowling, aber immerhin neuer Harry Input.
Und genau so bin ich dann auch an Harry Potter und das verwunschene Kind herangegangen. Es ist nicht von Rowling geschrieben, es ist kein achter Roman, Punkt fertig aus. Das heißt aber doch nicht, dass es nicht gut sein kann.


Vorhang auf -es ist ein Theaterstück!

Außerdem habe ich beim Lesen im Hinterkopf behalten, dass es eben kein Roman ist, sondern das Skript zu einem Theaterstück. Dieser Text wurde für die Bühne geschrieben -und das merkt man auch.
Ich habe einzelne Szenen gelesen und hatte den Eindruck, dass sie etwas albern wirken. Doch dann habe ich es mir auf der Bühne vorgestellt und plötzlich hat es dann gepasst. Szenen, die beim bloßen Lesen vielleicht seltsam sind, wirken auf der (leider nur vorgestellten) Bühne dann ganz anders.
Und dann ist da natürlich noch das Auffälligste: die Form. Die Geschichte ist nur in Dialogen geschrieben, mit kleinen Beschreibungen am Anfang jeder neuen Szene. Das ist natürlich etwas völlig anderes, als ein Roman. Es bleibt viel mehr der eigenen Phantasie überlassen.
Für viele Leser ist diese Form vielleicht ungewohnt, aber es sollte einen auf keinen Fall vom Lesen abschrecken. Man muss sich darauf einlassen, aber dann gewöhnt man sich auch ganz schnell daran, finde ich.
Ich bin dankbar, dass es dieses Buchform des Theaterstücks gibt, denn nicht alle Potterheads hätten wohl die Zeit und das Geld, das Stück live in London zu sehen. Und so kann die Geschichte zu jedem Zauberer- Fan nach Hause kommen und niemand muss auf die neuen Harry Inhalte verzichten.




Aber wie hat es mir denn nun gefallen?

Als ich die erste Seite aufgeschlagen habe und angefangen habe zu lesen, war ich so aufgeregt und glücklich. Endlich gab es etwas Neues aus meiner geliebten Zauberwelt. Und dann waren sie da: Harry, Ron, Hermine, Ginny -all die bekannten und geliebten Charaktere. Und auch neue Freunde waren schnell ins Herz geschlossen: James, Albus, Rose, Scorpius -die neue Generation Hogwarts Schüler.
Es war wie ein Wiedersehen mit alten Freunden und beim Lesen mancher Zeilen konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und habe mich dabei ertappt wie ich dachte "Typisch Ron!" oder "Ach Hermine, du hast dich auch überhaupt nicht verändert."
Aber wir können auch neue Seiten an bekannten Charakteren entdecken. So wird zum Beispiel Draco viel Raum gegeben und seine Gedanken und Motive stärker beleuchtet. Das hat mir richtig gut gefallen und ich fand es sehr spannend und in der Umsetzung auch gelungen.

Zur Geschichte selbst will ich gar nicht so viel sagen, um niemanden zu spoilern. Aber Zeitreisen spielen eine wichtige Rolle und an sich finde ich das auch ein spannendes Thema. Doch teilweise wurde die Geschichte dann doch etwas sehr... abgedreht.
Aber soll ich euch was sagen? Es war mir egal! Es hat mir trotzdem großen Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen, sie hat mich gefesselt, zum Lachen gebracht und das wichtigste: Ich habe neuen Harry Input bekommen, mich von alten Freunden umringt gefühlt und konnte auch als langweiliger Muggel wieder eintauchen in die magische Welt der Zauberer.

Veröffentlicht am 21.09.2016

Großartiges Porträt einer Familie -mit allen Höhen und Tiefen und Geheimnissen

Die Geschichte der Baltimores
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Zum Buch:

Alles dreht sich um eine Katastrophe, die 2004 geschehen ist. Der Protagonist Marcus Goldmann schreibt darüber im Jahr 2012. Aber die Rückblicke reichen bis 1989 zurück, um die Geschichte der ...

Zum Buch:

Alles dreht sich um eine Katastrophe, die 2004 geschehen ist. Der Protagonist Marcus Goldmann schreibt darüber im Jahr 2012. Aber die Rückblicke reichen bis 1989 zurück, um die Geschichte der Baltimores zu erzählen und dem Leser zu erklären, wie es zu der Katastrophe kommen konnte.
Als Kind verbringt Marcus seine Ferien und verlängerten Wochenenden in Baltimore, um mit seinen beiden Cousins das perfekte Dreiergespann zu bilden. Denn in Baltimore ist Marcus' Meinung nach alles besser. Die Familie seines Onkels Saul Goldmann ist sehr reich, lebt in einem schicken Viertel in einem riesigen Haus, hat Angestellte und teure Autos. Sein Onkel ist gütig und intelligent und seine Tante Anita warmherzig und elegant. Der junge Marcus kann nicht umhin, die Goldmanns aus Baltimore (die Baltimores) mit seiner ganz und gar durchschnittlichen Familie zu vergleichen und ertappt sich dabei, wie er manchmal seine Eltern "betrügt", weil er lieber ein Baltimore wäre.
Doch aller Luxus ist nicht so wichtig, wie die Zeit, die er mit seinen beiden besten Freunden verbringen kann. Zusammen mit Hillel und Woody wird er schwerelos und unbesiegbar. Sie verbringen unbeschwerte Momente zusammen und teilen alles -auch ihre Liebe zu Alexandra Neville, einem älteren Mädchen aus der Nachbarschaft.
Doch langsam beginnt eine Entwicklung, die schließlich in der Katastrophe münden wird, die alles für immer verändert.
Marcus beginnt acht Jahre nach der Katastrophe, die Geschichte seiner Familie aufzuschreiben und dabei zu hinterfragen und zu verarbeiten. In den diversen Rückblicken erhalten wir neue Informationen, sehen die Dinge in einem anderen Licht und entdecken Details, die den drei Jungen von damals verborgen blieben, die sie noch nicht verstehen konnten.
Und wieder einmal zeigt sich, dass nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint, und dass jeder seine eigene Wahrheit hat.



Meine Meinung:

Dieses Buch hatte es wahrscheinlich nicht leicht mit mir. Ich habe "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" so geliebt und konnte es kaum erwarten, dass zweite Buch von Joel Dicker zu lesen. Aber dementsprechend hoch waren auch meine Erwartungen. Und unwillkürlich habe ich dann beim Lesen dieses Buch mit dem Erstlingswerk verglichen -und wurde nicht enttäuscht. Zwar können die Baltimores nicht ganz an das erste Meisterwerk heranreichen, aber eben nur ganz knapp.

Joel Dicker kreiert hier ein weiteres Mal sehr plastische, echte Charaktere. Sie haben Ecken und Kanten, machen Fehler und gerade das macht sie so nah und menschlich. Sie lieben, leiden, sind neidisch, verzeihen -und als Leser erlebt man das alles mit ihnen, denn Dicker zieht uns so sehr in seine Geschichte hinein, bringt und die Personen so nah, dass man gar nicht anders kann, als all ihre Gefühle mit ihnen zu empfinden.

Dabei behält er auch seinen herrlich unaufgeregten, eleganten und verzaubernden Schreibstil, der mich schon bei "Harry Quebert" so begeistert hat.

Auch dieses Buch wird wieder in mehreren Zeitebenen erzählt. Das ist hier allerdings nicht ganz so gut gelungen, wie bei dem ersten Buch.
Am Anfang war ich oft ein bisschen verloren und musste wieder zurückblättern, um mich an den Jahreszahlen zu orientieren. Aber dann findet man doch recht schnell in die Geschichte.

Alles dreht sich um diese eine große Katastrophe. Schon auf den ersten Seiten wird sie erwähnt und erst ganz zum Schluss erfahren wir, worum es sich dabei handelt. Allerdings wird während des ganzen Romans immer wieder Bezug auf "die Katastrophe" genommen. Dieses Stilmittel empfinde ich normalerweise als etwas billige Masche zum Spannungsaufbau. Doch bei Dicker hatte ich diesen Eindruck nur ganz selten und auch nur ganz leicht. Irgendwie hat er es mit seinem brillanten Schreibstil geschafft, sogar dieses Stilmittel gut umzusetzen. Aber ich finde, das hätte er eigentlich gar nicht nötig. Denn wer Geschichten so grandios erzählen kann, der braucht eigentlich keinen extra Trick zum Spannungsaufbau.

Neben den Zeitsprüngen und dem Verweis auf die Katastrophe ist mein einziger kleiner Kritikpunkt, dass ich die Person des Marcus Goldman als nicht ganz konsequent weiterentwickelt empfunden habe. Wir erfahren in "Die Geschichte der Baltimores" viel über seine Jugend. Doch diesen jungen Marcus konnte ich nicht ganz in Einklang bringen mit dem Bild, was ich in dem ersten Buch von ihm gemacht habe.
Aber innerhalb des zweiten Buches sind die Entwicklungen der Charaktere und auch ihrer Beziehungen zueinander absolut stimmig, nachvollziehbar und glaubwürdig.

Richtig gut gefallen hat mir die Entwicklung der Geschichte. Wir erfahren viel aus dem "aktuellen" Leben von Marcus Goldmann, aber auch aus seiner Vergangenheit. Wir bekommen Szenen aus seiner Jugend geschildert, wie er sie damals wahrgenommen hat, aber der ältere Marcus reflektiert die Geschehnisse von damals auch.
Und nach und nach entblättert sich vor dem Leser die Geschichte der Goldmanns, zweier sehr unterschiedlicher Familien. Und immer dann, wenn man sich gerade eine Meinung gebildet hat, gibt Dicker eine neue Sicht auf die Dingen, die den Leser wieder alles hinterfragen lassen.
Sehr gelungen fand ich die subtile Darstellung, dass, wenn die Geschichte einer Familie erzählt wird, es nicht DIE eine, gültige Wahrheit gibt, sondern das eben jeder seine eigene Sicht, seine eigene Wahrheit hat.


Fazit:

Insgesamt ist es wirklich ein hervorragendes Buch, dass nur ganz knapp hinter dem Meisterwerk "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" zurückbleibt.
Es ist wahrscheinlich gemein, dieses Buch mit seinem Vorgänger zu vergleichen, da es ein unglaublich hoher Vergleichsmaßstab ist. Und dennoch schneidet "Die Geschichte der Baltimores" sehr gut ab. Es ist ein schön geschriebenes, spannendes Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.