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5teffi

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Veröffentlicht am 25.09.2023

Kampf um die eigene Zukunft im 19. Jahrhundert

Perlenbach
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Die Geschichte beginnt am Ende des 19. Jahrhunderts. Wilhelm, Sohn eines armen Bauern aus Wollseifen bekommt die Gelegenheit, die Winter in der Familie eines wohlhabenden Stoff-Fabrikanten in Monschau ...

Die Geschichte beginnt am Ende des 19. Jahrhunderts. Wilhelm, Sohn eines armen Bauern aus Wollseifen bekommt die Gelegenheit, die Winter in der Familie eines wohlhabenden Stoff-Fabrikanten in Monschau zu verbringen und dessen Sohn Jacob Gesellschaft zu leisten. So lernt er auch die Arzttochter Luise kennen, die mit ihnen gemeinsam von einem Hauslehrer unterrichtet wird. Alle drei verstehen sich sehr gut. Wilhelm muss aber regelmässig zurück in die ärmlichen Verhältnisse auf dem kleinen Hof seiner Familie und zu seinem aggressiven Vater. Aber auch Jacob hadert mit seinem “Schicksal” als Nachfolger seines Vaters in der Fabrikleitung und Luise kämpft dafür, Medizin studieren zu dürfen, obwohl dies Frauen damals nicht erlaubt war.

Perlenbach ist der zweite Band der Eifel-Trilogie und ist zeitlich vorgelagert vor dem ersten Band Ginsterhöhe. Das macht aber nichts, denn man kann die Bücher unabhängig voneinander lesen. Durch die bildhafte Sprache und der anschaulichen Beschreibung der Handlung, kann man sich in die Charaktere gut hinein versetzen. Fesselnd beschreibt die Autorin den Werdegang von Wilhelm und stellt den Gegensatz zwischen Arm und Reich in den Mittelpunkt. Dazwischen sind noch Tagebucheinträge eingefügt, die den Verlauf des Weltgeschehens während dieser Zeit verdeutlichen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 06.09.2023

Autorin hat sich weiterentwickelt

Nachts erzähle ich dir alles
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Im Buch geht es um Lea, die in Deutschland lebt, aber ihre Wurzeln in Südfrankreich hat. Nach vielen Jahren und aufgrund eines persönlichen Tiefs und ihrer Perspektivlosigkeit kehrt sie nun in das Haus ...

Im Buch geht es um Lea, die in Deutschland lebt, aber ihre Wurzeln in Südfrankreich hat. Nach vielen Jahren und aufgrund eines persönlichen Tiefs und ihrer Perspektivlosigkeit kehrt sie nun in das Haus ihres Grossvaters zurück, wo sie einst die Sommer ihrer Kindheit und Jugend verbrachte, um sich dort eine Auszeit zu gönnen. Eines Nachts taucht ein junges Mädchen auf. Am nächste Morgen ist das Mädchen tot und sein Bruder steht vor der Tür…

Der Schreibstil ist bildreich und flüssig. Manchmal sind die landschaftlichen Beschreibungen Südfrankreichs fast schon kitschig, aber nie so, dass es eine gewisse Grenze überschreitet. Auch die Protagonisten haben mich in ihrem Aufbau überzeugt.

Ich bin sonst kein Fan von Sommerromanen - der hier war aber mal was anderes und daher kann ich ihn weiterempfehlen.

Ich habe bereits “So wie du mich kennst” von Anika Landsteiner gelesen und es zwar für eine angenehme Lektüre, aber dennoch für ausbaufähig befunden. Ich bin froh, nun einen weiteren Roman der Autorin gelesen zu haben, denn “Nachts erzähle ich dir alles” hat mich vollständig überzeugt.

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Veröffentlicht am 06.09.2023

Aus dem Leben zweier Frauen, die ein halbes Jahrtausend trennt

Marschlande
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Die Geschichte handelt einerseits von Abelke, einer Bäuerin, die im 16. Jahrhundert alleine einen grossen Hof im Hamburger Marschland führt. Aufgrund der Widrigkeiten dieser Zeit wird sie enteignet, verunglimpft ...

Die Geschichte handelt einerseits von Abelke, einer Bäuerin, die im 16. Jahrhundert alleine einen grossen Hof im Hamburger Marschland führt. Aufgrund der Widrigkeiten dieser Zeit wird sie enteignet, verunglimpft und letztendlich als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

500 Jahre später zieht Britta Stoever, die zweite Hauptprotagonistin, mit ihrer Familie in den Ort und stösst bei einem ihrer Spaziergänge auf den Namen Abelke Bleken. Britta wird neugierig, beginnt zu recherchieren und erfährt nach und nach mehr über deren dramatische Leben.

Abwechselnd berichtet die Autorin jeweils aus der Sicht von Abelke und Britta, wobei mir Abelkes Geschichte deutlich besser gefallen hat. Abelke ist taff, selbst bestimmt und ihrer Zeit voraus. Dagegen wirkt Britta naiv, unzufrieden und rundum langweilig.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Besonders die Verknüpfung der historischen Geschichte, die tatsächlich passiert ist, mit einer fiktiven Geschichte aus der heutigen Zeit hat bei mir für Abwechslung und Lesefreude geführt.

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Veröffentlicht am 06.09.2023

Selbstmitleid

Kleine Probleme
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Lars steckt in einer Lebenskrise oder der sogenannten Midlife-Crisis. Er arbeitete als Schriftsteller, aber der erhoffte grosse Erfolg blieb bisher aus. Seine Frau die bisher die Familie finanziell über ...

Lars steckt in einer Lebenskrise oder der sogenannten Midlife-Crisis. Er arbeitete als Schriftsteller, aber der erhoffte grosse Erfolg blieb bisher aus. Seine Frau die bisher die Familie finanziell über Wasser gehalten hat, hat ihn verlassen. Die schon fast erwachsenen Kinder nehmen ihn nicht wirklich ernst.

Unter selbst auferlegtem Zeitdruck versucht er, alles Liegengebliebene am letzten Tag im alten Jahr zu erledigen, um sich und seinen Nahestehenden etwas zu beweisen. Dabei wird er immer wieder von Erschöpfung und tiefgründigen Gedanken über sich und den Sinn des Lebens unterbrochen.

Der Hauptprotagonist Lars war mir bis zum Schluss gänzlich unsympathisch. Ihm fehlt es an der nötigen Organisation und Disziplin, wodurch er in seine aktuelle Lage geraten ist. Dafür strotzt er nur so vor Selbstmitleid. Dieses Gefühl kann ich nicht teilen, da er doch selbst Schuld an seiner Misere ist.

Die Idee der Geschichte hat mir gefallen. Die Umsetzung ist auch ganz gut gelungen. Ich weiss nicht, ob die Autorin beabsichtigt hat, ihre Hauptfigur in ein so schlechtes Licht zu rücken. Mich persönlich hat diese Person mehr oder weniger nach jeder Seite mehr genervt, weshalb ich mich trotz gutem Schreibstil und Wortwitz zu einer mittelmässigen Bewertung entschieden habe. Hätte ich Lars im echten Leben kennengelernt, hätte ich ihm deutlich weniger Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt als mich das Lesen der Lektüre gekostet hat.

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Veröffentlicht am 24.08.2023

Hinterlässt Zwiespalt

Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
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Eine Frau, alleinerziehend, deren nun volljährige Kinder ausziehen, weshalb sie sich ihre Wohnung nicht mehr leisten kann und sich verkleinern muss, die versucht herauszufinden, wer sie eigentlich ist ...

Eine Frau, alleinerziehend, deren nun volljährige Kinder ausziehen, weshalb sie sich ihre Wohnung nicht mehr leisten kann und sich verkleinern muss, die versucht herauszufinden, wer sie eigentlich ist und dafür in Fotos, Erinnerungen und Familiengeschichten wühlt.
Die Autorin nimmt uns mit in die Gedankenwelt der Protagonistin, lässt uns an ihren Sorgen und Überlegungen teilhaben. Von daher ist der Schreibstil sehr passend gewählt.

Was die Zukunftsängste der Protagonistin angeht muss ich in zwei Bereiche unterscheiden. Alle Sorgen rund ums Alleinsein, neu Finden und Organisieren (müssen) kann ich nachvollziehen. Ich finde auch, dass dies im Buch gut und nahbar beschrieben wurde.
Auch die Handlung an sich gefällt mir - es geht um durchschnittliche Alltagssorgen, keine riesige Spannung, keine künstlich erzeugten Überspitzungen. Alles ist ruhig und nachvollziehbar.

Störend fand ich die ganze Thematik der Immobilien. Erst wird nur von der kleinen Stadtwohnung berichtet, die untervermietet wurde. Später kommt noch ein Haus auf dem Land dazu. In beiden will die Mutter nicht leben - macht sich aber ständig Sorgen, nichts Zahlbares zu finden, was ihren Ansprüchen genügt.
Nur schon die Tatsache, dass eine Mutter mit 2 Kindern gleich 3 Lebensräume für sich beansprucht, finde ich ziemlich dekadent. Dann aber auch noch wählerisch zu sein, das Wohnen in den eigenen Immobilien abzulehnen und dennoch zu Jammern ist für mich nicht nachvollziehbar und lässt mich in Hinblick auf die Beurteilung des Buchen mit einem faden Beigeschmack zurück.

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