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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.09.2018

Tolle Story!

Queen of Blood
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Die Story baut sich am Anfang eher langsam auf, weshalb ich schon befürchtete, sie sei nicht nach meinem Kaliber. Das Tempo erhöht sich allerdings mit der Seitenzahl und kommt zum Schluss zu einem gefühlten ...

Die Story baut sich am Anfang eher langsam auf, weshalb ich schon befürchtete, sie sei nicht nach meinem Kaliber. Das Tempo erhöht sich allerdings mit der Seitenzahl und kommt zum Schluss zu einem gefühlten abrupten Ende, der Raum für mehr offen lässt. Auf Goodreads erfährt man, dass es Folgebände geben wird und hoffe daher, dass Bastei Lübbe diese auch verlegt.

Als Seri jedoch von der Göttin als Verlobte des Prinzen Graeme eingesetzt wird, hatte die Story zwar langsam meine Aufmerksamkeit, ich kam jedoch nicht drumherum, an House of Night zu denken. Dabei geht es nicht um den Plot, sondern eher um die Göttinnen-Figur, die für mich einfach ein starkes Nyx-Äquivalent hermachte. Ich konnte jedenfalls nicht anders, als dieses ungleiche Paar mögen, was bei mir aber nicht ungewöhnlich ist. Selection, A Court of Thorns and Roses, etc. pp. All das sind Bücher mit ungleichen Paaren die ich somehow liebe.

Wir haben hier die klassische verbotene Liebe, moralische Dilemmata, Action, nice Vampire und natürlich - ein Liebesdreieck. Das Liebesdreieck fand ich im Nachhinein irgendwie doof, aber die sind auch nicht gerade meine liebsten Plotinhalte.

Mal abgesehen von dem Liebesdreieck war der übrige Plot wirklich toll. Ich mochte die Übersetzung und fand es wirklich klasse, dass man endlich einmal den Originaltitel beibehalten hatte! Großes Lob dafür.

Ich verleihe dem Buch 4,5 von 5 Sternen, denn das Liebesdreieck war einfach nichts für mich. Ich freue mich jedoch schon auf die Folgebände!

Veröffentlicht am 08.01.2018

Interessante Erzähl-Perspektive!

Das Erbe der Rosenthals
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Der Roman behandelt thematisch die Judenverfolgung während der Zeit des sogenannten 'Dritten Reiches'.

Aber aus der Perspektive eines Kindes.

Nämlich aus der Perspektive von Hannah. Ich habe das, ehrlich ...

Der Roman behandelt thematisch die Judenverfolgung während der Zeit des sogenannten 'Dritten Reiches'.

Aber aus der Perspektive eines Kindes.

Nämlich aus der Perspektive von Hannah. Ich habe das, ehrlich gesagt, nicht erwartet. Also die Perspektiven, nicht die Thematik. Die Thematik ist ja, soweit ich weiß, ein recht beliebtes Thema unter Autoren. Jedenfalls habe ich schon viele Romane in der Richtung gesehen und auch gelesen. Das Erbe der Rosenthals behandelt aber nicht nur einen Erzählstrang, sondern zwei und das macht es wieder zu etwas, das ich über alles liebe - einem Familienepos.

1939 muss die elfjährige Hannah mit ihrer Familie aus Berlin fliehen, denn sie ist Jüdin. Ein Schiff soll sie nach Kuba bringen, doch nur die Wenigsten dürfen die St. Louis dort verlassen. Auch Hannahs Familie wird auseinandergerissen.

2014 sucht die elfjährige Anna nach den Wurzeln ihres bei 9/11 verstorbenen Vaters. Ein Brief ihrer Großtante enthält Fotos und erste Hinweise. Doch erst als sie zusammen mit ihrer Mutter von New York nach Kuba reist, kommt sie der Geschichte ihrer Familie wirklich nahe.

Was bedeutet es, auf der Flucht zu sein, seine Heimat zu verlieren, die Liebsten? Einfühlsam und sprachgewaltig erzählt Armando Lucas Correa die Geschichte zweier Mädchen, die zwei Kontinente und mehr als sechs Jahrzehnte trennen, die aber so vieles verbindet: die Liebe zu ihren Vätern, ihr Überlebenswille, die Hoffnung.



Likes

Die Perspektive. Bisher habe ich noch kein Buch aus der Perspektive eines Kindes zum Thema "Holocaust" gelesen. (Ja, ihr habt richtig gehört. Ich habe nie 'Der Junge im gestreiften Pyjama' oder 'Die Bücherdiebin' gelesen. Und Anne Frank zählt für mich eher zu den Teenies.)
Die Flucht. Ich habe die Flucht gemocht, weil sie mich an 'Als die Liebe endlich war' erinnert hatte. Dort geht es nämlich auch nicht um das Leben als Jude während der Diktatur, sondern um die Flucht und den Weg an sich.
Realitätsnah. Hier wird nicht viel mit Fantasie herumgespielt, sondern knallharte Fakten aufgezeigt, die sonst eigentlich im normalen Schulunterricht keine Erwähnung finden. Vor allem die Erfahrungen außerhalb Deutschlands, die man als Jude machen musste, waren wirklich sehr gut recherchiert. (Guckt mich nicht so an! Natürlich habe ich nachgeschaut, ob das alles stimmt. Schließlich will ich wissen, ob das, was ich lese, auch wirklich wahr ist.)
Der Schreibstil bzw. die Übersetzung. Da wir ja fast immer mit Übersetzungen zu tun haben, lässt sich eigentlich nicht viel über den Schreibstil des Autors sagen. Deswegen urteile ich einfach mal über die Übersetzung. Ich fand sie flüssig und habe keine Fehler gefunden. Man hat sich einer sehr bildgewaltigen Sprache bedient, die an manchen Stellen stark zwischen emotionell und teilnahmslos schwankte. Ich hatte so wie so das Gefühl, dass Hannahs Parts eher in die Richtung distanziert (vielleicht aufgrund dem zeitlichen Bezug?) und Annas eher in die Richtung emotionell ging (evtl. wieder möglicher temporaler Bezug?).
Die Charaktere. Die Charaktere haben mir wirklich in der Hinsicht gefallen, dass sie recht individuell und jeder für sich auf seine eigene Art und Weise durch waren. Manche waren psychisch wirklich nicht mehr auf voller Höhe, was das Lesen sehr interessant gestaltet hat. Aber seien wir mal ehrlich: Wer hätte noch alle Tassen beisammen, wenn er von einer Horde fanatischer Irrer gejagt worden wäre? Eben. Niemand.


Dislikes

Einige Passagen haben sich wirklich gezogen wie Kaugummi. Ich weiß nicht, woran es genau lag. Vielleicht an der Übersetzung? Oder vielleicht waren ein paar Informationen zu viel des historischen Inputs? Ich kann es wirklich nicht benennen, aber leider bleibt mein Eindruck: Einige Stellen waren zum Einschlafen.
Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Dislike ist, aber die schreibstiltechnischen Unterschiede zwischen Hannah und Anna fand ich doch etwas... ja... nervig. Ich hätte gern etwas mehr Einheitliches gehabt, wenn ihr versteht, was ich meine. Es war jetzt nicht wirklich schlecht oder hat die Qualität der Geschichte gemindert, aber mich hat es doch etwas gestört. Aber vielleicht ist das hier auch nur Meckern auf höchstem Niveau.
Die Gedanken und Ausdrucksweisen mancher - vor allem kindlichen - Charakteren ist doch etwas fragwürdig und raubt die Authentizität. Kinder denken wie Erwachsene und andersherum. Ich fand das an einigen Stellen wirklich komisch, habe mir da aber nichts weiter gedacht. Es waren eben flüchtige Momente, die auch nicht so tragisch viel an der Story mitgewirkt hatten.


Aufgrund der Perspektive war der Roman schon etwas besonderes für mich. Das Erbe der Rosenthals hatte zwar einige gesprungene Ecken und Kanten, war aber dennoch eine durchaus lesenswerte und vor allem informative Lektüre. Ich würde diesen Roman niemandem empfehlen, der gerade auf ein Buch für zwischendurch aus ist, da die Geschichte dann doch etwas anspruchsvoller ist, als sie zu Anfang scheinen möchte.

Der Autor geht vernünftig und gut recherchiert an die grundsätzliche Thematik heran. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass viele Autoren kritische Themen falsch anfassen ( wie bspw. Picoult mit Große kleine Schritte, wo sie alle Weiße als Rassisten betitelt und Rassismus als eine angeborene Krankheit darstellt, die wirklich und nur alle Weißen befällt. Und das direkt nach der Geburt an. Wir komme also quasi als Rassisten auf die Welt. Nett, oder?) und somit eigentlich meilenweit von ihrer eigentlichen Intention abschlittern. Nicht so Correa. Aufgrund seiner guten und ausführlichen Recherche macht er das Thema nicht nur faktisch sondern auch realistisch greifbar. Hier wurden keine Fakten alternativisiert sondern die Wahrheit knallhart ausgesprochen.

Was mir persönlich als keiner Bonus auch noch gefallen hat, war der Anhang, wo Fotos und Quellen gezeigt wurden. So etwas liebe ich, weil ich mich persönlich für Geschichte enorm interessiere.

Ich verbleibe aufgrund der genannten Punkte deshalb mit vier Sternen, denn einige Stellen hätte man noch ein wenig mehr ausarbeiten können.