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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.07.2024

Muttersein

Wir sitzen im Dickicht und weinen
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Valeries Mutter erkrankt an Krebs und selbstverständlich kümmert sie sich um sie, obwohl sie nicht die beste Beziehung zueinander haben.
Als dann noch ihr sechzehnjähriger Sohn beschließt, ein Auslandsjahr ...

Valeries Mutter erkrankt an Krebs und selbstverständlich kümmert sie sich um sie, obwohl sie nicht die beste Beziehung zueinander haben.
Als dann noch ihr sechzehnjähriger Sohn beschließt, ein Auslandsjahr einzulegen, gerät ihre Welt völlig aus den Fugen.

Mit “Wir sitzen im Dickicht und weinen” schafft Felicitas Prokopetz einen vielschichtigen Roman über Mutterschaft.
Es geht um die Frage, ob man seinen Eltern etwas schuldet, wie viel man aus seiner eigenen Erziehung mitnimmt und an die eigenen Kinder weitergibt, selbst wenn man beschließt, es anders zu machen.

In kurzen Kapiteln wird die Geschichte von Frauen und ihren Kindern aus vier Generationen erzählt. Es gibt immer wiederkehrende Muster und auch solche, die durchbrochen werden. Besonders auffällig ist die unterdrückte Wut, die immer weitergegeben wird. Je weiter man in die Vergangenheit der Familie eintaucht, desto mehr Erklärungen für heutige Verhaltensweisen findet man. Interessant ist auch zu sehen, wie unterschiedlich Situationen von Mutter/ Vater/ Kind/ Außenstehenden wahrgenommen werden.

Insgesamt ist es ein wirklich interessanter Roman, der viel zum Nachdenken anregt. Ich denke, in dem ein oder anderen Gedankengang erkennt sich jede Mutter wieder.
Der Schreibstil ist nüchtern gehalten, Emotionen werden nicht transportiert, aber ich hatte auch nicht das Gefühl, dass es der Autorin darum geht.
Ein Personenregister oder Stammbaum wäre hilfreich gewesen, da man ab und zu doch schnell durcheinanderkommt. ⭐️3,5/5⭐️

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Veröffentlicht am 07.07.2024

Hält nicht ganz was es verspricht

Die Tage in der Buchhandlung Morisaki
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Nachdem ihr Freund sie verlassen und sie ihren Job gekündigt hat, zieht Takako-chan in das Antiquariat ihres Onkels. Mit Büchern hatte sie nie viel am Hut, doch kann sie sich schnell für das Lesen begeistern ...

Nachdem ihr Freund sie verlassen und sie ihren Job gekündigt hat, zieht Takako-chan in das Antiquariat ihres Onkels. Mit Büchern hatte sie nie viel am Hut, doch kann sie sich schnell für das Lesen begeistern und findet so Stück für Stück zurück ins Leben.

Satoshi Yagisawa hat mit “Die Tage in der Buchhandlung Morisaki” einen Roman geschaffen, der für Bücherwürmer perfekt scheint; nicht nur das Wimmelbuch-artige Cover ist ein wahrer Blickfang, auch der Klappentext klingt verlockend.
Doch bei mir ist der Funke leider nicht übergesprungen. Der Schreibstil ist zwar wie angekündigt “schnörkellos leichtfüßig” und man ist auch schnell in die Story eingetaucht, leider erinnert er auch sehr an einen plumpen Aufsatz für die Schule, wodurch es sich nicht nur holprig liest, sondern auch sämtliche Emotionen zu kurz kommen. Ob das der Übersetzung und der deutschen Wortwahl geschuldet ist, kann ich nicht beurteilen.
Die Bücher spielen für die Geschichte leider nicht so eine große Rolle wie erhofft, der Schauplatz hätte genauso gut ein Café oder ein anderes Geschäft sein können. Die Liebe der Protagonistin zum Lesen kam überraschend schnell auf; ein Buch aufzuschlagen hat gereicht, um sie zur Leseratte zu machen. Was bei einem ganz besonderen Buch natürlich passieren kann, doch wenn es so war, wurden die Besonderheiten nicht erwähnt.
Der zweite Teil des Romans handelt dann gar nicht mehr von Büchern und spielt nicht im Antiquariat.

Insgesamt war ich froh um die Kürze des Buches, denn selbst auf den unter 200 Seiten kommen einige Längen auf. Es war aber interessant, etwas über Tokios Buchhandlungsviertel Jinbocho und die japanische Kultur generell zu erfahren. ⭐️2/5⭐️

*Übersetzt von Ute Enders

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Tierischer Suchspaß

Mein Sachen suchen Wimmelbuch: Tiere und ihre Kinder
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In dem neuesten Wimmelbuch von Ravensburger dreht sich alles um die Tierwelt: auf sieben Doppelseiten werden verschiedene Lebensräume - z.B. Bauernhof, Wald, Nordpol, unter Wasser - dargestellt. Die Illustrationen ...

In dem neuesten Wimmelbuch von Ravensburger dreht sich alles um die Tierwelt: auf sieben Doppelseiten werden verschiedene Lebensräume - z.B. Bauernhof, Wald, Nordpol, unter Wasser - dargestellt. Die Illustrationen sind dabei sehr realitätsnah.
Was dieses Wimmelbuch besonders macht, sind die viele Klappen, die für extra viel Suchspaß sorgen.
Zu jedem Lebensraum gibt es einen kurzen, altersgerechten Erklärtext.
An der Seite findet man - wimmelbuchtypisch - die zu suchenden Tiere mitsamt ihrer Namen. Schön finde ich hierbei, dass es neben den klassischen Tieren, die jedes Kind kennt, auch außergewöhnlichere Arten gibt: das Rebhuhn, der Makifrosch etc.
Neben den Bezeichnungen für die jeweilige Tierart lernen Kinder gleich mit, wie der Nachwuchs aussieht genannt wird.
Da es so viel zu entdecken gibt, können sich die Kleinen wirklich lange und oft mit diesem Buch beschäftigen. Ich würde es ab einem Alter von ca. 18 Monaten empfehlen.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Etwas wirr

Zierfische in Händen von Idioten
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Schleswig-Holstein, 1996: Ein Zufall sorgt dafür, dass Tobi, Georg, Lisa und Scholzen sich gemeinsam auf einen Roadtrip nach London machen, um Georgs totgeglaubte Mutter zu finden. Viele Gemeinsamkeiten ...

Schleswig-Holstein, 1996: Ein Zufall sorgt dafür, dass Tobi, Georg, Lisa und Scholzen sich gemeinsam auf einen Roadtrip nach London machen, um Georgs totgeglaubte Mutter zu finden. Viele Gemeinsamkeiten haben sie nicht, außer dass sie alle Außenseiter sind, jeder auf seine Weise. Mit im Gepäck haben sie außerdem das Aquarium von Tobis Vater - mitsamt den Seepferdchen.

“Zierfische in Händen von Idioten” ist laut verschiedenen Zitaten eine humorvolle und zugleich tiefgründige Hommage an die 90er.
Dem kann ich leider nicht vollends zustimmen.

Erstmal dauert es ziemlich lange, bis die eigentliche Story beginnt und auch dann plätschert sie nur langsam vor sich hin. Der Autor ist so konzentriert darauf, eine Pointe nach der anderen rauszuhauen, dass er dabei den Spannungsbogen der Geschichte vergisst. Der ganze Roadtrip ähnelt eher einer Aneinanderreihung von Gags. Diese haben nicht meinen Humor getroffen, aber das ist ja Geschmackssache.
Als wirklich tiefgründig empfinde ich das Buch auch nicht, zwischendurch stellen sich die Protagonisten zwar philosophische Fragen á la “Sind wir nicht alle nur Zierfische in Händen von Idioten?”, aber es regt nicht zum Nachdenken an oder weckt sonstige Emotionen bei der Leserschaft.
Dass der Roman in den 90ern spielt, vergisst man schnell mal, denn ehrlich gesagt ist das Jahrzehnt absolut austauschbar und irrelevant für die Geschichte, bis auf die Erwähnung einiger 90er-Songs merkt man davon nichts.

Den Titel hingegen finde ich grandios und ehrlich gesagt hat der mich auch zum Kauf des Buches verleitet. Im Nachwort des Autors stellt sich allerdings heraus, dass dieser gar nicht von ihm selbst stammt.

Insgesamt ist es eine nette aber wirre Geschichte, die mich nicht überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 18.06.2024

Gelungene Sammmung

Ihr wollt es dunkler
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Mit “Ihr wollt es dunkler” präsentiert Stephen King ein neues Buch voller Erzählungen - diese finde ich besonders lesenswert, da er hier in kürzester Zeit sein schriftstellerisches Können und seinen Ideenreichtum ...

Mit “Ihr wollt es dunkler” präsentiert Stephen King ein neues Buch voller Erzählungen - diese finde ich besonders lesenswert, da er hier in kürzester Zeit sein schriftstellerisches Können und seinen Ideenreichtum präsentiert.
Sein neuestes Werk bildet da keine Ausnahme. King schafft mal wieder wunderbar authentische Charaktere, jede noch so kleine Nebenfigur ist absolut glaubwürdig. Dabei sind manche sympathisch, manche haben merkwürdige Eigenarten und manche lernt man nach wenigen Seiten zu hassen. Auffällig ist, dass die meisten Protagonisten - wie der Autor selbst - ältere Herren sind, was dem Hineinfühlen aber keinen Abbruch getan hat.
Bei den meisten Geschichten schafft King es, nach wenigen Sätzen das Interesse seiner Leserinnen zu wecken. Dabei gibt es unter anderem unheimliche Geistergeschichten (“Klapperschlangen”), rührselige Freundschaften (“Laurie”) und philosophische Gedankengänge (“Der Antwortmann”). So ist für jeden etwas dabei.
Besonders positiv hervorheben möchte ich “Danny Coughlins böser Traum”, meinen absoluten Favoriten. Ein Kriminalfall mit einer übersinnlichen Eingebung, der deutlich macht, was falsche Beschuldigungen bewirken können. Eine interessante Grundidee, wahnsinnig gute Charaktere und spannend vom Anfang bis zum Ende.

Insgesamt ist es also wieder ein vielschichtiger Sammelband, der auf über 700 Seiten keine Langeweile aufkommen lässt. ⭐️4,5/5⭐️

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