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Veröffentlicht am 11.02.2019

Hornlinge unter sich

Emmi & Einschwein 3. Ganz vorn mit Horn!
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Juhu, das Einschwein ist zurück mit dem inzwischen dritten Band der Reihe „Emmi & Einschwein“. Jeder Band kann unabhängig gelesen oder vorgelesen werden, trotzdem empfiehlt sich in meinen Augen die Lektüre ...

Juhu, das Einschwein ist zurück mit dem inzwischen dritten Band der Reihe „Emmi & Einschwein“. Jeder Band kann unabhängig gelesen oder vorgelesen werden, trotzdem empfiehlt sich in meinen Augen die Lektüre aller Teile in der richtigen Reihenfolge. Wer mit „Einhorn kann jeder“ beginnt, erfährt, wie Emmi als Fabeltier zum zehnten Geburtstag nicht etwa das heiß ersehnte Einhorn, sondern ein Einschwein bekommt, ein Schwein mit Horn, mit dem sie lebenslang durch ein Fabelband verbunden bleibt. Nach dem ersten Schock erkennt sie schnell, dass ihr keckes, liebenswertes Fabeltier ein wahrer Hauptgewinn ist. Im zweiten Band, „Im Herzen ein Held“, müssen die beiden dann ihrer Freundin Antonia bei der Rettung ihres Fabeltiers helfen und geraten dabei in ein spannendes, nicht ungefährliches Abenteuer. Im neuesten Band nun, „Ganz vorn mit Horn“, hat Emmi es satt, dass Einschwein mit seinem Horn immer nur Chaos zaubert, sobald es niesen muss. Da kommt die Nachricht über ein echtes Einhorn in Wichtelstadt gerade recht, denn von ihm erhofft Emmi sich Nachhilfestunden für ihr Chaos-Schwein. Doch sie ist nicht allein auf der Suche nach dem Einhorn, alle sind hinter diesem besonderen Tier her. Vor allem Miri März, die Besitzerin der Wichtelstädter Brausewerke, schreckt vor nichts zurück, um das Einhorn unter Vertrag zu bekommen. Und so gibt es statt Unterricht eine Einhorn-Rettungsaktion, bei der sich prompt zeigt, was Einschwein alles kann...

Anna Böhm erzählt auch dieses Mal wieder eine spannende, witzige Geschichte mit tollen Charakteren, allen voran natürlich Einschwein, das immer seinem Herzen folgt. Wie nebenbei zeigt sie anhand des schüchternen Einhorns die Schattenseiten des Promilebens und die Bürde der falschen Erwartungen. Umwerfend komisch ist wieder einmal die Szene am Esstisch von Emmis Familie mit den Geschwistern und diversen Fabeltieren. Neu kennengelernt und sofort ins Herz geschlossen habe ich die patente Wisch- und Waschbärin Herta, daneben gibt es ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten. Wie immer stammen die kleinen, ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Susanne Göhlich und auch hier habe ich einen Favoriten: Einschwein im Ballettröckchen über der Latzhose mit Wollfadenmähne und einem zweifelnden Gesichtsausdruck.

Die Bände der Reihe „Emmi & Einschwein“ sind ideales Vorlesefutter für Kinder ab sechs Jahren und Lesefutter ab der dritten Klasse oder für Erwachsene wie mich, die Spaß an sprachlich guter, ausgesprochen fantasievoller Kinderliteratur haben.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Nicht alles wird gut

Abendrot
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Die Romane von Kent Haruf (1943 - 2014) zu lesen, ist für mich wie heimkehren, heimkehren nach Holt, dem fiktiven Ort in Colorado, an dem seine sechs Romane angesiedelt sind. Hier treffe ich immer wieder ...

Die Romane von Kent Haruf (1943 - 2014) zu lesen, ist für mich wie heimkehren, heimkehren nach Holt, dem fiktiven Ort in Colorado, an dem seine sechs Romane angesiedelt sind. Hier treffe ich immer wieder auf alte Bekannte und freue mich zu hören, wie es ihnen ergangen ist. Dabei handelt es sich keinesfalls um Fortsetzungsromane, sondern jeder Band ist unabhängig zu lesen. Trotzdem schließt „Abendrot“ in einigen Handlungssträngen direkt an „Lied der Weite“ an, sodass die Lektüre noch mehr Spaß macht, wenn man den Vorgängerband gelesen hat.

Besonders gefreut habe ich mich, dem Brüderpaar Raymond und Harold McPheron wieder zu begegnen mit ihrer Ziehtochter Victoria Roubideaux und deren kleiner, mittlerweile zweijährigen Tochter Katie. Als Victoria nun zum Studium ins zwei Fahrtstunden entfernte Fort Collins zieht, ist das zwar ein wichtiger Schritt für sie und Katie, trotzdem bleibt eine große Traurigkeit auf allen Seiten zurück. Kaum sind sie weg, ereignet sich ein schweres Unglück auf der Ranch mit weitreichenden Folgen. Auch Tom Guthrie ist wieder mit von der Partie, seine Söhne Bobby und Ivy und die neue Frau an seiner Seite, in diesem Buch allerdings nur in Nebenrollen. Dafür gibt es neue Protagonisten, denen ich bisher in Holt noch nicht begegnet war: der ernste und verantwortungsbewusste elfjährige DJ, der bei seinem Großvater lebt und mehr für den alten Mann sorgt als umgekehrt, Mary Wells mit ihnen Töchtern Dena und Emma, die den Boden unter den Füßen verliert, als ihr Mann sie verlässt, und das von Sozialhilfe in einem verwahrlosten Wohnmobil hausende Ehepaar Wallace, das seine beiden Kinder nicht beschützen kann. Ein besonders sympathischer Charakter ist die aufopferungsvolle, gütige Sozialarbeiterin Rose Tyler, die ihr Beruf bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führt.

Alle diese Bewohner von Holt kämpfen mit den kleinen und großen Problemen ihres Alltags, begegnen sich wie Kugeln auf einem Billardtisch, rollen eine kleine Strecke gemeinsam, streben sofort wieder auseinander oder nehmen sich im Vorübergehen kaum wahr. Manche verlieren sich, manche stürzen ab oder bekommen ihr Leben nicht in den Griff, manche kommen wieder auf die Beine, manchen finden einen Zuhörer oder sogar eine neue Liebe. Aber für alle geht es immer irgendwie weiter.

Ich frage mich bei jedem von Kent Harufs Romanen, was eigentlich deren Faszination ausmacht, schließlich geht es darin nicht um die großen Fragen des Lebens, sondern nur um die alltäglichen Probleme von Kleinstadtbewohnern im Mittleren Westen der USA. Für mich sind es eindeutig die empathische, kitschfreie Erzählweise, die besonderen Charaktere und das bedächtige Erzähltempo Kent Harufs, die sie zu einem sehr anrührenden, beglückenden Stück Literatur für mich machen.

Veröffentlicht am 07.02.2019

The Winner Takes It All

Wallace
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Für Zweitplatzierte gibt es in der Geschichte keinen Platz, Ruhm ernten allein die Sieger. Was aber, wenn ein Sieger nicht zurecht gewonnen hat, nur früher losgelaufen ist? Kann und darf man die Geschichte ...

Für Zweitplatzierte gibt es in der Geschichte keinen Platz, Ruhm ernten allein die Sieger. Was aber, wenn ein Sieger nicht zurecht gewonnen hat, nur früher losgelaufen ist? Kann und darf man die Geschichte dann umschreiben, zur Not mit drastischen Methoden? Darum geht es im Debütroman „Wallace“ des 1986 geborenen Anselm Oelze.

Alfred Russel Wallace (1823 – 1913), britischer Zoologe und Botaniker, war mir bisher unbekannt. Dass er zumindest gleichzeitig mit Darwin die Evolutionstheorie entwickelt hat, wusste ich vor der Lektüre dieses historischen Abenteuerromans nicht. Wallace regte 1858 durch einen Aufsatz, den er aus Bescheidenheit oder aufgrund von Selbstzweifeln statt an ein Journal an Charles Darwin schickte, diesen erst zu einer Veröffentlichung seiner eigenen Forschungen an. Zwar weist Darwin auf der ersten Seite der Einleitung seines Hauptwerkes „Über die Entstehung der Arten“ auf Wallaces Entdeckung hin, doch blieb dies weitgehend unbeachtet.

Genau mit diesem Umstand will sich Albrecht Bromberg, Nachtwächter im Museum für Natur- und Menschheitsgeschichte nicht abfinden. Den schrulligen Mann, der bisher seinen Dienst überpünktlich und korrekt ausgeführt hat, katapultiert die Entdeckung von der Ungerechtigkeit der Geschichte aus seinem gleichförmigen Leben und hin zu einer Mission: Er möchte die Geschichtsschreibung korrigieren und Gerechtigkeit herstellen, egal um welchen Preis.

In elf Kapiteln, umrahmt von Prolog und Epilog, erzählt Anselm Oelze abwechselnd episodenhaft von Wallaces beiden Forschungsreisen 1848 bis 1852 an den Amazonas und den Rio Negro sowie 1854 bis 1862 zum Indonesischen Archipel und von Albrecht Brombergs schockierender Erkenntnis. Wie konnte es dazu kommen, dass Wallace heute nur für die nach ihm benannte tiergeografische Trennlinie zwischen Bali (asiatische Tierwelt) und Lombok (australische Tierwelt) bekannt ist, nicht aber für seine 1858 während einer durchwachten Malariafiebernacht aufgestellte Evolutionstheorie? Und was stand im verschollenen Begleitbrief zu jenem Aufsatz, den er an Darwin schickte?

Anselm Oelze von Humor durchsetzter Roman in zwei Zeitebenen ist vor allem in den in der Vergangenheit spielenden Kapiteln in einer opulenten, adjektivreichen Sprache verfasst. Meist haben mir diese oft langen, verschachtelten Sätze Spaß gemacht, weil sie gerade noch rechtzeitig zum Punkt kamen. Auch die teils umständlichen Formulierungen haben mich nicht gestört, mit einer Ausnahme: Wallace wird in seinen Kapiteln nie mit Namen genannt, vielmehr ist er während seiner ersten Reise „der junge Bärtige“, später „der Bärtige“. Auch wenn Oelze so illustriert, dass Wallace sich keinen Namen machen konnte, wirkten die Bezeichnungen wie Stolpersteine im Lesefluss und haben mich zunehmend genervt. Überhaupt kam ich dem Charakter von Wallace nicht nah, ganz im Gegensatz zum Nachtwächter und seinen skurrilen Freunden von der Elias-Birnstiel-Gesellschaft. Als ebenso unterhaltsam wie informativ empfand ich die Exkurse in andere Gebiete, egal ob sie die Anordnung der Exponate im Naturkundemuseum, die Intelligenzforschung, die verzerrte Darstellung von Weltkarten oder die Bedeutung der Primzahlen für die Zikaden betrafen.

Herstellungstechnisch ist dem Verlag Schöffling & Co. alles an diesem Buch meisterhaft gelungen: der seidig glänzende Umschlag mit dem Prachtkäfer, die Landkarten im Deckel, der großzügige Druck, das cremefarbene Papier und das Lesebändchen.

Veröffentlicht am 01.02.2019

Den Mond verlieren

Der Sommer meiner Mutter
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„Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten bemannten Mondlandung, nahm sich meine Mutter das Leben.“ Die drastische Ouvertüre dieses Romans lässt keine Zweifel über das Ende und doch habe ich ihn ...

„Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten bemannten Mondlandung, nahm sich meine Mutter das Leben.“ Die drastische Ouvertüre dieses Romans lässt keine Zweifel über das Ende und doch habe ich ihn gebannt und voller Spannung gelesen. "Der Sommer meiner Mutter" war mein erstes Buch von Ulrich Woelk, aber ganz bestimmt nicht mein letztes. Was man sich im Verlag allerdings bei der Wahl des Covers gedacht hat, bleibt mir ganz und gar rätselhaft.

Im Sommer 1969 ist der Ich-Erzähler Tobias Ahrens elf Jahre alt. Seine Eltern beschreiben ihn als still und nachdenklich, er ist noch ganz Kind und doch bereits Experte in Sachen Weltraum. Die wichtigsten Accessoires seines Kinderzimmers sind ein Raketenmodell, ein Mondposter und ein Weltempfänger und er fiebert der ersten Mondlandung entgegen.

In das wohlgeordnete Leben der konservativ-katholischen Familie aus einem bürgerlichen Kölner Vorort bricht im Sommer 1969 ein Sturm in Gestalt der neuen Nachbarn herein. Die Leinhards sind das genaue Gegenteil der Familie Ahrens: Während Tobias‘ Vater als Ingenieur und leitender Angestellter selbstverständlich Alleinverdiener ist, lehrt Herr Leinhard Philosophie an der Universität und beschäftigt sich mit Bloch, Adorno und der Frankfurter Schule, Frau Leinhard trägt genau die Jeans, die Tobias‘ Mutter sich nicht zu kaufen traut, ihre Haar schwingen frei, sie raucht und arbeitet freiberuflich als Übersetzerin englischer Kriminalromane. Leinhards sind Kommunisten und demonstrieren gegen den Vietnam-Krieg. Trotzdem freunden sich die Ehepaare an, genauso wie ihre Kinder Tobias und Rosa, eine frühreife, kluge, bisweilen altkluge 13-Jährige, die sich für Politik interessiert, unbeschränkten Zugang zum Bücherschrank ihrer Eltern hat und an einem Roman schreibt.

Kann es sein, dass es, wie Rosa meint, außer der Mondlandung noch andere, ebenso spannende Abenteuer gibt? Tobias erfährt es in diesem Sommer, er verpasst die ersten Schritte Neil Armstrongs auf dem Mond, weil beiden Familien genau in dieser Nacht ihr bisheriges Leben um die Ohren fliegt und danach nichts mehr ist, wie es war: „Ich hatte den Mond verloren“.

2014, als Tobias längst – wie auch der Autor Ulrich Woelk – studierter Astrophysiker ist, erzählt er rückblickend die Geschichte dieses Sommers: von den faszinierenden Ereignisse im Weltraum, seinen ersten verstörenden sexuellen Erfahrungen, den Veränderungen bei seiner Mutter, die plötzlich von mehr als einem Hausfrauendasein träumte, dem Ereignis, das schließlich alles aus den Angeln hob, und seinen Schuldgefühlen, mit denen er alleine war.

Der kühl-analytische Stil des nur 189 Seiten umfassenden Romans passt sehr gut zu einem technikaffinen Ich-Erzähler. Knapp und prägnant sind die Umbrüche und Widersprüche der späten 1960er-Jahre am Beispiel zweier Familien eingefangen. Während es für den technischen Fortschritt keine Grenze zu geben scheint, sind Moralvorstellungen und Rollenbilder erstarrt. Dass dies nicht nur für Tobias‘ biedere Familie gilt, sondern in erstaunlichem Maße auch für die links-intellektuellen Leinhards, war für mich eine der Überraschungen dieses sehr lesenswerten Romans.

Veröffentlicht am 25.01.2019

Vom Weggehen und Heimkehren

Fünf Tage im Mai
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Nicht fünf aufeinanderfolgende Tage im Mai sind titelgebend für diesen Debütroman, vielmehr verteilen sich die fünf – genaugenommen sogar sechs – Maitage auf die Jahre 1986, 1996, 1998 und 2004. Anfang ...

Nicht fünf aufeinanderfolgende Tage im Mai sind titelgebend für diesen Debütroman, vielmehr verteilen sich die fünf – genaugenommen sogar sechs – Maitage auf die Jahre 1986, 1996, 1998 und 2004. Anfang und Ende des harmonisch aufgebauten Romans bildet jeweils ein Gottesdienst, 1986 ist es die Erstkommunion der siebenjährigen Ich-Erzählerin Leonore, abgekürzt Illy, 2004 die Beerdigung ihres Urgroßvaters Korbinian Hofer, von ihr liebevoll Tat’ka, Väterchen, genannt. In diesen Kapiteln aus den Jahren 1986 und 2004, die die Geschichte einrahmen, stehen Illy und ihr Urgroßvater im Mittelpunkt, weshalb sie mir die liebsten waren. Ihre einfühlsam beschriebene Beziehung ist geprägt von Zuneigung, Verständnis, Vertrauen und Freundschaft, obwohl sie 74 Jahre trennen. Etwas weniger gut gefallen hat mir der Mittelteil.

Das Urgestein Korbinian Hofer, letzter Fassbinder Tirols, respekteinflößend, unbeugsam, konsequent, heimatverbunden, monachietreu und auch in hohem Alter noch sprühend vor Energie, hat ein übergroßes Herz für seine Enkelin. Für Illy ist er die wichtigste Bezugsperson, denn er versteht sie besser als ihre Eltern oder irgendjemand sonst und sie fühlt sich bedingungslos geliebt. Nur auf ihn kann sie sich jederzeit uneingeschränkt verlassen. Als sie sich mit 17 Jahren Hals über Kopf in Tristan mit den langen schwarzen Locken und dem silbernen Ring im Nasenflügel verliebt, der überall Ärger bekommt und in ihrem katholischen Dorf nach „Exzess und Freiheit“ aussieht, ist ihr Urgroßvater verständnisvoller als ihre Eltern. Deren Verbot bleibt erfolglos, denn: „Von einem Tag auf den nächsten hatte meine Welt Atemlöcher bekommen, ein frischer Wind wehte durch mein muffiges Leben.“ Doch aus der großen Liebe wird nach und nach ein Alptraum, der in eine Katastrophe mündet. Illy gibt sich dafür eine Mitschuld und „das Gleichgewicht ihres Lebens“ ist zerstört. Fünf „gehetzte Jahre“ verbringt sie nach der Matura fern von zuhause auf der Flucht vor ihrer Schuld, doch erst als sie zur Feier von Tat’kas 100. Geburtstag zurückkehrt, beginnt „das warme Gefühl seiner Zuneigung“ ihr „Korsett“ zu lockern.

Die 1981 geborene Autorin Elisabeth R. Hager ist neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit laut Klappentext auch als Kulturvermittlerin und Klangkünstlerin tätig. Vielleicht sind die vielen schönen Bilder in ihrer ausdrucksstarken Sprache dieser letzten Berufsbezeichnung geschuldet. Sätze der Ich-Erzählerin wie der über das schöne Haus ihres Urgroßvaters: „…in dem Tat’ka so achtlos hauste wie eine Feldmaus in einem teuren Lederstiefel…“, die Beschreibung ihrer sterbenden Liebe zu Tristan: „Unsere Küsse waren noch echt, das Drumherum schon nicht mehr“, ihre Gefühle bei der Rückkehr: „Wie auf Knopfdruck legte mein Körper beim Blick auf die vertraute Landschaft den Panzer an, von dem ich geglaubt hatte, ihn längst abgestreift zu haben“ und immer wieder die Beschreibung Tat’kas als „eine Sonne die Kraft und Zuversicht ausstrahlte“ machen mir beim Lesen einfach Spaß. Gut gefallen hat mir auch das hoffnungsvolle, aber keineswegs rosarote Ende, zunehmend genervt war ich allerdings vom ständig erwähnten Rauchen, das völlig unnötig für den Handlungsverlauf war.

Ein gelungener, ruhig erzählter Debütroman, dessen junge Autorin ich im Auge behalten werde.