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Veröffentlicht am 06.04.2022

Verstand und Gefühl von Jane Austen

Gefühl und Vernunft
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Elinor und Marianne sind Geschwister und erleben nach dem Tod ihres Vaters den sozialen Abstieg. Anfangs können sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester noch in ihrem Haus wohnen bleiben. ...

Elinor und Marianne sind Geschwister und erleben nach dem Tod ihres Vaters den sozialen Abstieg. Anfangs können sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester noch in ihrem Haus wohnen bleiben. Dort lernt Elinor ihre große Liebe Edward kennen, von welchem sie sich jedoch schon nach kurzer Zeit trennen muss. Die Familie zieht zu entfernten Verwandten in ein kleines Landhaus, weit entfernt von ihrer alten Heimat. Die Trennung von Edward schmerzt Elinor sehr. Ihre Schwester Marianne ist jedoch schon nach kurzer Zeit begeistert, da sie Mr. Willoughby kennen lernt, welcher in dem kleinen Ort zu Besuch ist. Auch sie scheint ihre große Liebe gefunden zu haben, bis Willoughby jedoch kurzfristig abreisen muss. Als keine Nachrichten von ihm ankommen, nehmen Elinor und Marianne die Möglichkeit mit Freunden nach London zu fahren an. Dort treffen sie sowohl Willoughby, als auch Edward wieder. Alles verläuft jedoch ganz anders als die Schwestern sich das vorgestellt hatten. Marianne denkt zu dieser Zeit nur noch an sich selbst, bis sie schwer erkrankt und sich ihre Fehler eingesteht. Auch dieses Werk von Jane Austen hat mich einmal mehr in seinen Bann gezogen. Wie schon zuvor in "Stolz und Vorurteil" ist auch dieses Buch ein Meisterwerk seiner Zeit! Der Schreibstil von Jane Austen zog mich auch dieses Mal wieder vollkommen in seinen Bann. Auch wenn dieses Buch etwas schwerer zu lesen ist als Bücher aus der heutigen Zeit, hatte ich mich nach den ersten 50 Seiten eingelesen. Ich muss zugeben, dass ich diese Art des Schreibens und die Art der damaligen Kommunikation unglaublich spannend finde. Die Handlung des Buches ist zu Beginn etwas verwirrend. Es werden unglaublich viele Personen vorgestellt und die Verwandtschaftsverhältnisse werden erläutert. Ich muss zugeben, dass mir dies anfangs etwas zu viel war und ich mir einige Namen nicht merken konnte. Durch die lebhafte Schilderung der einzelnen Charaktere, konnte ich diese jedoch an jeder Stelle des Buches anhand ihres Verhaltens identifizieren. Jane Austen schafft es, dass die Charaktere vor meinen Augen lebendig werden. Schon im zweiten Kapitel des Buches schildert sie eine Unterhaltung zwischen zwei Personen so authentisch, dass ich aus dem Grinsen nicht mehr heraus kam. Was mir weiterhin sehr gut gefällt ist die Handlung und die Wandlung der Charaktere. Vor allem Marianne wird anfangs als sehr offen und heiter, aber auch als unbedarft und teilweise zügellos dargestellt. Als sie dann Mr. Willoughby trifft, kehren sich die negativen Seiten immer mehr nach außen. Marianne beginnt die Gesellschaft in ihrer neuen Heimat abschätzig zu betrachten und denkt nur noch an ihre eigenen Interessen. Es fiel mir schwer einen Zugang zu ihr zu bekommen, da ich viele Handlungen unangemessen fand und mit den anderen Charakteren eher sympathisierte. Sie muss erst mehrere Schicksalsschläge erleben, bevor sie ihren Fehler erkennt und ihre Lehren daraus zieht. Auch in "Verstand und Gefühl" bemerkt man an einigen Stellen, dass Jane Austen weiter denkt, als die Werte und Normen der damaligen Zeit dies eigentlich zuließen. Auch wenn ich meinen persönlichen Mr. Darcy in diesem Buch nicht finden konnte, stellt dieses Buch eine wunderbare Geschichte, in welche ich mich leicht einfühlen und bis kurz vor Ende mitfiebern konnte!

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Veröffentlicht am 06.04.2022

Saphirblau von Kerstin Gier

Saphirblau
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Gwendolyn weiß nicht viel über ihr Schicksal als Zeitreisende. Keiner gibt ihr Antworten auf ihre Fragen. Was sie jedoch weiß ist, dass sie zusammen mit Gideon in die Vergangenheit reisen muss, um etwas ...

Gwendolyn weiß nicht viel über ihr Schicksal als Zeitreisende. Keiner gibt ihr Antworten auf ihre Fragen. Was sie jedoch weiß ist, dass sie zusammen mit Gideon in die Vergangenheit reisen muss, um etwas Blut von den Zeitreisenden Lucy, Paul und Margret Tilney zu erhalten. Dies soll jedoch schwerer werden als angenommen, da Lucy und Paul vor sechzehn Jahren, zusammen mit dem Chronografen aus der Gegenwart in die Vergangenheit geflohen sind. Sie wollen aus unerkennbaren Gründen verhindern, dass der Blutkreis der insgesamt zwölf Zeitreisenden geschlossen wird. Nachdem Gwendolyn das erste Mal zusammen mit Gideon in die Vergangenheit gereist ist, findet sie sich nun küssend mit ihm in der Gegenwart wieder. Doch leider hält dieser Glücksmoment nicht lange an. Zurück im Hauptquartier der Wächter müssen die beiden davon berichten, dass sie verraten wurden und dass es eine undichte Stelle im inneren Kreises geben muss. Als Gideon einen Tag später verletzt von einem Zeitsprung zurückkehrt, beginnt er sich komisch gegenüber Gwendolyn zu verhalten. Er beginnt ihr zu misstrauen und spioniert ihr hinterher. Gwendolyn kann sich keinen Reim auf seine Verhaltensänderung machen. Zusätzlich trifft sie noch den Grafen und Großmeister, in der Vergangenheit der sie bedroht. Nur ihre Freundin Leslie, ein Teil ihrer Familie und der für alle anderen unsichtbare Wasserspeidämon Xemerius stehen ihr bei und versuchen ihr so gut wie möglich zu helfen.

Der zweite Band der Edelsteintrilogie schließt sich unmittelbar an den ersten Teil der Reihe an. Nur wenige Sekunden vergehen zwischen dem Ende des ersten und dem Anfang des zweiten Buches. Dadurch hatte ich nicht das Gefühl in der Zwischenzeit, also zwischen den Büchern, etwas verpasst zu haben. Nach dem ersten Teil war ich gespannt, zu welcher Zeit das Buch wieder einsetzen würde und war nun umso glücklicher, dass ich mich in genau der gleichen Situation wiedergefunden habe.

"Saphirblau" steht dem ersten Teil der Trilogie in Nichts nach. Die Geschichte wird erneut aus Gwendolyns Sicht erzählt und der Leser erfährt Stück für Stück mehr über die Zeitreisenden und die Wächter. Auch Ausschnitte aus den Chroniken der Wächter und aus anderen Dokumenten waren wieder zwischen den Kapiteln zu entdecken. Da ich nun schon etwas in die Materie eingetaucht war, habe ich viel mehr von diesen Dokumenten verstanden und konnte sie auch richtig einordnen.

Die Charaktere haben sich natürlich kaum verändert, weil das Buch ja lückenlos an das erste anschließt. Zusammen mit Gwendolyn hatte ich Herzklopfen bei ihrem ersten Kuss mir Gideon, aber genauso stark habe ich auch mit ihr gelitten, als sich Gideon immer mehr von ihr abwendet.

Ein neuer Charakter in diesem Buch ist der Wasserspeidämon Xemerius. Kerstin Gier ist es unglaublich gut gelungen diese Figur ins Buch einzugliedern und den Charakter heraus zu arbeiten. Xemerius ist zu einem ganz wichtigen Bestandteil des Buches geworden und ich kann mir das Buch ohne ihn nicht mehr vorstellen. Seine unglaublich anhängliche und freche Art, in welcher ich aber auch viel Zuneigung zu Gwendolyn erkennen konnte, macht diesen Charakter zu etwas ganz Besonderem!

Auch Lucy und Paul erscheinen in diesem Buch das erste Mal persönlich. Auch wenn das Aufeinandertreffen mit Gwendolyn und Gideon etwas radikal verlief, konnte ich beide Charaktere von Beginn an leiden und hegte sogleich große Sympathien für beide.

Der Schreibstil ist wie schon zuvor im ersten Band unglaublich angenehm zu lesen. Es gibt kaum Holpersteine in der Sprache, über welche man beim Lesen stolpern könnte und wieder bin ich nur so über die Seiten geglitten ohne es wirklich mitzubekommen. Durch ihren unglaublich humorvollen Schreibstil ist es ihr immer wieder gelungen mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Das Ende des zweiten Teils ist meiner Ansicht nach ein echter Cliffhanger, welcher aber von einem abschließenden Rätsel im Buch etwas aufgelockert wird. Entschlüsselt man nämlich den Zahlencode am Ende des Buches, erfährt der Leser schon ein kleines Detail aus dem Folgeband.

"Saphirblau" ist eine wirklich unglaublich tolle Fortsetzung des ersten Bandes und steht diesem auch in keinem Punkt nach. Ein absolutes Muss, wenn der erste Teil bereits gelesen wurde...

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Veröffentlicht am 06.04.2022

Rubinrot von Kerstin Gier

Rubinrot
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Gwendolyn ist sechzehn Jahre jung und könnte als ein ganz normaler Teenager aus dem Jahr 2011 bezeichnet werden. Sie geht auf eine Privatschule und schaut sich am liebsten mit ihrer besten Freundin Leslie ...

Gwendolyn ist sechzehn Jahre jung und könnte als ein ganz normaler Teenager aus dem Jahr 2011 bezeichnet werden. Sie geht auf eine Privatschule und schaut sich am liebsten mit ihrer besten Freundin Leslie Filme an. Die Umstände, dass Gwendolyn Geister sehen kann und dass einige ihrer Vorfahren das Zeitreise-Gen besaßen, machen ihr Leben jedoch kompliziert. Ihre Cousine Charlotte soll nun die letzte in der Linie der insgesamt zwölf Zeitreisenden sein. Die ganze Familie, ausgenommen Gwendolyn sowie Gwendolyns Mutter und Geschwister, wartet gespannt auf den ersten Zeitsprung von Charlotte. Diese wird bereits ihr gesamtes Leben in verschiedensten Disziplinen unterrichtet, um in den verschiedensten Zeiten zurecht zu kommen. Als Gwendolyn jedoch unerwartet durch die Jahrhunderte springt, und nicht Charlotte, ist die Familie in großer Aufregung. Wie konnte es passieren, dass Gwendolyn nie als Trägerin des Zeitreise-Gens gesehen wurde und somit in keinster Weise darauf vorbereitet ist? Gwendolyn erhält in kürzester Zeit Einblick in die Welt der Zeitreisenden und wird in den Geheimbund aufgenommen. Da ihr niemand so richtig zu trauen scheint, wird sie über die meisten Dinge jedoch im Unklaren gelassen. Gemeinsam mit ihrem Zeitreisepartner Gideon muss sie durch die Zeit reisen, um eine geheime Mission zu erfüllen. Verliebtheit von ihrer Seite und abweisendes Verhalten von Gideons Seite, werfen ihr Leben zusätzlich vollkommen aus der Bahn und sie findet sich in einem Strudel von Zeit, Gefühlen und Verwirrung wieder.

Konflikte, Streit, Liebe, Freundschaft, Intrigen, Misstrauen, Zeitreisen, Mythen und Rätsel. Mit genau diesen Themen schafft es Kerstin Gier ihr Buch "Rubinrot" zu einem ganz besonderen Erlebnis zu machen, welches den Leser mitreist und bis zum letzten Satz nicht mehr los lässt.

Gleich auf den ersten Seiten des Buches erfährt der Leser vom Zeitreise-Gen und von der nicht ganz so normalen Familie von Gwendolyn. Kerstin Gier hält sich zu Beginn kaum mit unwichtigen Details auf und kommt gleich zur Sache. Dadurch konnte ich sehr schnell in die Geschichte rein finden und von Beginn an mitfiebern.

Die Geschichte wird allein aus der Sicht von Gwendolyn erzählt, wodurch der Lese einen tollen Eindruck von ihrer Gefühlswelt bekommt. Das Chaos in ihrem Kopf, welches entsteht als sie das erste Mal in die Vergangenheit springt, wird von Seite zu Seite größer. Das ist aber nicht nur bei ihr der Fall. Auch mir als Leser erging es so. Ich konnte an vielen Stellen, genau wie Gwendolyn, nur Mutmaßen und versuchte mir einen Reim aus den spärlichen Informationen zu machen.

Charlotte wird als ungemein gut erzogen und strebsam dargestellt und die ganze Familie (wieder einmal ausgenommen sind Gwendolyn sowie Gwendolyns Mutter und Geschwister) ist unglaublich stolz auf sie. Gwendolyn dagegen wird von genau diesem Teil der Familie als dummes und einfältiges Schulmädchen angesehen, mit wenig Grips und Disziplin und mit dem Drang sich in den Mittelpunkt zu stellen. Als sich herausstellt, dass Gwendolyn durch die Zeit reisen kann, werden die Herabsetzungen noch stärker und sie muss sich ein ganz schön dickes Fell anlegen, um Seitenhiebe von der Familie und von Mitgliedern des Geheimbundes wegstecken zu können. Ihre unglaublich positive Einstellung, ihre teils naive Art und ihre Gabe Geister sehen zu können, machten sie von Beginn an sympathisch. Der Humor von Gwendolyn ließ mich an vielen Stellen schmunzeln. Ihr Charakter ist wirklich unglaublich gut ausgearbeitet und realistisch dargestellt.

Auch ihre Freundin Leslie wächst einem beim Lesen ans Herz! Sie ist zu Beginn die Einzige, die Gwendolyn alles glaubt und ihr immer zur Seite steht. Sie hilft Licht ins Dunkel der Geheimnisse rund um das Zeitreisen zu bringen und ist aus der Geschichte nicht weg zu denken!

Gideon zeigt sich zu Beginn nicht von seiner sympathischen Seite. Die Schilderungen von Gwendolyn machen es möglich, dass ein unglaublich detailliertes Bild von Gideon entsteht. Ich kann mir problemlos vorstellen, wie er grinsend am Fenster lehnt und alles über sich ergehen lässt.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und ich habe nicht bemerkt, wie ich über die Seiten geflogen bin. Einmal begonnen und schon hatte ich die letzte Seite des Buches gelesen. Das Ende ist überraschend und Kerstin Gier lässt den Leser mit einigen Fragezeichen zurück. Ich war froh den nächsten Teil schön in meinem Bücherregal zu haben und gleich weiter lesen zu können! Toll waren auch die Ausschnitte aus den Chroniken der Wächter, welche zwischen den einzelnen Kapiteln zu finden waren. Die zusätzlichen Informationen, welche Gwendolyn nicht immer hatte, halfen mir nur teilweise weiter in dem Durcheinander zwischen den Zeiten.

"Rubinrot" ist ein gelungener Auftakt einer Trilogie, der den Leser mitreist in einem Strudel der Zeiten und Gefühle. Die wirklich realistischen Charaktere machen das Lesen angenehm, da es leicht ist sich mit ihnen zu identifizieren. Ein unbedingtes Muss für jeden der auch einmal durch die Zeiten fliegen möchte...

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Veröffentlicht am 06.04.2022

Eve und Caleb - Wo Licht war von Anna Carey

Eve & Caleb – Wo Licht war
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Nachdem Eves Mutter bei der großen Epidemie ums Leben gekommen ist, wird sie in ein Mädcheninternat gegeben, wo die Kinder zu Mitgliedern des neuen Amerikas ausgebildet werden. Nun ist sie 16 Jahre alt ...

Nachdem Eves Mutter bei der großen Epidemie ums Leben gekommen ist, wird sie in ein Mädcheninternat gegeben, wo die Kinder zu Mitgliedern des neuen Amerikas ausgebildet werden. Nun ist sie 16 Jahre alt und wird an ihrem letzten Schultag zur besten Schülerin des Jahrgangs gekürt. Als sie ihre Mitschülerin Arden bei der Flucht aus der Schule erwischt, versucht Eve diese aufzuhalten und erfährt dabei Dinge die ihr gesamtes Weltbild auf den Kopf stellen. In der Nacht geht sie diesem Gerücht auf die Spur und bekommt die grauenhafte Wahrheit selbst zu Gesicht. Sie flüchtet in die Wildnis, wo sie Arden wieder trifft und sich zusammen mit ihr durch die unbekannte Welt schlägt. In einer brenzligen Situation treffen die beiden den jungen Rebellen Caleb, welchem Eve anfangs, aufgrund ihrer Schulbildung, nicht trauen kann. Man hat ihr beigebracht Männer zu meiden und zu fürchten und so misstraut sie zu Beginn auch Caleb, welcher jedoch ihre einzige Rettung darstellt.

Die Geschichte von Eve und Caleb beginnt in einem Mädcheninternat. Eve und ihre Mitschülerinnen werden auf ein Leben in der neuen Stadt mitten in der Wüste vorbereitet. Der Leser erfährt anfangs die Inhalte der Ausbildung. Den Mädchen wird beigebracht, dass Jungs furchterregend sind und gemieden werden müssen. Weiterhin wird strengstens auf gesunde Ernährung und auf die körperliche Entwicklung der Mädchen geachtet. Alle erläuterten Umstände erschienen mir gleich zu Beginn als sehr komisch und die Auflösung folgte schon auf den ersten Seiten.

Eve flüchtet nach ihrer furchtbaren Entdeckung in die Wildnis, um ihrem Schicksal zu entgehen. Mich selbst hat diese Entdeckung erschreckt, wenn nicht sogar etwas verstört.

Eve erschien mir schon zu Beginn als sehr kindlich, gutgläubig und naiv. Dieser Eindruck bleibt auch bestehen, nachdem sie Arden und Caleb getroffen hat. Ein Teil ihres Verhaltens ist natürlich durch die "Gehirnwäsche" der Schule zu erklären. In viele andere Situationen erscheint mir Eve jedoch als sehr blauäugig. Mit ihrer Naivität bringt sie nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr und es gab Szenen im Buch, bei denen mir der Atem stockte. Als zwei Personen durch ihre Gedankenlosigkeit sterben und Eve sich im Nachhinein nur kurzzeitig Gedanken über diesen Zwischenfall macht, fing ich erstmals an, an ihrem Charakter zu zweifeln.

Caleb ist genau das Gegenteil von Eve. Er ist ruhig und überlegt und stellt meinen Lieblingscharakter im Buch dar. Leider erfährt der Leser nur wenig über seinen Hintergrund, was ich als sehr schade empfunden habe! Ein weiterer wichtiger Charakter ist Arden. Anfangs erschien sie mir als skrupellos und ich fand sie wenig sympathisch. Im Verlauf der Handlung wandelt sie sich jedoch um 180° und zeigt dem Leser ihren wahren Charakter. Auch sie ist mir zum Ende hin sehr ans Herz gewachsen.

Die Handlung gefiel mir soweit ganz gut, auch wenn mir teilweise ein wenig der Tiefgang fehlte. Einige Geschehnisse waren zu erahnen, viele haben mich jedoch sehr überrascht! Auch das Ende hätte ich so nicht erwartet.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es ein gutes Buch mit Luft nach oben ist. Der einfache und flüssige Schreibstil der Autorin hilft dabei das Buch schnell zu lesen.Ich werde mir den nächsten Teil definitiv kaufen, da das Ende sehr offen ist und ich wissen möchte, wie es mit den Charakteren weiter geht!

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Veröffentlicht am 06.04.2022

Hier könnte ich zur Welt kommen von Marjorie Celona

Hier könnte ich zur Welt kommen
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Shannon hatte einen wirklich schweren Start ins Leben. Sie war eine Frühgeburt und wurde nur wenige Stunden danach von ihrer Mutter vor einem Krankenhaus ausgesetzt. In den ersten drei Jahren ihres Lebens, ...

Shannon hatte einen wirklich schweren Start ins Leben. Sie war eine Frühgeburt und wurde nur wenige Stunden danach von ihrer Mutter vor einem Krankenhaus ausgesetzt. In den ersten drei Jahren ihres Lebens, kommt sie in zwei vollkommen verschiedenen Familien, bevor sie in ein vollkommen überfülltes Kinderheim kommt. So wie ihre Familien wechselt sie auch ihre Namen. Von Lily zu Shandi über Shannon zu Samantha und zurück zu Shannon. Mit fünf Jahren wird sie von Miranda adoptiert, welche bereits eine fünfjährige Tochter hat. Miranda gibt sich sehr viel Mühe, doch Shannon wird sich nie richtig zu Hause fühlen. Auch wenn sie Miranda sehr gern hat und ihr unendlich dankbar ist, beginnt Shannon sie zu beklauen, schwänzt die Schule und reist von zu Hause aus. Dies Alles tut sie, weil sie nicht weiß wer sie ist und wo sie her kommt. Sie findet sich im Leben nicht zurecht, fühlt sich fremd und zweifelt an sich selbst. Das Vertrauen, welches Miranda zu Shannon verloren hat, lässt sich nur schwer wieder aufbauen und so beginnt für Shannon ein Kampf um ihre Familie und auch um ihr wahres Ich!


Marjorie Celonas Debüt "Hier könnte ich zur Welt kommen" ist ein sehr realitätsnaher Roman, der an Traurigkeit nur schwer zu überbieten ist. Shannon fühlt sich Nirgends wirklich zu Hause, schwebt eher durch die Welt, immer auf der Suche nach ihren Wurzeln. Im Buch werden zwei verschiedene Handlungsstränge durchlaufen. Zum einen erfährt der Leser, was Shannon alles seit ihrer Geburt erlebt hat und zum anderen wird die Zeit vor Shannons Geburt erläutert, wodurch der Leser die Beweggründe erfährt, die dazu geführt haben, dass Shannon ausgesetzt wurde.

Sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig ist die Erzählperspektive des Buches. Shannon erzählt im Buch in der Ich-Perspektive von ihrem Leben. Auch Zeiten, an die sich Menschen nicht erinnern können werden uns von Shannon erzählt. Ich fand es anfangs sehr verwirrend, dass sie uns von ihrem Leben als Säugling selbst berichtet. Auch als sie das erste Mal von der Zeit vor ihrer Geburt erzählt war ich verwirrt, weil ich anfangs nicht wusste, um wen es in diesem zweiten Handlungsstrang geht.

Die Charaktere werden von Marjorie Celona sehr eindeutig beschrieben und man kann sich diese sehr gut als in Wirklichkeit existierende Charaktere vorstellen. Miranda, welche sich nichts mehr gewünscht hat, als ein Kind zu adoptieren und groß zu ziehen, gibt ihr bestes um Shannon zu integrieren. Aber auch ihre Geduld ist irgendwann vorbei und sie stößt an ihre Grenzen, welche ganz natürlich sind. Shannon, die sich anfangs fremd in der Welt fühlt und erst lernen muss sich mit ihrem Leben zu arrangieren, wirkt schon in einem noch sehr jungen Alter sehr erwachsen in ihrem Denken. Nicht jedoch im Handeln und so rutsch sie auch zeitweise in eine dubiose Gesellschaftsschicht ab, aus welcher sie jedoch relativ schnell wieder heraus findet.

Die Handlung baut sich schrittweise auf und Shannon wird immer älter. Die Geschichte schreitet eher leise voran. Den eventuell erwarteten Knall gibt es nicht und so begleitet der Leser Shannon bis hin zu ihrem siebzehnten Geburtstag. Die eingebauten Zeitsprünge sind sehr gut gewählt und dadurch fallen eventuell ausgelassene Lebensjahre nicht auf. Die Handlung läuft flüssig weiter und ich fühlte mich auch nicht durch die sich abwechselnden Handlungsstränge gestört.

Nach dem Lesen der Leseprobe habe ich auf das oft so typische Happy End gewartet. Diese Erwartungshaltung habe ich aber sehr schnell wieder fallen lassen, weil ich mir selbst nicht sicher war, was ich mir für Shannon wünschen sollte. Rückblickend habe ich immer gehofft, dass sie beginnt sich so zu akzeptieren wie sie ist, damit sie ein Weg findet mit ihrem Leben umzugehen.

"Hier könnte ich zur Welt kommen" ist kein Buch über die Suche nach dem Glück. Es ist eher ein Buch über die Suche nach den Wurzeln, um zu verstehen und zu verzeihen. Die sehr wertfreie Erzählung macht das Buch zum Ende hin zu etwas ganz Besonderem.

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