"Grulich Fund" in Kiel
Grulich FundEin Kriminalroman auf Plattdeutsch von Jörg Rönnau im Quickborn-Verlag Hamburg erschienen.
Ich kenne keine Kriminalromane auf Plattdeutsch, abgesehen von „De Liek an`n Hastedtplatz“ von Hans-Joachim ...
Ein Kriminalroman auf Plattdeutsch von Jörg Rönnau im Quickborn-Verlag Hamburg erschienen.
Ich kenne keine Kriminalromane auf Plattdeutsch, abgesehen von „De Liek an`n Hastedtplatz“ von Hans-Joachim Meyer. Über dieses Buch habe ich zur plattdeutschen Sprache zurückgefunden. Es ist eine Geschichte zwischen Krimi und Seifenoper.
Bei Instagram folge ich Jörg Rönnau. Ich wusste, dass er Kriminalromane schreibt, doch da sie meines Wissens in Kiel – Kiel kenne ich so gut wie nicht – spielen, war mein Interesse an den Büchern eher gering, wobei ich schon Bücher mit Lokalkolorit schätze. Doch ich muss irgendeinen Bezug zu dem Ort haben. Nun las ich aber, dass Rönnau einen plattdeutschen Krimi geschrieben hat und ich wurde neugierig und bestellte es direkt bei ihm. Meine Neugier wurde belohnt. „Grulich Fund“ ist spannend und humorvoll, zeigt aber auch soziale Missstände auf. Das Besondere ist, dass hier nicht ein Kommissar der Polizei versucht den Täter oder die Täter zu fassen, sondern zwei berühmte Schleswig-Holsteiner Schriftsteller, nämlich Theodor Storm und Klaus Groth. Beide waren in einer Kieler Gaststätte verabredet, als eine Frauenleiche gefunden wurde. Storm ist ja bekannterweise auch Jurist und arbeitete als Rechtsanwalt und Richter. Von daher wurde er neugierig, als er zufällig in dieser Gaststätte von dem Mord hörte. Er überredet seinen in diesen und anderen Dingen unbedarften Kieler Kollegen Klaus Groth dazu, mit ihm gemeinsam den Mordfall aufzuklären, da die Polizei dazu nicht fähig genug erscheint. Dafür reisen sie mehrmals mit der Eisenbahn durch Schleswig-Holstein bis nach Hamburg. Oftmals mieten sie auch eine Kutsche, um in die vom Bahnhof entfernt liegenden Orte zu gelangen, wo die möglichen Zeugen wohnten. Auch so wird man in die Zeit des 19. Jahrhunderts mitgenommen und kann sich in diese hineinträumen. Es wird neben der Ermittlung auch viel über den Fall, die Fälle zwischen den beiden „Ermittlern“ diskutiert. Gerne bei einem guten Essen und einem Glas Rotwein, hinterher zur Verdauung wird auch gern der ein oder andere Cognac getrunken. Der Roman besticht durch die Beschreibungen der Landschaft, der Menschen, der Charaktere, also den vielen kleinen Details, die den Roman trotz der Mordfälle im „Milljöh“ so liebens- und lesenswert machen. Auch erfährt man so einiges über die Lebensumstände der verschiedenen Menschen im Roman aus der Zeit um 1869.
Das Plattdeutsch liest sich sehr gut und sollte mal ein Begriff auftauchen, den man nicht kennt, so erschließt er sich beim zweiten Lesen oder beim Weiterlesen. Oder, man schlägt mal schnell im Wörterbuch, einem Plattdeutschen nach. Am Ende nimmt der Roman eine fast überraschende Wendung. Ach ja, Klaus Groth wird so in Welten eingeführt, die dem Bildungsbürger bisher fremd waren. Sehr lesenswert für plattdeutsch und anders sprechende Menschen. Es wäre schön, wenn es Fortsetzungen geben würde.