Starke Prinzessinnen, die ihr Märchen selbst schreiben.
Verirrte Prinzen & bockige PrinzessinnenUnd Sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende… Als ob. Wem das passive „Gerettet werden“ der Märchenprinzessinnen durch den starken Helden auf dem weißen Pferd auch zu den Ohren rauskommt, der hat mit ...
Und Sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende… Als ob. Wem das passive „Gerettet werden“ der Märchenprinzessinnen durch den starken Helden auf dem weißen Pferd auch zu den Ohren rauskommt, der hat mit „Verirrte Prinzen & Bockige Prinzessinnen“ genau das richtige Buch in der Hand, um dieses klassische Märchenmotiv gründlich auf Links zu drehen. Denn die Kurzgeschichtensammlung macht das, was vielen Märchen fehlt: Einen Realitätscheck. Und bei dem sind die Prinzessinnen bestens in der Lage, sich selbst zu retten oder zu entscheiden, dass es beim Drachen viel cooler ist als in einem öden Schloss bei einem depperten Prinzen.
Die insgesamt 29 Geschichten erzählen nicht vom strahlenden Heldentum und sehnsüchtig wartenden Jungfrauen in Nöten, stattdessen begegnen einem hier Figuren, die ein bisschen widerspenstig, ein bisschen verloren, manchmal unsicher sind, aber immer interessante Geschichten abseits der klassischen Märchenmotive erzählen. Sie spielen mit Rollenbildern, Erwartungen und dem, was man von Märchen kennt. Das macht das Buch nicht nur kurzweilig, sondern auch superlustig. Die Storys sprühen vor ungewöhnlichen Ideen und spannenden Umsetzungen und überzeugen durch ihre Vielfalt. Wenn der Drache und die Prinzessin gemeinsam zugucken, wie der nächste Prinz am Burggraben scheitert und sich abklatschen, macht das Lesen einfach richtig viel Spaß.
Man merkt, dass die Autor*innen Spaß daran hatten, bekannte Erzählungen umzubauen oder so weiterzuschreiben, dass man einen anderen Blick auf eigentlich bekannte Szenen erhält. Die Prinzessinnen sind nicht lieb und brav, die Prinzen nicht strahlend und makellos. Stattdessen sind viele der Helden menschlich, machen Fehler, treffen die falsche Entscheidung, zögern, stolpern und wachsen.
Eine Empfehlung für alle, die Märchen lieben, aber keine Lust haben, immer das gleiche zu lesen. Für alle, die ein bisschen Augenzwinkern mögen, ein bisschen Tiefe zwischen den Zeilen und Figuren, die sich selbst behaupten, statt in Schubladen zu passen. Und die endlich mal lesen wollen, dass die Prinzessin ihre Sachen packt und zum Drachen zieht, weil Sie auf den Weirdo in Rüstung keinen Bock hat.