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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.10.2024

Wahrlich zauberhafte Illustrationen

Die Geschichte vom zauberbunten Garten
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In einer großen grauen Stadt lebt eine alte Frau. Sie pflegt dort einen üppigen, bunten Garten. Eines Tages beginnt sie, ihre farbenfrohen Blumen zu verschenken. Mit dem Postboten, der Friseurin, dem Schuljungen ...

In einer großen grauen Stadt lebt eine alte Frau. Sie pflegt dort einen üppigen, bunten Garten. Eines Tages beginnt sie, ihre farbenfrohen Blumen zu verschenken. Mit dem Postboten, der Friseurin, dem Schuljungen und weiteren Menschen verbreiten sich die Farben und es zieht Leben in die Stadt ein.

„Die Geschichte vom zauberbunten Garten“ stammt aus der Feder von Andrea Rübben. Sie beginnt mit „Es war einmal…“ und mutet nicht allein dadurch wie ein modernes Märchen an. Andrea Rübben entführt ihre Leser/innen und Zuhörer/innen in eine dunkle Stadt und einen zauberhaften, geradezu magischen Garten. Mit leicht verständlichen Sätzen eignet sich ihre kurze Geschichte auch schon für junge Kinder.
Stella Dreis hat dem Buch die passenden Illustrationen beigesteuert. Mit ihrem unverwechselbaren Stil schafft die preisgekrönte Illustratorin die unterschiedlichsten Orte und Stimmungen: Wir sehen die Stadt, die im grauen Nebelschleier verschwimmt und den Garten, der wie eine Oase in der großen Wüste wirkt. Besonders gelungen ist der zarte Einzug der Farben in die Welt. Zuerst breiten sie sich ganz vorsichtig aus, ehe sie das Grau vollends überdecken. Die Farben in Stella Dreis‘ Bildern kommen durch den weißen Rand, der diese umgibt, besonders zur Geltung. Ich habe diese Art der Gestaltung so in noch keinem anderen Bilderbuch sehen können, finde sie aber genau passend für dieses wahrlich bezaubernde Buch.
„Die Geschichte vom zauberbunten Garten“ zeigt, dass auch kleine Gesten Großes bewirken können. Sie regt dazu an, selbst Gutes zu tun und an die Kraft der eigenen Taten zu glauben, ganz nach Mahatma Gandhi: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Veröffentlicht am 07.10.2024

Kolonialisierung, Sklaverei und starke Frauen

La Louisiane
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Als die „La Baleine“ Frankreich im Jahr 1720 in Richtung Louisiane verlässt, befinden sich 90 Frauen an Bord. Sie wurden unter den Bewohnern und Gefangenen einer psychiatrischen Anstalt in Paris ausgewählt, ...

Als die „La Baleine“ Frankreich im Jahr 1720 in Richtung Louisiane verlässt, befinden sich 90 Frauen an Bord. Sie wurden unter den Bewohnern und Gefangenen einer psychiatrischen Anstalt in Paris ausgewählt, um den Aufbau einer französischen Kolonie in Amerika zu unterstützen. Unter ihnen sind Charlotte, Étiennette, Pétronille und Geneviève. Während die Siedler versuchen, die Wildnis in dem fremden Land zu zähmen, bauen sich ihre Frauen auf dem neuen Kontinent unter widrigen Bedingungen ein neues Leben auf.

„La Louisiane“ ist mit all den Themen, die darin anklingen, ein sehr vielschichtiger Roman. Er berichtet von der Kolonialisierung und der damit einhergehenden Ungerechtigkeit, die die indigene Bevölkerung Nordamerikas erfahren hat. Neben der Besetzung und Aneignung großer Landflächen, die die Ureinwohner hinnehmen mussten, fanden sie sich auch mehrfach in gewaltsamen Auseinandersetzungen wieder. „La Louisiane“ gewährt außerdem einen Einblick in die Anfänge der Sklaverei und die Bedingungen, unter denen die afrikanischstämmigen Menschen arbeiten mussten. Vor allem aber berichtet Julia Malye von Frauen, ihren Aufgaben und ihrer Stellung in einer männlich geprägten Welt. Sie schreibt darüber, wie sie sich den Gegebenheiten ihrer Zeit oft unterordnen mussten, sich teils aber auch dagegen auflehnten, sich kleine und größere Freiheiten erkämpften, Homosexualität erkundeten und sich und ihre Familie selbst durchbrachten. Julia Malye erzählt von starken Persönlichkeiten im 18. Jahrhundert, die wir auf über 500 Seiten näher kennenlernen:
Die Französinnen Charlotte, Étiennette, Pétronille und Geneviève waren aus teils fragwürdigen Gründen in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht und wurden von dort gegen ihren Willen nach Louisiane verschifft. In drei Abschnitten lässt uns die Autorin in ihrem Roman an den Leben dieser Frauen teilhaben. Jeder Leseabschnitt ist dabei wiederum in mehrere Kapitel gegliedert, in denen jeweils eine der Frauen im Mittelpunkt steht. Durch diesen stetigen Wechsel der Perspektive ist man nah dran am Leben aller Protagonistinnen. Ich mochte das sehr gerne, zumal es das Lesen abwechslungsreich machte. Die Kapitel bringen außerdem fortlaufend Zeitsprünge mit sich. Manchmal sind es einige Monate, manchmal mehrere Jahre, die zwischen ihnen liegen. Dadurch ist es möglich, Charlotte, Étiennette, Pétronille und Geneviève über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Während der insgesamt 15 Jahre, die in der Geschichte beschrieben werden, ändert sich das Leben der Frauen grundlegend. Dem ersten Drittel des Buches konnte ich leicht folgen, doch vor allem im zweiten und dritten Abschnitt gibt es zahlreiche unvorhergesehene Ereignisse sowie viele Nebenfiguren. Dadurch hatte ich ab und an Mühe, den Überblick über die Geschehnisse und Zusammenhänge zu behalten.
Während die Hauptfiguren von der Autorin erdacht sind, liegen der Geschichte doch auch einige wahre Begebenheiten zugrunde. Die Anstalt „La Salpêtrière“ beispielsweise gab es tatsächlich und sie existiert bis heute als Krankenhaus in Paris. Die Überführung einiger Frauen auf einen fremden Kontinent ist ebenso wahr wie einige der Ereignisse, die in Louisiane geschildert werden. Diese Tatsache macht das Schicksal der (wenn auch fiktiven) Frauen noch ergreifender!
Empfehlenswert für Liebhaber historischer Romane.

Veröffentlicht am 02.10.2024

Bedrohte Tierarten müssen geschützt werden!

Mukiza
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Mukiza, das kleine Berggorillababy, erblickt eines Nachts im Bwindi Nationalpark in Uganda das Licht der Welt. Es ist Teil einer größeren Gruppe Berggorillas, zu denen auch seine Mutter Mugwere und sein ...

Mukiza, das kleine Berggorillababy, erblickt eines Nachts im Bwindi Nationalpark in Uganda das Licht der Welt. Es ist Teil einer größeren Gruppe Berggorillas, zu denen auch seine Mutter Mugwere und sein Vater Zeus zählen. Mukiza wächst zunächst ganz unbekümmert auf. Er spielt mit seinen Gefährten, wird immer mutiger und lernt schnell. Als er eines Tages auf Menschen trifft, bleibt die Begegnung nicht ohne Folgen. Auch in seiner Gruppe gibt es bald Tumulte, sodass Mukiza, mittlerweile ein ausgewachsener Silberrücken, sich behaupten muss.

Hannes Jaenicke schreibt in „Mukiza“ über das Leben eines Berggorillas. Das Tier gibt es tatsächlich und Teile der Geschichte sind ebenso passiert. Umso beeindruckender – an manchen Stellen aber auch umso trauriger – ist das, was der Schauspieler, Umweltschützer und Autor hier schildert:
Wir lernen das Leben dieser besonderen Tiere kennen und erfahren, wie sie in Gruppen zusammenleben, voneinander lernen und sich als Anführer durchsetzen. Gleichzeitig sehen wir aber auch, welchen Gefahren diese sowieso schon bedrohte Tierart ausgesetzt ist. Der Mensch zerstört nicht nur den Lebensraum der Berggorillas, sondern sorgt mit Fallen immer wieder auch dafür, dass sich Tiere verletzen und schlimmstenfalls verenden.
Die Geschichte wird unterstrichen von Illustrationen, die durchweg großformatig gestaltet sind. Diese stellen den Regenwald atmosphärisch dar und zeigen gekonnt die Gemeinschaft der Berggorillas auf. Besonders die Lichteffekte stechen ins Auge, sei es die Stimmung bei Sonnenuntergang oder die eines Gewitters bei Nacht.
Gut gefällt mit, dass sich der CalmeMara Verlag verpflichtet hat, 1 € pro Buch an die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe e. V. zu spenden. Damit leistet man mit jedem Kauf automatisch einen Beitrag zum Schutz dieser besonderen Tiere. Ein schönes Buch, um schon Kinder für den Umwelt- und Tierschutz zu sensibilisieren!

Veröffentlicht am 24.09.2024

Ein eindrucksvolles Denkmal für eine Frauenrechtlerin

Earhart
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Als einer kleinen Wühlmaus eine besondere Briefmarke in die Pfötchen fällt, beschließt sie, mehr darüber herausfinden zu wollen. Gerne möchte sie erfahren, woher die Marke stammt und ob es die Großkatze, ...

Als einer kleinen Wühlmaus eine besondere Briefmarke in die Pfötchen fällt, beschließt sie, mehr darüber herausfinden zu wollen. Gerne möchte sie erfahren, woher die Marke stammt und ob es die Großkatze, die darauf abgebildet ist, tatsächlich irgendwo auf der Erde gibt. Mit der Hilfe einiger Weggefährten – und gegen den Widerstand ihrer Kolonie – macht sie sich schließlich auf den Weg nach Afrika und weiter um die ganze Welt.

Mit „Earhart“ hat Torben Kuhlmann im 10. Jahr seiner Mäuseabenteuer das nunmehr 5. Buch der Reihe herausgebracht. Er setzt damit Amelia Earhart ein Denkmal, die als erste Frau im frühen 20. Jahrhundert nonstop über den Atlantik flog und als Ikone der Frauenrechtsbewegung gilt.
In seiner Geschichte lässt Kuhlmann seine Maus vieles durchleben, was auch Amelia Earhart gefühlt haben muss: Beide tragen den unbändigen Wunsch in sich, das Fliegen zu erlernen und die Erde zu umrunden. Gleichzeitig bekommen sie den Widerstand der Gesellschaft zu spüren, die ihnen den Erfolg nicht zutraut und ihnen andere Aufgaben zuschreibt – Earhart, weil sie eine Frau war und der Maus, weil sie wühlen statt fliegen soll. Auch das Ende ihrer Reise weist einige Parallelen auf, ohne an dieser Stelle jedoch zu viel verraten zu wollen.
Sehr gelungen finde ich die Bezüge, die Torben Kuhlmann zwischen seinen Büchern der Reihe knüpft. So gibt es ein Wiedersehen mit dem Mausepiloten, der als Pionier in der Mäuseluftfahrt Geschichte geschrieben hat und damit Lindbergh ein Vorbild war. Ebendiese Maus hatte anschließend in „Armstrong“ ihren Auftritt als bereits betagtes Tier. Dank „Earhart“ wissen wir nun, wie er seine Tage nach seinen Erfolgen als Pilot bis zu seiner Zeit im Smithsonian Museum verbracht hat.
In Teilen der Geschichte arbeitet Torben Kuhlmann mit Leerstellen und lässt dafür seine beeindruckenden Illustrationen sprechen. Diese entführen uns in US-amerikanische Großstädte und in die unterirdischen Anlagen der Wühlmäuse, sie nehmen uns mit in ein kleines Cockpit über den Wolken und lassen uns bis nach Afrika reisen. Kuhlmanns fotorealistische Zeichnungen sind atmosphärisch, oft abenteuerlich und teils voller Humor. Der Autor und Illustrator beweist damit einmal mehr, dass er kindliche und erwachsene Leser gleichermaßen zu bezaubern weiß.
„Earhart“ lehrt uns, dass selbst für die Kleinsten nichts unmöglich ist und es sich allen Widerständen zum Trotz lohnt, an seine Träume zu glauben!

Veröffentlicht am 22.09.2024

Eine berührende Geschichte aus Japan über das Abschiednehmen

Die Glückslieferanten
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Nanahoshi arbeitet als Lieferantin bei den Himmelsboten. Ihre Auftraggeber sind Menschen, die angesichts ihres nahenden Todes Angehörigen, Freunden oder Bekannten noch eine letzte Botschaft hinterlassen ...

Nanahoshi arbeitet als Lieferantin bei den Himmelsboten. Ihre Auftraggeber sind Menschen, die angesichts ihres nahenden Todes Angehörigen, Freunden oder Bekannten noch eine letzte Botschaft hinterlassen möchten. Nach dem Ableben ihrer Kunden sucht Nanahoshi nacheinander die Empfänger dieser besonderen Lieferungen auf und überbringt ihnen Nachrichten, die deren Leben verändern werden.

Nach „Die Erinnerungsfotografen“ ist „Die Glückslieferanten“ nun das zweite Buch von Sanaka Hiiragi, das ich gelesen habe. Abermals befasst sie sich darin mit dem Sterben, Tod und Abschiednehmen. Diese ernsten wie auch traurigen Themen arbeitet die Autorin auf berührende Art auf: Mit Nanahoshi gibt sie Verstorbenen die Möglichkeit, ein letztes Mal Kontakt zu Menschen aufzunehmen, die ihnen besonders am Herzen liegen und die sie zu ihrem Bedauern teils vor Langem aus den Augen verloren haben.
Das Buch ist in vier Kapitel plus Epilog eingeteilt. Man liest somit fünf kurze Geschichten. Verbindendes Element in diesen ist jeweils Nanahoshi, die Himmelsbotin. Zwischen den einzelnen Erzählabschnitten gibt es ansonsten keine weiteren Zusammenhänge. Sanaka Hiiragi hat es an dieser Stelle meiner Auffassung nach verpasst, ihrer Geschichte dadurch den letzten Schliff zu geben. In „Die Erinnerungsfotografen“ nämlich waren gerade die zarten Berührungspunkte zwischen den Figuren und Kapiteln besonders gelungen, was mir gut gefallen hatte.
Sprachlich dagegen konnte mich die Autorin auch in diesem Roman wieder abholen. Mit ihrer sanften Erzählweise schafft Sanaka Hiiragi eine ruhige Stimmung, die gut zum Inhalt passt.
Trotz kleiner Schwächen habe ich „Die Glückslieferanten“ sehr gerne gelesen!