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Veröffentlicht am 08.05.2019

Das Ich und die Kunst

Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen
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„Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“


Ich habe Siri Hustvedts Essayband „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“, zeitgleich mit ihrem aktuellen Roman „Damals“ gelesen. Beide ...

„Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“


Ich habe Siri Hustvedts Essayband „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“, zeitgleich mit ihrem aktuellen Roman „Damals“ gelesen. Beide Bücher gehören zusammen, weil beide Bücher dieselben Themen behandeln:

Das Ich in der Zeit, das sich mithilfe von Erinnerungen, kontinuierlich neu zusammensetzt und verändert. Was hat Kunst mit Erinnerung zu tun? Wie entsteht beim Betrachter Kunst? Woher kommen die Ideen? Wie kommt es von der Idee zur Kunst.

Im Roman „Damals“ wird der Weg zum „Ich“ beschrieben. Der Vorgang des „Erinnerns“ wird beispielhaft belegt.

Die Essays zeigen anhand von Künstlern, ihren Werken und deren Wirkung auf den Betrachter, dass kreative Vorgänge sehr komplex sind und Kunstgegenstände nicht einfach als Objekt gesehen werden können, sondern selbst etwas „Subjektives“ haben.

Der Essayband ist für mich ein Füllhorn an Kunst, Philosophie, Geschlecht und Geist, und schon sind wir beim Untertitel:



Essays über Kunst, Geschlecht und Geist



Die amerikanische Originalausgabe „A Woman Looking at Man Looking at Woman“ beeinhaltet als ersten Teil die deutsche Ausgabe „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“, sowie als zweiten Teil „Die Illusion der Gewissheit“, der in Deutschland 2018 als selbständiges Buch von Rowohlt verlegt wurde.



“Die Illusion der Gewissheit“, beschäftigt sich mit dem Leib-Seele- bzw. Körper-Geist-Problem. Wo finden wir Erinnerung? An welcher Stelle finden wir die Seele? Wo ist die Heimat des Ichs?

Der vorliegende Essayband ist in Deutschland in zwei Teile geteilt. Der erste Teil hat den Titel des Buches,

„Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“,

der zweite Teil

“Was sind wir? Vorträge über das Mensch sein“.

Es sprengt den Rahmen einer Buchbesprechung hier auf alle Essays einzugehen, deswegen habe ich mir drei Essays rausgepickt, „Meine Louise Bourgeois“, „Mapplethorpe/Almodovar“, „Warum diese Geschichte und nicht eine andere“, die mich am meisten gefordert haben.

Meine Louise Bourgeois

Siri Hustvedt zeigt uns neben der Künstlerin Louise Bourgeois auch das Bild, das sie über die Künstlerin selbst in Gedanken, oder als aktiven Akt der Kunstbetrachtung erstellt hat. Die Theorie über die Wirkung von Kunst auf den Betrachter setzt die Autorin um.

Ich versuche es, mit meinen Worten zu skizzieren:

Die Wahrnehmung der Kunst manifestiert sich im Betrachter. Dieser ist keineswegs nur passiver Empfänger, sondern macht Kunst, mittels eigener Vergangenheit, und den erlittenen positiven, aber auch negativen Schicksalsschlägen und der eigenen Befindlichkeit zum Zeitpunkt der Betrachtung, das Werk zur Kunst, ja zum Erlebnis. Die eigene Befindlichkeit ist der strukturierte Raum, wo dieses Erlebnis entsteht oder sich manifestiert. Gute Kunst ermuntert uns dazu, die Struktur aufzubrechen und neu zusammenzusetzen.

Aus der Theorie ist die Praxis der Kunstbetrachtung von Siri Hustvedt, am Beispiel Louise Bourgeois, geworden. Das ist sehr beeindruckend und es hat die Theorie verifiziert.

Über das Werk der Künstlerin sagt Siri Hustvedt:

Wenn ihre zwingend zitierbaren Analysen ihres Werkes zusammengefasst werden, ergeben sie keine Synthese, sondern eine Antithese. Es sind die Ejakulationen eines schnellen Geistes, der sich vor allem für seine eigenen Inhalte interessierte.

Mapplethorpe / Almodovar

Die Ausführungen von Siri Hustvedt zu Robert Mapplethorpe und Pedro Almodovar sind sehr interessant und haben mich zum Recherchieren veranlasst. Bislang waren mir beide Künstler zwar oberflächlich bekannt, aber jetzt habe ich Lust auf mehr. Apollo meets Dionysos – oder die cleane Form des Apollinischen gegen die Leidenschaft des Dionysischen. Es lassen sich einige gemeinsame Begegnungspunkte herausarbeiten

Mapplethorpe liebte das „Perfekte“. In der von Almodovar organisierten Ausstellung hängt auch das Bild von Patti Smith. Das Bild wird als Solo Ereignis präsentiert. Dieses Bild hat nichts von Perfektion, sondern es zeigt in seiner Zärtlichkeit vielmehr die Verletzbarkeit – das Menschliche. Siri Hustvedt kam es so vor, als sei das Bild zur Kommunikation bereit. Patti Smith wird nicht objektiviert.



„Ihre Subjektivität, ihre Persönlichkeit sind Teil des Bildes.“

Patti Smith und Robert Mapplethorpe hatten eine einzigartige Beziehung: Sie waren Freunde, Liebhaber, künstlerische Mitarbeiter und Seelenverwandte.

Siri Hustvedt sieht in Mapplethorpe einen Künstler, der mit klassischer formaler Ästhetik, die Bedrohung und Gewalt der sexuellen Bilder abschwächt. Vor allem sexuelle Phantasien über Kontrolle und Unterwerfung, machen den Fotografen und den Betrachter zu Beteiligten. Maplethorpe arrangierte Menschen, als leblose Objekte – sozusagen als Stillleben

m Gegensatz dazu Pedro Almodovar: Er ist ein Geschichtenerzähler. Während Maplethorpe die Formen wahrt, und begrenzt, reißt Almodovar die Grenzen ein.

Almodovar zeigt in seiner Kunst Maßlosigkeit, während Mapplethorpe minimalistisch arbeitet.

„Wie Maplethorpe schafft Alomodvar starke visuelle Grenzen in seinen Filmen, Licht- und Fabkontraste, die ein leuchtendes, schönes Kinobild ergeben. Das verbindet ihn mit dem Fotografen und dem Apollillnischen.“


Warum diese Geschichte und nicht eine andere?

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Spielt die Biografie des Autors eine Rolle? Sind es Variationen eigener Erinnerungsstücke? Die Verknüpfung von Erinnerung und Kreativität geht auf die griechische Philosophie zurück. Ich komme hier auf den Punkt Erinnerung zurück, den ich schon bei der Rezension „Damals“ von Siri Hustvedt ausführte.<

Im Gegensatz zu der mittelalterlichen Vorstellung, unsere Erinnerungen werden in einem Apothekerschrank verwahrt und wir müssen sie nur einfach aus der Schublade holen, ist das Erinnern ein komplexer Vorgang, dessen Ergebnis variabel ist. Unsere Erinnerung wird mittels unserer Erfahrungen neu zusammengesetzt und damit auch bewertet. Dadurch ist Erinnerung nicht statisch, sondern dynamisch. Wenn unsere Erinnerungen dynamisch sind, was ist dann wahr? Wie wahr sind unsere Erinnerungen. Die Erinnerung von gestern ist nicht identisch mit der Erinnerung von heute.

Es ist eine spannende Sicht auf das, was beim Schreiben im Akt des Schöpfens geschieht. Jeder der schreibt, kennt das Gefühl, dass ihm die Geschichten aus den Fingern gleiten, dass die Protagonisten ein Eigenleben annehmen.

Siri Hustvedt unterscheidet zwischen dem, was sich in einer Geschichte ereignet (Fabula), und dem, wie es erzählt wird (Sujet). Fabula steckt im Autor, er weiß vielleicht noch nichts Genaues, aber er ahnt ihr Vorhandensein und muss sie nur greifen. Beim Sujet handelt es sich um bewusste Entscheidungen. Beispiele hiefür sind: In welches Genre die Geschichte eingeordnet wird, die Erzählperspektive, sprachliche Gestaltung und das spätere Layout.

Das erinnert mich sehr an Platons Ideenlehre. Wir haben die Ideen in uns (a Apriori vor jeder Erfahrung), müssen sie erkennen und darauf zugreifen.

Deswegen wissen wir intuitiv, dass die Geschichte so nicht stimmt und ändern sie, im Glauben, dass sich die Handlung verselbständigt hat, oder die Protagonisten machen, was sie wollen. Und das wissen wir, obwohl wir im Schreibprozess zeitweilig die Welt einer anderen Person betreten. Nur dann wirkt es authentisch.

Sprachliche Gestaltung

Die einzelnen Essays sind in sich geschlossen und können für sich gelesen werden. Die Auswahl und die Themen sind so vielfältig und bereichernd, dass dieses Buch noch die nächsten Wochen auf meinem Tisch liegen bleibt, um auch noch die restlichen Beiträge durchzuarbeiten und die dazugehörigen Kunstwerke kennenzulernen und zu entdecken. Das macht richtig Spaß!

Cover und äußere Erscheinung

Das Cover ist minimalistisch gehalten und vermittelt durch die Linien, die Betrachtung der unterschiedlichen Perspektiven. Weniger ist manchmal mehr! Gefällt mir gut!



Zu meiner großen Freude hat das Buch nicht nur ein Lesebändchen, sondern auch ein Literaturverzeichnis. Der Leser hat die Möglichkeit auf den Spuren Siri Hustvedts zu wandeln.

Gibt es ein Hörbuch?

Leider gibt es bislang kein Hörbuch.

Fazit oder „meine Siri Hustvedt“

Worum geht es?

Um Erkenntnistheorie, Kunst, den „Menschen an sich“ oder, wie wird aus einer Idee ein Kunstwerk? Siri Hustvedt möchte dem „Ich“ nachspüren und es erahnen. Kunst kann nur in der Begegnung eines Kunstwerkes und des Betrachters entstehen. Und das „Ich“ des Betrachters ist mit seinen Erinnerungen und Erlebnissen verwoben.



Ich möchte die Rezension mit Siri Hustvedts Gedanken beenden:

Ich habe diese Rezension zu „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“ im Hinblick auf Meine Siri Hustvedt geschrieben. Deswegen erlaube ich mir Siri Hustvedt

"...als meine in Anspruch zu nehmen. Sie ist natürlich auch deine Siri Hustvedt. Aber darum geht es mir nicht. Meine S. H. und deine mögen Verwandte sein, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie eineiige Zwillinge sind“.

Connie Ruoff frei nach Siri Hustvedt

Leseempfehlung an alle, die Philosophie, Kunst und die großen Fragen des Ichs und der Welt lieben!

@Rowohlt: Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!



Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Die Philosophie nach der Katastrophe

Zeit der Zauberer
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REZENSION „ZEIT DER ZAUBERER“ VON WOLFRAM EILENBERGER
ZUM INHALT „ZEIT DER ZAUBERER“
Auf der einen Seite handelt es sich bei „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger um eine Zusammenfassung der Biografien ...

REZENSION „ZEIT DER ZAUBERER“ VON WOLFRAM EILENBERGER
ZUM INHALT „ZEIT DER ZAUBERER“
Auf der einen Seite handelt es sich bei „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger um eine Zusammenfassung der Biografien vier großer Philosophen, ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen und ihres Umfelds und auch ihrer in dieser Zeit veröffentlichten Werke. Der Autor zeigt uns nicht nur die Philosophen, sondern er erweckt sie zum Leben, indem er ihre menschliche Seite zeigt. Auf der anderen Seite ist es auch ein geisteswissenschaftliches Porträt der Zwanziger Jahre.

Exemplarisch herausgegriffen hat Wolfram Eilenberger

LUDWIG WITTGENSTEIN (1889–1951)
Werk „Tractatus Philosophicus“

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“

„Die Welt ist alles, was der Fall ist.“

Daraus entwickelte sich später der Logische Positivismus. Er Ist der Vater der Analytischen Sprachphilosophie.

MARTIN HEIDEGGER (1889 – 1951)
Werk „Sein und Zeit“

In Davos 1929 treffen sich Ernst Cassirer und Martin Heidegger.

Heidegger ist aus heutiger Sicht der Vater der Hermeneutik und des Existentialismus.

ERNST CASSIRER (1874-1945)
Ohne erst Cassirer gäbe es keine Kulturwissenschaft. Er hält die Ideale der Aufklärung hoch. Er war einer der letzten Universalgelehrten, hatte aber keinen Willen zu einer eigenen Sprache.

WALTER BENJAMIN (1892-1940)
Walter Benjamin ist Mitbegründer der Frankfurter Schule und der kritischen Theorie. Walter Benjamins Leben wird als hoch emotional geschildert. Depressionen, Geldnot und familiäre Probleme machten ihn zu einer glücklosen Existenz. Er nahm sich 1940 in Paris das Leben.

Wolfram Eilenberger lässt die vier Philosophen lebendig werden und erzählt dabei nicht nur über die Entstehung ihrer großer Werke, sondern auch wie sich ihr Denken mit dem Privatleben vereinbart hat. Hierzu lässt der Autor weitere Personen aus dem Umfeld auftreten: Hannah Arendt, Karl Jaspers und Theodor Wiesengrund Adorno und noch viele Weitere. Was haben die vier gemeinsam? Was unterscheidet sie? Nur einer der vier Philosophen war ein Demokrat, Ernst Cassirer. Bis auf Heidegger gehörten die genannten Philosophen dem jüdischen Glauben an.

In der beobachteten Dekade wächst das Wissen exponentiell. Konnte nach so einer großen Katastrophe, wie dem Ersten Weltkrieg, Metaphysik überhaupt noch eine Bedeutung haben? Wie sieht es mit der Sprache und deren Unvermögen über „Höheres“ zu kommunizieren, aus? Welche Schlussfolgerungen werden gezogen?

Die Zeit offenbart eine Revolution des Denkens. Es geht um Erkenntnistheorie: Wie viel von seiner Umwelt bzw. überhaupt von der Welt kann der Mensch erfassen? Was sagen die empirischen Sprachwissenschaften? Wie lässt sich der Mythos damit verbinden? Was Können Anthropologen und Ethnologen dazu beitragen? Letztendlich: Was sagen die theoretischen Physiker?

Das Ziel eines interdisziplinären Forums wird formuliert. „Das Ding an sich“, dessen Erkenntnis Immanuel Kant dem Menschen abgesprochen hat, spielt nach dem 1. Weltkrieg keine große Rolle mehr. Jaspers, Heidegger und die französischen Existentialisten führen eine neue Terminologie ein:

Daseinssorge – Dasein – das je–meinige Leben – Grenzerfahrungen – Das Umgreifende – Gott ist tot!

Wolfram Eilenberger (Vielen sicherlich bekannt aus Sternstunde Philosophie) zeigt, wodurch seiner Meinung nach die vier Philosophen diese Epoche geprägt haben. Dabei entwickelten sich folgende Fragen:

Wie weit dringt das philosophische Denken in den Alltag ein?

Gehört es immer zum Alltag?

4/5 Punkten

SPRACHLICHE GESTALTUNG
Wolfram Eilenbergers Erzählstil ist leicht, gut verständlich und unterhaltsam. Die Kapitellänge ist angenehm.

5/5 Punkten

COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUN
Das Cover ist ansprechend, sagt aber wenig aus.

3/5 Punkten


FAZIT / REZENSION „ZEIT DER ZAUBERER“ VON WOLFRAM EILENBERGER
Der Leser erkennt schnell, dass sich mit Sicherheit gewaltige Synergieeffekte ergaben, sobald diese Philosophen miteinander agierten.

Wolfram Eilenberger zeigt dabei, wie eng die Beziehung zwischen Existenz und Theorie war. Das Denken und das Leben sind miteinander verknüpft. Ludwig Wittgenstein verschenkt seine Milliarden. Walter Benjamin fand nie wirklich sein Glück.

Zu Martin Heidegger: Heidegger sagte über Aristoteles:

„Aristoteles wurde geboren, arbeitete und starb“.

Er sah das Werk getrennt von der Biografie des Autors, der er keine Bedeutung beimaß. Ich sehe das anders. Mir fehlt jegliches Verständnis für Martin Heidegger. Wolfram Eilenberger betrachtet Martin Heidegger aus einer bewusst objektiven Distanz. Ich kann das nicht. In meinen Augen gehören Werk und Autor als Einheit zusammen.

Während Hannah Arendt Heidegger als Philosophen sehr schätze, war sie menschlich von ihm zutiefst enttäuscht. Er war 1933 der NSDAP beigetreten. Sie bezeichnete es als eine „Entfremdung von Feinden“.

Rezension „Menschen in finsteren Zeiten“ Hannah Arendt
Ernst Cassirer scheint der Einzige zu sein, der die Philosophie nicht in sein Familienleben ließ und zufrieden lebte.

Für Liebhaber von Philosophie, Geschichte auch Zeitgeschichte, lohnt es sich in jedem Fall, das Buch zu lesen. Es ermuntert zum Recherchieren und nachlesen. Vielleichte ist es aktueller, als es auf den ersten Blick scheint

@NetgalleyDe und Klett-Cotta
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 4/5 Punkten.

Veröffentlicht am 26.04.2019

Wer bin ich?

Damals
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Wer bin ich ...
ZUM INHALT „DAMALS“ VON SIRI HUSTVEDT

„Damals“ von Siri Hustvedt trägt im Original den Titel „Memories of the Future“ („Erinnerungen an die Zukunft“). Der Titel lässt bereits erahnen, ...

Wer bin ich ...
ZUM INHALT „DAMALS“ VON SIRI HUSTVEDT

„Damals“ von Siri Hustvedt trägt im Original den Titel „Memories of the Future“ („Erinnerungen an die Zukunft“). Der Titel lässt bereits erahnen, dass es sich bei diesem Buch nicht, wie in der Presse (Zeit online, Kulturradio) erwähnt, um einen „weiblichen Narzissmus“ handelt. Nein! Die Autorin hat das Konzept der Zeit und der Erinnerungen, aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet. Es geht dabei nicht um die Ebene der Ereignisse, sondern eher, um die Spuren, die Ereignisse hinterlassen, woraus wir später unsere Erinnerungen formen.



DER VORGANG DES ERINNERNS

An dieser Stelle versuche ich, mit eigenen Worten wiederzugeben, wie Siri Hustvedt am 9. April 2019 im Schauspiel Frankfurt, den Vorgang des Erinnerns kognitionswissenschaftlich beschreibt:

Im Gegensatz zu der mittelalterlichen Vorstellung, unsere Erinnerungen werden in einem Apothekerschrank verwahrt und wir müssen sie nur einfach aus der Schublade holen, ist das Erinnern ein komplexer Vorgang, dessen Ergebnis variabel ist.



Unsere Erinnerung wird mittels unserer Erfahrungen neu zusammengesetzt und damit auch bewertet. Dadurch ist Erinnerung nicht statisch, sondern dynamisch.



Wenn unsere Erinnerungen dynamisch sind, was ist dann wahr? Wie wahr sind unsere Erinnerungen. Die Erinnerung von gestern ist unter Umständen nicht mehr die gleiche, wie die Erinnerung von heute.



Siri Hustvedt versucht in „Damals“ das Geheimnis zu ergründen:

Wie ist aus Minnesota Siri Hustvedt geworden?



Oder stellt sich Minnesota die Frage?

Wie sehr prägten die Jahre in New York das Leben Siri Hustvedts?



DAS DOPPELGÄNGERMOTIV

Die Autorin fächert diese unterschiedlichen Ebenen des Ichs, in der Zeitlinie, elegant durch das Doppelgänger-Motiv auf. Die Protagonisten Minnesota, die junge Autorin, die auf der Suche nach ihrem ersten Romanhelden nach New York zieht, S. H. die vierzig Jahre ältere Autorin, die als Erzählerin auftritt. Über den beiden steht ein virtueller Detektiv, der die Sachlage „objektiv“ und ganzheitlich betrachtet und bewertet.



Wofür steht S. H.?



Für Siri Hustvedt?

Für Sherlock Holmes?

Oder

Für Standard Hero?



Zu Beginn unseres Lebens stehen uns noch viele Möglichkeiten offen, wir haben noch keine Entscheidung gefällt und somit keine Richtung eingeschlagen, mit jeder Entscheidung, die wir treffen, wird der Weg präziser und die weiteren Möglichkeiten beschränkter.



Minnesota hat noch alle Möglichkeiten offen, während S. H. schon durch ihr bisheriges Leben, die bislang getroffenen Entscheidungen, die noch offenen Möglichkeiten schmälern. Es geht auch um den Gedanken: Was hätte sonst noch aus mir werden können. Dazu gehört auch, dass „Wahrheit“ in einem anderen Kontext gesehen werden muss. Paul Auster, (verheiratet mit Siri Hustvedt), hat genau diese Thematik in seinem letzten Roman „1, 2, 3, 4“, auch durchgespielt. Ich werde das Buch lesen.



Siri Hustvedts Buch kann man fast schon interaktiv nennen. Die Autorin ist der Gamemaster im Rollenspiel und entwirft ein Konzept, an dem sich der Leser orientieren kann.



Der Leser nimmt abwechselnd unterschiedliche Perspektiven ein. Minnesota, S. H. oder der Detektiv und hierbei gilt es noch zu unterscheiden, an welche Geschehnisse, die die Autorin dem Tagesjournal anvertraute, erinnert sie sich tatsächlich, und wie identisch ist das mit dem Niedergeschriebenen.



5/5 Punkten



SPRACHLICHE GESTALTUNG

Siri Hustvedt malt mit Buchstaben und Wörtern ein Bild aus unterschiedlichen Farbtönen im Gerüst der Zeit. Es ist mitnichten ein Narzissmus, der unkritisch sich selbst als wichtiger betrachtet als der Rest der Welt. Nein es ähnelt geradezu einer schriftlichen Psychoanalyse, die versucht das Erlebte, und die Erwartungen an die Zukunft, zusammen mit der Gegenwart, ins Verhältnis zu setzen.



Ist es exhibitionistisch! Sicherlich kann man das so sehen. Siri Hustvedt zieht sich bis auf Innerste aus und lädt den Leser oder Zuhörer dazu ein, mit ihr die Analyse vorzunehmen. Der Leser, zumindest ging es mir so, wird angeregt, seine eigene Vergangenheit, die Erinnerungen und die damaligen Erwartungen an die Zukunft (also an die eigene Gegenwart) gegenüberzustellen. Der Text der Autorin lädt zum Mitmachen ein.



Aber die Autorin macht nicht zur Befriedigung des Egos, sondern ich glaube, Siri Hustvedt geht Erkenntnis im ureigensten Sinn über alles. Sie will verstehen, „Was die Erde im Innersten zu sammenhält“ und wie Bewusstsein bzw. das „Ich“ sich zusammensetzt.



Ist es voyeuristisch? Ja, ich habe schon in einigen Rezensionen bemerkt, dass in jedem von uns ein kleiner Voyeur steckt. Vor allem jeder, der schreibt, beobachtet seine Umwelt sehr genau. Wir suchen immer die Story dahinter.



5/5 Punkten



COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG

Mir gefällt das Cover sehr gut! Minnesota fliegt mit dem Messer „Baroness“ in der Hand der Zukunft entgegen. Keine Kleidung behindert sie oder versteckt sie. Sie ist einfach nur sie selbst.



Das Cover ist ästhetisch und geschmackvoll. Auf den letzten Seiten findet man die Quellenangaben für die Zitate.



5/5 Punkten



FAZIT

Ich habe im letzten Jahr „Die Illusion der Gewissheit“ gelesen. Am 9. April war ich bei der Lesung von „Damals“ im Schauspiel Frankfurt. Zeitgleich lese ich gerade den Essay Band „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“. Die charismatische Autorin hat mich sehr beeindruckt.



Ihre Art der Suche nach Erkenntnis ist auch auf eine gewisse Art, die Beantwortung der kantischen Fragen. Das finde ich sehr inspirierend.



1. Was kann ich wissen?

2. Was soll ich tun?

3. Was darf ich hoffen?

4. Was ist der Mensch?



Woraus sich schließlich die eine Frage ergibt: Wer oder was bin ich?



Warum bin ich genauso geworden, wie ich heute bin. Was wäre gewesen, wenn ich am 12. November 2000, diese Straße nicht überquert hätte. Was wäre anders geworden. Hätte es überhaupt einen Unterschied in meinem Leben, oder meinem Ich gegeben?



Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass es sich bei „Damals“ um eine Fiktion handelt. Ich gehe davon aus, dass der Roman autobiographisch ist, Siri Hustvedt selbst lässt offen, wie viel Fiktion bzw. wie viel Wahrheit darin enthalten ist.



Sehr gut hat mir „Baroness“ gefallen. Minnesota bekam von einer Freundin, ein Messer geschenkt, dem sie einen Namen gab: Baroness.

Wie in meinem Artikel zur Lesung von Siri Hustvedt im Schauspiel Frankfurt schon erwähnt:



In Siri Hustvedts Leben hatte Kunst schon immer einen hohen Stellenwert. Die 22-jährige Minnesota folgte in New York den Spuren des Dadaismus. Dabei spielt Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven, deren Namen, wie sich bei der Lesung, vielmehr beim Gespräch in Frankfurt herausstellte, nicht nur mir völlig unbekannt war, Eine wichtige Rolle. Sie war eine deutsche Künstlerin des Dadaismus und das als Muse, Aktmodell, Malerin, Bildhauerin, Dichterin und Rezitatorin. Das berühmte Kunstwerk „The Fountain“ wird bis heute Marcel Duchamp zugeordnet, obwohl es Beweise gibt, dass die Baroness die Schöpferin des Werkes war.

Aber davon unabhängig handelt es sich um Erkenntnistheorie! Siri Hustvedt betrachtet das Individuum auf wissenschaftlicher Basis und ordnet mittels empirischer Werte (Erfahrungswerte) ein.



Wie ich schon erwähnt habe, hat Paul Auster in „4 3 2 1“, die gleiche Problematik literarisch umgesetzt. Ich werde das Buch lesen.



Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten

Veröffentlicht am 03.04.2019

Wofür würdest du dich entscheiden?

Die Bestimmung. Die Gesamtausgabe
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KLAPPENTEXT / INHALTSANGABE ZU „DIE BESTIMMUNG - GESAMTAUSGABE“
Beatrice „Tris“ Prior ist 16 und steht vor der wichtigsten Entscheidung ihres Lebens: Fünf Fraktionen stehen zur Wahl. Altruan – die Selbstlosen. ...

KLAPPENTEXT / INHALTSANGABE ZU „DIE BESTIMMUNG - GESAMTAUSGABE“
Beatrice „Tris“ Prior ist 16 und steht vor der wichtigsten Entscheidung ihres Lebens: Fünf Fraktionen stehen zur Wahl. Altruan – die Selbstlosen. Candor – die Freimütigen. Ken – die Wissenden. Amite – die Friedfertigen. Und schließlich Ferox – die Furchtlosen … Wie wird Tris‘ Zukunft aussehen? Welcher Art von Gemeinschaft wird sie angehören? Wer werden ihre Freunde, ihre neue Familie sein? Alle Abenteuer, alle Herausforderungen im Krieg der Fraktionen, die Auflösung einer ganzen Welt und schließlich der Blick über den Zaun am Rande der Stadt werden hier hörbar: Janin Stenzel, Tris‘ Synchronstimme aus den Kinofilmen, liest alle drei Bände ungekürzt.

GESAMTAUSGABE
REZENSION: ZUM INHALT
„Die Bestimmung“ (hier die Gesamtausgabe) von Veronica Roth ist eine Trilogie, die in einer dystopischen Welt spielt.

Mir gefallen die Filme und ich hatte eine große Erwartungshaltung an die Hörbücher. Meist sind die Bücher viel detailreicher als die Filme, allein schon durch die Tatsache, dass die Filme insgesamt vielleicht 5 Stunden dauern und die Hörbücher zusammen über 36 Stunden.

Ich versuche die drei Bände möglichst ohne viel Spoiler zu skizzieren:

REZENSION „DIE BESTIMMUNG“
Veronica Roth hat eine Welt erschaffen, in der die Menschen sich in fünf Fraktionen aufgliedern. Jede Fraktion führt ein Leben, das sich wesentlich von den anderen Fraktionen unterscheidet. Mit 16 wählen die Jugendliche ihre Fraktion, bekennen sich zu ihr oder wechseln in eine andere Fraktion.

Im ersten Band der Trilogie „Die Bestimmung“ lernen wir die Hauptfigur Beatrice kennen, die sich für eine andere Fraktion entscheidet und dabei ihren Namen in Tris ändert. Der Leser erfährt viel über ihr bisheriges Leben bei den Altruan.

Die Struktur dieser Welt, die sich in, die im Klappentext schon erwähnten fünf Fraktionen aufteilt, wird skizziert. Für welche Fraktion wird Tris sich entscheiden? Was ändert sich dadurch in ihrem Leben? Wird sie ihre Familie einfach so verlassen können?

Und wie funktioniert diese Welt der fünf Fraktionen. Ist dadurch wirklich Frieden und Zufriedenheit gesichert? Gibt es wirklich nur noch diese eine Stadt?

REZENSION „TÖDLICHE WAHRHEIT“
Die Welt von Four und Tris gerät aus den Fugen. Beide tragen einen Koffer mit ihrer Vergangenheit mit sich rum. Zusätzlich zu den fünf Fraktionen gibt es jetzt auch noch „die Unbestimmten“. Menschen, die in keine Fraktion passen.

Das System bröckelt. Es bilden sich Gruppierungen.

REZENSION „LETZTE ENTSCHEIDUNG“
Stell Dir vor, du wachst morgen früh auf und ein fremder Mensch erklärt dir bedauernd, dass dein Leben, so wie du es gelebt hast, eine Konstruktion, ein Traum oder ein Spiel, einfach nur ein Versuch war.

Im letzten Band müssen die Stadtbewohner sich selbst erkennen, für sich klären, wer sie sind, welches Leben sie möchten und dieses Leben tagtäglich verwirklichen.

Es gibt in diesem Teil Wendepunkte, die ich nicht so gut finde. Aber das ist eine persönliche Frage des Büchergeschmacks. Es handelt sich ja um eine Dystopie.

4,5/5 Punkten

PROTAGONISTEN
Tris entwickelt sich von einer seit Geburt auf Altruan geprägten Erziehung von einer selbstlosen Altruan zu einer furchtlosen Ferox. Es gefiel mit besonders gut, dass Tris sich auch wie eine Jugendliche benimmt. Ich mag die Figur sehr, aber manchmal wollte ich ihr einen kleinen aufmunternden oder aufhaltenden Tritt geben, weil sie sich oft von Emotionen leiten lässt und auch Four damit sehr verletzt. Wird ihre Beziehung das aushalten? Ihre Widersprüchlichkeit zeigt natürlich auch, dass sie selbst im Konflikt mit ihren Handlungen steht.

Tris findet in ihrem Ausbilder Four einen ebenbürtigen Partner, der selbst eine große Entwicklung durchmacht und das Trauma seiner Kindheit verarbeiten muss.

5/5 Punkten

SPRACHLICHE GESTALTUNG
Das Buch ist in den ersten zwei Bänden aus der Sicht von Tris geschrieben. Im dritten Teil wechselt die Perspektive zwischen Tris und Four.

Der Spannungsbogen ist und bleibt hoch. Auch die Atmosphäre lässt sich gut spüren. Das Bedrohliche und die Angst, wer man letztendlich ist.

5/5 Punkten

COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG
Das Cover für alle drei Hörbücher trägt das Zeichen der Ferox. Die einzelnen Bände haben fast das gleiche Cover: Die Skyline im Hintergrund. Nur das Zeichen der Fraktion wechselt.

5/5 Punkten

Alle die sich einer Fraktion anschließen wollen und nicht wissen welcher, sollten den Test auf dieser Seite machen

DIE SPRECHERIN JANIN STENZEL
Gelesen von Janin Stenzel, die schon im Film die deutsche Synchronstimme von Tris war. Allerdings war sie mir oft zu unbeteiligt – emotionslos. Ich mag es, wenn man merkt, dass der Sprecher genauso im Geschehen mit drin steckt, wie man selbst als Leser.

Besonders im letzten Band fiel es mir außerordentlich schwer, die Perspektivwechsel zwischen Tris und Four sofort zu bemerken. Janin Stenzel macht beim Lesen der zwei Protagonisten keine Unterschiede.

3/5 Punkten

FAZIT
Dystopien, wie „1984“ von George Orwell, „Brave New World“ von Aldous Huxley oder „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury, zeigen Gesellschaften in denen man keineswegs leben möchte.

Auch in „Brave New World“ ist die Welt in fünf Klassen geteilt. Nur entscheiden sich nicht die Menschen für ihre Fraktion oder Klasse und konditionieren ihre Nachkommen, sondern Menschen werden gentechnisch hergestellt und den einzelnen Klassen zugeteilt. Durch dieses gemeinschaftliche Erleben ergibt sich vermeintlich stabile Gleichberechtigung. In Wirklichkeit werden die Menschen manipuliert, konditioniert und entmündigt. Der Unterschied zwischen „Die Bestimmung“ und „Brave New World“ liegt darin, dass Aldous Huxley eine totalitäre Gesellschaft ohne freie Presse und viel Propaganda zeigt, während „Die Bestimmung“ ein Gesellschaftsmodell zeigt, dass zum besseren Miteinander einer Gesellschaft dienen soll, aber durch korruptes menschliches Verhalten droht, sich zu einer totalitären Gesellschaft zu entwickeln.

Das Miteinander von politischer Theorie und menschlicher Praxis klappt nicht immer, eher selten. Der Mensch ist hier nicht nur ein Beobachter, sondern wird zum beobachteten Objekt.

Die Reihe ist spannend und fängt den Leser emotional ein. Diese Ungerechtigkeit, diese Intoleranz und Ignoranz. Das ist eine Versuchsreihe am lebenden und fühlenden Objekt. Das ist jenseits aller Würde.

Besonders schlimm finde ich diese geistigen Manipulationen und das Spielen mit Ängsten und Gefahr.

Könnten das uns auch ereilen?

Was meinst du?

Wir werden in Werbung und weiteren Bereichen manipuliert, motiviert, ja geradezu geprägt. Am Tagesgeschehen erkennen wir, dass der Mensch nicht einmal aus der Geschichte lernt.

Kurz und gut: Eine tolle Reihe!

@Randomhouse

Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 4,6/5 Punkten.

Veröffentlicht am 25.03.2019

Tierisch liebenswert!

Einfach Mensch sein
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VON TIEREN LERNEN
ZUM INHALT
„Egal ob Federn oder Fell, Haut oder ein Außenskelett – Sy Montgomery liebt alle ihre Mitgeschöpfe, ganz gleich, wer sie sind, mit leidenschaftlicher Intensität.“

Auszug aus: ...

VON TIEREN LERNEN
ZUM INHALT
„Egal ob Federn oder Fell, Haut oder ein Außenskelett – Sy Montgomery liebt alle ihre Mitgeschöpfe, ganz gleich, wer sie sind, mit leidenschaftlicher Intensität.“

Auszug aus: Sy Montgomery. „Von Tieren lernen.“ Im Nachwort von Donna Leon.
Einfach Mensch sein Sy Montgomery PressebildSyMontgomerycFoto-Matthew-Lomanno72dpiPressebildSyMontgomerycFoto-Matthew-Lomanno72dpi
Sy Montgomery, die Autorin des Bestsellers „Rendezvous mit einem Oktopus“, betrachtet ihre Umwelt mit Neugierde und Erwartung. Sie hat keine Angst vor Fremdem, sondern möchte das Fremde kennenlernen, und zusammen voneinander lernen. Das ist ein schöner Ansatz, der von großer Toleranz zeugt. Das Besondere ist, dass die Autorin die eigenen Erfahrungen so emotional und farbig in ihren Büchern schildert und weitergibt. Man glaubt fast, dabei zu sein. Ich hatte das Gefühl, selbst dem tierischen Freund, über das Fell zu streicheln. Ich spürte die zarten Spinnenbeinchen von Clarabelle auf meiner Haut trippeln.

Diese empfindsame Bereitschaft, sich auf das Gegenüber einzulassen, und entgegenzukommen, ist Liebe. „Einfach Mensch sein“ ist ein Buch über Liebe, Toleranz, Familie, Freunde, Treue, Verantwortung und auch Trauer und Trauerbewältigung.

Der Untertitel des Buches lautet: „Von Tieren lernen“. Die Autorin zeigt mit ihren bezaubernden Protagonisten, wie Tiere uns einen Spiegel vorhalten. Sie lehren uns, „einfach Mensch zu sein“. Sy Montgomery zeigt uns, wie einfach es ist, ein Mitgeschöpf unbefangen, ohne Vorurteile, sondern einfach nur gespannt und neugierig kennenzulernen.

5/5 Punkten

PROTAGONISTEN / REZENSION „EINFACH MENSCH SEIN“ VON SY MONTGOMERY
Ich wurde vom Verlag gefragt, welches Tier mir am besten gefalle? Das ist sehr schwierig. Da kommen mehrere in die engere Auswahl. Drei Freunde der Montgomery’s möchte ich euch vorstellen.

MOLLY – DER SCOTCHTERRIER
Die große Schwester der Autorin war ein Scotchterrier namens Molly. Sy Montgomery blickte zu ihr auf und beneidete sie um ihre Fähigkeiten. Außerdem war Molly der Hund ihres Vaters, und der wiederum, war der General des Stützpunktes. Für Molly war vollkommen klar, dass sich die Autorität ihres Herrchens natürlich auch auf sie überträgt. Keiner zweifelte das auf dem Stützpunkt an. Was für eine Hündin!

„Einige Soldatinnen waren gerade vor der Tür. Sie müssen sich, wie man uns am nächsten Morgen erzählte, in Reih und Glied aufgestellt haben, als Molly nahte. Sie hätten sich beschnuppern lassen und sogar salutiert, als Molly von dannen ging.“

Auszug aus: Sy Montgomery. „Von Tieren lernen.“
CHRISTOPHER HOGWOOD
Christopher Hogwood’s berühmter Namensvetter war ein britischer Dirigent. Im Buch lernen wir ihn, als kleines Ferkel, das in einen Schuhkarton passt, kennen. Christopher ist ein liebevoller Charakter, der das Leben genießt und seine Familie und sein Wellness-Programm liebt.

„Kate und Jane führten auch das »Pig Spa« ein, das Wellnessprogramm für Schweine. An einem schönen Frühlingsmorgen fand Kate, dass Christophers Ringelschwänzchen gekämmt werden müsste. Danach sollten die Haare daran geflochten werden“

Auszug aus: Sy Montgomery. „Von Tieren lernen.“
CLARABELLE
Clarabelle war eine „pinktoe tarantula“ oder Baumvogelspinne. Die Autorin gibt dem Leser die Gelegenheit, diese Spinne auf eine besondere Art, eine sehr intime und emotionale Art, kennenzulernen.

„Und dann passierte etwas Magisches. Während ich sie so auf der Hand hielt, spürte ich eine Verbindung zu dieser Kreatur.“

Auszug aus: Sy Montgomery. „Von Tieren lernen.“
Das sind nur drei der bezaubernden Wesen, die uns Sy Montgomery liebevoll vorstellt. Die anderen tierischen Freunde sind nicht weniger interessant und liebenswert,

SPRACHLICHE GESTALTUNG
Das Buch liest sich wirklich von alleine. Es ist liebevoll von Rebecca Green illustriert und mit großer Achtung geschrieben. Das Buch ist eine Freude zu lesen. Die Kapitellänge passt wunderbar.

5/5 Punkten

ZUR ILLUSTRATORIN REBECCA GREEN
Rebecca Green hat Cover und Buch sehr schön illustriert. Auf ihrer Website findet ihr wunderschöne und fröhliche Zeichnungen. In meiner Playlist auf YouTube findet ihr noch einen kleinen Film zu der Illustratorin.

COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUN
Mir gefallen Cover und Illustrationen sehr gut. Dazu passt das Format der Diogenes Bücher sehr gut. Leider hat es kein Lesebändchen. Ich liebe Lesebändchen. Insgesamt wirkt das Buch sehr freundlich und fröhlich.

Lesungen – mehr dazu auf der Verlagsseite
Die in Frankfurt geborene Autorin (Website der Autorin) liest diesen Monat (März 2019) aus ihrem Buch am

26. März 2019 in Lübeck
27. März 2019 in Köln
28. März 2019 In Dresden

5/5 Punkten

MEINE PLAYLIST AUF YOUTUBE
FAZIT / REZENSION „EINFACH MENSCH SEIN“ VON SY MONTGOMERY
Das Buch, „Einfach Mensch sein“ von Sy Montgomery, hat mich lachen, lächeln, kichern aber auch weinen lassen. Das, was sie liebevoll beschreibt, ist die Lebensgeschichte eines Menschen, der Tiere nicht als eine fremde Spezies, sondern als Mitgeschöpfe begreift, die oftmals im eigenen Zuhause zu Familienmitgliedern werden. Vielleicht reagieren wir bei Tieren so emotional, weil wir wissen, dass sie ehrlich sind. Und oftmals entsprechen sie im Babyalter dem Kindchenschema, auf das fast alle Menschen reagieren. Aber als Tierliebhaber wollen wir keine wissenschaftliche Erklärung, sondern wir lieben unsere Tieren und wollen sie schützen, kuscheln und umsorgen.

@diogenes Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.