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Veröffentlicht am 18.11.2025

Eine Elite Uni mit dunklem Geheimnis

The Academy
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Mit "The Academy "wagt sich Elin Hilderbrand auf neues Terrain – und liefert einen ebenso fesselnden wie entlarvenden Roman über eine Elite-Schule, deren glänzende Fassade bei näherem Hinsehen bröckelt. ...

Mit "The Academy "wagt sich Elin Hilderbrand auf neues Terrain – und liefert einen ebenso fesselnden wie entlarvenden Roman über eine Elite-Schule, deren glänzende Fassade bei näherem Hinsehen bröckelt. Bekannt für ihre scharfen Beobachtungen menschlicher Schwächen, legt Hilderbrand hier einen Campus-Roman vor, der Drama, Intrigen und überraschenden Tiefgang gekonnt verwebt.

Die Tiffin-Academy schneidet in den jährlichen Ratings überraschend gut ab und landet auf Platz zwei – sehr zur Verwunderung von Schulleiterin Audre Robinson. Denn hinter der frisch polierten Oberfläche steckt eine Institution am Limit: marode Wohnheime, mäßige sportliche Leistungen und ein schlechter Notenschnitt. Was die Schule wirklich am Leben hält, sind ihr Prestige, ihr gepflegtes Image und die berühmt-berüchtigten Partys, die seit Generationen ihren mythologischen Ruf genießen.

Doch dann schlägt die moderne Welt zu: Eine neue App beginnt, Skandale sekundenschnell über den Campus zu verbreiten. Und nicht harmlose Gerüchte, sondern Enthüllungen, die die Grundfesten der Akademie erschüttern – eine Affäre zwischen einer Lehrerin und einem Schüler, der tragische Suizid einer jungen Frau, Korruption auf höchster Ebene. Hilderbrand inszeniert diese Enthüllungen mit präzisem Timing und einem Blick für die moralischen Grauzonen, in denen die Figuren gefangen sind.

Audre Robinson ist eine faszinierend ambivalente Protagonistin: pflichtbewusst, engagiert, aber auch blind für manche Fehlentwicklungen, die sich unter ihrer Führung eingeschlichen haben. Ihr Kampf, die Kontrolle über eine Schule zu behalten, die im Chaos zu versinken droht, verleiht dem Roman eine emotionale Dringlichkeit, die Hilderbrands gewohnt lockeren Stil perfekt ergänzt.

The Academy ist ein packender Roman über Macht, Image und die Konsequenzen verdrängter Wahrheiten.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Wien-Krimi

Wienerberg
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Mit "Wienberg" präsentiert Mina Albich einen Wien-Krimi, der sich angenehm vom Einheitsbrei des Genres abhebt: wortwitzig, tiefgründig, charmant-wienerisch und gleichzeitig düster genug, um lange nachzuhallen. ...

Mit "Wienberg" präsentiert Mina Albich einen Wien-Krimi, der sich angenehm vom Einheitsbrei des Genres abhebt: wortwitzig, tiefgründig, charmant-wienerisch und gleichzeitig düster genug, um lange nachzuhallen. Die Autorin versteht es hervorragend, historische Atmosphäre, bodenständigen Schmäh und psychologische Spannung zu einer dichten, stimmigen Mischung zu verweben.

Der Fall beginnt mit einem Fund, der harmlos wirken könnte – ein Mädchen entdeckt beim Spielen im Wasserpark Favoriten einen menschlichen Knochen. Doch Inspektor Grohsman, ein Ermittler mit Gefühl für Geschichte, weiß, dass dieser Ort eine finstere Vergangenheit hat: In unmittelbarer Nähe befand sich einst eine der Hinrichtungsstätten Wiens. Das geborgene Skelett aber stammt keineswegs aus dieser Epoche. Es ist deutlich jünger – und damit beginnt ein Fall, der mehr verbirgt, als er preisgibt.

Grohsman, seine toughe Kollegin Joe Kettler und die scharfsinnige Kriminalpsychologin Nicky Witt bilden ein wunderbar kontrastreiches Ermittlerteam. Zwischen Grohsman’s trockenem Humor, Joes Pragmatismus und Nickys analytischem Feingefühl entsteht eine Dynamik, die den Roman trägt. Mina Albich lässt ihre Figuren mit einer Natürlichkeit agieren, die sofort in den Bann zieht – mal mit bissigem Humor, mal mit leisen, nachdenklichen Tönen.

"Wienberg" ist ein intelligenter, atmosphärisch dichter Kriminalroman mit wienerischem Schmäh und ernsthafter gesellschaftlicher Note.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Asche spendet Leben

Feuerlilie. Asche spendet Leben
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Mit "Die Feuerlilie" gelingt Liza Grimm eine kraftvolle, fesselnde Fortsetzung von Eislotus, die die Welt der Elementarmagie nicht nur erweitert, sondern in neue, gefährlichere Tiefen führt. Schon die ...

Mit "Die Feuerlilie" gelingt Liza Grimm eine kraftvolle, fesselnde Fortsetzung von Eislotus, die die Welt der Elementarmagie nicht nur erweitert, sondern in neue, gefährlichere Tiefen führt. Schon die Erstauflage mit Farbschnitt macht das Buch zu einem begehrten Sammlerstück – doch der wahre Schatz liegt wie immer zwischen den Seiten.

Die Autorin entfaltet erneut eine einzigartige Magie-Mechanik, die sich um Seelenbücher dreht – ein faszinierendes Konzept, das sich in Band 2 zunehmend düster und komplex zeigt. Elementarmagie wird in dieser Welt nicht einfach gewirkt, sondern an Bücher gebunden, deren Macht nur die geheimnisvollen Buchbinder lenken können. Um diese Macht nicht in die falschen Hände geraten zu lassen, entscheidet ein zyklischer Wettkampf darüber, welches Volk die Buchbinder kontrolliert. Dieser Wettkampf bildet das brennende Herz des Romans: gefährlich, politisch, tödlich. Fans von Tribute von Panem und Avatar kommen hier voll auf ihre Kosten.

Im Zentrum steht wieder Nara – stark, verletzlich, zielstrebig und zunehmend zerrissen. Ihr Wunsch, ihre Heimat im ewigen Eis zu retten, treibt sie in die Akademie und in das Auswahlverfahren für die Elementgesandten. Doch je tiefer sie in die Welt der Magie, der Prüfungen und Intrigen hineingezogen wird, desto klarer erkennt sie, dass im Hintergrund Kräfte wirken, die weit über den Wettkampf hinausgehen. Verrat, Lügen und geheime Absprachen durchziehen die Akademie wie ein Netz aus unsichtbaren Fäden.

Besonders packend ist die Entwicklung rund um Naras Seelenbuch: Es wird nicht nur zum Symbol ihrer Macht, sondern zum Objekt einer gefährlichen Jagd. Jemand ist bereit, jede Grenze zu überschreiten, um es an sich zu reißen – und Liza Grimm nutzt diesen Handlungsstrang, um den Spannungsbogen permanent hochzuhalten. Gleichzeitig vertieft sie die politische Landschaft ihrer Welt und lässt jede der vier Elemente-Fraktionen lebendig, widersprüchlich und eigenständig wirken.

"Die Feuerlilie" ist ein packender, intensiver und emotional vielschichtiger High-Fantasy-Roman, der Liza Grimms Welt der Seelenbücher auf beeindruckende Weise ausbaut.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Vier Prinzen

The Never List
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Mit "The Never List" liefert Jade Presley einen verführerisch düsteren Auftakt zu einer Romantasy-Trilogie, die Fans von “Fourth Wing” oder “Serpent & the Wings of Night” sofort in ihren Bann ziehen dürfte. ...

Mit "The Never List" liefert Jade Presley einen verführerisch düsteren Auftakt zu einer Romantasy-Trilogie, die Fans von “Fourth Wing” oder “Serpent & the Wings of Night” sofort in ihren Bann ziehen dürfte. Schon das Äußere – limitierte Erstauflage, Farbschnitt, bedruckter Buchbezug – macht das Buch zu einem echten Hingucker. Doch der Inhalt steht dieser Pracht in nichts nach.

Die Welt von Avaris ist geprägt von Macht, Magie und Intrigen – und im Zentrum stehen vier Prinzen, die als “Legenden des Chaos” gefürchtet und begehrt zugleich sind. Jedes Jahr laden sie zum legendären Maskenball ein, um ihre Fated Mate zu bestimmen. Für die Adligen des Reichs ist das eine Chance auf unermessliche Macht, aber auch ein Spiel mit dem Tod – denn wer verschmäht wird oder auf der mysteriösen “Never List” landet, muss oft einen hohen Preis zahlen.

Hier setzt die Geschichte an: Rylee Gray betritt nicht aus Ehrgeiz, sondern aus purer Verzweiflung die Bühne. Ihre Schwester Erin verschwand vor einem Jahr auf eben jenem Ball, und Rylees Mission ist klar: Sie will Antworten. Dass ausgerechnet sie von den vier Prinzen als potenzielle Gefährtin ausgewählt wird, katapultiert sie mitten hinein in ein Spiel aus Versuchung, Lügen und Machtkämpfen.

Presley versteht es meisterhaft, Spannung und Sinnlichkeit miteinander zu verweben. Die vier Prinzen sind gefährlich, verführerisch und jeweils mit einer eigenen Agenda ausgestattet. Die Dynamik zwischen ihnen und Rylee ist elektrisierend – ein ständiges Hin und Her zwischen Misstrauen und unwiderstehlicher Anziehung. Der Roman scheut sich nicht, die klassischen Romantasy-Tropes auszukosten: Why Choose, Forced Proximity, Hidden Identity, Enemies to Lovers und eine ordentliche Prise Bad-Boy-Energie. Fans dieses Genres bekommen hier alles, was sie lieben.

Die Welt ist atmosphärisch dicht, der Hof intrigant, die Magie eindrucksvoll und die Handlung im richtigen Moment überraschend. Besonders stark: Rylee bleibt trotz Verführung und Gefahr eine Protagonistin mit Rückgrat und klarer Motivation – ihre Liebe zu ihrer Schwester gibt der Geschichte emotionale Tiefe.

The Never List ist ein wilder, verführerischer und süchtig machender Start in eine neue Dark-Romantasy-Welt.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Verfolgungsjagd in Venedig

Die Medici-Morde
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Mit "Die Medici-Morde" legt David Hewson erneut einen atmosphärisch dichten Venedig-Krimi vor, der historische Raffinesse mit modernem Spannungsaufbau verbindet. Der erfolgreiche TV-Historiker Marmaduke ...

Mit "Die Medici-Morde" legt David Hewson erneut einen atmosphärisch dichten Venedig-Krimi vor, der historische Raffinesse mit modernem Spannungsaufbau verbindet. Der erfolgreiche TV-Historiker Marmaduke „Duke“ Godolphin steht im Zentrum der Handlung – ein Mann, dessen narzisstische Selbstüberschätzung und Rücksichtslosigkeit ihm viele Feinde eingebracht haben. Hewson zeichnet ihn als faszinierend unsympathische Figur, deren geplante Sensationsenthüllung über zwei Medici-Morde aus dem 16. Jahrhundert den perfekten Zündstoff für ein spannungsgeladenes Setting liefert.

Die Ausgangslage ist vielversprechend: Godolphin lädt ehemalige Kolleg:innen und Schüler:innen nach Venedig ein, um seine stagnierende Karriere durch einen spektakulären Fund wiederzubeleben. Doch bevor das große Geheimnis enthüllt werden kann, endet der „Duke“ tot in einem winterlichen Kanal. Die Ermittlungen übernehmen die pragmatische und besonnene Polizistin Valentina Fabbri sowie der pensionierte Archivar Arnold Clover – ein ungleiches, aber wunderbar funktionierendes Duo. Ihre Dynamik ist eine große Stärke des Romans: professionell, humorvoll und stets mit feinem Gespür für die Zwischentöne der komplexen Beziehung der Verdächtigen zu Godolphin.

Hewson gelingt es, Venedig im Winter lebendig werden zu lassen: nebelverhangene Gassen, stille Plätze, düstere Kanäle – die Stadt ist nicht bloß Kulisse, sondern ein atmosphärischer Resonanzraum für Intrigen, alte Verletzungen und historische Rätsel. Die Parallelen zwischen den Medici-Morden und Godolphins eigenem Schicksal fügen der Geschichte eine reizvolle historische Ebene hinzu, die nie belehrend wirkt, sondern die Spannung geschickt vertieft.

Die Medici-Morde überzeugt mit einem starken Ensemble, einer clever konstruierten Handlung und einer Bildsprache, die das winterliche Venedig zum Leben erweckt.

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