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Veröffentlicht am 27.05.2025

Göttergeschichten

Blood of Hercules
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Der Klappentext verspricht viel: eine gefährliche Welt voller Ungeheuer, eine Heldin wider Willen, göttliche Intrigen und eine Ausbildung, die an die Grenzen des Erträglichen geht. Und tatsächlich beginnt ...

Der Klappentext verspricht viel: eine gefährliche Welt voller Ungeheuer, eine Heldin wider Willen, göttliche Intrigen und eine Ausbildung, die an die Grenzen des Erträglichen geht. Und tatsächlich beginnt die Geschichte um Alexis mit Tempo und Dramatik. Die Idee, eine scheinbar gewöhnliche junge Frau in eine brutale Kriegsakademie mitten in den Dolomiten zu schicken, ist spannend und erinnert an eine düstere Mischung aus Percy Jackson, Gladiator und Dark Academia.

Alexis selbst ist zu Beginn eine interessante Figur – keine geborene Heldin, sondern eine, die ums Überleben kämpft. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verliert sie an Tiefe. Ihre Entwicklung zur erbarmungslosen Kriegerin geht rasant und teilweise unglaubwürdig vonstatten. Emotionale Konflikte werden oft nur angerissen, und ihre Entscheidungen wirken manchmal eher wie Plotmittel als nachvollziehbare Charakterentwicklung. Und das größte Manko, wo ich kurzzeitig das Buch abbrechen wollte. Die Story spielt in der heutigen Zeit und hat wenig mit der Antike zu tun.

Die Welt, in der sich Alexis bewegt, ist voller faszinierender Ideen: Unsterblichkeit, mythologische Figuren, eine Akademie für zukünftige Kriegerinnen und Krieger. Doch genau hier liegt auch eine Schwäche: Zu viele Elemente drängen gleichzeitig ins Rampenlicht. Zwischen göttlichen Prüfungen, tödlichem Training, Intrigen, Liebesdreiecken (oder besser: -vierecken) und düsteren Geheimnissen verliert sich die Geschichte manchmal in ihrem eigenen Übermaß. Weniger wäre hier mehr gewesen – insbesondere im Hinblick auf die vielen attraktiven, aber oft stereotyp gezeichneten Männerfiguren.

Der Schreibstil ist flüssig und teilweise sehr bildhaft, was die Kämpfe und Trainingsszenen gut zur Geltung bringt. Allerdings driftet die Sprache gelegentlich ins Überdramatische ab – besonders bei den romantischen Szenen, die mehr auf körperliches Begehren als auf echte emotionale Tiefe setzen. Wer Enemies-to-Lovers-Dynamiken und knisternde Spannung zwischen Heldin und geheimnisvollen Männern liebt, wird hier fündig – auch wenn die Beziehungen teils konstruiert wirken.

Ein düsteres Romantasy-Abenteuer mit viel Action, sinnlicher Spannung und einem starken Setting. Leider verliert sich die Geschichte stellenweise in zu vielen Motiven, flachen Nebenfiguren und einer Heldin, deren Entwicklung mehr erzählt als wirklich erlebbar gemacht wird.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Tolle Fortsetzung mit kleinen Macken

Kingdom of Lies
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Mit „Bist du der Krone würdig?“ gelingt es der Autorin, Leser*innen in eine faszinierende Welt aus Magie, Macht und uralten Prophezeiungen zu entführen – ein Fantasyabenteuer welches in die zweite Runde ...

Mit „Bist du der Krone würdig?“ gelingt es der Autorin, Leser*innen in eine faszinierende Welt aus Magie, Macht und uralten Prophezeiungen zu entführen – ein Fantasyabenteuer welches in die zweite Runde geht.

Prisca steht an einem Wendepunkt: Nachdem sie die erschütternde Wahrheit über Lorian erfahren hat, bleibt ihr keine Wahl – sie muss mit ihm kämpfen, Seite an Seite, obwohl Misstrauen und Schmerz sie innerlich zerreißen. Zwischen ihr und der Krone, die einst ihr Schicksal war, liegen nun nicht nur der Zorn eines tyrannischen Königs, sondern auch die Geister ihrer Vergangenheit.

Getrieben von dem Ziel, ihr Volk zu retten und die Hybride sicher ins Reich der Fae zu bringen, begibt sich Prisca auf eine gefährliche Reise. König Sabiums Soldaten jagen sie erbarmungslos, während das Land im Chaos zu versinken droht. Doch Hoffnung besteht: Ein Artefakt der Götter soll ihr die Macht verleihen, alles zu verändern. Doch der Preis ist hoch – nicht nur in Blut, sondern auch im Vertrauen.

Die Welt, in der Prisca lebt, ist vielschichtig, wild und wunderschön. Zwischen Fae-Reich, verborgenen Ruinen, göttlichen Prüfungen und uralten Mächten entfaltet sich eine Geschichte, die mehr ist als bloßer Kampf zwischen Gut und Böse. Es geht um Identität, innere Stärke, Vertrauen – und darum, ob man der Krone würdig ist, wenn man sich selbst noch nicht gefunden hat.

Die Dynamik zwischen Prisca und Lorian ist elektrisierend – geprägt von alten Wunden, unterdrückten Gefühlen und dem ständigen Zweifel, ob sie sich einander jemals wieder wirklich annähern können. Gleichzeitig wird Prisca als Heldin immer stärker, komplexer und mutiger, ohne dabei ihre Menschlichkeit zu verlieren. Ihre Entwicklung ist das emotionale Herz der Geschichte.

Ein düster-romantisches Fantasyepos, das mit hoher Spannung, faszinierendem Weltenbau und einer kämpferischen Protagonistin überzeugt.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Cosy Romance

Unpredictable
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Für alle, die Lorelai und Rory vermissen, kommt mit Unpredictable von Mandy Pötzsch genau der richtige Lesestoff. Dieses Buch fühlt sich an wie ein heißer Kaffee an einem verschneiten Morgen – cozy, klug ...

Für alle, die Lorelai und Rory vermissen, kommt mit Unpredictable von Mandy Pötzsch genau der richtige Lesestoff. Dieses Buch fühlt sich an wie ein heißer Kaffee an einem verschneiten Morgen – cozy, klug und mit einer Prise Chaos im besten Sinne.

Olivia, eine ehrgeizige Berlinerin mit klarem Karriereplan, will eigentlich nur eines: Ein Jahr New York, ein Sprungbrett in der Tech-Branche, und danach eine glänzende Zukunft. Doch stattdessen findet sie sich – völlig unvorhergesehen – in der verschneiten amerikanischen Kleinstadt Yellow Creek wieder. Statt Großstadtvibes gibt’s also verschneite Veranden, neugierige Nachbarn, eine WG mit Herz und jede Menge kleine und große Herausforderungen.

Mitten in dieses Winteridyll platzt Olivia mit ihrem Laptop, ihrem Ehrgeiz – und einem Herzen, das sich viel schneller als geplant auf Glatteis begibt. Denn Mason, ihr gutaussehender, wortkarger Vorgesetzter, ist nicht nur der Inbegriff von Grumpy, sondern womöglich auch das größte Hindernis auf ihrem beruflichen Weg. Oder eben das Gegenteil. Grumpy meets Sunshine – und was daraus entsteht, ist herrlich emotional, oft zum Lächeln, manchmal zum Seufzen schön.

Mandy Pötzsch gelingt ein erfrischend moderner Liebesroman, der nicht nur mit romantischem Knistern punktet, sondern auch mit einer klugen Heldin, die sich in einer männerdominierten Branche behaupten muss. Dabei ist der Ton locker, humorvoll und voller Lebensfreude – man merkt: Hier schreibt jemand mit Gespür für Figuren, Dialoge und Atmosphäre.

Ob Office-Romance, Kleinstadt-Charme, Slow Burn oder starke Frauen in der Tech-Welt – Unpredictable vereint all das in einer Geschichte, die ans Herz geht. Die liebevoll gestalteten Nebenfiguren und die warmherzige Gemeinschaft von Yellow Creek erinnern nicht umsonst an Stars Hollow – und lassen einen wünschen, man könnte selbst mit Olivia durch den Schnee stapfen.

Ein wunderbar unterhaltsamer Roman, der Romantik, Humor und Female Empowerment zu einem echten Lesevergnügen macht.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Dunkle Geheimnisse

Mord auf der Herreninsel
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Dieser Kriminalroman nimmt einen sofort gefangen – ohne lange Anlaufphase geht es direkt zur Sache: Silke begleitet eine kleine Touristengruppe auf die malerische Herreninsel im Chiemsee, als sie plötzlich ...

Dieser Kriminalroman nimmt einen sofort gefangen – ohne lange Anlaufphase geht es direkt zur Sache: Silke begleitet eine kleine Touristengruppe auf die malerische Herreninsel im Chiemsee, als sie plötzlich eine schreckliche Entdeckung macht. Am Ufer, ganz in der Nähe der Anlegerstelle, liegt die Leiche von Robert Dietrich. Ein grauenhafter Fund, der der Idylle einen dunklen Schatten verleiht.

Kurz darauf wird Kaya, Kriminalkommissarin aus München, nach Prien beordert, um den Fall zu übernehmen. Doch als sie dort auf Silke trifft, ist schnell klar: Die beiden verbindet eine gemeinsame Vergangenheit – eine, die Kaya eigentlich längst hinter sich lassen wollte. Alte Erinnerungen brechen auf, Emotionen flammen auf, während gleichzeitig ein komplexer Mordfall ihre volle Aufmerksamkeit fordert.

Die Ermittlungen gestalten sich zunehmend schwierig. Und als wäre ein Mord nicht genug, wird wenig später eine weitere Leiche gefunden – ausgerechnet der frühere Leiter der örtlichen Polizeidienststelle. Bei der Tatortbesichtigung sorgt ein unheimlicher Zwischenfall für zusätzliches Rätselraten: Ein Mann schleicht sich durch die Szenerie – maskiert mit dem Konterfei von König Ludwig II. Ein verstörendes Bild, das die ohnehin mysteriöse Stimmung noch verstärkt.

Doch damit nicht genug – die Mordserie reißt nicht ab. Die Ermittler tappen lange im Dunkeln, Spuren verlaufen sich, Verdachtsmomente führen ins Leere. Doch genau diese Wendungen, falschen Fährten und überraschenden Enthüllungen machen den Reiz dieses Krimis aus. Spannung ist hier garantiert – bis zur letzten Seite.

Ein besonderes Highlight ist die geschickte Verwebung historischer Elemente: Die Geschichte des Märchenkönigs Ludwig II. wird elegant und atmosphärisch in die Handlung eingeflochten, ohne je aufgesetzt zu wirken. Es entsteht ein eigenwilliger, fast schon märchenhaft-düsterer Klang, der hervorragend zur mystischen Kulisse des Chiemsees passt.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig, klar und dennoch atmosphärisch dicht. Die Figuren sind lebendig gezeichnet, allen voran Kaya, die nicht nur mit einem komplexen Fall, sondern auch mit den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Diese persönliche Ebene verleiht der Geschichte zusätzlich Tiefe und emotionale Spannung.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Ein herzzereissender Roman

Maikäferjahre
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In diesem eindrucksvollen Roman stehen die Zwillingsgeschwister Anni und Tristan im Mittelpunkt – verbunden durch ein unsichtbares Band, das auch durch Krieg, Schmerz und Zeit nicht zerreißen will. Ihre ...

In diesem eindrucksvollen Roman stehen die Zwillingsgeschwister Anni und Tristan im Mittelpunkt – verbunden durch ein unsichtbares Band, das auch durch Krieg, Schmerz und Zeit nicht zerreißen will. Ihre Lebensgeschichten, eng miteinander verwoben und doch durch grausame Umstände getrennt, entfalten sich vor dem erschütternden Hintergrund des Zweiten Weltkriegs mit einer Wucht, die noch lange nach dem letzten Satz nachhallt.

Anni steht zu Beginn des Romans vor einer ungewissen Zukunft: Sie ist schwanger, ihr Ehemann Fritz kämpft fernab an der Ostfront, und die Angst um seine Rückkehr ist ebenso präsent wie die Sorgen um das eigene Überleben im von Entbehrung und Zerstörung gezeichneten Alltag. Gleichzeitig ereilt sie die Nachricht, dass ihr geliebter Bruder Tristan – Pilot der deutschen Luftwaffe – spurlos mit seinem Flugzeug verschwunden ist. Zwei Leben, zwei Wege, zwei Hoffnungen, die auf tragische Weise auseinandergerissen wurden.

Doch das Schicksal dieser Familie wird nicht allein durch Krieg und Trennung bestimmt. In einem weiteren, berührenden Handlungsstrang begegnen wir Adam Loewe – einem jüdischen Musiker mit außergewöhnlichem Talent, der als „Jahrhundertgeiger“ gefeiert werden sollte. Annis Vater erkennt Adams besondere Gabe und setzt sich mutig für dessen Schutz ein. In einer Zeit, in der Menschlichkeit lebensgefährlich war, bezahlt er diesen Einsatz schließlich mit seinem Leben – ein Opfer, das einem noch lange im Gedächtnis bleibt.

Die Autorin versteht es meisterhaft, große historische Zusammenhänge mit tief empfundenen persönlichen Geschichten zu verweben. Jede Figur ist mit Sorgfalt und Liebe gezeichnet – sie tragen nicht nur Namen, sondern Geschichte, Herz und Wunden. Besonders Anni und Tristan berühren mit ihrer stillen Sehnsucht, ihrer Hoffnung und dem nie ganz erloschenen Glauben daran, einander wiederzufinden. Man leidet, bangt und hofft mit ihnen, während sich ihre Wege auf so schmerzhafte Weise durch das Chaos der Zeit bewegen.

Neben den bewegenden Einzelschicksalen gelingt es der Autorin auch, die düstere Atmosphäre jener Zeit eindrucksvoll einzufangen: das Misstrauen, die Angst, aber auch die kleinen Lichtblicke – die zwischenmenschlichen Gesten, die stille Solidarität, die Musik, die noch in der dunkelsten Stunde Trost zu spenden vermag. Dabei wird deutlich: Nicht alle Menschen waren damals Täter oder Mitläufer – manche zeigten Haltung, Mut und Mitgefühl, und zahlten dafür einen hohen Preis.

Wer sich für historische Romane interessiert, die nicht nur Fakten schildern, sondern vor allem das Menschliche in den Mittelpunkt rücken, wird dieses Buch kaum aus der Hand legen können. Mich hat die Geschichte tief berührt – sie ist traurig, ja, und dennoch voller leiser Hoffnung. Ein Roman, der unter die Haut geht – und im Herzen bleibt.

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